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Montag, 1. Mai 2023

Ausstieg aus dem Funktionsmodus

Unsere Gesellschaft ist geprägt vom Leistungsdenken und von dem daraus resultierenden Leistungsdruck, der sich mit der fortschreitenden Kapitalisierung der Wirtschaft konstant steigert. Im Zug dieser Entwicklung wird der Wert des menschlichen Lebens immer mehr an dem festgemacht, wie sehr sich jemand anstrengt und wie erfolgreich diese Anstrengung ist. Wer sich weder anstrengt noch mit seiner Anstrengung viel erreicht, verdient keinen Wert und seine Existenzberechtigung ist in Frage gestellt. 

Dieses Denken und die damit verbundenen Erwartungen erfassen die Kinder spätestens mit dem Schuleintritt, falls nicht schon im Kindergarten im Sinn einer Vorschule die Leistungsorientierung eingeführt wird. Dieser Druckmechanismus ist im weiteren Leben vor allem im beruflichen Feld bestimmend und schwappt von dort aus auch auf den Freizeitbereich über. Er wirkt daran mit, dass viele Menschen mit ihrer Pensionierung, beim Eintritt in den „Ruhestand“, in eine Krise geraten, weil sie das beschämende Gefühl bekommen, nichts mehr wert zu sein. 

Als Folge der Ausbreitung des kapitalistischen Wirtschaftssystems ist der Wert eines Menschen also mit seiner Leistung und seiner Leistungsfähigkeit gekoppelt. Manche verweigern sich dieser Zuordnung und beschließen, nichts oder nur das Allernotwendigste zu leisten. Sie scheren aus dem allgemeinen Gerenne nach dem Sich-Beweisen und Erfolg-Haben aus und versuchen, sich auf alternativen Bahnen die eigene Existenz zu sichern. Sie befinden sich in einer Konterposition zur herrschenden Leistungsideologie, können sich aber dennoch nicht von deren Druck befreien. Denn diese Ideologie ist so mächtig, dass sie jeden schon ergriffen und durchdrungen hat, ehe man sich eines Besseren besinnt. 

Systematische Druckausübung

Ein zentraler Teil dieser Ideologie ist, dass ohne Druck nichts weitergehen würde: Freiwillig würde niemand mehr arbeiten, alle würden sogleich auf der faulen Haut liegen. Es würde niemand früh aufstehen oder Termine einhalten, und die Wirtschaft würde schließlich zusammenbrechen. Der beständige Druck von oben nach unten ist demnach als ein scheinbar unerlässlicher Bestandteil im Leistungssystem und seiner Ideologie eingebaut. Im neoliberalen Denkgebäude herrscht das Menschenbild vor, dass wir eine im Grund arbeitsscheue und faule Gattung sind, die nur durch Anreize, Manipulation oder nackte Gewalt zum Arbeiten gebracht werden kann. Dass das Aktiv- und Tätigsein aus einem inneren Antrieb stammen könnte, hat keinen Platz in dem System, ebensowenig wie die Erkenntnis ernst genommen wird, dass Menschen unter Druck weniger und schlechtere Leistung erbringen als wenn sie aus eigenem Wollen schaffen. 

Folglich sind selbstbestätigende Regelkreise entstanden, in denen immer mehr Druck immer mehr Druckvermeidung produziert, auf die wieder mit mehr Druck reagiert wird. Druck erzeugt Widerstand, der sich in den seltensten Fällen nach außen wendet (wie z.B. bei einer Maschinenstürmerei oder bei Demonstration gegen unerträgliche Arbeitsbedingung); über Generationen hat sich verinnerlicht, dass der Druck eben „dazugehört“ und dass jeder lernen muss, sich den Erwartungen anzupassen und unterzuordnen. Jeder Mitspieler in dem System hat die Verantwortung verinnerlicht, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute den Widerstand zu überwinden und sich zur Leistung zu motivieren, gleich ob es einem passt oder nicht. Und verinnerlicht ist auch die Maxime, dass das Handeln im Sinn des wirtschaftlichen Schaffens die eigene Existenz rechtfertigt und das Nichtstun die eigene Existenz in Frage stellt.

Es geht eine Unmenge Energie ins Druckmachen, in den Widerstand gegen den Druck und in seine Überwindung. Diese Kräfte fehlen auf der produktiven Seite, denn sie fließen nur in die Aufrechterhaltung des Systems. Die Folge ist, dass weniger geschaffen wird, einerseits, weil die, die oben sind, ihre Energie ins Druckerzeugen stecken, und die, die unten sind, unter Druck und wegen ihrer Widerstandsüberwindung weniger leistungsfähig sind. Automatisch steigt dadurch der Druck und ebenso wächst der Widerstand dagegen. Der riesige Koloss des Wirtschaftssystem hält sich am Leben wie ein Fahrzeug, das dauernd mit angezogenen Bremsen fährt und den doppelten Energieverbrauch benötigt, ohne mehr Leistung zu erbringen.

