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Donnerstag, 21. Mai 2026

Ludwig Wittgenstein und das Mystische

Ludwig Wittgenstein gilt als einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Tractatus Logico-Philosophicus (1921) hat er versucht, die anstehenden Probleme der Philosophie zu lösen und war zunächst auch der Ansicht, dieses Ziel erreicht zu haben. In dem berühmten, während des 1. Weltkriegs entstandenen Buch legt er eine strenge logische Analyse der Sprache vor, die bis an die Grenzen des Denkbaren und Sagbaren reicht. An dieser Grenze, an der die Logik aufhört, meldet sich im Tractatus „das Mystische“. 

Nach Wittgenstein zerfällt die Wirklichkeit in zwei Bereiche: In das, was der Fall ist, die Tatsachen, die sprachlich durch logische Sätze abgebildet werden können, und in das, was jenseits dieser Sphäre liegt: „Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies ‘zeigt’ sich, es ist das Mystische.“ (6.522) Dem Philosophen war bewusst, dass die Beschreibung der Phänomene der Welt keine Antwort auf die Frage gibt, „warum überhaupt Sein und nicht vielmehr Nichts ist” („[...] pourquoi il y a plutôt quelque chose que rien?“) (Leibniz). „Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist.“ (6.44) Wie die Welt ist, kann beschrieben, gemessen und verändert werden. Doch der Ursprung der Existenz dieser Welt liegt im Dunkeln, im Unerforschbaren, im Wunderbaren. Darüber gibt es keine sinnvollen Worte, es kann also nicht mit logischen Sätzen beschrieben werden, es „zeigt sich”, freilich auf eine unabweisbare Art. Denn alles Beschreiben und Erforschen bezieht sich auf eine bereits existierende Welt und ihre Fakten. In jedem Akt des Denkens und Handelns ist dieses Sein enthalten, ohne selbst jemals zum Faktum zu werden. 

Aus der Sicht des Mystischen erscheint das Begrenzte der Welt: CDie Anschauung der Welt sub specie aeternitatis ist ihre Anschauung als begrenztes Ganzes. Das Gefühl der Welt als begrenztes Ganzes ist das mystische.“ (6.45) Wird die Welt mit dem mystischen Auge, im Licht der Ewigkeit" betrachtet, so erscheint sie in ihrer Begrenztheit. Da wir in ihr auf die Mittel der Logik zurückgreifen müssen, um sinnvoll erkennen und agieren zu können, stellt die Struktur der Logik eine unüberwindliche Grenze dar. Was jenseits der Grenze liegt, ist nach logischen Kriterien „unsinnig”, weil es sich nicht auf Tatsachen beziehen kann, die jeder Aussage einen Sinn geben. Die Sprache muss mit ihren logischen Möglichkeiten vor dieser Grenze kapitulieren.  

Das Gefühl des Mystischen

Wittgenstein verwendet an diesem Punkt den Ausdruck des Gefühls. Das Mystische ist über das Gefühl zugänglich. Es ist damit keine Emotion wie Angst oder Freude gemeint, sondern offenbar ein innerer Sinn, der etwas spürt, was er nicht benennen kann. Vielleicht staunt er angesichts der Ahnung vom Absoluten, vielleicht ergreift ihn das Wunder, das sich zeigt, wenn das Bewusstsein aus den Verrichtungen des Alltags heraussteigt und eine entrückte Erkenntnis einbricht. Was Wittgenstein mit dem Gefühl gemeint hat, erläutert er nicht näher. Ebenso wenig geht er darauf ein, was geschieht, wenn wir dem Gefühl Raum geben und es in uns wirken lassen. Wir können aber folgern: Wo das Denken an eine Grenze stößt, öffnen sich neue Möglichkeiten der Erkenntnis, die auf anderen Grundlagen beruhen. Es kann dort eine Weise der Gewissheit über die eigene Existenz gefunden werden, die jenseits der Sprachlogik auf ihre Entdeckung wartet. 

Im Satz 5.6 heißt es: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Der Satz beinhaltet aber nicht, dass es nichts jenseits dieser Grenzen gäbe. Vielmehr besagt er, dass das Jenseits, ähnlich dem Ding an sich bei Immanuel Kant, mit den Mitteln der relativen Sprache und im Rahmen der relativen Zeit nicht verstanden werden kann. Die Sicht auf das Begrenzte kommt bei Wittgenstein aber nicht aus dem Unbegrenzten, sondern aus einer Position an der Grenze zum Mystischen. 

Da die Welt begrenzt ist, können wir von deren Grenze aus auf die relative Welt blicken. In diesem Blick liegt die Distanz zu den Phänomenen, die uns im Leben oft ängstigen, plagen oder langweilen. Wir nehmen ihnen mit dieser Perspektive die dominierende Macht über unser Bewusstsein. Wir erkennen, dass wir die begrenzten Sichtweisen und Einstellungen aus der relativen Welt übernommen haben, mit denen wir uns selbst behindern. Wir können sie also leicht ablegen wie unnützes Gepäck.  

Der Sinn der Welt 

Wir erkennen auch, dass der Sinn der Welt nicht in der Welt selbst liegen kann: „Der Sinn der Welt muss außerhalb ihrer liegen. In der Welt ist alles wie es ist und geschieht alles wie es geschieht; es gibt in ihr keinen Wert – und wenn es ihn gäbe, so hätte er keinen Wert. Wenn es einen Wert gibt, der Wert hat, so muss er außerhalb alles Geschehens und So-Seins liegen. Denn alles Geschehen und So-Sein ist zufällig. Was es nicht-zufällig macht, kann nicht in der Welt liegen, denn sonst wäre dies wieder zufällig. Es muss außerhalb der Welt liegen.” (6.41) 

Der Sinn zeigt sich darin, dass die Fragen nach dem Sinn verschwinden: Die Lösung des Problems des Lebens merkt man am Verschwinden dieses Problems.” (6.521) Der Sinn ist also nur fraglich, solange wir uns in der Sphäre des Relativen aufhalten. Die Probleme, denen wir dort begegnen, ergeben keinen Sinn oder lassen uns am Sinn zweifeln. Wir beginnen, nach einem Sinn zu suchen, werden aber nicht fündig, weil wir nur begrenzte Antworten finden. Im Absoluten ist die Frage verschwunden, weil in der Erfahrung der Präsenz alles beinhaltet, was Sinn macht, oder weil das Erleben allen Sinn in sich trägt.  

Das Subjekt der Erkenntnis 

Wichtig für diesen Zusammenhang ist das Subjekt der Erkenntnis und der Reflexion, das Wittgenstein an der Grenze zwischen dem Relativen und dem Absoluten ansiedelt: Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern es ist eine Grenze der Welt.” (5.632) Es ist klar, dass das erkennende Ich keine Tatsache sein kann, sondern eine Instanz, durch die Tatsachen erst zu Tatsachen werden. 

Das philosophische Ich ist nicht der Mensch, nicht der menschliche Körper, oder die menschliche Seele, von der die Psychologie handelt, sondern das metaphysische Subjekt, die Grenze – nicht ein Teil der Welt.” (5.641) Es gibt also auch ein mystisches Subjekt, das die Erkenntnis grundlegt. Wittgenstein nutzt die Metapher des Sehens: Wir sehen die Welt in ihrer Vielfalt, aber nie das Auge, das all diese visuellen Eindrücke erzeugt. Wie wir ohne Augen keine visuelle Welt kennen können, können wir ohne Subjekt überhaupt keine Objekte kennen oder erkennen; doch beide, die Augen wie das Subjekt kommen nicht in der wahrnehmbaren Welt vor, sondern stellen in der Formulierung von Kant Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung überhaupt” dar. Das erkennende Ich ist an der Grenze der Welt angesiedelt, weil es das Wahrnehmungsfeld aufspannt. Es gehört zu dieser Welt und auch nicht. Es schrumpft zu einem ausdehnungslosen Punkt” (TLP 5.64) zusammen. 

Auch Kant hat ein transzendentales Subjekt der Erkenntnis postuliert. Mit Hilfe der Anschauungsformen (Raum und Zeit) und der Kategorien (z.B. Kausalität) strukturiert es die Wirklichkeit, sodass sie uns in einem sinnvollen Zusammenhang erscheint und durch technische Manipulationen unseren Zwecken dienlich gemacht werden kann. Dieses Subjekt ist nicht Teil dieser Wirklichkeit, sondern eben transzendental, an oder jenseits der Grenze der empirischen Welt.  

Wittgenstein setzt Denken und Sprache gleich. Das philosophische Subjekt ist der Ort der Sprachlogik, die der Welt und ihrer Erkenntnis zugrundliegt. Der Philosoph bringt es nicht wie Kant mit der Vernunft, sondern mit der Sprachstruktur in Verbindung. Damit tilgt er jedes persönliche Element an diesem Subjekt, weil die Sprachlogik unpersönlich ist und allgemein gilt, unabhängig von jedem Individuum.  

