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Sonntag, 12. April 2026

Das Schwache besiegt das Starke

In den Lehren von Laozi findet sich der seltsame Satz: „Dass das Schwache das Starke und das Weiche das Harte besiegt, das weiß auf Erden jedermann, doch niemand vermag danach zu handeln.“ (Kap. 78) Wir brauchen doch unsere Kraft und unsere Stärke, um uns im Leben zu behaupten und unsere Ziele zu verwirklichen. Mit der Schwäche kommen wir nicht weiter, sondern bleiben zurück hinter den Stärkeren. Das haben wir doch schon im Kindergarten und am Schulhof gelernt.

Das Tao-te-King, das vom legendären Laozi verfasste Buch, weist darauf hin, dass es sich nur um eine Einbildung handelt, wenn wir glauben, dass wir hart und stark sein müssen, um zu überleben und dass die Schwäche mit Ohnmacht und Hilflosigkeit verbunden ist. Vielleicht sind es nur Vorurteile, die unseren Überlebensmustern entsprungen sind und an denen wir hartnäckig festhalten, die uns suggerieren, dass wir mit Härte weiter kommen als mit Weichheit. Im Tao-te-King steht zu lesen, dass eigentlich das Harte und Starre das Zerbrechliche ist. Die Härte mag sich kurzfristig durchsetzen, indem sie das zerstört, was ihr im Weg steht. Die Härte ist starr und stur und sie will der Wirklichkeit den eigenen Willen mit Gewalt aufzwängen. 

Langfristig und im Ganzen gesehen, richtet aber jedes gewalttätige Vorgehen Schaden für alle an, schließlich auch für jene, die auf Gewalt setzen. Sie erhoffen sich vom harten Durchgreifen Erfolg und Absicherung gegen Bedrohungen. Doch schneiden sie sich mit ihren gewaltsamen Eingriffen in den Fluss der Ereignisse von der Lebenskraft ab, die sie trägt. Sie vertrauen nur auf sich selbst und auf ihre Kräfte, die sie sorgsam pflegen müssen, während im Hintergrund die Angst lauert, dass die anderen übermächtig werden könnten. Deshalb müssen sie die ganze Zeit auf der Hut sein und vertrauen am besten niemand anderem. Sie vereinsamen inmitten von Menschen, die sie fürchten, und leiden selber an der größten Angst. 

Das Leben entwickelt sich nicht gewaltsam; ihm Gewalt anzutun bedeutet, willkürlich und selbstsüchtig in den Fluss der Ereignisse einzugreifen, um sie den eigenen Vorstellungen zu unterwerfen. Der lebendige Austausch wird unterbunden, es findet kein Lernen mehr statt. Das ängstliche Sicherheitsdenken dominiert den Umgang mit der Außenwelt. Die Lebenskreise engen sich zunehmend ein, stattdessen greift die Unlebendigkeit um sich. Wo das Lebendige weicht, melden sich die Vorboten des Todes: „Der Mensch ist bei seiner Geburt weich und schwach, bei seinem Tod hart und starr. (...) Darum sind die Harten und Starken Gesellen des Todes, die Weichen und Schwachen Gesellen des Lebens.“ (Kap. 76) 

Nach Laozi ist das Ziel nicht die weltliche Stärke mit ihrer Versuchung zu Macht und Gewalt und schließlich zur Zerstörung der Lebensgrundlagen. Vielmehr geht es um eine Form der Schwäche, die sich als wahre Stärke herausstellt: Das Weiche, das das Harte besiegt. Es ist keine Stärke, die sich beweisen muss, indem sie besser und mächtiger sein muss als andere, sondern die Kraft, die aus der fließenden Natur des Lebens stammt. Sie wirkt durch alles hindurch, auch durch die vermessene gewaltbereite Stärke, aber entfaltet sich am besten als Weichheit, weil sie so am anpassungsfähigsten an die wechselnden Umstände ist. Sie nährt sich aus der Balance zwischen Tun und Nichttun, als Kraft, die sich in der Aktivität und in der Passivität ausdrücken kann.

Das Schwache im Christentum

Auch das Christentum vertritt keine einseitige und starre Stärke mit dem Ziel der Unüberwindlichkeit und Unbesiegbarkeit. Der christliche Gott hat sich im Bild der Kreuzigung der Schwäche und Ohnmacht ausgeliefert. Jesus hat sich als Gottes Sohn dem Tod am Kreuz ausgesetzt und damit zur Stärke in der Schwäche bekannt. Diese Schwachheit besteht nicht darin, die unterlegene Position in eine moralische Überlegenheit umzumünzen, wie es Friedrich Nietzsche in seiner Kritik des Christentums angeprangert hat. Vielmehr nutzt sie die neue Kraft, die in der Solidarität mit dem Schwachen und mit den Schwachen erschaffen wird. Aus der beschämten Position der Schwäche durch Unterdrückung und Ungerechtigkeit erwächst aus dem Zusammenschluss die Annahme der Würde, die in jedem Menschsein enthalten ist. 

Die Kraft im geteilten Leid

Es ist die Kraft der Gemeinsamkeit des Leides, die zum praktischen Einsatz für die Aufhebung unmenschlicher Lebensbedingungen führt. Sie beruht auf dem gegenseitigen Vertrauen der Schwächeren, ein Vertrauen, das sich aus dem Grundvertrauen ins Leben nährt, die alles Schwache tragen und stärken kann. Menschlichkeit ist immer auch geteilte Menschlichkeit, und jede Umkehr vom Pfad der gewaltsamen Selbstbehauptung zur Solidarität dient dem Einsatz für das Zerbrechliche, für das Beschädigte und Verletzte am Menschsein, in der eigenen Seele und in der der Mitmenschen.

Zum Menschsein und seiner Würde gehört immer beides: Stark und schwach zu sein. Die Verachtung der Schwäche, die den Weltgeist mit seinen Machtkämpfen und Konkurrenzspielen kennzeichnet, ist eine Sackgasse, ein Irrweg, weil sie in den immer gleichen Kreisläufen der Angst und des Hasses gefangen bleibt. 

Irgendwann mündet sie in der Verzweiflung, einer ungewollten und beschämenden Form der Schwäche. Die Verzweiflung ist das Ergebnis des von der Angst diktierten Weges zur Einsamkeit und in das Abgeschnittensein, der unweigerliche Preis für die Vorherrschaft des Macht- und Konkurrenzstrebens.  Durch diese Verirrung geht der Bezug zum weichen Fluss des Lebens, zur göttlichen Gnade, zum Mitgefühl der Mitmenschen verloren. 

Die Verzweiflung kommt erst an ihr Ende, wenn sie bereit ist zu einer Umkehr an, zur Hinwendung zu dem, was jenseits des Schutzwalles liegt, den die Selbstsüchtigkeit um sich herum hochgezogen hat. „Umkehr ist des Tao Bewegung. Schwachheit ist des Tao Wirkung.“ (Kap. 40)

Die tröstliche Macht der Schwäche

Am Grund der Verzweiflung erscheint die eigentümliche und tröstliche Macht der Schwäche. Sie liegt darin, dass die Schwäche ihren Schrecken verliert, wenn sie als ein Aspekt des Menschlichen erkannt wird. Die Verletzlichkeit, Zerbrechlichkeit und Unzulänglichkeit des Menschen bekommt ihre besondere Würde, wenn sie in Demut angenommen wird, mitsamt allen Gefühlen, die mit dieser Seite des Menschlichen verbunden sind. Es ist das Annehmen der Endlichkeit, der Tatsache, dass jedes einzelne Leben in Schwäche an sein Ende kommt, und im Annehmen dieser Schwäche in Würde und Frieden gehen kann. 

Die Schwäche als Freundin zu gewinnen, ist eine wichtige Vorbereitung für den Schritt, den Tod als Freund anzuerkennen. Die Umkehr vom Weg der Verblendung und der Verleugnung der Hinfälligkeit ist das Tor zur Demut und Hingabe, zu Einfachheit und Bescheidenheit. Ein Leben im Einklang mit dem Tao, mit der Vernunft oder mit dem Willen Gottes, je nach Tradition und spirituellem Kontext, ist der unschätzbare Gewinn aus der Verabschiedung der Illusion von Allmacht und Übermenschlichkeit.

Zum Weiterlesen:
Die Umkehr
Scham und Verletzlichkeit
Verletzlichkeit und Würde
Verletzlichkeit, Teil des Menschseins



Mittwoch, 12. Januar 2022

Geld, das Symbol der Autarkiescham

Die Scham, die damit verbunden ist, das eigene Leben aus eigenen Kräften schaffen zu müssen, heißt Autarkiescham. Sie drückt sich in dem Glaubensprogramm aus, nichts wert zu sein, wenn man es alleine nicht schafft. 

Die Verfügung über Geld ist ein Symbol oder sogar Synonym für Freiheit und Autarkie in unserer Gesellschaft. Geld öffnet alle Türen und ist der Schlüssel für den Zugang zu wichtigen Ressourcen, die wir zum Überleben und leben benötigen. Wenn wir kein Geld haben, brauchen wir jemanden, der uns erhält oder der uns Geld gibt. Ohne Geld sind wir also abhängig vom Wohlwollen von anderen und können uns selbst nicht erhalten.

