Mittwoch, 16. Mai 2012

Das Kreuz mit den Kreuzen

Unter den fast 3 Millionen Soldaten, die das Eiserne Kreuz während des 2. Weltkrieges erhalten haben, waren sicher auch viele Österreicher, wenngleich sie im staatsrechtlichen Sinn zu diesem Zeitpunkt keine Österreicher waren, weil es offiziell kein Österreich mehr gegeben hat. Die Nationalsozialisten haben bekanntlich nicht nur den Staat im gesamtdeutschen Reich aufgelöst, sondern auch den Namen und seine Anwendung verboten. Also haben die Österreicher, die das Eiserne Kreuz erhalten haben, dieses als deutsche Staatsangehörige erhalten. 1945, nach dem Ende des Nationalsozialismus und der Wiederherstellung von Österreich haben sich diese dann von deutschen Staatsbürgern wieder in österreichische verwandelt.

Die Eisernen Kreuze, die während des 2. Weltkrieges verliehen wurden, trugen alle ein Hakenkreuz im Zentrum. Dieses ist als Symbol im Rahmen des Verbotes der Wiederbetätigung, zu dem sich Österreich im Staatsvertrag verpflichtet hat, verboten, während das Verbot des Eisernen Kreuzes 1957 aufgehoben wurde. Es ist also zulässig, ein Eisernes Kreuz in der Öffentlichkeit aufzustellen und zu tragen.

Wollte man jedoch mit der Aufstellung eines Eisernen Kreuzes der österreichischen Träger des Eisernen Kreuzes gedenken, gibt es diese zwei Schwierigkeiten: Kein „Österreicher“ hat je als Österreicher das Eiserne Kreuz erhalten, sondern nur preußische und später deutsche Wehrmachtsangehörige (darunter auch welche aus dem damals ehemaligen Österreich), und diese verliehenen Orden waren alle mit einem Hakenkreuz versehen. Wenn nun jemand behauptet, mit dem Eisernen Kreuz solle an die Heldentaten von Österreichern im 2. Weltkrieg erinnert werden, müsste er ein originales Eisernes Kreuz mit Hakenkreuz aufstellen, was nicht erlaubt ist. Wird nun eines, wie in Tullnerbach, ohne Hakenkreuz aufgestellt, so möchte man vielleicht darauf hinweisen, dass ja die deutsche Wehrmacht (symbolisiert durch das Eiserne Kreuz) und die Nationalsozialisten (symbolisiert durch das Hakenkreuz) nichts miteinander zu tun hatten.

Viele Veteranen des 2. Weltkrieges flüchten sich in die Theorie, die Wehrmacht habe redlich und „menschlich“ gekämpft, nach den Normen des Völker- und Kriegsrechts, und die Verbrechen seien alle von den bösen SS-Einheiten begangen worden. So einfach ist das leider nicht, es gibt eine Unzahl von Dokumenten, die eindeutig belegen, dass Wehrmachtsangehörige Kriegsverbrechen begangen und in Massenmorde verwickelt waren. Das Böse zieht sich durch alle Teile des Machtapparates durch, und keine der Organisationen kann ihre Hände in Unschuld wachsen.

Das heißt nicht, wie oft dann als Gegenreaktion unterstellt wird, dass alle Wehrmachtsangehörige Verbrecher waren. Abgesehen davon, dass der ganze Krieg als Verbrechen gewertet werden kann, gibt es sicher Millionen von Soldaten, die sich keiner Verbrechen schuldig gemacht haben. Die Mitverantwortung, die jeder Soldat an einem Krieg trägt, insofern er mitkämpft und dazu beiträgt, dass Menschen zu Tode kommen und Werte vernichtet werden, wurde in den meisten Fällen aufgewogen durch den Zwang zum Einrücken und damit der Unterwerfungen unter den Befehlsnotstand sowie durch die Notwehr im Gefecht.

Symbole sind Bedeutungsträger. Durch ihre Verwendung ändert sich ihre Bedeutung. Das Eiserne Kreuz von 1813, wo es an Kämpfer in den Kriegen zwischen Preußen und Frankreich erstmals verliehen wurde,  trägt eine andere Bedeutung als z.B. das von 1944, als es dem Vernichter des Warschauer Ghettos überreicht wurde. Seither „haftet“ dieses und alle anderen Verbrechen an dem Symbol, wie auch alle anderen Taten, für die es verliehen wurde. In diesem Wissen schauen uns also auch die Verbrechen an, wenn wir das Symbol betrachten, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht.