Die Angst regiert beide, die oben und die unten, und sie reduziert genau das, was produziert werden soll, nämlich Leistung. Menschen leisten mehr und besser, wenn sie frei von Druck, aus sich selbst heraus schaffen. Aber solange wir glauben, dass wir nur durch Angst getrieben aktiv werden, können wir uns keine angstbefreite Schaffenskraft vorstellen und füttern damit das System, das uns tendenziell ruiniert, als Einzelne, als Gesellschaft und als Menschengattung.

Individuelles Ausklinken

Hier geht es nicht darum, dass das widersinnige System der Ausbeutung und Selbstausbeutung überwunden und transformiert werden muss. Dieser Prozess ist langwierig, weil er verschiedene Trägheitsschwellen überwinden muss, z.B. die Macht, die bei den Nutznießern des Systems konzentriert ist oder die neoliberalen Ideologien, die für viele so selbstverständlich geworden sind, dass sie wie unumstößliche Wahrheiten wirken. Es wird – falls es nicht zu einem dramatischen Kollaps als Folge einer globalen Klimakatastrophe kommt – Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern, bis der Kapitalismus auf ein menschenverträgliches Maß zurückreguliert ist. 

Hier geht es darum, wie wir uns als Einzelne als dem Räderwerk von ökonomischen, soziologischen und psychologischen Prägungen ausklinken können. Es macht keinen Sinn, solange mitzuspielen und mitzuleiden, bis sich irgendwann einmal das System zugunsten der Menschlichkeit ändert. Wir sind für uns selber verantwortlich, für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, das predigt uns der Neoliberalismus Tag für Tag. Wir müssen also selber dafür sorgen, dass wir angesichts eines systemisch wirksamen Wahnsinns heil bleiben. Dazu brauchen wir die Kraft unserer Bewusstheit, die wir immer wieder aktivieren müssen, wenn wir dem Zugriff der Selbstentfremdung entkommen wollen. Der Funktionsmodus ist tief in uns verankert und mit der eigenen Weltsicht und dem eigenen Selbstwert verflochten. Es sind massiv wirksame gesellschaftliche Prägungen, die sich mit Hilfe einer kollektiven Amnesie entwickelt haben, also mit einer kollektiven Verdrängung. Diese Entwicklung ist seit der neolithischen Revolution vor 12 000 Jahren in Gang, die durch den modernen Kapitalismus ab dem 18. Jahrhundert verschärft und globalisiert wurde. Sie weist die Merkmale einer kollektiven Traumatisierung auf. 

Wir sollten die Macht dieser Traumlast nicht unterschätzen und haben viel zu tun, wenn wir uns ihren Sog entziehen wollen. Doch je eher und je öfter wir uns ausklinken, desto weniger Schaden nehmen wir an Leib und Seele. Diese Distanzierung von der Druckausübung geht nur mit klaren und präsenter Bewusstheit, denn der Funktionsmodus ist tief verankert und mit dem eigenen Selbstwert verflochten. 

Die Macht der Bewusstheit

Theodor W. Adorno hat zwar einmal geschrieben, dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann, dass also ein unmenschliches System alle seine Mitglieder von sich selbst entfremdet und ein Entkommen davon nicht möglich ist. Aber dieser Fatalismus übersieht die Möglichkeiten unserer Bewusstheit, die nicht zur Gänze durch gesellschaftliche Prägungen und kollektive Traumatisierungen gelähmt werden kann. Sie erhält unsere Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Sie ermöglicht uns, uns auf uns selber zu besinnen und klar zu werden, was wir wollen und was nicht. 

Es erfordert eine bewusste Entscheidung, vom Funktionsmodus auszusteigen und damit in den Flussmodus zu wechseln. Sie passiert nicht von selber, denn die Prägungen und die daraus abgeleiteten Gewohnheiten sind das, was von selber geschieht. Mit der bewussten Entscheidung für den Flussmodus setzen wir diese Prägungen außer Kraft und lassen zu, was von sich selber geschehen will. Wir tun das, was zu tun ist, in entspannter Weise. Oder: Es geschieht, was geschehen soll. 

Diese Entscheidung ist kein einmaliger Akt, der dann für immer gilt. Denn wir kippen allzu leicht wieder in den Funktionsmodus, den uns alle anderen vorleben. Wir sind einer permanent wirksamen Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Wir entkommen ihr nur, wenn wir bewusst innehalten und uns klar machen, was wir wirklich wollen und wie wir gestalten wollen. Schon die Einsicht, dass Dinge geschehen, viele mit unserem Zutun und die meisten ohne unsere Mitwirkung, kann erleichtern. Das Müssen tritt hinter das Geschehenlassen zurück und führt aus dem Funktionieren, Müssen und Druckaushalten heraus. 