Die Grenze der Sprache und das Jenseits 

Mystiker sind Menschen, die sich im Mystischen aufhalten und von dort aus auf die “Welt” in ihrer Begrenztheit blicken können. Wittgenstein allerdings gesteht diese Position nicht zu, weil sie in der philosophischen Reflexion zu einem metaphysischen Dualismus (Die Welt und das Ich) führen würde und weil das Ich eine mystische Dinghaftigkeit bekäme. Er kann das Ich nur als Grenze der Welt verstehen. Sein Bestreben ist die Grenzziehung des Erkennbaren und Wissbaren, bzw. des logisch Darstellbaren. Er beschäftigt sich also mit Erkenntniskritik als Sprachkritik und damit auch – im Sinn dieses Buches – mit einer Kritik der spirituellen Vernunft. Im Tractatus ist jede Möglichkeit, etwas über das auszusagen, was jenseits der Grenze der Sprache liegt, ausgeschlossen: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen” lautet der berühmte Schlusssatz dieses Werkes. Das Verstummen ist kein Verbot des Redens, sondern der Hinweis darauf, dass ein solches Reden Verwirrung erzeugt, wenn es Absolutes mit den Mitteln des Relativen darstellen will. 

Wir müssen uns nicht an dieses Gebot halten. Vielmehr können wir berücksichtigen, dass es im Lauf der Geschichte in verschiedenen Traditionen und Kulturräumen Mystiker gegeben hat, die ins Jenseits weitergehen und Wege gefunden haben, dieses zu erkunden. Das Mystische ist nicht einfach ein unerkennbares „Ding an sich” oder eine Sphäre, in der es nur Unsinn gibt, wie Wittgenstein meint: „Die Grenze wird also nur in der Sprache gezogen werden können und was jenseits der Grenze liegt, wird einfach Unsinn sein.” (Vorrede zum Tractatus). Vielmehr geht es auch hier um einen Erfahrungsbereich mit eigenen Erkenntnisqualitäten und Grenzen. Wittgenstein hatte zwar ein „Gefühl“ für das Mystische, aber keine Erfahrungen, denen er vertrauen konnte. Er suchte seine Sicherheit im logischen Denken und Sprechen und war sich der Grenzen sehr bewusst. Die Erforschung des mystischen Gefühls haben die Mystiker vorgenommen und sind dabei sehr weit gekommen. Und sie haben gelernt, in einer Sprache mit eigener Logik zu sprechen. 


Freitag, 23. August 2024

Dimensionen des Glücks

Wenn es um das Glück geht, wird häufig zwischen Hedonismus und Eudaimonismus unterschieden. Beide Begriffe gehen auf die griechische Philosophie zurück. Mit Hedonismus (griech. hedoné: Vergnügen, Lust, Begierde) wird ein Glückszustand verstanden, der kurzzeitig anhält und möglichst häufig erreicht werden soll. Der psychologische Hedonismus ist eine Theorie, dass alle menschlichen Handlungen auf die Vermehrung von Lust und die Verringerung von Schmerz ausgerichtet sind.

Der Eudaimonismus geht auf Aristoteles zurück, der das Glück mit dem ethisch rechten Handeln in Verbindung brachte. Wenn die Lebensführung dem Guten dient, werden nicht nur die eigenen Fähigkeiten optimal entfaltet, es stellt sich auch ein ausgeglichenes und gelassenes Gemüt ein. Gutes zu tun, trägt einen inneren Wert in sich und führt zur Übereinstimmung mit sich selbst, während böse oder schlechte Taten nicht nur Schaden anrichten, sondern auch zu einer inneren Spaltung und zum Unglück führen. 

Zwei US-amerikanische Psychologen haben eine Studie veröffentlicht, in der sie für eine dritte Dimension des Glücks plädieren. Sie berufen sich dabei auf Friedrich Nietzsche, der seinen Zarathustra im Kapitel „Der Wanderer“ sprechen lässt: „Gipfel und Abgrund – das ist jetzt in Eins beschlossen! Du gehst deinen Weg der Größe: Nun ist deine letzte Zuflucht worden, was bisher deine letzte Gefahr hieß!“ Shigehiro Oishi (Psychologieprofessor in Chicago) und Erin Westgate (Assistenzprofessorin an der Universität von Florida) sehen die Figur des Wanderers als Beispiel für ein „psychologisch reiches Leben“, das sich mit Hedonismus (Glück als Lustmaximierung) und Eudaimonismus (Glück als sinnerfülltes Tun des Guten) nicht zufrieden gibt.

Kognitive Komplexität

Nach den Studien von Oishi und Westgate geht es bei dieser Form des Glücks zunächst um „kognitive Komplexität“. Das mentale Erfassen der Vielgestaltigkeit der Phänomene, ihrer Ambivalenz und Bedeutungsvielfalt ist eine Qualität, die das Wechseln von Perspektiven und das Einnehmen unterschiedlicher Sichtweisen erleichtert. Damit wird die Wirklichkeit mehrdimensional wahrnehmbar und verständlich. Einseitige Standpunkte, monotone Gedankenschleifen oder wiederkehrende emotionale Muster  werden langweilig und überflüssig. Andere Menschen werden nicht mehr auf isolierte Bewertungen festgenagelt („Herr X. ist ein Schwachkopf“), sondern in ihrer Vielschichtigkeit („Herr X. hat mir einen schlechten Rat gegeben, aber sonst ist er ein netter Mensch.“) Das Tun der Menschen, auch wenn es nicht den eigenen Normen entspricht, wird erst aus einer Vielzahl von möglichen Motiven verständlich. 

Menschen, denen diese Form des Glücks vertraut ist, lassen sich gerne überraschen und entdecken mit Vorliebe neue Aspekte an dem, was sie erleben. Oft pflegen sie eine Vielfalt an Interessen. Sie sind in ihren politischen Ansichten offen und lernfähig. Es fällt ihnen leicht, Toleranz zu üben und unterschiedliche Lebensformen oder sexuelle Orientierungen zu akzeptieren. Durch die Flexibilität in ihrem Erleben gelingt es ihnen, aus Erfahrungen, die unangenehm oder irritierend sind, einen Wert zu ziehen und einen positiven Kontext zu finden. Dadurch wird das Ertragen von Belastungen und schlechten Erfahrungen erleichtert. Krisen können als Lernchancen begriffen und genutzt werden.

Diese Form des Glücks taucht auch bei allen Formen der Kreativität auf. Der schöpferische Prozess beinhaltet Momente der Überraschung und des Entdeckens von neuen Möglichkeiten. Er erweitert den Horizont und öffnet neue Perspektiven, für die Person, die das Werk in die Welt bringt, und für alle, die es erleben. Der Vorgang des Schaffens ist häufig von einem erhebenden und mitreißenden Flow-Zustand begleitet: Das kreative Tun wird zu einem Geschehen, das das ganze Innere ausfüllt, ohne irgendeine Kontrolle durch einen kritischen Verstand. 

Die Reise in die Tiefe

Der wandernde Zarathustra ist allerdings jener, der die Reise nach innen sucht und sich mit den Abgründen des Seelenlebens auseinandersetzt: „Tiefer hinab in den Schmerz, als ich jemals stieg, bis hinein in seine schwärzeste Flut! So will es mein Schicksal.“ In dieser Seelentiefe ist das Höchste zu finden: „Aus dem Tiefsten muss das Höchste zu seiner Höhe kommen.“

Nach Nietzsche und auch nach den Lehren vieler spiritueller Meister und Mystiker kann das höchste Bewusstsein nur erreicht werden, wenn die inneren Dämonen konfrontiert werden. Es sind Schmerzen und Ängste, die in diesen Gestalten stecken. Sie müssen erfahren, durchlebt und entmachtet werden, um in die Tiefenschichten der Seele vorzustoßen und dort das höchste Potenzial freizulegen, über das Menschen verfügen. Dort findet sich eine Form des Glücks, das völlig frei ist von äußeren Bedingungen und aus einer tiefen Quelle des eigenen Seins fließt.

Oishi und Westgate haben ihre Studie mit amerikanischen Studenten gemacht. Sie ist deshalb nur beschränkt aussagekräftig, was die Motive und Glücksstrategien der Menschen anbetrifft. Auch scheint der Begriff des Eudaimonismus, den sie verwenden („Glück durch Sinn und Bedeutsamkeit“), wenig mit dem Glücksverständnis von Aristoteles zu tun zu haben. Und schließlich finde ich den Begriff des „psychologischen Reichtums“ als nicht sehr glücklich gewählt. Zwar ist es nachvollziehbar, dass Psychologen ihrer Wissenschaft die höchste Bedeutsamkeit zumessen, doch scheint das Phänomen, das sie untersucht haben, weit über die Psychologie und ihr Fachgebiet hinauszugehen. Außerdem sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass man ein Psychologiestudium für diese Form des inneren Reichtums braucht.

Geo-Artikel zu dem Thema

Zum Weiterlesen:
Das Geheimnis der Lebensfreude
Das individuelle Glück und die Ungeheuerlichkeit des Leids
Der Mythos vom verlorenen Glück


Sonntag, 8. November 2020

Die Krisen und der Sinn

 Gemeinsinn  und Hintersinn

Der niedere oder der gemeine Sinn ist etwas, was wir aus persönlichen Motiven den Ereignissen anhängen. Sinn macht, was uns weiterhilft, was uns einen Erfolg gibt, was uns Freude bereitet, was uns mit anderen verbindet usw. Es gibt auf dieser Ebene die wichtige Unterscheidung zwischen dem Guten und dem Bösen. Wir können egoistischen und kurzfristigen Sinn darin finden, anderen zu schaden und uns auf ihre Kosten materiell oder emotionell zu bereichern. Der Sinn solcher Handlungen liegt darin, innere Ängste und Frustrationen zu überwinden. Er dient nur einem selber, während er anderen etwas wegnimmt. Das gute Handeln dagegen dehnt den Sinn vom Selbst zum Anderen aus. Es bereichert beide und wirkt wechselseitig.