In unserer Gesellschaft wird deshalb auch der Wert eines Menschen in den meisten Alltagsabläufen über Geld definiert, und das geht bis zur Frage der Überlebensberechtigung: Wer genug davon hat, kommt überall durch, wer mehr als genug davon hat, kann sich Luxus leisten, wer nicht genug davon hat, muss im Mangel leben, und wer nichts davon hat, muss darum betteln, um überleben zu können. Bettler erinnern uns an den schamvollen Zustand, der entsteht, wenn wir ohne Geld sind; Bettler werden aus manchen Städten vertrieben, weil sie uns darauf aufmerksam machen, an welch dünnem Faden unsere eigene wirtschaftliche Existenz hängt. Wir wollen nicht sehen, wie abhängig wir sind. Und wir wollen nicht sehen, wie ungerecht die Ressourcen und der Zugang zu Geldquellen in der Welt verteilt sind. Außerdem wollen wir die eigene Scham nicht spüren, die uns befällt, wenn wir Unseresgleichen im Elend sehen.

Der Mangel an Geld beschämt

Die Autarkiescham ist wie von selbst und unweigerlich aktiv, sobald ein Mangel an Geld auftritt. Wir fühlen uns weniger wert, so als würden wir zu einer minderen Klasse von Menschen gehören. Alle anderen sind autark, sie können sich leisten, was sie brauchen und wollen, wir selber müssen uns einschränken und sind im äußersten Fall abhängig von Almosen, also von der Willkür der Vermögenden.

Diese Schamform wirkt ins Sozialsystem hinein, das deshalb geschaffen wurde, um die Existenz möglichst vieler Mitglieder der Gesellschaft abzusichern und auch jenen, die es nicht schaffen, sich selbst zu erhalten, oder die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, noch einen Notgroschen zukommen zu lassen. Das Überleben soll für alle auf einem untersten Niveau garantiert werden. Doch sollten sich jene, die „der Allgemeinheit auf der Tasche liegen“, dafür schämen, denn die Scham könnte sie motivieren, sich aus der Not herauszuziehen. Verstärkt wird die Schambelastung dadurch, dass die anderen, die genug haben, auf sie mitleidig und verächtlich herabschauen. Es ist also eine beschämende und beschämte Situation, kein Geld selbst zu erwirtschaften und von mehr oder weniger gnadenhalber gewährten Zuwendungen abhängig zu sein.

Selbst Arbeitslose leiden unter dieser Scham. Zwar handelt es sich theoretisch um einen Versicherungsvorgang: In die Arbeitslosenversicherung einbezahltes Geld wird im schlagenden Fall zurückgezahlt. Aber viele davon Betroffene reagieren mit Schuld- und Schamgefühlen, die immun gegen die rationale Einsicht sind, dass einem das Arbeitslosengeld zusteht und keine Gnadengabe ist. Sie haben das Existenzsymbol der kapitalistischen Gesellschaft internalisiert: Existieren darf, wer genug Geld hat, um es sich leisten zu können. Existieren darf, wer sich selbstständig die notwendige Menge Geld erwirtschaften kann. Wer das nicht schafft, ist es zwar noch wert, am Leben erhalten zu werden, zumindest dort, wo es einen Sozialstaat gibt. Aber er soll sich dafür schämen. Diese Schamverordnung hat den Zweck, einen Druck zu erzeugen, der die Betroffenen dazu zwingen soll, sich „zusammenzureißen“ und wieder zu wirtschaftlich wertvollen Elementen der Gesellschaft zu werden.

Wenn wir Glück hatten, spielte die Autarkiescham keine Rolle in der frühen Kindheit. Wir sind mit dem Grundgefühl aufgewachsen, dass die Grundbedürfnisse abgedeckt sind: Nahrung, Kleidung, Wohnung usw. sind einfach da. Unter anderen, prekären Umständen ist diese Schamform von Anfang an da: Ein Kind wird geboren, und die Eltern wissen nicht, wie sie es wirtschaftlich schaffen sollen. Das Kind spürt die Ängste und Sorgen der Eltern und fühlt auch, dass es dafür verantwortlich ist. Es schämt sich dafür, dass es da ist und die Nöte der Eltern verursacht, was eine Form der Urscham darstellt. Außerdem wird die Grundlage gelegt, dass sich, sobald ein Verständnis für Geld und seine Macht entwickelt ist, die Autarkiescham einstellt. Sie ist also häufig eine Ableitung aus einer Existenzscham, indem Existenz und Geldbesitz gleichgestellt werden, eine Gleichung, die zu den Leitlinien des kapitalistischen Systems gehört. 

Selbst wenn unsere Anfänge frei von Existenzängsten und Versorgungssorgen waren, kann die Autarkiescham in Verbindung mit dem Geld später auftreten. Kinder sammeln häufig die ersten Erfahrungen mit der Bedeutung des Geldes, wenn sie Taschengeld bekommen. Sie fangen dann an, ihren Geldbesitz mit dem ihrer Kolleginnen im Kindergarten und in der Schule zu vergleichen. Diese Vergleiche bringen entweder Stolz oder Scham im Schlepptau mit sich: Stolz, wenn der Anschein entsteht, finanziell besser dazustehen als andere Kinder, und Scham, wenn es umgekehrt ist. 

So wachsen die Kinder in eine Gesellschaft hinein, in der der finanzielle Status einen wichtigen bis ausschlaggebenden Anteil am Selbstwert verkörpert. Die Lebens- und Entfaltungschancen werden nach diesem Maßstab bemessen, und wer hier schlecht abschneidet, kommt schwerlich ohne Schamgefühle damit zurecht. Das Leistenmüssen wird zum Antrieb, um diesen unangenehmen Gefühlen zu entrinnen, und führt in vielen Fällen zur Selbstausbeutung, getrieben von Versagensängsten.

Die vielen Burnout-Erkrankungen, die vielen psychosomatischen Erkrankungen und die vielen depressiven Störungen, die zu unrühmlichen Kennzeichen der modernen Welt geworden sind, treten als Folge des inneren Drucks auf, der durch die Autarkiescham ausgelöst wird. Wir sollten uns gegenseitig darin bestärken, dass der Wert von Menschen nicht über Geld definiert werden darf, und wir sollten uns dafür einsetzen, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse so gestaltet werden, dass niemand durch den Rost fallen und in eine schamvolle Armut geraten kann. Wir können selber nur schamfrei in einer Gesellschaft leben, in der alle genug zum Auskommen haben. Es ist ein zentraler Teil der Menschenwürde, ohne Existenzängste ein gutes Leben führen zu können.

Mittwoch, 2. Juni 2021

Die Zerbrechlichkeit und Unzerstörbarkeit der Menschenwürde

Eine würdevolle Person stellen wir uns vermutlich aufrecht stehend vor, mit festem Blick und kräftiger Figur, fest verankert am Boden, wie ein zur Ruhe gekommener Held – jemand, dem nichts was anhaben kann. Doch gibt es auch die feine und zarte Seite der Würde, die mit der Verletzbarkeit und Zerbrechlichkeit zusammenhängt. Da die Menschenwürde der Ausdruck des Menschlichen im Menschen ist und die Verletzbarkeit das Menschliche in besonderer Weise deutlich macht, spielt sie eine ganz wichtige Rolle im Selbstbild der Würde, das erst durch sie vollständig wird.

Religionsgeschichtlich betrachtet  handelt es sich bei der Integration der Verletzlichkeit in die Würde um einen Beitrag des Christentums zum Konzert der Weltreligionen: In Jesus ist Gott Mensch geworden und hat alle Leiden des Menschseins erfahren bis hin zur äußersten Verletzung der Menschenwürde durch die Kreuzigung. Diese Schwäche wird dann zur eigentlichen Heilsbotschaft, in der sich die Größe Gottes zeigt, umgewandelt.

Die Verletzungsgeschichte

Wir verfügen alle über eine Geschichte von Verletzungen und Verwundungen, voll von Blessuren, die wir uns im Lauf unseres Lebens zugezogen haben oder die uns zugefügt wurden. Wir verfügen auch über andere Geschichte: solche voll von Erfolgen oder von schönen Erlebnissen oder von erfüllenden Begegnungen. All diese Erzählungen tragen dazu bei, wer wir sind. 

Eine besondere Ehre gebührt unserer Verletzungsgeschichte. Denn sie verbindet uns mit der Verletzlichkeit, die Teil unseres Wesens ist. Sie zeigt auf, dass wir viele Wunden erlitten und viele Herabwürdigungen und Beschämungen erfahren haben. Sie ist auch der Beweis dafür, dass wir all diese Schwierigkeiten überlebt haben und über sie hinausgewachsen sind. Mit jeder Verletzung, die wir überwunden haben, gewinnt unsere Würde an Kraft.

Die Würde umfasst die Gesamtheit unseres Wesens, mitsamt all den Geschichten, die uns ausmachen. Die besondere Rolle der Verletzlichkeit besteht darin, dass sie aufzeigt, wo und wie unsere Würde in Gefahr geraten ist, wo wir sie aber auch nicht verloren haben. Es ist die Geschichte des erfolgreichen Überlebens und Weitergehens, eine besonders achtenswerte und strahlende Seite unserer Würde. 

An dieser Stelle wird allerdings auch die Endlichkeit unseres Lebens deutlich. Die Fragilität unserer Existenz, die in jedem Moment zugrunde gehen kann, macht uns darauf aufmerksam, jeden Moment, in dem das Leben durch uns durchfließt, in besonderer Weise wertzuschätzen und in Dankbarkeit hochzuhalten. 