Je mehr Klarheit aus dem Wissen über historische Fakten in unsere Urteile einfließt, desto leichter können wir mit der Vergangenheit ins Reine kommen. Wenn wir Symbole nutzen und zur Schau stellen, ohne deren Bedeutung zu reflektieren, verschleiern wir unseren Blick auf die Geschichte und tragen dazu bei, dass auch der Blick der Gesellschaft auf die Geschichte verschleiert bleibt. Damit bleibt die Geschichte im Unklaren und wird sich so lange immer wieder melden, bis wir, die Gesellschaft, bereit sind, sie ohne unsere Vorurteile und vorgeprägten Erwartungen anzuschauen, in all ihren furchtbaren und dunklen Seiten, in all ihren guten und förderlichen Aspekten.

Sonntag, 13. Mai 2012

Zelebriere deine eigene Zelebrität

Haben wir das alle in uns, dass wir berühmt sein wollen? Und wie ist es bei denen, die sagen, ich doch nicht? Beschwindeln wir uns dabei nicht? Schauen wir nicht alle ein Stück von unten nach oben zu denen, die sich da im Himmel der Celebrities tummeln?

Wir wären keine Menschen (zumindest der westlichen Welt und Erziehung), wenn wir nicht auch eine narzisstische Ader hätten, also geben wir es einfach zu! Eine Spielart davon ist eben der Wunsch nach Ruhm und Bewunderung.

Zu dem Thema eine kleine Fantasie: Herr Einstein trifft Herrn Müller auf einer Party. Beide stellen sich vor, und Herr Müller fragt Herrn Einstein, was er denn so macht. Dieser antwortet darauf: „Ich habe die Relativitätstheorie erfunden.“ Herr Müller meint dazu: „Na, darauf brauchen Sie sich nicht viel einzubilden. Ich sage immer schon zu meiner Frau, wenn sie sich über mich aufregt, dass alles relativ ist, ohne dass das eine Wirkung hätte. Die Relativitätstheorie können Sie vergessen.“

Es wird Millionen von Menschen geben, die selbst von einer Megaberühmtheit wie Einstein nie etwas gehört haben, Millionen, die nicht wissen, wer der Dalai Lama und wer Lady Gaga ist. 

Was ist wirklich der Unterschied, ob mich 20 Leute kennen oder 20 Millionen? Bin ich dadurch als Mensch bedeutender und wichtiger, bin ich dadurch erst besonders und unvergleichlich?

Wir assoziieren viel mit Berühtmheit, Reichtum, Glück, Einfluss, Freiheit von Sorgen, Besonderheit, Macht usw. Im Grund sehen wir im Berühmtsein einen Schlüssel zur Angstfreiheit. Wenn wir berühmt wären, dann könnte es uns nicht mehr passieren, dass uns die Menschen nicht beachten, dass wir uns hinten anstellen müssen. Statt dessen würden uns die Menschen ganz wichtig nehmen, sodass es uns an nichts mehr fehlen kann. Wir kriegen von überall das Beste, an Zuwendung und an Mitteln. Wer berühmt ist, leidet keinen Mangel mehr und ist seiner Probleme enthoben.

Wir projizieren unsere Wünsche auf die Menschen, die oben auf der Rampe stehen und den Jubel huldvoll entgegennehmen. Wir sind darin wie die Kinder, die denken, dass es die Erwachsenen um so viel leichter haben, weil sie so viel können und haben. In diesen Fantasien erholen wir uns von der Verantwortung, die wir für unser Leben tragen, und die uns manchmal belastet. Da hilft es, sich vorzustellen, wie alles gut werden würde, wenn nur der große Sprung gelingt. Solange uns das Glück nicht hold ist, bis es uns endlich aus der Mittelmäßigkeit nach oben katapultiert, solange haben wir Grund, am Jammern und Resignieren festzuhalten.

Unschwer erkennen wir allerdings (und wissen es auch insgeheim), dass jede dieser Fantasien alle einen Pferdfuß haben – viele Berühmtheiten leiden unter ihrer Bekanntheit, dass sie jeder auf der Straße anstarrt oder anredet; andere haben Geld wie Heu und sind trotzdem von nichts anderem getrieben als davon, noch mehr anzuhäufen; wieder andere werden von allen bewundert, kriegen aber ihre Finanzen nicht auf die Reihe; noch andere vereinsamen inmitten ihrer Grandiosität. 

Deshalb lesen wir so gerne die Illustrierten, die uns mit allen Details über Glück und Unglück im Leben der Promis versorgen. Wir werfen Seitenblicke in ihre Welt, um zu erkennen, dass es dort auch nicht anders zugeht als in unserer kleinen Welt. Und doch nähren wir dabei unseren Neid: Schön wäre es doch, dazu zu gehören, sooo viel Geld zu haben, und sooo viele Verehrer, sooo schön zu sein und sooo klug. Denn damit sagen wir uns selber: ich mit meinem wenigen Geld und meiner geringen Bekanntheit, meiner fehlerhaften Schönheit und meiner beschränkten Intelligenz. 