Weiters gibt es noch so etwas wie einen Hintersinn, den wir mit psychologischen Methoden ausforschen können. Das Unbewusste hat seine eigene Sinnagenda, die der offiziellen Sinngebung nicht immer entspricht. In der psychologischen Innenerforschung oder mit therapeutischer Hilfe finden wir heraus, welche unbewussten Absichten unsere Handlungen antreiben, vor allem jene, die wir als störend, selbstwertschädigend oder sozial problematisch erleben. Indem wir den Hintersinn verstehen, lernen wir uns selber besser kennen und erweitern unsere Handlungsmöglichkeiten. Z.B. erkennen wir, dass wir unfreundlich zu einem unserer Kinder waren, weil wir von den eigenen Eltern in einer ähnlichen Situation abwertend behandelt wurden.

Der höhere Sinn

Einen höheren Sinn suchen wir, wenn uns gravierende Ereignisse, die uns in der Realität begegnen, unverständlich sind oder große Probleme bereiten, mit denen wir hadern und denen wir uns hilflos ausgeliefert fühlen. Vielen Menschen geht es während der gegenwärtigen Covid-Krise so – es gibt keine Verursacher, die einfach ausgeschaltet werden können, keine Strategien, die die Bedrohung restlos ausmerzen, und wir müssen massive Veränderungen und Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen hinnehmen. 

Das zweite Thema, das dieser Tage in unserem Land präsent ist, ist der Terror, durch den völlig sinnlos Leben ausgelöscht werden, Verletzungen und Traumatisierungen entstehen. Manche Augenzeugen berichten, dass sie dazu auch andere Erfahrungen machten: Über die enorme Hilfsbereitschaft, über gegenseitige Unterstützung und geduldiges Annehmen der Situation bei vielen, die diese Nacht in irgendwelchen Kellern oder verbarrikadierten Lokalen zubringen mussten. Ein Betroffener sagte, dass ihn diese Erfahrungen im Erkennen des Guten im Menschen gestärkt haben – also eine Sinnstiftung aus dem Zentrum der Sinnlosigkeit. Die Sinnfrage führt in Paradoxien.

Wenn das, was geschieht, auf der individuellen Sinnebene jedem Sinn widerspricht, dann stellt sich die Frage, ob es nicht auf einer höheren Ebene einen Sinn gibt, der es erlaubt, die widrigen Umstände zu verstehen und mit ihnen in Frieden zu kommen.

Religiöse Sinnsysteme

Viele religiösen und spirituellen Lehren bieten einen solchen höheren Sinn an, der die Widersprüche des praktischen Lebens überwinden soll. Begnüge dich nicht mit dem, was dir in deiner kleinen Lebensperspektive mit ihrem Auf und Ab Sinn oder Sinnleere gibt, sondern suche den Sinn von allem in einem großen Ganzen: Das ist eine Perspektive, mit der viele Sucher auf den Weg gehen. Der Sinn kann z.B. darin gesehen werden, dass es einen Gott gibt, der das alles so eingerichtet hat und für den Sinn garantiert, auch wenn wir mit unserem beschränkten Geist nicht immer kapieren, worin er gerade liegt. Wir verlassen uns auf eine höhere Instanz, die uns einen höheren Sinn verspricht. 

Hier liegt das Problem in einer gewissen Redundanz. Gott ist die Sinninstanz. Alles, was wir nicht verstehen, versteht Gott. Wenn wir an ihn glauben, wird der Sinn mitgeliefert. Wir glauben also auch an die Sinnhaftigkeit der Welt mit all ihren Vorkommnissen, sobald wir an Gott glauben. Nichts und niemand jedoch garantiert uns, dass es diesen Gott überhaupt gibt. Er ist also nur eine Konstruktion unserer Glaubensimagination, und ebenso konstruieren wir den höheren Sinn, der von dieser Instanz beigestellt wird. Der höhere Sinn hängt also an der Existenz Gottes, die wir nur durch den Glauben sicherstellen können. Manche Theologen sprechen deshalb davon, dass sie glauben, weil es absurd ist. 

Außerdem löst der Gottesglaube die Frage nach der Akzeptanz und Sinnfindung in einem ganz wichtigen Bereich nicht: Wie ist es mit dem Bösen, das in der Welt geschieht, warum verhindert die göttliche Macht nicht jede Unmenschlichkeit? Was ist der Sinn in Mordanschlägen oder in Epidemien, die Menschenleben dahinraffen? Warum lässt ein Gott die Übel zu? Da braucht es umständliche und unbefriedigende Konstruktionen, eine weise und liebende Gottesvorstellung mit dem äußerst mangelhaften Zustand seiner Schöpfung in Einklang zu bringen. Gerade das Zurechtkommen mit den großen Herausforderungen der Menschheit und des individuellen Lebens erfordert intellektuelle Anstrengungen und das Begehen von verschlungenen Umwegen, bei denen der Sinn erst recht wieder auf der Strecke bleibt.

Es stellt sich zusätzlich die Frage, ob wir in der Sinnerwartung, die wir an Gott richten, nicht einem Autoritätsglauben folgen, der uns in der Kindheit selbstverständlich geworden ist. Als Kinder waren unsere Eltern die Haupt- und Zentralsinnstifter, gewissermaßen das Zentralorgan der Wahrheit und Sinnhaftigkeit wie die Parteizeitungen in Diktaturen. Andere konkurrierende Sinninstanzen sind erst später aufgetaucht. In unserer Unerfahrenheit haben wir anfangs alles für bare Münze genommen, was uns die Eltern beigebracht haben, ob es nun der Wirklichkeit und der emotional-sozialen Stimmigkeit entsprochen hat oder nicht. Es war jedenfalls eine relativ geschlossene Welt, in der die Sinnhaftigkeit von den Eltern garantiert war und die wir uns zurückwünschen, wenn wir als Erwachsene mit Unsicherheiten konfrontiert sind. Andererseits beinhaltet das Erwachsenensein die Fähigkeit, mit Ungewissheit zurechtzukommen. Wir neigen zur Regression, zum Flüchten ins Kindsein, wenn wir mit der Komplexität der erwachsenen Welt nicht zurechtkommen. Wir sind nie vollkommene Erwachsene und sollten uns dafür auch nicht verurteilen. Wir sollten uns allerdings bewusst sein, in welchem mentalen Zustand wir uns jeweils befinden, damit wir uns nicht selber täuschen und unsere Mitmenschen verwirren. 

Aus diesem Grund ist nichts falsch an einem Gottesglauben, wie auch am Nicht-Gottesglauben. Wir sollten uns bloß über die Motive im Klaren sein, die das Bedürfnis nach dem Glauben hervorbringt. Brauchen wir eine äußere Sinninstanz, die dem, was uns begegnet, einen höheren Sinn verleiht, dann können wir sie für den Zweck nutzen, uns mit Widrigkeiten auszusöhnen. Nutzen wir diese Sinninstanz nicht, so können wir auf anderen Wegen in Frieden mit der Wirklichkeit kommen.

Die Mystik und der Sinn

Der mystische oder spirituelle Zugang zu dieser Frage ist prinzipiell von religiösen Ansätzen verschieden. Religionen bieten Modelle oder Konstruktionen an, die aus etablierten Traditionen stammen, die meistens von göttlichen oder gottähnlichen Lehrern begründet wurden. Das Glauben selber ist zwar immer ein individueller Akt, aber bezieht sich auf vorgegebene Formen. Dazu kommt der Aspekt der Gemeinschaft der Gläubigen, die den vorgegebenen Modellen eine aktuelle soziale Unterstützung beistellt.

Beim genuin spirituellen Zugang geht es um die Bewusstheit im Moment, in dem, was jetzt gerade ist. Dieses jeweils aktuelle Erleben ist in sich sinnhaft, es braucht deshalb keine äußere Sinngebung oder zusätzliche Sinnperspektive. Im Moment der Erfahrung ist alles so, wie es ist, weder höher noch niedriger in seiner Sinnhaftigkeit. Jeder Moment ist einem anderen gleichwertig. 

Natürlich können wir diesen Grad an Bewusstheit nicht dauernd halten und fallen leicht durch Gewohnheiten, Ablenkungen und äußere Einflüsse heraus, die uns mit Sinnfragen konfrontieren. Wir fallen zurück in das Suchen nach Konzepten und Modellen, die uns verstehbar machen, was so schwer zu akzeptieren ist. Wir klammern uns an äußere Hilfen und Unterstützungsgerüste, um die Wirklichkeit annehmen zu können und handlungsfähig zu bleiben. 

Wir sollten uns in solchen Phasen nur darüber bewusst sein, dass wir gerade nicht unser volles erwachsenes Lebenspotenzial verwenden, sondern auf eine frühere Stufe unserer inneren Entwicklung zurückgegangen sind. Als Erwachsene benötigen wir keinen zusätzlichen Sinn, weil alles, was geschieht, seinen Sinn in sich trägt. Wir tun, was zu tun ist, nicht, weil es den Sinn vermehrt, sondern weil es aus unserem Inneren kommt und unserer Wirklichkeitserfahrung entspricht. Wenn uns unangenehme Erfahrungen begegnen, wenn wir uns mit Katastrophen und Krisen auseinandersetzen müssen, schauen wir darauf, was Abhilfe schaffen kann und setzen uns dafür ein statt nach dem Sinn zu suchen.

Was geschieht, im Außen und im Inneren, ohne oder mit unserem Zutun, braucht keinen Sinn. Sinn benötigen wir dann, wenn wir mit dem, was geschieht, in Zwiespalt geraten, indem wir nicht verstehen können und akzeptieren wollen, was uns die Wirklichkeit präsentiert. 