Die Würde in der Landschaft der Gefühle

Im Spektrum der Gefühle drückt sich unsere Verletztheit und Verletzlichkeit in vielfacher Weise aus. Es gibt ein Weinen, in dem der Schmerz mit Würde getragen wird. Es gibt eine Verzweiflung, in der nur die Würde nicht aufgibt. Es gibt eine Schwäche und Bedürftigkeit, die würdevoll einbekannt wird. Es gibt einen Zorn, der zugleich die in ihm steckende Hilflosigkeit zugibt und in der Würde bleibt. Es gibt eine Angst, in der das Innere würdevoll aufrecht bleibt, dem Furchterregenden ins Auge sieht und an der Begegnung wächst.

Ein Mensch, der Zugang zu all diesen Gefühlen hat, zu ihnen stehen kann und sie aushält, ist mit dieser Dimension seiner Würde verbunden. Sie hilft ihm, auch im Aufwallen heftiger Gefühle bei sich zu bleiben und nach außen hin gelassen zu reagieren. Dabei bleibt die Achtung der Würde der anderen Menschen aufrecht, die an der Auslösung der Gefühle mit beteiligt sind. Die Verantwortung für die Gefühle übernimmt aber die Person, in der sie entstehen. Denn jeder Versuch, die Verantwortung für Gefühlsabläufe an andere Personen zu übertragen, würde einen Verlust an Würde bedeuten. 

Wenn wir zu unserer Verletzungsgeschichte stehen und dafür die Verantwortung tragen, zeigen wir unsere Würde in einem besonderen Licht. Die Zerbrechlichkeit gehört zur Würde dazu und verleiht ihr einen besonderen Glanz, der den weiten Bogen zu dem Ende unseres Erdendaseins spannt. Die Würde bleibt bei uns, bis zuletzt, in der Begegnung mit dem Tod. Der Tod ist vielleicht die letzte Begegnung, die wir in Würde angehen, und die letzte Hürde, die wir würdevoll überwinden.

Die Würde im Sterbenlernen 

Der lebenslange Prozess des Weisheitserwerbs (als Erlernen des Sterbens nach Sokrates), beinhaltet auch, die Würde in ihrer Unendlichkeit und Endlichkeit gleichzeitig zu umfassen. Die Endlichkeit zeigt sich in ihrer Verletzbarkeit und letztlich Sterblichkeit, also in ihrer Hinfälligkeit, die Unendlichkeit erscheint darin, dass sie keine Verletzung zerstören kann, nicht einmal der Tod.

Die Verletzbarkeit unserer Würde führt uns zur Einsicht, dass auch unsere Mitmenschen in ihrer Würde verletzbar sind und deshalb unbedingten Respekt und achtsame Achtung verdienen. Sie ermöglicht uns den Schritt über unser begrenztes Wesen hinaus, hin zu den anderen Menschen. Wir anerkennen uns als Menschen wechselseitig, indem wir einander die Würde, gerade in ihrer verletzbaren Dimension, bestätigen. 

Weil und soweit wir unsere Verletzungsgeschichte kennen, können wir uns in die Verletzungen der anderen Menschen einfühlen. Zum Mitgefühl werden wir durch die Einsicht in die Zerbrechlichkeit jedes menschlichen Lebens befähigt. Die Universalität des Leidens, das in den Details, aber nicht im Kern zwischen den Menschen verschieden ist, verbindet die Seelen und bindet sie aneinander. 

Die Würde der Schöpfung

Die Würde, die unser Menschsein im Kern ausmacht, ist nicht unser Verdienst oder das Resultat von irgendwelchen Leistungen. Sie ist uns mit unserer Empfängnis und Geburt mitgegeben und wird gewissermaßen von der Menschheitsfamilie garantiert. Sie steht uns aufgrund der natürlichen Weitergabe des Lebens zu, bleibt bei uns und kann uns nicht genommen werden. Aus ihr leiten sich alle unsere Geburtsrechte ab, alle Existenzbedingungen, die wir von Natur aus zum Überleben benötigen. 

Mit diesem Verständnis weitet sich das Zusprechen der Würde über den Kreis der Mitmenschen auf alles andere Leben und auf die Natur als ganze aus. Die Achtung, die wir uns selber zuerkennen, auch und gerade für unsere Verletzlichkeit, gilt dann für die gesamte Natur, für alles, was außerhalb unseres Selbst ist. So wie das große Leben und das große Ganze unsere Würde anerkennen, so ist es an uns, jedem auch noch so winzigen Teil dieses großen Ganzen in seiner Würde die Ehre zu geben.

Zum Weiterlesen:
Verletzlichkeit und Würde
Scham und Verletzlichkeit
Wer die Würde nicht respektiert, verliert seine eigene.
Demut und Mitmenschlichkeit


Mittwoch, 7. August 2019

Verletzlichkeit und Würde

Wir alle tragen einen verletzlichen Teil in uns, weil wir alle kleine, hilflose Babys waren. Wir alle sind darüber hinaus gewachsen und haben starke und kompetente Anteile gewonnen, die uns helfen, unser Leben selbständig zu bewältigen.

Tiefer als unsere Verletzlichkeit gründet unsere Würde. Sie ist uns nicht nur in die Wiege gelegt, sondern ist schon das Geschenk zu unserer Empfängnis. Wir sind in unserer vollständigen Besonderheit und Eigenart in diese Welt getreten, als eine wunderbare Schöpfung der Natur, begabt mit einem unerschöpflichen Geist. Darin wurzelt unsere Würde. 


Die verschüttete Würde


Damit die Würde wachsen kann, braucht sie eine förderliche Umgebung: liebevolle Menschen, die spüren können, was dieses neue Wesen braucht, um zu seiner Fülle zu gedeihen. Die Liebe besteht vor allem darin, das Wunderbare zu erkennen und zu schätzen und sich am Unergründlichen des Geistes zu begeistern.

Wo es an dieser Liebe mangelt, kommt es zu Verletzungen. Wo etwas nicht so wachsen kann, wie es wachsen sollte, verkümmert es. Der Unterschied zwischen dem, was sein könnte und sollte, und dem, was ist, ist schmerzlich, wenn er zu krass ist und zu lange andauert. Verletzungen nehmen nichts von der Würde weg, die immer da ist. Sie verdecken aber den Zugang zu ihr, sodass es geschehen kann, dass die Würde immer unsichtbarer wird und immer weniger wahrgenommen werden kann, von sich selber und von den anderen. Wo die Verletzungen sehr groß sind, entsteht ein Gefühl von Würdelosigkeit, von Wertlosigkeit, ein Gefühl, keine Liebe zu verdienen. 

Ein Mensch mit einer schweren Verletzungsgeschichte braucht deshalb besonders viel Liebe, um wieder zu seiner Würde zurückzufinden. Der erste Schritt für diese Liebe ist es, diese Würde zu erkennen und anzuerkennen. So zerrüttet oder zerschlagen ein Mensch auch sein kann – seine innere Würde ist im Grund immer intakt und wartet darauf, gesehen und gestärkt zu werden.


Liebe und Selbstliebe


Diese Liebe kommt idealerweise von anderen Menschen. Diese Form der Liebe kann aber nicht eingefordert oder erzwungen werden. Sie ist ein Glücksfall, wenn sie gefunden wird. Wo das nicht oder nur mangelhaft möglich ist, gilt es, die Selbstliebe zu entwickeln, die den Weg zur inneren Würde sucht, durch alle Verzwickungen und Vertrackungen hindurch. Die Selbstliebe besteht darin, die vielen und mannigfaltigen Verletzungen mit gütigem und verständnisvollem Blick zu berühren, zu umfangen und zu trösten. In jedem gelungenen Akt der Selbstliebe geschieht Heilung und es meldet sich die Würde zurück.


Die Vervollständigung der Geschichte


Im Prozess der Heilung wächst die eigene individuelle Geschichte zusammen – die Lücken, die durch die Verletzungen entstanden sind, werden gefüllt. Es bildet sich eine durchgängige Kontinuität, die allen Ereignissen dieses Lebens ihren besonderen Sinn zubilligen kann. Eine vervollständigte Geschichte stellt die Kraft für ein umfassendes Annehmen des gegenwärtigen Moments und für die Gestaltung der Zukunft zur Verfügung. Denn die Gedanken und Gefühle sind nicht mehr an die Verletzungen der Vergangenheit gebunden, sondern setzen die Kreativität frei, die für Wachstum und Entfaltung sorgt. 


Verletzbare Würde


Der erwachsene Mensch, der den Weg der Selbstliebe bestritten hat, ist in seiner Kraft und hat zu seiner Würde zurückgefunden. Er weiß zugleich um die Verletzlichkeit, um das Zerbrechliche am Menschsein, im Bewusstsein eigener Erfahrungen und im Blick auf die eigene Lebensgeschichte. Er braucht keinen Panzer, keine Verhärtungen und keine Gewalt, um sich in der Welt behaupten zu können. Er kann sich der Welt in seiner Verletzbarkeit zeigen, in dem Bewusstsein, dass dieses Leben in Zerbrechlichkeit begonnen hat und in Zerbrechlichkeit enden wird. Er braucht also keine Maske mehr, mit der er der Welt seine Anpassungsfähigkeit demonstriert und seine Bereitschaft, sich den Erwartungen der anderen zu unterwerfen. Vielmehr verbindet er seine Verletzlichkeit mit seiner Lebenskraft und umfasst beide mit seiner Würde. „Ich bin verletzbar, doch ich lasse es nicht zu, verletzt zu werden, weil ich um meine Kraft weiß.“


Die verletzlichen Helden


Die Helden und Heldinnen unserer Zeit sind Menschen, deren Kraft und Klarheit Hand in Hand mit dem Mitfühlen geht, wenn sie sich für Gerechtigkeit und Menschlichkeit einsetzen. Sie speisen diese Haltung aus der Übung des Selbst-Mitgefühls in Beziehung zu ihrer eigenen Verletzlichkeit. Die Verletzlichkeit erweist sich als mächtiger als die Härte.