Chronischer Stress kann die Gehirnzellen süchtig nach Stresshormonen machen.  Darum machen sich viele Menschen Stress in Situationen, die andere gelassener nehmen würden. Sie merken nicht, dass es die Bewertung ist, die sie zu der Situation aufstellen, die den Stress auslöst, und nicht die Situation selbst. Zugleich haben sie den Eindruck, dass ihnen der Stress von außen aufgeladen wird. 

Die Erkenntnis, dass der Stress durch die innere Bewertung und nicht durch einen äußeren Einfluss entstanden ist, hilft beim bewussten Ausklinken aus den verbreiteten Stressmustern und trägt zur Stress-Entwöhnung bei. Eine wichtige und effektive Unterstützung bietet die Konzentration auf den Atem und vor allem die bewusste Entspannung beim Ausatmen. 

Die Weisen haben es leicht und sagen: Es geht nicht ums Erreichen, es geht ums Loswerden. Oder: Wichtig ist nicht, was wir im Leben schaffen, sondern was wir an Lasten ablegen können, um in die Freiheit zu gelangen. Der Dichter sagt: „Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt, und durch nichts gedrängt und beschleunigt werden kann; alles ist austragen – und dann gebären...“ (Aus: Rainer Maria Rilke: Brief an den jungen Dichter)

Zum Weiterlesen:
Funktions- und Flussmodus
Funktional und fließend wahrnehmen
Geschehenlassen und Funktionieren
Tun und Geschehenlassen
Das Geschehen und der Verstand

 

Montag, 9. Mai 2022

Das Geschehen und der Verstand

Ein naheliegender Einwand gegen die Orientierung des Geschehenlassens, die im vorigen Blogartikel beschrieben wurde, liegt darin, dass es wohl allzu leicht zum Nichtstun oder zum Faulenzen kommt, wenn es kein Funktionieren gibt: Ich lasse geschehen, was geschieht, lasse also das „Müssen“ weg, und schon bleibe ich morgens drei Stunden im Bett liegen. All die Aufgaben, die zu erledigen wären, bleiben unerledigt, es meldet sich keine Lust zum Tun. Ich habe eine probate Ausrede gegen jede Herausforderung des Lebens: Es wollte nicht geschehen. Vielmehr wollte geschehen, dass ich im Bett knotzen bleibe. 

Wenn wir allerdings genauer hinschauen, können wir sehen, dass wir in solchen Situationen nicht im Fluss sind. Vielmehr erkennen wir hier Anzeichen einer schleichenden Depression, verursacht durch hormonelle Störungen auf einer Ebene und durch belastende Kindheitserfahrungen auf der anderen. Dazu kann auch noch eine genetisch oder epigenetisch vererbte Neigung zur Depression kommen. Irgendwo führen dabei Ängste die Regie, die suggerieren, dass das Aufstehen zu Mühsal führen wird und deshalb besser unterlassen werden sollte. An anderer Stelle beginnen vielleicht Schamgefühle zu nagen, die uns vorwerfen unser Leben zu vergeuden, und bewirken irgendwann, dass der Entschluss zum Aufstehen erwacht und schließlich in einer Handlung mündet.

Die Macht des reaktiven Verstandes

In solchen Situationen kommt der reaktive Verstand dem Fließen in die Quere und nimmt es als Rechtfertigung für das Ausspielen der eigenen Muster und erlernten Gewohnheiten. Wo der Verstand Regie führt, gibt es keinen Flussmodus. Denn der Verstand ist von Ängsten angetrieben, die dann in ein „Müssen“ münden. Wer überlang im Bett liegt, um das „Müssen“ der täglichen Pflichten aufschieben zu können, unterliegt dem Müssen des Vermeidens, diktiert vom Verstand und den dahinter aktivierten Ängsten. Es ist ein versteckter Funktionsmodus, der regiert, das Nicht-Funktionierenmüssen besteht nur zum Schein. 

Die einzige Disziplin, die wir brauchen, ist jene, die den Machenschaften des Verstandes Einhalt gebietet. Sobald wir merken, dass wir aus dem Flussmodus herausgefallen sind und einem Müssen unterliegen, braucht es den bewussten Entschluss, die Vorherrschaft des Verstandes zu beenden. Wenn es nicht gelingt und der Verstand hartnäckig sein Terrain behauptet, gilt es, sich die Ängste bewusst zu machen, die aus dem Off den Verstand aktivieren. Dann können wir die Ängste mit der Realität konfrontieren und werden in den meisten Fällen draufkommen, dass es in Wirklichkeit keine aktuellen Bedrohungen gibt. Dann sollte sich die Angst auflösen und wir können wieder in den fließenden Modus zurückkommen.