Zum Weiterlesen:

Vom Anfang und vom Ende der Sinnfrage

Krisenängste und ihr Jenseits


Dienstag, 1. Oktober 2019

Metamoderismus - eine Übersicht

Mit Metamoderismus wird eine Stufe der Gesellschaftsentwicklung bezeichnet, die nach der Moderne und Postmoderne erreicht wird.  der Begriff bedeutet so viel wie dass die Menschen durch die Moderne hindurchsehen können, als auch, dass sie über sie hinaus und jenseits von ihr blicken können.
Drei miteinander verschränkte Versionen des Begriffs Metamodernismus müssen berücksichtigt werden:

Eine kulturelle Phase

Die erste Bedeutung von Metamoderismus meint, dass es eine kulturelle Phase gibt, die sich als Zeitgeist durch alle Sphären der Kultur zieht, ähnlich wie in der Romantik oder Barockzeit. Es gab Zeitalter in der Geschichte, die von einer vorherrschenden Stimmung, Schwingung und kulturellen Logik geprägt waren, die auf die Umstände und Ereignisse der jeweiligen Zeit reagierten.

Eine Entwicklungsstufe

Mit diesem Ausdruck wird auf die Verortung des Metamoderismus in einer Entwicklungslogik Bezug genommen. Damit ist gemeint, dass  es qualitative Umschwünge zwischen den einzelnen Stufen gibt, wobei spätere Stufen auf den vorigen aufbauen, aber nicht umgekehrt. Damit weisen spätere Phasen einen höheren Komplexitätsgrad auf als frühere. Vergleichbar der menschlichen Entwicklung, bei der die Jugendzeit auf der Kindheit und den dort erworbenen Fähigkeiten aufbaut, beruhen die Fortschritte der Postmoderne auf den Errungenschaften der Moderne und nicht umgekehrt.

Ein philosophisches Paradigma

Unter einem Paradigma wird eine grundlegende Weltsicht verstanden, die eigene Formen von Wissenschaft, Politik, Ökonomie, Kultur und Selbstwissen umfasst, ähnlich wie die Aufklärung des 18. Jahrhunderts mit der liberalen Demokratie, dem Kapitalismus, der Person als Individuum und den modernen Wissenschaften verbunden war.

Um eine vage Idee der metamodernen Weltsicht zu bekommen, habe ich die langen Listen aus dem Anhang des Hanzi-Freinacht-Buches „The Listening Society“ übersetzt; jeder einzelner der Punkte müsste natürlich näher erläutert und diskutiert werden, und dazu dient eben das Buch. Also lieber Leser, liebe Leserin: Durchtauchen, ohne den Anspruch, alles und jedes zu verstehen, geschweigedenn für richtig oder gut zu befinden!

Die metamoderne Haltung zum Leben


·        Außerordentliche Ironie und Ernsthaftigkeit, zugleich
·        Extremer Idealismus und extremer Machiavellismus.
·        Gott ist tot und der Humanismus stirbt, d.h. die Bedeutungsgebung muss jeder selbst vornehmen.
·        Die intellektuelle Einsicht und das intuitive Spüren der inneren wechselseitigen Verbundenheit von allem: „Das Universum in einem Sandkorn“.
·        Die paradoxe, selbstwidersprüchliche, immer unvollkommene und gebrochene Natur der Gesellschaft, Kultur und der Wirklichkeit selbst zu akzeptieren und damit zu gedeihen.
·         Eine allgemeine Sowohl-als auch-Perspektive
o   sowohl die politische Linke als auch die politische Rechte
o   Sowohl historische Individuen als auch soziale Strukturen
o   Sowohl Verwaltung und Regierung von oben nach unten als auch von unten nach oben.
o   Sowohl objektive Wissenschaft als auch subjektive Erfahrung.
o   Sowohl Kooperation als auch Konkurrenz.
o   Sowohl extremer Säkularismus als auch ernsthafte Spiritualität.
·        Sowohl eine systematische Philosophie (wie Platon und die Naturwissenschaften) als auch eine prozessorientierte Philosophie mit offenem Ende (wie Nietzsche oder die kritischen Sozialwissenschaften)
·        Die Erkenntnis der Unbeständigkeit aller Dinge, dass das Leben und die Existenz immer im Fluss sind, ein Prozess des Werdens, der Emergenz, der Immanenz und des immerpräsenten Todes.
·        Die Sicht auf das normale bürgerliche Leben und seine assoziierte Normalität und professionelle Identität als ungenügende Manifestationen der Größe und Schönheit der Existenz.
·        Die Übernahme einer spielerischen Haltung zum Leben und zur Existenz, eine Leichtigkeit, die von uns die tiefste Ernsthaftigkeit erfordert, in Hinblick auf die stets verfügbaren Potenziale von unvorstellbarem Leiden und Glücklichsein.

Die metamoderne Sicht der Wissenschaft

  •  Die Anerkennung der Wissenschaft als unverzichtbare Form des Wissens.
  •  Die Sichtweise, dass die Wissenschaften immer kontextual und die Wahrheit immer vorläufig ist – dass die Wirklichkeit immer noch tiefere Wahrheiten beinhaltet.
  •  Das Verständnis, dass unterschiedliche Wissenschaften und Paradigmen gleichzeitig wahr sind; das viele ihrer Widersprüche oberflächlich sind und auf Fehlwahrnehmungen oder Übersetzungsfehlern beruhen.
  •  Die Erkenntnis, dass es grundlegende Einsichten und relevantes Wissen in allen Stufen der menschlichen Entwicklung gegeben hat, darunter das tribale Leben, der Vielgötterglaube, die traditionelle Theologie, die moderne Industrialisierung und die postmoderne Kritik.
  •  Die Verkörperung der Nichtlinearität in allen nichtmechanischen Zusammenhängen wie Gesellschaft und Kultur. Nichtlinearität heißt, dass sich der Output eines Systems nicht proportional zum Input verhält.
  •  Das Hochhalten einer fallsensitiven Skepsis gegen mechanische Modelle und lineare Kausalbeziehungen.
  •  Eine systemische Lebenssicht mit der Erkenntnis, dass alle Dinge Teil von selbstorganisierenden Systemen von unten nach oben sind: von subatomaren Einheiten zu Atompartikeln zu Molekülen zu Zellen zu Organismen.
  •  Die Einsicht, dass Dinge lebendig und selbstorganisierend sind, weil sie auseinanderfallen – dass das Leben immer ein Wirbelwind der Zerstörung ist: Der einzige Weg zur Erschaffung und Aufrechterhaltung eines geordneten Musters besteht darin, eine entsprechende Unordnung zu erschaffen. Das sind die Prinzipien der Autopoiesis: Entropie (Dinge zerfallen) und negative Entropie (das Auseinanderfallen macht das Leben möglich).
  •  Die Akzeptanz einer verbindenden, übergreifenden Weltsicht, die alle Menschen und andere Organismen haben, eine tolle Geschichte oder eine überragende Erzählung; deshalb die Akzeptanz der Notwendigkeit einer die ganze Welt übergreifenden Geschichte. Wer eine solche Geschichte erzählt, sollte das leicht halten, denn sie kann nie frei von Fiktion sein.
  •  Das Wichtignehmen von ontologischen Fragen, d.h. die Frage sollte in Wissenschaft und Politik leitend sein, „was wirklich wirklich ist.“