Bei Laotse heißt es dazu: „Dass Schwaches das Starke besiegt und Weiches das Harte besiegt, weiß jedermann auf Erden, aber niemand vermag danach zu handeln.“ (Tao Te King, Kapitel 81) Die Vertreter des gewaltlosen Widerstandes und ihre Nachfolger haben inzwischen bewiesen, dass es möglich ist, nach dieser alten Weisheit zu handeln und auf diesem Weg immer wieder der Menschlichkeit zum Sieg über die Mächte der Zerstörung zu verhelfen. 


Der Weg des Mitgefühls


Eine Person, die den Weg der Heilung und Selbstliebe gegangen ist, kennt die Verletzbarkeit ihrer Mitmenschen und achtet sie, weil sie weiß, dass die besonders Verletzten besonders viel Liebe brauchen. Aus der Bewusstheit über das eigene Lebensschicksal und aus dem Annehmen der daraus entstandenen Belastungen und Leiden steht sie zu der Einsicht, dass der Weg der Verständigung und der liebevollen Akzeptanz der einzig sinnvolle ist. Sie weiß um die selbstverständliche und bedingungslose Gültigkeit und um die unbezwingbare Kraft der Menschenliebe.

Es ist ihr klar, dass es keine Alternative für die Suche nach Heilung und Frieden gibt als den, alle Mitmenschen in ihrem Leiden und ihren Schwächen und Stärken anzuerkennen und der Würde, die im Innersten von jedem von uns wirkt, volle Anerkennung und tiefen Respekt entgegenzubringen. Um es spirituell auszudrücken: Sie verneigt sich vor der Göttlichkeit in jedem Menschen, weil sie um ihre eigene Göttlichkeit weiß, die alles Schöne und Traurige des eigenen Lebens umfasst. In unserer Würde spiegelt sich das Göttliche.

Oder, wie Charlie Chaplin sagte: „Macht brauchst du nur, wenn du Böses vorhast. Für alles andere reicht Liebe.“

Zum Weiterlesen:
Scham und Verletzlichkeit

Montag, 26. November 2018

Die Rückkehr aus der Scham

Die Scham ist nicht nur das schwierigste, sondern auch das unangenehmste Gefühl. Wir wollen ihm so schnell wie möglich entrinnen, manchmal wünschen wir uns, in der Erde zu versinken – Mutter Erde soll uns gnädig in ihr Reich aufnehmen, in dem alle Fehler, die wir jemals begangen haben, keine Rolle mehr spielen. In ihrem Schoß kann es nichts Peinliches mehr geben, weil sie alles schon kennt, was Menschen falsch machen können.

Soweit unsere Errettungsfantasie in den Momenten der Pein, in denen es scheinbar kein Entkommen vor der Missbilligung unserer Mitmenschen und dem Verlust unserer Selbstachtung gibt. Wir stehen auf der Rednerbühne und merken plötzlich, dass der Hosenzipp offen ist, wir erzählen in der Runde etwas, was alle schon längst wissen, wir haben einen wichtigen Termin vergessen oder die Blumen liegengelassen, die wir schenken wollten, wir bringen bei einem Witz die Pointe nicht rüber, wir stellen eine Bekannte mit einem falschen Namen vor… Anlässe zum Schämen gibt es Sonderzahl. 

Wir können zwar den bekannten, fälschlicherweise Wilhelm Busch zugeschriebenen Rat beherzigen: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich gänzlich ungeniert“, doch müssten wir dazu erst einmal unseren Ruf riskieren. Denn dieser definiert unsere Stellung in der Gemeinschaft, und daran hängen unsere Chancen, angenommen zu sein und sicher dazu zu gehören. Wir wollen, dass uns die anderen vertrauen können, so wie wir ihnen vertrauen wollen. Mit einem ruinierten Ruf riskieren wir das Misstrauen unserer Mitmenschen und damit unsere Sicherheit in der Gesellschaft und Öffentlichkeit.

Andererseits stehen wir in Zusammenhängen des Schämens und des Beschämtwerdens, sobald wir uns auf den Marktplatz der Gesellschaft begeben. Die Gesellschaften, die wir als Menschen bilden, sind so komplex und von unterschiedlichsten Werten und Normen durchzogen, dass wir uns nicht aus dem Haus bewegen sollten, wollten wir der Scham entgehen. Allzu leicht können wir die Grenzen bei anderen verletzen, was uns zur Scham führt, sobald wir das merken. Deshalb haben wir immer wieder versucht, uns all die Regeln und Normen einzuprägen, damit unser Navigieren durch die menschliche Gesellschaft ohne Peinlichkeiten und Scham ablaufen kann. Doch all das Lernen und Verbessern in unseren sozialen Kompetenzen hat uns nicht davor gefeit, doch immer wieder mal in ein Fettnäpfchen zu tappen. 

Der Narr


Die archetypische Gestalt des Narren bezeichnet einen Menschen, der sich nicht schämt, weil er nichts weiß oder vorgibt, nichts zu wissen über das, was sich gehört und was sich nicht gehört. Narren und Kinder sprechen die Wahrheit, so heißt es, und damit ist gemeint, dass wir unangenehme Dinge nur ansprechen können, wenn wir bestimmte soziale Konventionen überwinden. Und das können wir, wenn wir uns in einen Bereich jenseits der Scham begeben. Dem Narren wurde zugebilligt, sogar die Majestät zu beleidigen, weil er eben ohne Rücksicht auf die Normen und Gesetze sagt, was er sich denkt und was er sieht. 

In diesem Sinn wurde auch zu bestimmten Zeiten die Narrenfreiheit ausgerufen, um für die Leute einen zeitlich begrenzten Erfahrungsraum zu öffnen, in dem niemand etwas falsch machen konnte und alles erlaubt war. Jeder sollte sich einmal als Narr aufführen können, um sich dann wieder leichter in die Zwängen der Gesellschaft einfügen.

Der Narr ist frei von Abhängigkeiten, auch von der Abhängigkeit von einem bestimmten Selbstbild. Er ist ein Meister der Widersprüche und des Paradoxen. Er kann einmal so sein und dann wieder ganz anders. Er lässt sich nicht auf ein bestimmtes Image festnageln, sondern wirkt durch seine Unberechenbarkeit. Da er nichts hat, hat er nichts zu verlieren, also gibt es nichts, wofür er sich schämen könnte oder müsste.

Mehr Narrenfreiheit


Wir müssen nicht alle zu Narren werden, das könnte anstrengend werden, wenn wir nicht über das entsprechende Naturell verfügen, aber wir können uns selbst mehr Narrenfreiheit schenken. Was könnten wir uns vom archetypischen Narren abschauen?

Der Narr kümmert sich nicht um Gewohnheiten, Regeln und Vorschriften. Die einzige Regel, der er folgt, verpflichtet ihn zum Aussprechen der ungeschminkten Wahrheit. Kompromisslos steht er dazu, ohne Rücksicht auf das eigene Risiko. Er hält anderen den Spiegel vor, weil er selber leer ist von Eitelkeit und Rechthaberei. Er ist die Symbolfigur für die Verweigerung jeder Anpassung. 

Wir haben von früh an gelernt, die Erwartungen der anderen wichtiger zu nehmen als was wir selber spüren, brauchen und wollen. Der Preis für unsere Anpassungsleistung war die Imprägnierung mit Scham. Indem wir unsere eigene Narretei und die mit ihr verbundene Kreativität, Sinnlichkeit und Lustigkeit einladen und zulassen, finden wir zurück zu dieser Unbefangenheit und Lockerheit, die das Eigene behaupten kann, ohne sich dafür zu schämen. Sie hat auch keinen Impuls, das Andere abzuwerten, abzuwehren oder zu beschämen.

Mit Archetyp ist gemeint, dass wir alle einen närrischen Persönlichkeitsanteil in uns tragen. Er ist bei manchen Menschen stärker ausgeprägt als bei anderen. Wo auch immer wir uns selber auf dieser Skala befinden, können wir die Energie des Narren nutzen, wenn wir uns unserer ursprünglichen Unbefangenheit und Unschuld besinnen. Wir kommen aus dem Reich der Freiheit von Scham und Schuld, und es steht uns zu, immer wieder dort zurückzukehren und in spielerischer Freude herumzutoben. So wandelt sich die Schwere der Scham in die Leichtigkeit des Narren, der sich, auf gut Wienerisch, einfach „nix scheißt“.  

Die Rückkehr aus der Scham


Was hilft uns noch, uns aus den Fängen eines quälenden und hartnäckigen Schamgefühls zu befreien? Der Narr repräsentiert das Gegenbild zum schamerfüllten angepassten und unterdrückten Mitglied der Gesellschaft. Meistens bewegen wir uns zwischen diesen Extremen, mal melden sich kleine, mal größere Schamgefühle. Wie können wir uns von den alltäglich auftauchenden und den längerfristig bedrückenden Schamerfahrungen entlasten?