Es ist also immer der reaktive Verstand, der diesen Zustand unterbricht. Er ist aus all den Unterbrechungen entstanden, die wir im Lauf unserer frühen Geschichte erlebt haben, und hat daraus seine Strategien abgeleitet. Gelehrig wie er ist, hat er die Agenda der Eltern aufgegriffen und unserem Bewusstsein als die besseren Strategien schmackhaft gemacht: „Wenn mich die Eltern aus meinem wunderbaren Zustand des Versunkenseins im Moment herausholen, werden sie schon wissen, wofür das gut ist. Sie sind ja die Großen und wissen, wo es lang geht. Da ich auch mal groß werden will, muss ich mich auch immer unterbrechen, wenn ich allzu lang im Geschehenlassen bin.“ So ungefähr tickt unser Verstand, der stets davon überzeugt ist, es gut mit uns zu meinen.

Bewusstheit unterbricht den Verstand

Der Verstand unterbricht, und mit unserer Bewusstheit unterbrechen wir den Verstand. Er reagiert auf alte Geschichten und spult dann sein Programm ab, das uns in den Müssen-Modus des Funktionierens hineinzwängt. Selber bleibt er solange drin, bis wir bewusst die Stopp-Taste drücken. Dann können wir wieder zurück in den Flussmodus gleiten.

Und siehe da: Im Flussmodus sind wir eben im Fließen, es gibt keinen Stillstand und keinen Leerlauf. Ein Impuls folgt auf den anderen. Jeder Moment bereitet den nächsten vor, der organisch aus ihm folgt. Deshalb kommen wir nicht in Zustände, in denen wir uns unwohl fühlen, wie z.B. in der anfangs geschilderten Situation des Nicht-Aufstehen-Wollens oder der Vermeidung von Herausforderungen. Vielmehr packen wir an, was zu tun ist, ob es schwierig oder einfach, anstrengend oder mühelos ist. Solange sich der reaktive Verstand fernhält, erledigen wir unsere Erledigungen, ohne Stress und Druck. Was an einem Tag geht, geht, was nicht, hat am nächsten Tag Zeit.

Von außen nach innen

Es ist zugleich eine Wendung von der Außenorientierung zur Innenorientierung. Im Funktionszustand ist unsere Aufmerksamkeit total nach außen gerichtet. Beständig scannen wir die Umwelt ab nach Anforderungen, Erwartungen und Bedrohungen. Sie liefert die Reize und wir reagieren auf sie, manchmal adäquat, manchmal unpassend. Dazu kommen die Pläne des Verstandes, die sich auch wie von außen machtvoll melden. 

Auf diese Weise funktionieren wir im Alltag und nehmen dabei kaum wahr, was sich innerlich abspielt, wie es uns also mit all dem geht. Unsere Gefühle werden uns meistens nur bewusst, wenn wir uns über etwas ärgern oder wenn wir uns vor etwas schrecken. Vor allem der Grundstress, der das Leben im Funktionieren kennzeichnet, ist uns schon so selbstverständlich geworden, dass er uns gar nicht mehr auffällt. Gerade deshalb ist die Wendung nach innen so wichtig. Denn sie macht uns auf unseren inneren Zustand aufmerksam, und dort liegt die einzige Möglichkeit, eine Änderung zu vollziehen. Der Schlüssel heißt Bewusstheit, und mit ihm können wir den Funktionsmodus beenden und in das Erleben des Moments zurückkommen, in dem Innen und Außen harmonisch miteinander schwingen.

Mit der Natur in Einklang

Oft hilft der Kontakt zur Natur, um unseren Verstand zu beruhigen und in den Moment zu kommen. Die Natur ist getragen und durchdrungen vom Geist des Geschehenlassens. Ihre entspannende Wirkung berührt uns deshalb, weil sie uns an unser eigentliches Sein erinnert, an das Übereinstimmen mit uns selbst. Da gibt es kein Müssen, kein Erwarten und kein Bewerten. Alles darf so sein, wie es ist.

Wir sind selber Natur, und das wird uns bewusst, sobald wir in Resonanz mit der Natur um uns herum treten. Wir sind ein Teil des Geschehens, das alles um uns herum in Bewegung hält. Wir sind nichts Besonderes im Sinn eines abgegrenzten Elements oder einer für sich bestehenden Einheit, sondern ein weiteres Sandkorn am Meeresstrand, eine Welle im Ozean, die kommt und wieder geht, ein Grashalm, der wächst und vergeht. Und wir sind etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges, etwas noch nie Dagewesenes. Im Bewusstsein dieser beiden Aspekte unseres Seins kommen wir ganz zu uns.