Die metamoderne Sicht der Wirklichkeit

  • Die Einsicht in die fraktale Natur der Wirklichkeit und der Entwicklung und Anwendung von Ideen, dass alles Verstehen darin besteht, dass wiederverwendete Elemente von anderen Formen des Verstehens übernommen werden.
  • Eine antiessentielle Position einnehmen: Kein Glaube an „ultimative Wesenheiten“ wie Materie, Bewusstsein, das Gute, das Böse, Männlichkeit, Weiblichkeit oder ähnliches – sondern dass all diese Themen kontextual sind und Interpretationen, die aus Beziehungen und Vergleichen bezogen werden.  Auch die vielgepriesene „Bezogenheit“ ist kein Wesen des Universums.
  • Die Aufgabe des Glaubens an ein atomistisches und mechanistisches Universum, in dem die letztliche Sache die Materie ist, sondern vielmehr die Sichtweise, dass die letztliche Natur der Realität eine große Unbekannte ist, die wir metaphorisch durch unsere Symbole, Wörter und Geschichten einfangen müssen. Darin kann die Welt so gesehen werden, dass sie wieder und wieder neu geboren wird.
  • Die Erkenntnis, dass die Welt radikal, unbeugsam und vollständig sozial konstruiert ist, immer relativ und kontextgebunden.
  • Die Erkenntnis, dass die Welt durch komplexe Interaktionen seiner Teile emergiert und dass unser intuitives Verstehen meistens viel zu statisch und monokausal abläuft. Diese Komplexität ist das fundamentale Prinzip nicht nur der Meteorologie, sondern auch der Sozialpsychologie.
  • Die Akzeptanz der Notwendigkeit von Entwicklungshierarchien – mit der kritischen Vorsicht in Bezug auf die Art der Beschreibung und Verwendung. Diese Hierarchien müssen empirisch studiert und nicht willkürlich vermutet werden.
  • Die Erkenntnis, dass die Sprache und damit all unsere Weltbilder durch einen viel größeren Raum von möglichen, nie konzeptualisierten Welten reisen; dass sich die Sprache entwickelt.
  • Die holistische Weltsicht, in der Dinge wie wissenschaftliche Fakten, Perspektiven, Kulturen und Emotionen interagieren.
  • Die Erkenntnis, dass Information und Informationsverarbeitung fundamental für alle Aspekte der Realität und der Gesellschaft ist: von den Genen zu Memen zu Geldsystemen, Wissenschaft und politischen Revolutionen.
  • Die Akzeptanz einer informationellen darwinistischen Sichtweise, bei der sowohl die Gene (Organismen) als auch die Memes (die Kulturmuster) um das Überleben in einem Prozess der Entwicklungsevolution konkurrieren, der die negative Auslese beinhaltet (dass schlechter angepasste Gene und Meme aussterben, aber als Möglichkeiten erhalten bleiben).
  • Die Erkenntnis, dass die darwinistische Evolution gleichermaßen von wechselseitiger Kooperation und Konkurrenz abhängt und beide immer miteinander verwoben sind.
  • Die Erkenntnis des dynamischen Wechselspiels zwischen dem Universalen und Partikularen, in dem z.B. Menschen in komplexeren Gesellschaften individualistischer werden, was wiederum zur Entwicklung von komplexeren Gesellschaften führt, in denen die Menschen unabhängiger werden und universellere Werte benötigt werden, um einen Zusammenbruch zu vermeiden.
  • Die Erkenntnis, dass die Welt nach einer dialektischen Logik funktioniert, in der die Dinge immer gebrochen sind, sozusagen  „nach hinten taumeln“; dass die Dinge immer nach einer unmöglichen Balance streben und dass zufällige Bewegungen den ganzen Tanz erschaffen, den wir die Realität nennen. Also verfügt die Entwicklung der Wirklichkeit über Direktionalität, doch wir sind immer blind für diese Richtung; von da kommt die Metapher des „Rückwärts-Taumelns“.
  • Die Erkenntnis, dass die Wirklichkeit grundlegend ein offenes Ende hat und sozusagen gebrochen ist, selbst in ihrer mathematischen und physikalischen Struktur, wie das Gödel in seinem Unvollständigkeitstheorem gezeigt hat und wie einige Schlüsselentdeckungen der modernen Physik belegen.
  • Die Anerkennung, dass Potenziale und Potenzialität die fundamentalste oder „realere“ Realität konstituieren, und weniger Fakten und Aktualitäten. Was wir üblicherweise als Realität bezeichnen, ist nur  „Aktualität“, ein Stückchen eines unendlich größeren, hyperkomplexen Kuchens. Aktualität ist nur ein „Fall von“ einer tieferen Realität, die die „absolute Totalität“ genannt wird.
  •  Das Erleben von Visionen von Panpsychismus, d.h. dass das Bewusstsein überall im Universum ist und dass es so real ist wie Materie und Raum. Aber Panpsychismus sollte nicht mit animistischen Visionen verwechselt werden, bei denen alle Dinge „Geister“ haben.

Metamoderne Spiritualität, Existenz und Ästhetik

  •  Das Ernstnehmen von existentiellen und spirituellen Sachen; die Sichtweise von Humanität, Intelligenz und Bewusstsein als Ausdrücken von höheren Prinzipien, die im Universum enthalten sind.
  •  Die Erkenntnis, dass sich esoterische, spirituelle Disziplinen und Weisheitstraditionen im Osten und Westen auf wirkliche Einsichten von großer Bedeutung beziehen – eine Anerkennung der Wichtigkeit von Mystizismus.
  •  Das Verfügen über einer sorgfältigen, unwissenden und explorativen Denkweise in Hinblick auf Spiritualität und Existenz.
  •  Das Verständnis, dass sich höhere, weitere subjektive Zustände auf höhere existentielle und spirituelle Wahrheiten beziehen als die meisten Erfahrungen des täglichen Lebens.
  •  Die Einsicht, dass die innere Erfahrung – und die direkte Entwicklung der Subjektivität von Organismen – zentral für alles ist, und das ist vielleicht die Hauptzutat, die in der Perspektive der modernen Welt fehlt; die Anerkennung der inneren Erfahrung ist oft der goldene Schlüssel zum Umgang mit sozialen Problemen.
  •  Das Ernstnehmen von philosophischen, kulturellen und ästhetischen Angelegenheiten, weil sie als inhärente Dimensionen der Realität angesehen werden.
  • Die Schaffung von Kunst und Architektur, die auf die Tiefe und das Geheimnis der Existenz anspielt, ohne zu offensichtlich zu sein oder mit Ratschlägen oder Wirklichkeitskonzepten zu kommen.
  • Die Unterstützung eine Spiritualität, die demokratisch, intersubjektiv, teilhabend, wissenschaftlich unterstützt und zweiseitig ist, anstelle von traditionellen Wegen, Lehrern, Gurus oder Autoritäten.
  • Die Erkenntnis, dass sowohl spirituelle als auch nichtspirituelle Lebenserfahrungen und Weltbilder grundsätzlich in Ordnung sind. Spiritualität und Nicht-Spiritualität: Keines von beiden ist in sich besser als das andere.
  • Das Verstehen, dass Menschen grundsätzlich verrückt sind, dass unser alltagsbewusstsein keine gesunde Reflexion der Wirklichkeit erlaubt, sondern eine bizarre, psychotische Halluzination darstellt, die äußerst relativ, erfunden und willkürlich ist.
  • Die Intuition, dass die zentrale spirituelle und existentielle Einsicht die Vollendung der absoluten Totalität darstellt, wie sie schon immer ist; dass es eine makellose, erhabene Klarheit unterhalb all des Chaos und der Widersprüchlichkeit gibt; dass es eine darunterliegende Eleganz sogar in den oft tragischen, höllenähnlichen Erfahrungen des Lebens gibt; versteckt im sozusagen auf dem Präsentierteller. Das kann als die Erkenntnis des grundlegenden Gutseins bezeichnet werden. 

Die metamoderne Sicht der Gesellschaft

  • Die Erkenntnis, dass es keinen fundamentalen Unterschied zwischen Natur und Kultur gibt.
  • Die Erkenntnis, dass wir in einer neuen Ära der Technologie leben (das Informationszeitalter) und dass sich die menschlichen Gesellschaften durch unterschiedliche Entwicklungsstufen zum Besseren oder Schlechteren weiter entfalten.
  • Der Glaube, dass die Geschichte eine Art von Gerichtetheit hat, die auf Logik beruht, dass aber diese Gerichtetheit nie sicher gewusst sein kann, sondern nur metaphorisch und als Geschichte – spielerisch und zweckvoll.
  • Der Glaube, dass wir das Wissen, das wir über die Gesellschaft haben, immer zu einer Art von darüber gespanntem Narrativ zusammenfügen können, eine Meta-Erzählung, aber dass diese Metaerzählung nie für eine komplette Synthese gehalten werden darf, sondern immer nur als notwendige Protosynthese, unter kritischer Beobachtung.
  • Das Einnehmen einer nomadischen Sichtweise des sozialen Lebens; das Wissen, dass unser „Selbst“ Teil eines sozialen Flusses ist, einer Reise – und dass wir im Internet-Zeitalter mit unseren virtuellen Identitäten tribaler und nomadischer werden.
  • Das Feiern der teilhabenden Kultur und der Ko-Kreation der Gesellschaft durch nichtlineare interaktive Prozesse, bei denen das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
  • Die Erkenntnis der Wichtigkeit von kollektiver Intelligenz (nicht zu verwechseln mit einem kollektiven Bewusstsein nach C.G. Jung; das gehört nicht zum metamodernen Paradigma). Kollektive Intelligenz ist die Fähigkeit einer Gruppe oder Gesellschaft, Probleme zu lösen und auf kollektive Herausforderungen zu reagieren.
  • Das Verständnis, dass Technologie nicht neutral ist, nicht nur ein „Werkzeug in unseren Händen“, sondern dass sie ihre eigenen Pläne und ihre eigene Logik entwickelt, die die Geschichte formt und steuert.
  • Die Erkenntnis, dass die Nachhaltigkeit und Resilienz eine Grundfrage allen sozialen Lebens ist.
  • Die Erkenntnis, dass die Sexualität und die sexuelle Entwicklung ein weitgehend übersehenes zentrales Stück im Mainstream-Verständnis aller menschlichen Gesellschaften darstellt. Die Sexualität hat eine besondere erklärende, verhaltenssteuernde und voraussagbare Kraft.
  • Die Erkenntnis, dass das „Alltagsleben“ etwas ist, das die Menschheit übersteigen kann und soll, zugunsten einer aktuelleren und authentischeren Lebensweise und Gemeinschaft.
  •  Das Ernstnehmen der Rechte und der Lebenserfahrung aller Tiere, der menschlichen wie der nichtmenschlichen. Die menschliche Gesellschaft ist nur eine kognitive Kategorie, und diese Kategorie kann genausogut alle Kulturen, alle tiefenökologischen Wesenheiten (Ökosysteme, Biotope) und alle fühlenden Wesen miteinschließen. 