Der erste Schritt besteht darin, das Gefühl im Moment zu spüren und anzunehmen, auch wenn es lästig und unangenehm ist. Vor allem Schamgefühle lösen sich nicht, wenn wir sie beiseite schieben und verdrängen. Im Akzeptieren des Gefühls erkennen wir es als das, was es ist, nämlich nur ein Gefühl, das nichts mit unserem Persönlichkeitskern und unserer Identität zu tun hat.
  • Im nächsten Schritt können wir uns klarmachen, dass wir Menschen sind, und das heißt, dass wir Fehler machen können und immer wieder Fehler machen werden. Wir sind wie alle anderen, auch wie die, vor denen wir uns schämen. Wir begehen auch den Fehler, perfekt sein zu wollen, der zusätzlich dazu beiträgt, dass wir uns öfter schämen, als es notwendig ist.
  • Weiters sollten wir unser Verhalten von unserer Person unterscheiden. Wir sind keine unhöflichen oder unachtsamen Menschen, wenn wir einmal unhöflich oder unachtsam reagiert haben. Wir sind immer in der Lage, für unser Verhalten die Verantwortung zu übernehmen und dort, wo es notwendig, ist, den Schaden wieder reparieren.
  • Hilfreich ist es auch, wenn wir unser Selbstmitgefühl vertiefen, allerdings sollten wir darauf achten, nicht in ein Selbstmitleid, das uns in einer Opferrolle festhalten will, zu verfallen. Mitgefühl heißt, dass wir uns nicht als unbarmherzigen Richter über uns selbst aufbauen, sondern uns selbst gegenüber das Verständnis aufbringen, dass wir unsere Schwächen und Mängel haben und dass wir als Menschen nie fertig sind. Wir werden immer wieder da und dort straucheln und unsere Sicherheit verlieren, und dann wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen. So ist unser Leben und das der anderen auch.
  • Die Scham will uns einreden, dass wir die einzigen sind, die fehlerhaft sind und die immer wieder was falsch machen. Doch stimmt das überhaupt nicht, im Gegenteil: Wir sind in bester Gesellschaft – mit all den anderen menschlichen Wesen. Wenn wir glauben, jemand anderen wegen seiner Vollkommenheit bewundern und beneiden zu müssen, haben wir nur nicht genau genug hingeschaut und deshalb die Unvollkommenheiten dieser Person übersehen.
  • Wir reden mit anderen aus vielerlei Gründen. Einer ist immer mit dabei: Wir vergewissern uns, dass uns die andere Person wohlgesonnen ist. Denn dann können wir entspannen, weil wir uns nicht schämen müssen. Wir können so sein, wie wir sind, und wenn Fehler passieren, passieren eben Fehler und nicht mehr.
  • Wenn es uns gelingt, mit vertrauten Menschen über Erlebnisse zu sprechen, die uns beschämt haben, ist das ein weiterer Schritt zur Auflösung eines Schamgefühls. Wir erhalten die Bestätigung von der anderen Person, dass wir in Ordnung sind, auch wenn – oder sogar: gerade weil – wir etwas Beschämendes erlebt haben. Wir brauchen keine Angst mehr zu haben, dass wir nicht dazugehören. Vielmehr gehören wir ganz besonders dazu, wie alle, die sich ihre Scham eingestehen und sich damit von ihrer Last befreien können.

Das Reich der Würde


Sobald wir den Bann der Scham verlassen, treten wir voll in den integren Raum unserer Würde ein. Wir nehmen unsere aufrechte und gerade Haltung ein und begegnen auf diese Weise der Welt. Es gibt nichts, was wir zu verbergen hätten und es gibt nichts, was uns einschüchtert. Es gibt nichts, was in diesem Raum der Würde keinen Platz hätte. Wir zeigen uns in unserer Kraft und in unserer Verletzlichkeit, in unserer Anfälligkeit für die Scham. Je mehr wir mit ihr Freundschaft schließen, desto weniger wird sie sich hinterrücks einschleichen und unseren Lebensfluss blockieren. Und wenn es doch passiert, treffen wir auf ein befreundetes Gefühl und können es nutzen, mehr Bewusstheit in unser Inneres zu bringen. 

Zum Weiterlesen:
Scham - unser schwierigstes Gefühl
Unterschiedliche Reaktionsweisen auf die Scham
Das Vergleichen und der Selbstwert

Montag, 30. Juli 2018

Reich und arm, Demut und Würde

Warum wollen alle Menschen reich werden? Wir wissen ja, dass Reichtum nicht glücklich macht; Armut allerdings auch nicht. Und klar ist, die Schwelle zum Unglück ist bei der Armut niedriger, weil sich schnell Grenzen auftun, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn zumindest die finanziellen Ressourcen stimmen, sind die diesbezüglichen Sorgen meist (nicht immer!) geringer. Armut ist fast automatisch mit existentieller Unsicherheit verbunden, und Reichtum suchen wir gerade deshalb, um uns gegen alle möglichen Risiken besser absichern zu können.

Wie steht es um die Würde der Armen und der Reichen? Klar würden die meisten Leute sagen, dass es für die Menschenwürde bedeutungslos sein sollte, wie ein Mensch materiell aufgestellt ist, wie fett das Bankkonto ist, bzw. ob es überhaupt eines gibt. Aber in der Gesellschaft und auf den tieferen Ebenen der Psyche schaut das gleich anders aus.


Armut heißt, Mittel für fremde Zwecke zu sein


Wie im vorhergehenden Blogartikel ausgeführt, kann die Zubilligung der Menschenwürde mit der Formel „Als Zweck an sich selbst gesehen werden“ umschrieben werden. Dort, wo Menschen als Mittel zu fremden Zwecken dienen, leidet die Menschenwürde und wird tendenziell übersehen. Der Reiche ist wenig gezwungen, sich als Mittel für einen fremden Zweck herzugeben. Im Gegenteil, er ist in der Lage, viele andere Menschen für seine eigenen Zwecke zu benutzen. Er kann sich Angestellte, Leiharbeiter und Bedienstete leisten, die ihm jeden Handgriff abnehmen. 

Armut ist dagegen auch dadurch definiert, dass der Lebenserhalt nur durch das Eingehen von Mittel-Zweck-Relationen gesichert werden kann. Arme Menschen müssen einen großen Teil ihres Lebens als Mittel für andere Zwecke dienen. Sie können sich in vielen Fällen gar nicht aussuchen, womit sie ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Die Lebensbereiche, in denen die eigene Menschenwürde zum Tragen kommt, sind damit stark eingeschränkt. Das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum Arme kürzer leben als Reiche.

Das Bestreben nach Reichtum ist aus diesem Grund verständlich, weil mit finanzieller Sicherheit ein Ausweg aus ökonomischen und emotionalen Abhängigkeitsbeziehungen möglich wird. Die Lotteriewerbung zeigt Menschen, die sich in die eine oder andere Form des Nichtstuns fallen lassen, von Scharen von anderen Menschen bedient. Das ist der Inbegriff von Freiheit auf der materialistischen Bewusstseinsstufe: Freiheit von ökonomischen Abhängigkeiten und Zwängen, frei davon, als Mittel für die Zwecke anderer dienen zu müssen, frei, sich das eigene Leben ohne Fremdbestimmung gestalten zu können, frei, sich die Dienste von abhängigen Personen zu gönnen.

Mit den ökonomischen Entwicklungen seit der industriellen Revolution wurde deutlich, dass Reichtum und Armut nicht einfach nur durch die Geburt in eine bestimmte Gesellschaftsschicht für den Rest des Lebens festgelegt ist, sondern dass es möglich ist, aus der Armut in den Reichtum aufzusteigen, aber auch vom Reichtum in die Armut abzusteigen. Die Devise, dass jeder seines Glückes Schmied ist, wurde, vor allem in der US-amerikanischen Ausprägung des Kapitalismus, zur allgemeinen Lebensformel, samt der Kehrseite, dass auch jeder für sein Unglück alleine verantwortlich ist.


Reichtum und soziale Verpflichtung


In den vorkapitalistischen Zeiten hatten die Religionen ein stärkeres Gewicht in der Gestaltung der Gesellschaftsordnung und damit auch in Hinblick auf das Verhältnis von arm und reich. Sie haben in verschiedenen Formen darauf hingewiesen, dass angehäufter materieller Besitz mit einer besonderen ethischen Verpflichtung verbunden ist. Dahinter steckt die Vorstellung, dass es immer wieder zu einem Ausgleich zwischen Armen und Reichen kommen muss, wenn eine Gesellschaft im Gleichgewicht bleiben soll. Im Judentum gibt es den Schuldenerlass (alle 49 Jahre), im Christentum das Almosenwesen und das Zinsverbot, im Islam das Zakat, die Unterstützung der Bedürftigen, eine der fünf Säulen dieser Religion. 

Eine signifikante Kehrwende hat die protestantische Richtung des Calvinismus eingeschlagen, die materiellen Reichtum mit dem Wohlwollen Gottes erklärt hat. Damit wurde das Streben nach Reichtum an sich zu einer religiösen Verpflichtung, die zunehmend von der sozialen Verpflichtung entkoppelt wurde. Zwar gibt es auch von protestantischen Gruppen starke Impulse zur aktiven Nächstenliebe für Schwache und Bedürftige, aber auch die selbstgefällige und herablassende Einstellung der Reichen, die keinen Grund mehr darin sehen, von ihrem Überfluss etwas an die Bedürftigen abzugeben. 