Zum Weiterlesen:
Geschehenlassen und Funktionieren
Tun und Geschehenlassen
Funktions- und Flussmodus
Funktional und fließend wahrnehmen


Freitag, 6. Mai 2022

Geschehenlassen und Funktionieren

Wir stellen uns ein produktives und erfolgreiches Leben so vor, dass wir uns möglichst viel im Tun-Modus befinden. Wir haben unsere Listen von Dingen, die zu erledigen sind, und arbeiten sie Punkt für Punkt ab. Währenddessen kommen neue Dinge dazu, und auf diese Weise bleibt das Leben voll von Tätigkeiten. Manchmal tauchen Leerzeiten dazwischen auf, die uns unruhig werden lassen, weil wir dabei nachdenken, was denn zu tun wäre, damit die Leere gefüllt wird. Irgendwann gönnen wir uns eine Pause im Tun, die wir dafür nutzen, um Fitness fürs weitere Aktivsein zu tanken. 

Ein erfülltes Leben also? Oder befinden wir uns in dieser Orientierung die ganze Zeit in einem Zustand des Getriebenseins, sind wir da beständig unter Druck? Ein Termin folgt dem nächsten, ein Vorhaben reiht sich an das andere, stets haben wir das Gefühl, es ist nicht genug, wir haben es noch immer nicht geschafft. Es kann ein Gefühl sein wie beim Esel, der der Karotte vor der eigenen Nase nachrennt oder wie beim Hamster in seinem Rad. Es ist mehr ein Leben, das von Stress angefüllt ist als von Sinn. Es ist eine vergebliche und unendliche Suche nach dem Glück.

Wir wollen so viel machen, weil wir damit den Eindruck gewinnen, die Kontrolle über die Wirklichkeit mehr in unseren Händen zu haben und nicht so sehr äußeren Einflüssen ausgeliefert zu sein, die wir nicht überblicken können und die möglicherweise immer auch etwas Bedrohliches haben könnten. Wir wollen uns durch unsere Aktivitäten umfassend absichern, sodass nichts Unvorhergesehenes passieren kann, das uns dann aus der Bahn werfen könnte.

Die Einbahn des Funktionierens

Was ist das aber für eine Bahn? Sie wirkt wie eine Einbahn, die in eine im Wesentlichen immer gleiche Zukunft führt, geprägt von einem Funktionsmodus: Die Aufgaben, die sich stellen, abzuarbeiten, während sich dahinter gleich die nächsten Aufgaben anstellen, im Beruf wie im Privaten. Es ist eine Mühle des Müssens, in der das eigene Wollen keinen Platz und keine Nische finden kann. 

Der Verlust der spontanen Lebendigkeit

Kinder befinden sich die meiste Zeit in einem Zustand des Fließens. Sie wenden sich einmal diesem zu, dann jenem, verweilen bei einem Stein auf der Straße oder bei einer Blume, und im nächsten Moment ist wieder etwas anderes interessant. Sie kommen in Emotionen und sind völlig in ihnen gefangen, um ein paar Momente später wieder im Fluss des Geschehens zu sein. Sie schöpfen ihre Lebendigkeit aus dem, was jeder Moment gerade als Anregung und Herausforderung schenkt.

Warum geht diese Fähigkeit, mit dem Fluss des Lebens mitzugehen, verloren? Die Erwachsenenkultur verlangt andere Fähigkeiten, um in ihr das Überleben zu sichern. Das wissen die Eltern und bereiten ihre Kinder darauf vor, indem sie ihre Fließerfahrungen unterbrechen. Es sind analoge Abläufe, die das Leben des Kindes bisher bestimmt haben: Die Rhythmen des Organismus, der Hunger hat, verdaut, entspannt, anspannt, der Wahrnehmungen von außen aufnimmt und verarbeitet, der sozial interagiert und sich mit der Umgebung austauscht. Mehr und mehr kommen digitale Abläufe dazu, die nicht mehr von einem Kontinuum geprägt sind, sondern von Unterbrechungen. Das Kind spielt, die Mutter kommt und sagt, dass es Zeit ist zu gehen. Das Kind protestiert und fügt sich dann irgendwann. Es ist aus einem Flusszustand herausgerissen und taucht, sobald es wieder geht, in einen neuen ein. 

Finden solche Unterbrechungen mit Härte statt, also mit Strenge und Sturheit und nicht mit Verständnis und Eingehen, werden also die Nöte des Kindes, das unter der Unterbrechung leidet, übergangen, so entwickelt sich ein Gefühl der Feindlichkeit und Fremdheit dem ausgeübten Verhaltensdruck gegenüber. Irgendwann ändert sich die Einstellung, und die Entfremdungserfahrung wird nach innen gerichtet, auf sich selbst. Das Funktionieren gemäß äußerer Anforderungen wird zur eigentlichen Natur, während die innere Beziehung zum Flussmodus verloren geht. 