Das metamoderne Menschenbild

  • Die Erkenntnis, dass die Menschen verhaltensgesteuerte organische „Roboter“ sind, kontrolliert von unseren Reaktionen auf die Umwelt, und dass wir zugleich subjektive, selbstorganisierende und lebendige Wesen mit großer existentieller Tiefe sind.
  •  Die Erkenntnis, dass meine Identität und mein „Selbst“ letztlich nicht mein Körper oder die Stimme, die aus meinem Kopf redet, sind; oder zumindest, dass meine grundlegende Identität nicht durch diese Alltagskonzeption von einem Selbst (mein Körper und die Stimme, die aus meinem Kopf redet), das, was manchmal als das „Ego“ bezeichnet wird, erschöpft ist. Das Ego ist nur eine Idee, ein Wahrnehmungsobjekt wie jede andere erfundene Kategorie, die ein Objekt bezeichnet.
  • Die Übernahme einer tiefenpsychologischen Haltung zur Menschheit, mit der Erkenntnis, dass ihr Bewusstsein transformierbar ist durch die Veränderung des fundamentalen Sinns von Selbst und von Realität. Das kann durch Psychoanalyse und Liebesbeziehungen genauso wie durch athletische, ästhetische, erotische, intellektuelle und spirituelle Übungen erreicht werden, wobei die kontemplative Mystik als besonders wertvoller Weg herausragt.
  •  Die Erkenntnis, dass jede Person eine dreidimensionale Sicht der Wirklichkeit hat, die aus einer Ontologie besteht (ein starker Sinn dafür, was wirklich ist), einer Ideologie (ein starker Sinn dafür, was richtig ist) und einem Selbst (ein starker Sinn für den eigenen Platz in der Wirklichkeit) – und dass diese drei Dimensionen als Muster beschrieben werden können, das sich reihenförmig in Entwicklungsstufen entfaltet.
  • Die Erkenntnis, dass sich verschiedene menschliche Organismen auf grundlegend unterschiedlichen Entwicklungsniveaus befinden und deshalb sehr verschiedene Verhaltensmuster aufweisen.
  •  Das Verständnis eines transpersonalen Menschenbildes, in dem die tiefsten inneren Tiefen intrinsisch mit den scheinbar starren Strukturen der Gesellschaft verknüpft sind. Das menschliche Wesen ist nicht individuell – seine tiefste Identität reicht durch und jenseits des Individuums, der Person. Die „Person“ ist nur eine Maske, eine Rolle, abhängig vom jeweiligen Kontext. Sie ist nicht im Individuum enthalten, selbst wenn der menschliche Organismus mit der Verhaltenswissenschaft beschrieben werden kann.
  • Die Erkenntnis, dass in einer transpersonalen Sichtweise die individuellen Leute für nichts beschuldigt werden können. Jeder Moralismus ist nutzlos. Das führt zu einem radikalen Akzeptieren der Leute wie sie sind; ein radikales Nicht-Urteilen, das auch als ziviles, unpersönliches und säkulares Angebot der Nächstenliebe beschrieben werden kann.
  • Die Erkenntnis, dass das menschliche Dividuum viele Schichten aufweist, dass es zugleich Tier, „Mensch“ mit einer Vielzahl von Rollen ist, mit höheren Potenzialen in ihm – und dass es durch Interaktionen solcher Schichten innerhalb verschiedener Menschen geboren wird. Daraus folgen einige wichtige Implikationen:

o   Die vielschichte Psyche hat zugleich unbewusste, bewusste und überbewusste Prozesse (wobei die überbewussten Prozesse höhere und subtilere Intelligenz wie universelle Liebe, philosophische Einsicht, tiefste künstlerische Inspiration usw. umfasst.)
o   Die höheren Schichten der Psyche folgen generelleren, abstrakteren und universelleren Logiken, während die tieferen Schichten gröberen, selbstbezogeneren und konkreteren Logiken folgen. Aber sie arbeiten gleichzeitig und interagieren miteinander.
o   Die vielschichtige Natur der dividuellen Seele besagt, dass wir oft die unbewussten und überbewussten Schichten aneinander wahrnehmen können; wir können oft andere besser verstehen als uns selbst. Deshalb sind Praktiken wie Psychoanalyse oder Psychiatrie möglich. Das heißt auch, dass meine Handlungsfähigkeit aus dir abstammen kann und umgekehrt.
o   Diese transpersonale Sichtweise behauptet, dass unsere Selbste und selbst unsere Körper nicht „abgesiegelt“ oder „autonom“ sind; wir entwickeln uns zusammen in einem großen vieldimensionalen Netzwerk. Dieses Netzwerk folgt einer Logik, die sich für unseren individuellen Denkprozess oft sehr fremd anfühlt.
  •  Das Anerkennen des nicht absprechbaren Rechts jeder Kreatur, zu sein, wer sie ist.
  •  Ein nichtanthropozentrisches Bild der Wirklichkeit, in dem die menschliche Erfahrung nicht als das Maß aller Dinge angesehen wird.
  •  Die Akzeptanz der Idee, dass sich die Biologie und grundlegende Lebenserfahrung durch Wissenschaft und Technologie ändern kann und wird, was als Transhumanismus bezeichnet wird.
  • Das Ausweiten der Solidarität zur nächstmöglichen Solidarität: Liebe und Fürsorge für alle fühlenden Wesen, zu allen Zeiten, aus allen Perspektiven, von der größtmöglichen Tiefe unseres Herzens.


Der Text stammt aus dem Buch: Hanzi Freinacht: The Listening Society. A Metamodern Guide to Politics. Book One. Metamoderna 2017, S. 361 - 370, Übersetzung mit leichten Kürzungen.

Hanzi Freinacht wurde von den schwedischen Wissenschaftlern Daniel Görtz und Emil Ejner Friis erfunden.



Dienstag, 16. Juli 2019

Die mystische Leere

Im vorhergehenden Blogbeitrag war die Rede vom Verzicht auf den Gottesbegriff, der eine Leerstelle auffüllen soll, die nur in ihrer Leere wirksam und sinnvoll ist. Was wir aber nicht benennen können, können wir nicht kontrollieren. Also wollen wir der Leerstelle einen Namen geben, den wir gebrauchen können. Sobald ein Inhalt in die Leere eingefüllt wird, wird sie in das menschliche Verhaltensrepertoire eingegliedert. Damit wird das Absolute handhabbar, benutzbar und missbrauchbar. Und natürlich: All diese Möglichkeiten wurden im Lauf der Glaubens- und Religionsgeschichte der Menschheit weidlich ausgenutzt.

Das ist es auch, was das Auffüllen so beliebt macht: Was wir in die Leerstelle hineinfüttern, ist unser eigener Brei, unsere Ideen, Wünsche, Sehnsüchte und Ängste. Wir kennen uns aus mit dem Stoff, an den wir immer schon glauben und mit dem wir unsere Alltagssorgen und konditionierten Ängste erklären. Menschliches, allzu Menschliches, allgemein Menschliches. Zwar ist dieser Stoff nicht immer angenehm und beschaulich, sondern manchmal auch furchterregend und fordernd. Doch auch das ist uns vertraut aus unseren menschlichen Verwendungszusammenhängen. Was wir kennen, können wir in Gebrauch nehmen, und was wir kontrollieren, können wir verstehen. Es ist ein „Absolutes“ nach unserem Geschmack, entsprechend unserer Erwartungen und Vorprägungen. Wir brauchen uns nicht zu ändern, sondern wir passen das, was uns herausfordern könnte, an unsere Beliebigkeiten an.

Die moderne und aufgeklärte Welt bietet die verschiedenartigsten Gerichte an am Markt der Leerefüllungen. Man kann es auf christlich oder buddhistisch goutieren, in einer der vielfältigen Strömungen, die überall leicht zugänglich sind. Vielleicht verbringe ich eine Lebensphase muslimisch, die nächste hinduistisch und trete dann mal ins Judentum ein, vielleicht fertige ich mir eine Mischung aus verschiedenen Geschmäckern, ein religiöses Curry, dazu noch mit einem Schuss neumoderner Esoterik.

Die Angst vor der Leere 


Der „horror vacui“ hat eine ehrwürdige Geschichte, die auf die antike Naturvorstellung zurückgeht. Der Begriff geht davon aus, dass die Natur keine Leere zulassen möchte, sondern sofort alles füllt, was sich als Vakuum auftut. Bei Künstlern ist damit gemeint, dass eine Leinwand keine leere Stelle enthalten sollte, sondern dass die ganze Fläche mit Farbe zu bemalen sei. Schriftsteller leiden manchmal an der Angst vor der Leere, wenn sie mit einer Schreibhemmung vor einem leeren Blatt Papier oder Computerscreen sitzen. 

Heute nutzen Alltagspsychologen den Begriff, um das Phänomen der permanenten Erreichbarkeit und Ablenkbarkeit zu beschreiben, das typisch für den Menschen des 21. Jahrhunderts ist: Die Unfähigkeit, ohne Smartphone zu sein, das dauernd neue Nachrichten, Geschichten und Bilder ins Gehirn einspeisen muss, damit keine Fadesse einkehrt. Die Angst vor einer inneren Leere treibt dazu, fortwährend den Blick auf den Bildschirm zu heften, um ja nichts zu versäumen, was sich im Universum des Netzes abspielt. Jede Mitteilung, die eintrudelt, bestätigt die eigene Wichtigkeit, die im nächsten Moment verfallen kann, wenn niemand ein „like“ beim eigenen Foto drückt.

Auf den tieferen Ebenen des Seelenerlebens ist die Leere ein furchterregendes Phänomen, weil es auf existenzielle Mangelzustände hinweist, die meist frühkindlichen Ursprungs sind. Als bedürftige Wesen werden wir geboren, angewiesen auf Menschen, die unsere Mängel auffüllen. Die emotionale Leere, die übrigbleibt, wenn die frühen Bedürfnisse nur ungenügend befriedigt wurden, kann in Depressionen oder Hyperaktivität münden. Sie wird besonders dann aktiviert, wenn Beziehungen in die Brüche gehen, bei denen der Partner als Ersatz für die emotionale Leere aus der frühen Kindheit gedient hat.