Es gibt auch heute noch immer Reiche und Superreiche, die ihr Vermögen oder zumindest Teile davon als öffentliche soziale Verpflichtung verstehen. Sie haben das Bewusstsein für das Teilen des Überflusses nicht verloren. Gehörte es allerdings in früheren Zeiten noch zum Selbstverständlichen, dass es reiche Menschen als ihre Aufgabe sehen, vermehrt zu geben, und wurden Reiche in der Erbauungsliteratur bis zum „Jedermann“ von Hugo von Hofmansthal, die sich in ihrem Reichtum und in der Gier für mehr vergraben, an den moralischen Pranger gestellt, so scheint sich demgegenüber zunehmend eine zynische Haltung breitzumachen: Reichtum ist eine Auszeichnung für die Tüchtigen und Erfolgreichen, und was sie damit anfangen, geht niemand etwas an. 

Diese Haltung pflegen nicht nur die Reichen (und Schönen) selbst, sondern erstaunlicherweise wird sie zunehmend auch vom Publikum, den weniger Reichen und Schönen, übernommen, die den Stars und Zelebritäten zujubeln, als wären es Götter und Göttinnen, die da von einem Himmelsthron herabsteigen, wenn sie irgendwo in die Öffentlichkeit treten. Und wie den antiken Göttern auch, wird ihnen von den Bewunderern jede Willkür im Tun zugebilligt, Unmäßigkeiten und Flegeleien, Dummheiten und Unachtsamkeiten werden einfach nur interessiert und staunend zur Kenntnis genommen. Mit großen naiven Augen stehen die Leute da, als wollten alle an dem Glanz und Strahlen teilhaben, das da von den Millionenvermögen ausgeht wie vom Geldhaufen, in dem Dagobert Duck spielt. Vielleicht fällt doch einmal ein Plättchen Gold von der Patina in den eigenen Säckel…

Allerdings, wenn ein Multimilliardär sein Geld in soziale Projekte steckt, läuft er Gefahr, von den Neidern und Ideologen als böser Gutmensch angeprangert zu werden, der christliche Wertvorstellungen und nationale Identitäten untergraben will, während ein anderer sein Vermögen in Weltraumflüge investiert, und dessen Angestellten, die seinen Reichtum vermehren, mit miesen Arbeitsbedingungen und kärglichen Löhnen zurechtkommen müssen, ohne dass es zu öffentlichen Aufschreien und politischen Instrumentalisierungen kommt. 

Daran zeigt sich die Tendenz zur sozialen Isolierung im Wohlstandsstaat. Der Zulauf zu Parteien ist ungebrochen, die den Zynismus der Reichen in ihre Programme zur Reduktion der sozialen Absicherung der Armen übernehmen und von allen gewählt werden, die befürchten, in die Armut abzufallen. Da kann die gegenwärtige österreichische „Sozial“-Ministerin aus der „sozialen“ Heimatpartei vollmundig verkünden, dass jemand bei gedeckten Wohnkosten mit 150,- Euro im Monat an Mindestsicherung leicht auskommen könnte, während sie selber das dreifache am Tag verdient; auf Kritik von den Anhängern der Partei wartet man vergeblich.

Viele gesellschaftliche Bruchlinien sind als Resultante des immer weiter auseinanderklaffenden Reichtumsgefälles entstanden. Auf der einen Seite steigt der Wohlstand und noch mehr das Vermögen der Superreichen, auf der anderen Seite die Zahl der Armen und Armutsgefährdeten. 


Emotionalisierte Verarbeitungen


Aus diesen komplexen Verwerfungen ergeben sich verschiedene emotionale Reaktionsformen. So haben Reiche die Neigung, eine diffuse Überheblichkeit gegenüber den Armen zu pflegen, die oft mit verdeckt ausgedrückter Verachtung verbunden ist. Das Herabschauen auf die, die es nicht geschafft haben, spielt sich nicht nur auf dem Gehsteig ab, auf dem der Bettler sitzt. Auch im gesellschaftlichen Diskurs kommen die Armen bestenfalls als Adressaten für Mitleid vor, nicht als Subjekte, denen ihre persönliche Würde zusteht.

Zudem spielt diese Haltung in die aktuellen Gefühlswelten rings um das Migrationsthema. Arme ausgezehrte und verzweifelte Menschen lösen bei vielen kein Mitleid, sondern Abscheu und Verachtung aus, Gefühle, die der Abwehr der eigenen Angst vor Mittel-Zweck-Beziehungen dienen. Da man sich selber ein Stück daraus befreien konnte und einen sozial abgesicherten, wenn auch fremdbestimmten Arbeitsplatz hat, gilt es, alle, die ein beträchtliches Stück unterhalb auf der sozialen Leiter stehen, weitgehend ihrer Würde zu entkleiden, indem sie einfach missachtet werden. Unbewusst oder halb bewusst, lösen sie Gedanken aus, die um die bange Frage kreisen, ob einem selber einmal derartiges zustoßen könnte und wie man sich dann fühlen würde. Diese Angst muss schnell weggedrückt werden, und sie hindert daran, auch nur ein kleines Stück des eigenen Reichtums abzugeben. Stattdessen entwickeln sich Ekel, Zynismus und Hass als Schutzgefühle gegen die Verunsicherung des eigenen Status und Egos.

Die Bessergestellten und Reichen haben es zudem geschafft, die moralische Verurteilung der Armen im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. Wer arm ist, hat nicht vielleicht nur Pech gehabt oder miese Startbedingungen mitbekommen, sondern hat etwas falsch gemacht, hat sich zu wenig eingesetzt und ist deshalb schuld an seiner schlechteren Stellung. So fällt es leicht, alle Schuldgefühle den Armen umzuhängen. Mit diesem Trick können sich die Reichen unbelastet von lästigen Gefühlen im satten Wohlbefinden der eigenen Rechtschaffenheit und Selbstzweckhaftigkeit sonnen. 

Das Innehaben von Reichtum braucht Ideologien, weil jeder Mehrbesitz der elementaren Gleichheit der Menschen untereinander widerspricht. Reichtum benötigte also immer eine Rechtfertigung, eine allgemein akzeptable Erklärung. War es ursprünglich so, dass Reichtum mit der Verpflichtung zum Teilen verbunden war, hat sich die Situation nach Jahrhunderten der Ideologisierung, der Verbreiterung des Wohlstandes und der Anonymisierung des Reichtums umgedreht: Rechtfertigen müssen sich die Armen, sie geraten neben ihrer materiellen Not auch in eine Erklärungsnot.


Die Angst vor Demütigung


Auch am Thema von Armut und Reichtum können wir erkennen, dass die Angst vor Demütigung den Zugang zur aktiven Demut blockiert. Die Angst vor dem sozialen Abstieg, die die Bettlerin den vorbeieilenden Passanten wie einen Spiegel vorhält, muss verdrängt werden. Daraus erwächst der Druck, gegen jede Verunsicherung anzukämpfen. Die Bessergestellten errichten Zäune und Mauern um die eigene Persönlichkeit mit ihren angehäuften Reichtümern in Form von vergänglichen Dingen – oder äußerlich, wie die Bürger der reichen Stadt Salzburg, die keine Bettler mehr in der Innenstadt dulden. Statt zumindest die mitfühlende und demütige Haltung gegenüber jenen einzunehmen, die durch welche Umstände in ihrem Leben auch immer gedemütigt wurden und in eine prekäre Situation geraten sind, befiehlt die Angst vor der eigenen Demütigung, den Gedemütigten mit der Blockierung der eigenen Demuthaltung zu begegnen. 

Mit dieser Selbstblockierung bleibt aber das Verhältnis zur eigenen Menschenwürde brüchig. Das eingeengte Selbstbild des defensiven wohlhabenden Menschen gründet auf der schwankenden Unterlage der Überheblichkeit vor dem Schicksal. 

Die Haltung der aktiven Demut hingegen, die eine eigene Form des Mutes erfordert, erkennt in der Armut und Schwäche und im Ausgeliefertsein der Benachteiligten und Zukurzgekommenen die eigene Ungesichertheit gegenüber der nichtkontrollierbaren Schicksalsmacht im eigenen Leben. 

Diese Haltung, wenn sie aktiv übernommen wird, wirkt sich nicht nur auf Einstellungen, sondern auch auf Handlungen aus. Sobald sie mehr gesellschaftliches und politisches Gewicht bekommt, wären die notwendige Weiterentwicklung des Sozialstaates, bzw. die Rücknahme von Maßnahmen im Sozialabbau unumgänglich. Noch ist offenbar die kritische Masse nicht entstanden, noch haben zu wenige Menschen die Bewusstheit für die aktive Demut in sich aufgebaut und stabilisiert. „Zweck an sich“ sind wir nur, wenn wir diese Einstellung und Haltung der aktiven Demut mühelos und entspannt einnehmen und öffentlich vertreten können.