Die Weitergabe der Überlebensprogramme

Dieser Umschwung geschieht vor allem dann, wenn die Eltern immer wieder ihre eigenen Überlebensprogramme im Kontakt mit den Kindern abspulen. Sie unterbrechen den Lebensfluss, in dem sich die Kinder befinden, auf ähnliche Weise, wie es ihre Eltern mit ihnen gemacht haben. Daraus haben sie ihre Überlebensstrategien entwickelt und vermitteln ihren Kindern die Notwendigkeit, aufs Neue solche Strategien auszubilden. Natürlich werden sie auf diese Weise auf die Gesellschaft und ihre Ansprüche vorbereitet, ob die Eltern es wollen oder nicht.

Den Kindern wird damit unbewusst beigebracht, dass sie kein selbstverständliches Recht auf ihre Existenz und ihre Grundsicherheit haben, sondern dass sie dieses Recht nur bekommen, wenn sie durch ihre Anpassungsleistungen beweisen, dass ihre Überlebensstrategien zu den Anforderungen der Gesellschaft und Wirtschaft passen. Das bedeutet, dass die ursprünglichen Geburtsrechte aberkannt werden; sie kommen nicht einfach dem Menschen qua seiner Existenz zu, sondern sie müssen erarbeitet werden, durch die Anpassung an die gesellschaftlichen Erwartungen. 

Digitale Normen im Schulsystem

Das Schulsystem verstärkt diese Tendenzen weiter. Die digitalen Abläufe dominieren, vorgegebene Aufgaben müssen erfüllt und Zeitpläne eingehalten werden. Die Schulglocke ist wie ein Symbol für die Außensteuerung der Zeit. Die inneren Bedürfnisse der Kinder müssen sich diesen Rhythmen unterordnen – es soll nicht mehr Hunger spüren, wenn ihn das Bauchhirn meldet, sondern wenn die Schulglocke die Pause einläutet. 

Die Erwachsenenwelt fordert, dass wir unsere Brötchen „im Schweiße des Angesichts“ verdienen müssen und dafür unsere Leistungen erbringen. In den meisten Bereichen der modernen Arbeitswelt gelten Anforderungen, die vom Gegenprinzip des Fließens geprägt sind. Es sind Aufgaben, die unter einem Zeitdruck erledigt werden müssen, gleich wie die innere Verfassung gerade beschaffen ist. Gefragt ist nicht der aktuelle innere Zustand und die aktuelle Verbindung mit der umgebenden Wirklichkeit, sondern das Erfüllen einer vorgegebenen Leistungserwartung. Wir haben darüber keine unmittelbare Kontrolle, sondern fühlen uns gezwungen, zu tun, was verlangt ist. Wir brauchen dafür den Funktionsmodus, mit dem wir unsere Aufgaben abarbeiten. Funktionieren heißt, dass wir unsere innere Befindlichkeit hintan stellen und ignorieren, so gut und solange es geht. Wir reizen gewissermaßen den Toleranzbereich aus, den unser Organismus zur Verfügung hat, um mit Stress umzugehen. Früher oder später merken wir allerdings, dass wir an eine Grenze gekommen sind oder dass wir sie schon überschritten haben.

Die Sinnfrage

Oft meldet sich an diesem Punkt die Scham, die mit der Erkenntnis verbunden ist, an sich selbst vorbei gelebt zu haben oder großteils vorbei zu leben. 

Diese Scham ist oft verbunden mit einer Sinnfrage: Worum geht es mir eigentlich in meinem Leben? Soll das Weiterhecheln von einer Erledigung zur nächsten, von einem Termin zum nächsten alles sein, worum es im Leben geht? Nichts von dem erfüllt mich wirklich, wo finde ich mehr Glück?

Das Auftreten der Sinnfrage ist ein typisches Indiz für den Verlust des Zugangs zum Flussmodus. Erst wenn wir merken, dass wir aus diesem Zustand herausgefallen sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, doch übersehen wir sie oft, weil wir im Funktionsmodus feststecken: Lass geschehen, was geschieht – dann verliert die Frage ihre Bedeutung. Wenn wir uns auf diese Formel besinnen, merken wir bald, dass sich etwas in uns entspannt und erleichtert. Es ist, als wären wir in einer neuen Welt angekommen, einer Welt, die jenseits der Leistungszwänge und Terminforderungen existiert und die wir schon so lange verloren haben, dass sie uns wie neu erscheint. 