Das Einlassen auf die mystische Leere


All dies ist nicht gemeint, kann sich aber einmischen, wenn es um den spirituellen Weg zur Leere geht. Er beinhaltet die Reinigung von allen begrifflichen Anhaftungen und die Lösung von konzeptuellen, emotionalen und habituellen Sicherheiten. Alles, was schon bekannt und vertraut ist, ob angenehm oder unangenehm, muss zurückgelassen werden. Alles Geformte bleibt an der Oberfläche, während das Formlose in der Tiefe auf ein bedingungsloses Sich-Fallenlassen wartet. Das Ankommen dort muss kein spektakuläres Erleben sein, an dem sich die intensitätsgeilen Gefühle anhängen können, sondern gleicht eher einer Einkehr in eine einfache Stille und Weite, die unendliche Freiheit.

Der spirituelle Erfahrungsraum beginnt dort, wo wir uns auf die „nackte“ Leere einlassen, auf das nicht verdinglichte und nicht verdinglichbare Absolute, das nichts mit unseren Erwartungen zu tun hat. Alles, was wir nicht zu Dingen machen können, auf die wir zugreifen und die wir mit unserem Willen beeinflussen können, mag uns Angst machen; doch das ist das Abenteuer, das auf uns wartet, wenn wir uns auf eine spirituelle Reise begeben. Wir müssen alle Hoffnung fahren lassen, alle Voreinstellungen und Konzepte, alles Wünschen und Wollen müssen zurückbleiben. Was es braucht, ist nur die Bereitschaft, sich auf die Erfahrung einzulassen, die im Moment hochbringt, was gerade sein soll – irgendein Geschwätz des Verstandes oder die Leere. Solange sich Inhalte, und seien das auch erhebende göttliche Inspirationen oder lichtvolle Visionen, bemerkbar machen, sind wir in der Geiselhaft dieses Verstandes gefangen. Solange wir Begriffe für unser Erleben – selbst wenn es ein Erleben des Absoluten ist –  finden müssen, bewegen wir uns im Bereich des Relativen.

Die Radikalität des Jenseits macht erst die Transzendenz aus: Ein Jenseits, das nichts mehr mit dem Diesseits zu tun hat. Wir übersteigen die relative Wirklichkeit nicht durch ein schrittweises Hinausgehen, sondern wir geraten durch die Gnade oder Gunst des Augenblicks in die andere Welt, ohne unser Zutun und Verdienst. Es geschieht etwas mit uns und verändert uns. Und es geschieht dann irgendwann, vielleicht schon nach einem Sekundenbruchteil, dass wir wieder in die relative Welt zurückkommen, wieder ohne unsere Kontrolle. Der Verstand meldet sich wieder vorlaut zu Wort und möchte gleich einen Bericht vom Ereignis, damit er es in eines seiner Register einordnen kann. 

Das ist der Punkt, an dem die Religionsstifter oder ihre Anhänger angefangen haben, das Absolute zu verschriftlichen. Die heiligen Schriften sollten die spirituellen Erfahrungen kommunizierbar machen, damit sie möglichst vielen Menschen zur Verfügung gestellt werden können. Tatsächlich haben sie dazu gedient, dass sich viele Menschen auf den Weg gemacht haben, um selber mit dem Jenseits Kontakt aufzunehmen; sie wurden und werden aber auch dafür benutzt und missbraucht, begrenzte Interessen zu bedienen und Machtstrukturen zur Kontrolle der Menschen aufzubauen, wie das in der Geschichte aller Religionen, die randvoll sind mit Leid und Gewalt, nachverfolgt werden kann. All die Schindluder, die im Namen von Religionen mit dem Absoluten getrieben wurden, müssen verstanden und demaskiert werden: Als feiges Zurückschrecken vor der Leere, als Ausweichen vor der mystischen Kraft des Absoluten, als zynisches Spiel mit Illusionen zum eigenen Machterhalt, als Zementierung von Unrechtszuständen usw. 

Das Aushalten der Leere ist die eigentliche spirituelle Prüfung. Inhalte können uns Angst machen oder schrecken, aber sie sind uns dennoch vertrauter als die mystische Leere. Wir wissen aus Erfahrung, dass wir auch mit der schlimmsten Angst zurechtkommen können, doch wir haben kein Wissen darüber, wie wir diese Leere aushalten könnten. Denn unser Erleben ist beständig mit Inhalten gefüllt. 

Der Wert aller Vorstufen soll damit nicht geschmälert werden: Die Ekstase des sinnlichen Erlebens, die Entdeckung der Wunder in der Natur, das Einswerden mit dem Fließen des Lebens usw. sind wertvolle Zustände, die uns auf das Absolute aufmerksam und neugierig machen. All das vermittelt uns einen Geschmack und eine Idee von Transzendenz, gibt uns den Mut und die Ausdauer für das Weitergehen auf der Suche. Doch das „Ziel“ ist noch immer jenseits all dieser wunderbaren Erfahrungen, eine namenlose Leere, ein Verschwinden in das Jenseits von Raum und Zeit.

Zum Weiterlesen:
Gott und das Absolute
Über die Willkür im Umgang mit dem Absoluten
Gott und das Ego
Der Anfang der Welt und das spekulative Denken
Letzte Fragen ohne Antworten

Dienstag, 28. März 2017

Die Vorstellung von der Unsterblichkeit

Wir wissen nicht, was nach dem Tod ist und können darüber auch nichts wissen. Jeder, der behauptet, ein Wissen darüber zu haben, schwindelt. Denn Wissen erfordert authentische Erfahrung, und definitionsgemäß kann niemand, der tot ist, Erfahrungen machen und davon berichten. Tot zu sein heißt, dass alle Grundlagen für Erfahrungen, z.B. ein Nervensystem, und alle Grundlagen für Kommunikation, z.B. ein Sprachzentrum und Sprechorgane, ihre Funktionen eingestellt haben.

Wohl gibt es Nahtod- oder Fasttod-Erfahrungen, aber das sind andere Themen, weil diese Erfahrungen von Menschen gemacht wurden, die noch so weit am Leben waren, dass sie eben Erfahrungen machen konnten. Es berichtet die Bibel von Personen, die „von den Toten auferstanden“ sind, doch wissen wir nicht, ob es sich in diesen Fällen um Schein- oder Nahtote gehandelt hat, bzw. ob die Erzählung gar nicht die Absicht hatte, außergewöhnliche Fakten wiederzugeben, sondern Heilsbotschaften vermitteln wollte.


Menschen sind Empiristen


Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war (nihil est in intellectu quod non erat in sensu),  so der Grundsatz des Empirismus, der Lehre, die davon ausgeht, dass nur das als Erfahrung gelten kann, was auf Sinneseindrücken beruht. Der empiristische Grundsatz kann nicht einfach dadurch ausgehebelt werden, dass das Gegenteil behauptet wird. Die Beweislage für dieses Gegenteil ist dürftig, und jene für den Empirismus wird mit jeder neuen Entdeckung der Neurowissenschaften erhärtet. Wir verfolgen in diesem Zusammenhang  die erkenntnistheoretische Diskussion, die über den Empirismus hinaus vermutlich zum Konstruktivismus führt, nicht weiter, weil dieser Schritt zur hier diskutierten Thematik nichts Neues beiträgt.

Es gilt also festzuhalten: Wir können uns nicht einmal irgendetwas vorstellen ohne materielle, sinnlich wahrnehmbare Komponenten. Was oder wie wäre eine „rein geistige“ Vorstellung? Was immer uns dazu einfällt, was immer wir dabei imaginieren: Es zitiert immer etwas sinnlich Wahrnehmbares und ist zusammengesetzt aus Dingen, die wir in unserem Leben schon irgendwann gesehen haben. Einfaches Beispiel: Ein Engel ist eine menschliche Gestalt mit Flügeln, wie wir sie von Vögeln kennen.

Gott, soweit wir ihn uns überhaupt vorstellen dürfen – das ist ja in manchen Religionen verboten –, stellen wir uns zumeist als älteren männlichen Menschen mit Bart vor. Wir tun uns schwer, Gott als rasiert vorzustellen, so fest sind diese Stereotypen in uns verankert. Göttinnen-Vorstellungen sind zum verständlichen Ärgernis der Feministinnen und Feministen weitgehend unpopulär, und die Vorstellung von einem jugendlichen, sportlichen, intellektuellen oder, warum auch nicht, kindlichen Gott/Göttin erschiene uns kaum passend. Die Griechen und andere polytheistische Religionen hatten es einfacher, da waren im Pantheon alle möglichen Variationen der Imagination vertreten, aber eben alle mit menschlichen und allzu menschlichen Charaktereigenschaften.  Diese anthropomorphe, menschenähnliche Darstellung der Gottheiten ist eben von den monotheistischen Religionen genau deshalb kritisiert worden, und der eine Gott, der jenseits von solchen Vorstellungen gedacht wird, gilt als Fortschritt gegenüber der antiken Götterwelt.

Doch was bleibt von einem Gott ohne Bild? Die Idee? Auch diese ist nur eine Vorstellung, bedeutet doch das griechische Wort idea „Gestalt“, „Erscheinung“, „Aussehen“ oder „Urbild“, also etwas, das immer auch als gegenständlich aufgefasst wird.