Eine Geschichte zum Thema


Eine chic gekleidete Frau ging am Gehsteig an einem Eierhändler vorbei, der vor sich ein paar Körbe mit Hühnereiern feilbot. Sie fragte ihn: „Für wieviel verkaufen Sie die Eier?“ Der alte Händler antwortet: „25 Cent für ein Ei, gnädige Frau.“
Sie sagte: „Ich nehme 6 Eier für 1 Euro 25, oder gar nichts.“
Der Händler antwortete: „So nehmen Sie die Eier doch, zu dem Preis, den Sie wollen. Vielleicht ist das ein guter Beginn, ich habe heute sonst noch nichts verkauft.“
Sie nahm die Eier mit dem Gefühl, gewonnen zu haben, und ging. Sie stieg in ihren Schlitten und fuhr in ein In-Restaurant mit ihrer Freundin. Dort bestellten sie, was ihnen schmeckte, aßen wenig davon und ließen viel übrig. Dann verlangte sie die Rechnung, die 45 Euro betrug. Sie gab dem Kellner 50 Euro und sagte ihm, er solle gerne den Rest als Trinkgeld behalten.
Warum zeigen wir häufig, dass wir die Macht haben, wenn wir etwas von Bedürftigen kaufen? Und warum tun wir bei Leuten, die es gar nicht brauchen, so großzügig?
(Quelle: Im Internet gefunden)

Zum Weiterlesen:
Demut und Mitmenschlichkeit
Passive und aktive Demut
Demut als spirituelle Haltung

Donnerstag, 26. Juli 2018

Demut und Mitmenschlichkeit

In einer arbeitsteiligen Gesellschaft brauchen und gebrauchen wir uns als Menschen wechselseitig. Wir nutzen einander als Mittel für die eigenen Zwecke. Der Installateur hilft mir als Mittel zur Reparatur der Küchenarmatur, ich diene einem Klienten zur Auflösung seines Mutterthemas. Wir nehmen Geld als Ausgleich für die erwiesenen Leistungen und auch dafür, dass wir den anderen nicht als "Zweck an sich selbst" akzeptiert haben, sondern als Mittel für einen eigenen Zweck. 

Immanuel Kant hat in dieser Formulierung des kategorischen Imperativs auf die grundlegende Würde des Menschen hingewiesen, die die Voraussetzung für jede ethische Orientierung darstellt. Es sind also Ausnahmesituationen, in denen wir einem anderen Ziel als dem ethischen den Vorrang geben. Der Regelfall soll und muss die Ausrichtung am kategorischen Imperativ sein, damit eine Gesellschaft funktionieren kann und das Innere der Menschen in Frieden mit sich selbst bleibt.

In vielen Situationen nehmen wir allerdings die Mittel-Zweck-Beziehung in zwischenmenschlichen Interaktionen als selbstverständlich. Dort ärgern wir uns, wenn die Leistung nicht dem gewünschten Resultat entspricht, wenn also unsere Erwartungen enttäuscht werden, und machen die beteiligten Personen dafür verantwortlich. Ich habe mir ein Buch erworben und bemerke, dass Seiten fehlen. War es der Verkäufer oder der Drucker, der den Fehler gemacht hat? Jedenfalls hat mich ein Mensch enttäuscht. Das gewählte Mittel, also die verantwortliche Person, war ein schlechtes und sollte durch ein besseres ersetzt werden.

Wir schrauben unsere Erwartungen an perfekte Dienstleistungen nach oben und merken nicht, wie wir damit an der fortschreitenden Verdinglichung der zwischenmenschlichen Beziehungen mitwirken. Immer mehr verlieren wir dabei die Menschen, die in den verschiedensten Zusammenhängen ihre Leistung für uns einbringen, aus den Augen. Wir wollen, dass Fehler nicht vorkommen, und wenn, dann sollen es die dafür Verantwortlichen auch zu spüren bekommen. 

Jede Mittel-Zweck-Relation enthält ein Moment der Hartherzigkeit und Rücksichtslosigkeit. Es geht um die Eigeninteressen, denen die Interessen der anderen Person untergeordnet werden. Wenn diese Tendenz verstärkt wird, nähern wir uns einer Gesellschaft, in der Ausbeutung zur Norm wird. Ausbeutung hat immer das Ziel und die Auswirkung, Ungleichheiten zu verstärken und Machtverhältnisse zu stabilisieren. Statt der Achtung der Menschenwürde geht es um die Demütigung, also die Entwürdigung derer, die uns ihre Dienste leisten.


Auf einer Ebene


Wollen wir dieser Tendenz, die ein Kernelement der neoliberalen Wirtschaftsideologie darstellt, entgegenwirken, so gilt es zu erkennen, dass die Menschenwürde nur auf der Grundlage einer elementaren Gleichheit der Menschen gesichert werden kann. In der Essenz sind wir als Menschen und als Menschheit auf einer Ebene, was sich am Anfang und am Ende eines Menschenlebens am deutlichsten zeigt: Nichts bringen wir mit, nichts nehmen wir mit außer unsere nackte Haut. 

Dazwischen wollen wir alles Mögliche an Gütern, Status und Macht anhäufen, damit wir uns von den anderen Menschen unterscheiden, ohne zu merken, wie sehr wir uns in dieser Konsummentalität auf platte Weise mit den anderen gleichmachen, unter dem Diktat des Konsumzwangs. Die Rückbesinnung auf unsere Einfachheit und Nacktheit kann uns helfen, die Gleichheit von Mensch zu Mensch wiederzufinden und zu pflegen, dort wo wir vorurteilsfrei und wertschätzend miteinander umgehen. Die Haltung der aktiven Demut führt uns auf diese Ebene, indem sie uns davon abhält, uns kleiner oder größer, wichtiger oder unwichtiger als irgendjemand anderer zu wähnen.

Allzu viel Zeit verwenden wir darauf, die Schwächen unserer Mitmenschen zu geißeln und herauszustreichen, wie sehr wir darunter leiden. Wir wollen damit Mitleid und Zuwendung von denen einsammeln, die es eigentlich gut mit uns meinen. Dabei übersehen wir natürlich die guten Seiten an all denen, die uns gerade auf die eine oder andere Art enttäuscht haben. 


Kritik und Überheblichkeit


Wenn wir einen strengen Maßstab anlegen, drückt jede Kritik an anderen Menschen, vor allem, wenn sie abwertend ist, die eigene Überheblichkeit aus. Wir dünken uns als die Besseren, die auf die Fehlerhaftigkeit der anderen herabsehen können und sie hervorheben und anprangern müssen. Vordergründig wollen wir die anderen zu besseren Menschen machen, indem wir sie auf das hinweisen, was ihnen dazu fehlt und wo sie zu lernen hätten.  Unser Gewinn liegt darin, dass wir unsere Kränkung und Enttäuschung ausgleichen; die mangelhafte Sachleistung wird mittels einer ethischen Abstufung und Abwertung umgedreht. 


Die anderen Menschen als „Zwecke an sich selbst“


Was würde es bedeuten, andere als "Zweck an sich selbst" zu nehmen? Der Unterschied liegt in der Haltung: Bin ich bereit, in diesem Menschen, der für mich eine Arbeit erledigt, den Menschen in seiner aktuellen Vollkommenheit, in seiner Göttlichkeit anzunehmen, als Wunder, das er ist? Bin ich offen für die Einmaligkeit dieses Menschen, der mir da begegnet und mich überrascht und bereichert? Bin ich bereit, Fehlerhaftigkeit als Teil seiner Menschlichkeit anzunehmen? Wir können am Teilen und Austauschen mit anderen Menschen genesen und wachsen, aber nur, wenn diese auf der gleichen Ebene stattfinden.

Wenn wir unsere überhebliche Position, die wir im Kritisieren einnehmen, mit Demut austauschen, kommen wir auf gleich mit der anderen Person, begegnen ihr auf Augenhöhe und lassen uns auf ihre menschliche Würde ein, vor der wir uns nur verbeugen können. 

Unser kritisches Lästermaul wird vielleicht nie verstummen. Es kommt so schnell zu Anlässen, die uns dazu verleiten, abfällig über andere herzuziehen. Aber wir können lernen, rascher aus dem Muster des Kritisierens herauszukommen, wenn wir uns mit unserer eigenen Würde verbinden und diese in der anderen Person als Widerspiegelung erkennen. Dann verstehen wir, was es heißt, verbunden zu sein und können spüren, wieviel angenehmer und entspannender diese Erfahrung ist als die Trennung, die wir durch die Kritik hervorgerufen haben. Sobald wir uns für unser inneres Lächeln öffnen, brauchen wir keine kritischen Abwehrreaktionen mehr, sondern können uns für die Schönheit der anderen öffnen.

Demut führt dazu, dass wir unser eigentliches inneres Maß wiederfinden. Wo unser Ego über uns selbst hinausgewachsen ist, nehmen wir uns zurück; wo uns unser Ego verkümmern hat lassen, wachsen wir nach. Wir nehmen uns auf uns selbst zurück. 

Indem wir die Haltung, die wir auf uns selber anwenden, in die Kontakte mit anderen Menschen einbringen, helfen wir ihnen am effektivsten, dass sie selber ihr inneres Maß finden können und sich damit viel Leid ersparen. Und uns selber unterstützen wir auf dem Weg des inneren Wachsens und dem Annehmens unserer Menschenwürde.

Zum Weiterlesen:
Die Demut und das Ego
Demut und Mitmenschlichkeit
Die Gleichberechtigung des Seins
Passive und aktive Demut
Demut als spirituelle Haltung
Reich und arm, Demut und Würde

Montag, 19. Dezember 2016

Wer die Würde nicht respektiert, verliert seine eigene

Albert Schweitzer schreibt: "Wer die Würde der Tiere nicht respektiert, kann sie ihnen nicht nehmen, aber er verliert seine eigene."

Wir sollten damit beginnen, das Zitat auf die Menschen zu übertragen: "Wer die Würde eines Menschen nicht respektiert, kann sie ihm nicht nehmen, aber er verliert seine eigene." Manchen mag es leichter fallen, die Würde von Tieren als die von Menschen zu respektieren, und das sind Menschen, denen von Menschen mehr angetan wurde als von Tieren. Doch zeigt sich gerade an diesem Beispiel, dass wir zunächst unseren Artgenossen, uns selbst, die Würde zukommen lassen müssen, die uns gebührt.