Zum Weiterlesen:
Tun und Geschehenlassen
Funktions- und Flussmodus
Funktional und fließend wahrnehmen
Das Geschehen und der Verstand


Montag, 24. September 2018

Tun und geschehen lassen

Das Leben besteht aus Aktivitäten, mit denen wir verändern, gestalten und einwirken. Wir sollen uns „die Erde untertan machen“, wie es in der Bibel heißt. Nach unseren Taten werden wir bemessen und beurteilt, nach unseren Leistungen orientiert sich unser Status in der Gesellschaft, das haben wir immer wieder gehört. Je mehr wir tun, desto weiter kommen wir nach oben, usw. So oder so ähnlich lauten unsere Handlungsprogramme, Mischungen aus Überlebensstrategien und kreativen Impulsen. Danach bestimmt sich auch auf weite Strecken unser Selbstverständnis in der Leistungsgesellschaft: wo wir sind auf der Leiter, ist das Resultat unserer Handlungen, unseres Fleißes und unserer Anstrengungen.

Die Grundannahme, die wir dabei voraussetzen, besteht darin, dass  wir uns als die Akteure, Regisseure und  Verantwortliche für unser Leben wahrnehmen. Wir halten uns selbst für entscheidungs- und handlungsfähig, ebenso wie unsere Mitmenschen. Das ist auch wichtig und notwendig so, denn sonst hätte der Begriff Verantwortung keinen Sinn mehr. Allerdings gibt es dazu auch noch eine andere Seite zu beachten.


Unser Unterbewusstsein entscheidet


Wenn wir einen Blick hinter die Fassaden dieser Annahmen werfen, relativiert sich nämlich dieses Bild. Neurobiologen und Hirnforscher haben herausgefunden, dass die Entscheidungen, die unseren Handlungen vorausgehen, zuerst in den unterbewussten Teilen unseres Gehirns gefällt werden. Die bewussten Entscheidungszentren geben nachträglich die Zustimmung zu den zuvor getroffenen Entscheidungen und tun so, als wären sie es gewesen. Das erinnert an die Vorgänge in der Justiz der Stalinzeit, wo ein Gerichtsverfahren abgewickelt wurde und der Richter vor der Urteilsverkündung in sein Zimmer ging, um bei der Parteizentrale anzurufen, die ihm dann mitteilte, welches Urteil er zu verkünden hat.

Wir glauben, dass unsere Handlungen auf bewusst gefällten Entscheidungen beruhen. Doch offensichtlich sind wir da auf dem Holzweg: Wir handeln aufgrund von unbewusst ablaufenden Entscheidungsprozessen, denen unser Bewusstsein nachträglich zustimmt. 


Der freie Wille als Illusion


Die Konsequenzen, die wir aus diesem Befund ziehen müssen, decken sich mit Auffassungen aus ganz anderer Richtung, nämlich aus der Advaita-Lehre, die in Indien vor mehr als 2500 Jahren entstanden ist. Sie besagt, dass der freie Wille nur eine Illusion des Verstandes ist. Alles, was geschieht, ist genauso bestimmt, wie es geschehen soll. Wir bilden uns nur ein, dass wir einen Einfluss auf das Geschehen ausüben. Tatsächlich ist jeder Einfluss selbst Teil des Geschehens und als solcher ohne willentliche Veranlassung. Die innere Freiheit, die im Advaita in der Vereinigung von Brahma (Weltseele) und Atman (Individualseele) gefunden wird, wird möglich, wenn der freie Wille als Illusion erkannt und verstanden wird. Dann gibt es keine individuelle Schuld mehr, und die Unterschiede von Gut und Böse wie auch alle anderen Dualitäten fallen in sich zusammen. Advaita, was so viel wie Nicht-Dualität heißt, wird verwirklicht.

Was passiert, wenn dieses Konzept auf die Erfahrungsebene übersetzt wird? Wir erleben uns so, dass wir uns permanent im Fließen mit dem befinden, was gerade entsteht und wieder vergeht. Wir sind Teil eines Stromes von Veränderungen und gehen einfach mit, ohne uns einzumischen. 

Wer sich einmischen möchte, ist unser Ego. Befinden wir uns in diesem Fließen, so kann unser Ego daraus weder Nutzen oder Schaden ziehen. Es ist ruhiggestellt. Es wird zwar versuchen, sich immer wieder wichtig zu machen, indem es das Eine oder Andere an dem, was geschieht, ablehnt oder begehrt, wird aber bei der Rückbesinnung auf das Geschehen wieder ruhig gestellt. 

Das Advaita-Konzept mag manchem als abgehoben und weit hergeholt erscheinen. Dennoch ist es nicht so weit entfernt von dem, was unser tagtägliches Leben ausmacht. Die meisten Abläufe unseres Lebens geschehen einfach, ohne unser bewusstes Zutun. Wir bekommen zwar mit, was wir gerade tun, aber brauchen gar nicht den Eindruck, dass wir die Entscheidungen dazu treffen. Wir ziehen unsere Schuhe an, wenn wir rausgehen und nehmen noch einen Schirm, wenn es regnet. Wir setzen unsere Schritte und schauen, wohin wir gerade schauen, ohne dass es dafür eine Entscheidungsinstanz braucht. 