Gibt es die reinen Gedanken?

 

So können wir nur noch zum „bloßen Gedanken“ Zuflucht nehmen. Der reine Begriff wäre  das vom Materiellen am weitesten entfernteste. Begriffe wie „Freiheit“, „Gerechtigkeit“ usw. können wir nur denken, weil ihnen kein sinnlich wahrnehmbares Objekt entspricht. Dennoch können wir uns dabei ertappen, dass wir auch solchen Begriffen Bilder verpassen, die aus der Wahrnehmungswelt stammen, wie z.B. wenn wir beim Begriff „Freiheit“ die Freiheitsstatue vor uns sehen. Weit entfernt heißt hier, dass die Sinnesdaten über mehrere Schritte im Denkprozess weiterverarbeitet wurden.

Zudem ist zu berücksichtigen, dass das Denken immer abhängig von materiellen Vorgängen ist, also von neuronalen Prozessen, die im Gehirn ablaufen. Wir merken das daran, dass wir im Tiefschlaf, aber auch bei einem Blackout nichts denken können, auch wenn wir wollten, weil unser Organismus es nicht zulässt. Wir haben in solchen Situationen nicht nur keine Gedanken, vielmehr ist das Denkvermögen als solches ausgeschaltet.

Nicht einmal die so „reine“ und prinzipiell gegenstandslose Mathematik schafft es, in uns ohne Vorstellung zu existieren. Selbst wenn wir die völlig abstrakte Operation einer Rechnung durchführen, sehen wir im Inneren die Zahlen vor uns; in der Geometrie gibt es ja das Beispiel der Linie, die als mathematische Linie gar nicht sichtbar sein sollte, weil sie nur eine Dimension hat, und jede gezeichnete Linie streng genommen ein Quader mit ganz minimaler Breite ist. Sobald wir von Linie reden, sehen wir einen derartigen Strich, während wir die abstrakte eindimensionale Linie nur als Denkmöglichkeit verstehen können und bei dieser Vorstellung innerlich immer mit dem Kopf schütteln, weil sie unserem so stark auf die Imagination vertrauenden Verstand absurd vorkommt.


Bilder vom Weiterleben


So sind sie beschaffen, die Vorstellungen von der Unsterblichkeit: Ob Paradies oder Hölle, ob Bardo-„Raum“ oder Reinkarnations-Warteraum, alles beinhaltet Bilder aus unserer jetzigen Erfahrungswelt, und ohne diese gibt es auch keine Vorstellung vom Weiterleben nach dem Tod. Wir können die Negationsfunktion unserer Sprache nutzen, um eine adäquate Beschreibung dieser Denkmöglichkeit zu liefern, indem wir z.B. sagen: Nicht so wie unsere sinnliche Welt, nicht so wie die Fantasien, die wir in unserem Kopf produzieren etc. Aber diese Denkoperation mittels Negation demonstriert wiederum nur unsere fundamentale Abhängigkeit von der sinnlichen Wahrnehmungswelt und liefert uns keinerlei Informationen im positiven Sinn, also darüber, wie oder was da in dem Sein nach dem Tod geschehen wird. Alles, was uns bleibt, ist das bescheidene Eingeständnis, dass wir darüber nichts wissen und nichts wissen können, und dass jede Vorstellung, die wir davon bilden, auf reiner Fantasie beruht, also Eigenproduktion ohne äußeren Wirklichkeitscharakter ist.


Über den Sinn des Imaginierens


Vorstellen hat auch seinen Sinn, es kann unsere Angst vor dem Sterben und vor dem eben Unvorstellbaren des Nicht-mehr-Existierens lindern. Es ist aber dennoch immer das Verwenden einer Illusion, die wir uns da aufbauen, und wenn wir uns der Angst in uns wirklich stellen, merken wir vielleicht, dass wir die Illusion nicht mehr brauchen und dass wir es doch schaffen, mit einer absoluten Grenze unseres Wissens und unserer Sicherheit leben zu können, die mit dem Tod markiert ist.


Mystik und Unsterblichkeit


Jetzt lebe ich, und wozu sollte ich mich damit beschäftigen, was nach dem Ende dieses Lebens sein wird, noch dazu, wo ich erkannt habe, dass es nur Spekulationen und Fantasien sind, die uns von religiösen und esoterischen Predigern  angeboten werden und  von denen wir uns aussuchen können, was uns gefällt? Begräbnisinstitute haben verschiedene Angebote: Bestattung mit/ohne Messe, mit/ohne Kränze usw. Der Jahrmarkt der Weiterlebenslehren erinnert daran: Wollen Sie nach christlicher, buddhistischer, hinduistischer, synkretistischer oder esoterischer Lehre nach Ihrem Tod weiterleben? Sie werden doch nicht einfach ins Nichts eingehen wollen bei so vielen verlockenden und interessanten Angeboten?

Die verschiedenen Angebote dürften nicht einmal einen Preisunterschied aufweisen, weil sie alle gleich viel wert sind: Gut für einen Trost und für die Verdrängung der Todesangst, auch für den Zeitvertreib und die Unterhaltung, siehe unten. Schlecht sind sie allesamt für die Angstlösung und innere Befreiung. Sie alle bauen, wie gute Marketingstrategien überhaupt, auf Ängsten auf und verstärken diese mit ihrem Produkt. Die Angst vor dem Ungewissen, das am Ende des Lebens lauert, ist nicht einfach zu verdauen. Da ist es bequemer, eine der Lehren, die ewiges Heil in der einen oder anderen Form versprechen, zu adoptieren.

Der Mystiker geht den unbequemeren Weg und konfrontiert sich direkt mit den Ängsten. Was wäre, wenn es nichts, überhaupt nichts mehr gäbe nach dem Tod, wenn alles, was wir jetzt sind, vergehen und verschwinden würde, unser Körper, unsere Seele, unser Geist? Wie würde ich mich jetzt fühlen? Was für einen Unterschied würde es für die Qualität meines Lebens im Jetzt machen?

Ein Zen-Meister wird gefragt: "Meister, sag mir, was nach dem Tod sein wird." Er antwortet: "Was fragst du mich jetzt? Jetzt lebe ich noch."

Zum Abschluss dieses ernsten Themas noch ein Witz, deren es aus verständlichen Gründen gerade in diesem Zusammenhang nicht wenige gibt.

Im Himmel drohte Überfüllung. Deshalb entschied der Heilige Petrus, nur Menschen hineinzulassen, die einen wirklich schlimmen Todestag hatten. Am ersten Morgen dieser neuen Politik sagte Petrus zum ersten Mann in der Schlange: „Erzähl mir über den Tag, an dem du gestorben bist.“
Der Mann sagte: „Ach, das war schrecklich. Ich war mir sicher, dass meine Frau eine Affäre hatte. Deshalb kam ich vorzeitig von der Arbeit nach Hause. Ich suchte überall in der Wohnung, konnte aber den Liebhaber nicht finden. Schließlich ging ich auf den Balkon, wo ich den Mann fand, der sich gerade noch mit den Fingern am Rand des Balkons festhielt. Ich holte einen Hammer und schlug ihm auf die Finger. Er fiel hinunter, aber landete auf einem Busch und kam davon. Also ging ich nochmals hinein, holte den Kühlschrank und hievte ihn über das Balkongitter. Er zermalmte ihn, aber wegen der Anstrengung mit dem Kühlschrank bekam ich einen Herzinfarkt und verstarb.“
Petrus konnte nicht leugnen, dass das ein schrecklicher Tag war und dass es sich um ein Verbrechen aus Leidenschaft handelte, so ließ er den Mann in den Himmel. Dann fragte er den nächsten in der Reihe.
„Nun, bei mir war es schrecklich. Ich machte Aerobic auf dem Balkon meiner Wohnung und rutschte dabei über die Balkonkante. Ich konnte mich gerade noch am Rand des Balkons der Wohnung unterhalb anklammern, aber dann kam ein Wahnsinniger heraus und schlug mit einem Hammer auf meine Finger ein! Ich fiel, aber landete im Gebüsch und lebte. Doch dann kam dieser Typ erneut heraus und warf einen Kühlschrank auf mich! Das reichte dann.“
Sankt Peter schluckte ein wenig und ließ ihn in den Himmel. „Erzähl mir von deinem letzten Tag“, sagte er zum dritten Mann in der Schlange.
„Gut, stellen Sie sich das vor: Ich bin nackt, sitze in einem Kühlschrank …“

Und zu ganz guter Letzt noch einer:

André hatte es in den Himmel geschafft. Er fragte, ob er seinen alten Freund Pierre in der Hölle besuchen könnte. Der Wunsch wurde ihm gewährt, und der Teufel höchst persönlich führte ihn zur privaten Suite seines Freundes.
Da saß Pierre in einem Liebesstuhl mit einer tollen nackten Frau am Schoß, einem Tablett mit Vorspeisen auf dem Tischchen neben ihm und einer Champagner-Flöte in der Hand. André konnte seinen Augen nicht trauen. „Das ist die Hölle?“ rief er aus.
„Aber ja“, seufzte Pierre. „Diese Frau, sie ist meine erste Gattin. Der Käse kommt aus Belgien. Und dieser  ‚Champagner‘  – was soll ich sagen? – der ist nicht einmal echt, der kommt aus Kalifornien!“


Vgl. Theologie und Mystik zum Weiterleben 
Das Ego und die Idee der Unsterblichkeit
Was kommt nach dem Leben? 
Dissoziative Weltbilder und die Trennung von Leib und Seele