Die Würde des Menschen bezieht sich auf seine persönliche Integrität, auf sein Menschsein. Jeder Mensch verfügt darüber kraft seiner Geburt und Abstammung von anderen Menschen, kraft seiner Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht.

Dazu gibt es keine Alternative, wie wir keine Alternative darin haben, Menschen zu sein. Darum hat diese Würde einen absoluten Stellenwert, der nicht durch relative Annahmen außer Kraft gesetzt werden kann. Es wurde zwar immer wieder Menschen die Würde abgesprochen, weil sie einer bestimmten Gesellschaftsschicht, Kaste, Religion, Ideologie zugehörig waren, weil sie sich ein Fehlverhalten zuschulde kommen ließen oder weil sie an einer Behinderung litten. Der Status der Würde kann jedoch nicht an bestimmte Leistungen oder Eigenschaften gebunden werden, sondern besteht unbedingt; sonst hat der Begriff keinen Sinn: Menschen sprechen sich selbst das ab, was sie sind.


Entwürdigung als Folge von Ideologien


Alle Versuche, anderen Menschen ihre Würde abzusprechen, - und deren gibt es jede Menge im wechselhaften Lauf der Geschichte - sind leicht durchschaubare Machtaktionen: Wer keine Würde hat, kann von der Teilhabe am vorhandenen Reichtum ausgeschlossen werden. Wird der Kreis der Würdenträger kleiner, bleibt für jeden Würdigen mehr. Wer im Zentrum bleibt, hat den Überblick und Einblick in die ertragreichen Lebensmöglichkeiten. Die, die an den Rand gedrängt werden, sollen sich mit den Brotsamen begnügen.

Wie auch immer Abstufungen der Würde begründet und legitimiert werden, stets ist die Triebkraft Willkür und Selbstsucht. Jede Würdeverminderung, die einzelnen Menschen oder Menschengruppen zugeordnet wird, bringt denjenigen, die solche Festlegungen einführen, immanente Vorteile. Diejenigen, die auf diese Weise die Macht für sich reservieren, leben unverfroren auf Kosten von anderen.

Um die Ausbeutung von Menschen durch Menschen plausibel zu machen, braucht es eine Ideologie, die etwa festlegt, dass die Abstammung oder der Besitz von Gütern den Grad der Würde bestimmt. Umgekehrt zeigt sich, dass Ideologien immer auch den Sinn haben, Menschen mit unterschiedlichen Graden an Würde auszustatten. Sie sollen verständlich machen, warum es bessere und schlechtere Exemplare der Menschengattung gibt, die entsprechend dem Grad ihrer Güte am gesellschaftlichen Austausch beteiligt werden und Chancen zugeteilt oder entzogen bekommen.

Im Lauf der Bewusstseinsevolution haben sich die Ideologien gewandelt, je nach den Erfordernissen der jeweilig vorherrschenden Ängste. Zugleich finden sich auf jeder Stufe auch Gegenkräfte, die zur Befreiung aufrufen und die Unterschiede im Zusprechen von Würde aufheben wollen. Auf der personalistischen Stufe erst wird verstanden, dass Würde untrennbar mit Person verbunden ist: die Idee der Menschenrechte wird geboren.

Gleichzeitig wird auch der Schaden und die Ungerechtigkeit einsichtig, die durch das willkürliche Absprechen und Zuteilen von Würde in der Menschheitsgeschichte angerichtet wurde und wird. Allerdings richtet sich die Wut der Unterdrückten zunächst gegen die Unterdrücker, sodass diesen dann erst wieder die Würde abgesprochen wird. Deshalb enden viele Revolutionen, die sich die Befreiung von Unterdrückung auf die Fahnen geheftet hatten, in neuen Unterdrückungssystemen. Wo immer Gewalt gegen Menschen ins Spiel kommt, wird die Würde missbraucht. Deshalb waren die im 20. Jahrhundert auftauchenden Formen des gewaltfreien Widerstandes so besonders eindrucksvoll und zukunftsweisend, um den Kreislauf der Entwürdigung aufzubrechen.


Das Ende der Entwürdigung


Auf der systemischen Bewusstseinsstufe können wir erkennen, dass wir nur dann reibungsfreie, gewinnbringende und kreativitätsfördernde Austauschprozesse schaffen können, wenn die Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit der daran Beteiligten außer Streit steht. Menschenverachtende Ideologien müssen dabei ausgeschlossen bleiben. Das menschliche Potenzial zur Problemlösung und Lebensverbesserung kann sich dort am besten entfalten, wo Menschen auf der Grundlage der gegenseitigen Achtung miteinander interagieren.

Wenn wir den Schritt zum holistischen Bewusstsein weiterschreiten, kommt ein weiteres Motiv dazu, das Albert Schweitzer in dem obigen Zitat mitbedacht hat. Würde, die wir anderen Menschen absprechen, nehmen wir uns selbst weg. Wir wollen uns über andere erheben und unser Ego mit dieser Überlegenheit füttern. Wir machen unser eigenes Selbstgefühl von der Minderheit anderer abhängig, unser Wert hängt am Unwert anderer.

In dieser Perspektive schaden sich die, die an der Entwürdigung gewinnen, selbst und leiden im Grunde mehr an sich, als jene, die die Unterdrückung erleiden müssen. Denn diese behalten ihre innere Würde, auch wenn sie ihnen im Außen abgesprochen wird. Wer anderen ihre Würde nicht zugestehen kann, nimmt sie sich selber weg. Er verfügt über keine Selbstachtung, weil er das Menschliche, das er am anderen ablehnt, in sich selber nicht annehmen kann. Während für den anderen eine würdelose Identität konstruiert wird, wird die eigene Identität ein Teil davon. Der überhebliche Stolz, der in der Entwürdigung anderer liegt, ist so weit von der Würde entfernt wie die Eigenschaften, wegen derer anderen die Würde abgesprochen wird. Entwürdigen macht würdelos.

Wem die Würde verweigert wird, wer also keinen Respekt und keine Achtung bekommt, leidet an dieser Form der Entmenschlichung und den damit verbundenen Nachteilen und Ungerechtigkeiten. Zugleich ist klar, wo die Ursache des Leidens liegt: An überheblichen Menschen und an Strukturen, die diese Haltungen erzeugen und stabilisieren. Wer die Würde verweigert, fühlt sich aufgrund seiner Ideologie im Recht und merkt nicht, wie er damit seine eigene Integrität ruiniert.


Die ganzheitliche Sicht


Der Schritt ins holistische Bewusstsein erfordert die radikale Sicht auf diese Zusammenhänge: Jede Form der Lieblosigkeit ist neben dem Schaden, den sie in der Welt und bei anderen Menschen anrichtet, eine Form der Selbstschädigung. Es gibt keinen essentiellen Unterschied zwischen mir und meinem Nächsten. Was ich ihm gebe, gebe ich mir, was ich ihm vorenthalte oder abspreche, enthalte ich mir vor und spreche mir ab. In dem Maß, wie ich andere als unwert, dumm, unfähig oder böse halte, bin ich es selber.

Im holistischen Bewusstsein geht es nicht darum, immer lieb und nett zu sein, zu sich und zu anderen, und darum, alles lieb und nett zu finden, was sich abspielt. Vielmehr geht es um die Erkenntnis der Verbundenheit von allem mit allem und um die Übernahme der Verantwortung, die damit einhergeht. Nicht alles in der Welt ist lieb und nett, nicht jeder handelt aus dem Bewusstsein seiner Eigenwürde heraus, und diese menschlichen Schwächen gehören erkannt, benannt und rückgemeldet. Denn wir alle haben Teil an diesen Schwächen und brauchen die anderen, damit sie behoben werden können. Wir müssen Formen der Zusammenarbeit mit den anderen finden, die dazu führen, dass die Vorgänge der Entwürdigung in der Welt geringer werden und mehr Anerkennung von Würde stattfindet.

Das ist der eine Teil der Verantwortung, die wir für die Aufrechterhaltung der Würde in der Welt tragen.

Der andere Teil besteht darin, dass wir achtsam mit uns selber sind und uns unsere Tendenzen zur Entwürdigung bewusst machen. Wann immer wir an anderen etwas abwerten, werten wir uns selber ab. Wo wir anderen ihre Würde nicht zugestehen, entwürdigen wir uns selber. In dem Maß, in dem wir hingegen anderen ihre Würde zusprechen und stärken, wenn sie den Zugang dazu verloren haben, in dem Maß unterstützen wir unsere eigene Würde. An Würde zu wachsen erleichtert uns im Gegenlauf, die mit der Würde verbundene doppelte Verantwortung wahrzunehmen.

Das holistische Bewusstsein greift noch weiter. Es begnügt sich in seinem Anspruch nicht mit der Sphäre des Menschlichen. Das Zitat von Schweitzer ist ja auf diesen weiteren Horizont gemünzt: Würde kommt dem Leben überhaupt zu, dem tierischen wie dem menschlichen, und beide Bereiche sind ineinander verschränkt, sodass eine Nichtachtung des Tierischen auf den Menschen, der ja allein der Respektlosigkeit mächtig ist, schädlich zurückschlägt.

Über die Kreise des Lebendigens hinaus gilt das Zusprechen der Würde mit allen daraus resultierenden Konsequenzen dem Kosmos als ganzem. Also allem, was es gibt, sollen wir würdevoll und würdegebend begegnen, dann sind wir im rechten Verhältnis zu uns und zu allem um uns herum und nur dann tragen wir das Unsere dazu bei, dass diese Ordnung des Guten erhalten bleibt.