Wie erleben wir Entscheidungsprozosse?


Dann gibt es Situationen, in denen wir mit Entscheidungen ringen: soll ich oder soll ich nicht? Passen diese oder jene Schuhe besser zum aktuellen Wetter? Braucht es heute wirklich einen Schirm? Irgendwann fällt die Entscheidung, und wir bewegen uns weiter. Wie aber fallen solche Entscheidungen? Wir lamentieren in uns selber herum, erwägen dies und jenes, sind mal bei der einen Option, dann erscheint uns die andere als verlockend usw. Irgendwann schreiten wir zur Handlung und haben das Gefühl, eine Entscheidung getroffen zu haben. Wir alle kennen das, wir unterscheiden uns nur im zeitlichen und energetischen Ausmaß dieser Entscheidungsphase; manche Menschen zögern und zaudern, manche überwinden diese Phase rasch und stürzen sich schnell ins Tun, manchmal mit einer Nachentscheidungsdissonanz: Hätte ich nicht doch besser die andere Option wählen sollen?

Wenn wir uns näher anschauen, was in diesen expliziten Entscheidungsprozessen geschieht, stellt sich die Frage, ob es einen Punkt gibt, an dem wir unser inneres Lavieren bewusst beenden und bewusst wählen, was als nächstes geschehen soll. Ich stehe jeden Morgen vor der Dusche und überlege ein paar Momente, ob ich mich der kalten Dusche aussetzen soll. Ich mache das schon einige Jahre lang, jeden Morgen, und doch kommen diese Momente des Zögerns jedes Mal. Nach ein paar Sekunden gehe ich in die Dusche und freue mich nach dem ersten Schock über die angenehmen Wirkungen der Kälte. All das ist Teil eines gewohnten Rituals, das mit kleinen Variationen jeden Tag in gleicher Form abläuft. Subjektiv habe ich das Gefühl, ich treffe die Entscheidung, wann ich mit dem Duschen beginne, aber genauso gut kann ich annehmen, dass die Entscheidungsprozesse in mir jeden Morgen in gleicher oder ähnlicher Weise ablaufen, und dass es dieser bewussten Zutat gar nicht bedürfte, damit in Gang kommt, was sowieso in Gang kommt. 


Wichtigtuer Ego


Also scheint es, dass die Entscheidungsfreiheit, auf die wir so stolz sind, nur ein Entgegenkommen an unser Ego ist, damit es sich als Urheber dessen, was geschieht, ansehen kann. Es wird in seiner Wichtigkeit bestätigt: Ich war es, ich habe diese Entscheidung getroffen, das ist auf meinem wunderbaren Mist gewachsen. Ich bin so mächtig in meinem Leben. Die Kehrseite dabei ist, dass ich es auch war, wenn die Entscheidung negative Konsequenzen zeitigt. Dann bin ich schuld, weil ich eine falsche Wahl getroffen habe. Ich habe etwas verbockt und muss mich dafür kritisieren.

Wir sind stolz auf unsere Leistungen und wir suchen Anerkennung dafür. Doch sollten wir stolz auf unser Unterbewusstsein sein, das sich im richtigen Moment für die richtige Sache entschieden hat, die uns dann einen Erfolg beschert hat. Schnell übersetzt sich in dieser Perspektive unser Stolz in Dankbarkeit, dass uns unsere Leistungsfähigkeit, unsere Willenskraft, unsere Zielstrebigkeit geschenkt wird, mal mehr und mal weniger. Damit zieht sich unser Ego ins Eck der Bescheidenheit zurück und kann sich entspannen.

Und wir brauchen dann nicht mehr verächtlich auf jene hinunterblicken, die es nicht so toll geschafft haben wie wir selber. Auch sie führen aus, was aus ihren inneren Programmen kommt, und das ist möglicherweise weniger erfolgsträchtig in unserer Gesellschaft, aber von einem anderen Standpunkt aus betrachtet vielleicht nicht weniger wertvoll als das, was wir hochschätzen.

Sagen wir ganz einfach Ja zum Moment und schauen wir, was als nächstes geschieht - vielleicht genau das, was wir erwarten, vielleicht eine Überraschung.

Zum Weiterlesen:
Advaita und die Vorherbestimmung
"Alles ist bestimmt"
Freier Wille - heilige Kuh, Illusion oder Wesensmerkmal?
Freier Wille und die Ebenen der Bewusstseinsentwicklung