Also sollten wir Nicht-Promis immer wieder den Blick zu uns selbst zurück wenden und, wenn es schon sein muss, unsere Besuche in der Welt der Promis kurz und bescheiden halten. Wenn wir das tun, dann dazu, um unsere eigenen Qualitäten wertzuschätzen, das, was wir haben, was wir aus uns gemacht haben und was wir an Potenzial in uns noch zur Entfaltung bringen können. Wieso soll ein geliftetes und auf ein bestimmtes Schönheitsideal hinoperiertes Gesicht schöner sein als das, das wir von der Existenz geschenkt bekommen haben? Wieso soll das, was wir gut können – Pflanzen zum Blühen zu bringen, für Ordnung in der Küche sorgen zu können, gut mit Freunden reden zu können usw. –, also all die Dinge, die wir als klein bezeichnen und vielleicht für selbstverständlich nehmen, wieso soll all das weniger Wert sein als das Lied eines Sängers, der sich damit Wochen in der Hitparade hält, ein Bild, das am Kunstmarkt einen Höchstpreis erzielt oder ein schönes Tor, das die millionenschweren Beine eines Fußballstars zustande gebracht haben? 

Es gibt eine feine Grenze zwischen dem, was wir an den Begabungen und Leistungen anderer Menschen vorbehaltlos und selbstlos bewundern und dem, was wir auch gerne wären oder hätten. Im einen Fall anerkennen wir die andere Person als das, was sie ist, im anderen steckt hinter der Bewunderung der Wunsch, so zu sein wie die andere Person.

Der Unterschied wird dadurch markiert, ob wir uns mit der anderen Person vergleichen oder ob wir die andere Person in ihrem Sosein genauso schätzen können, wie wir uns selber in unserem Sosein wertschätzen. Sobald wir ins Vergleichen kommen, verlieren wir selber und tun im Grunde auch der anderen Person unrecht, die ja in Wirklichkeit nicht in Bezug auf uns so ist wie sie ist, sondern weil sie ganz einfach so ist, wie sie ist. 

So tappen wir in eine häufig genutzte Egofalle: Wir bewundern die Berühmtheit, wollen so sein wie sie und verleugnen dabei uns selbst. Die einfache Abhilfe besteht darin, zu durchschauen, was wir da aufführen und unsere eigene Besonderheit zu zelebrieren. Gelegenheit dazu gibt es wie Sand am Meer, denn schon fast so viele Prominente werden tagtäglich von der Unterhaltungsindustrie und den Medienmachern produziert, sodass wir der omnipräsenten Prominenz kaum entkommen können.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Eisernes Kreuz auf österreichischen Denkmälern

In Tullnerbach bei Wien prangt auf dem Denkmal der Gefallen und Opfer der Weltkriege ein Eisernes Kreuz. Dieses ist ein ursprünglich preußischer Militärorden, gestiftet 1813 vom damaligen König Friedrich Wilhelm III. Nun, wir mögen zu den Preußen stehen, wie wir wollen; wir sind trotzdem in Österreich, und es ist nicht selbstverständlich, einen öffentlichen Platz mit einem Symbol des preußischen Militarismus zu schmücken.

Dazu kommt noch, dass dieser Orden im 2. Weltkrieg  (mit einem Hakenkreuz im Zentrum) nicht nur massenhaft an Wehrmachts- und SS-Soldaten sowie Ordnungspolizisten verliehen wurde, sondern auch an Kriegsverbrecher und Massenmörder gerade für ihre Verbrechen. Der in Klagenfurt lehrende Historiker Dieter Pohl hat dazu einige erschütternde Dokumente veröffentlicht: „Geehrt“ wurden u.a. Jürgen Stroop, der Vernichter des Warschauer Ghettos sowie Rudolf Lange und Friedrich Jeckeln, die für zahllose Mordaktionen in Osteuropa verantwortlich sind. (http://www.zeit.de/2008/24/Eisernes-Kreuz)

Ein Zitat gefällig?  
"So übernahm das Polizeibataillon 309 bereits Ende Juni 1941 die »Säuberung« der gerade eroberten Stadt Białystok. Dabei trieben die deutschen Polizisten Hunderte von Juden in eine Synagoge, steckten diese in Brand und schossen auf alle, die verzweifelt dem Tod zu entkommen suchten. Nur wenige Tage danach machte das Sicherungsregiment 2, also eine Heereseinheit, den Vorschlag, den Bataillonskommandeur Ernst Weis mit der Spange zum EK II zu ehren: »Er persönlich und sein Bataillon waren stets hilfsbereit zur Stelle. Die Säuberungsaktion seines Btl. hat dazu beigetragen, daß Stadt und Umgebung in verhältnismäßig kurzer Zeit befriedet wurden. Er ist der Auszeichnung würdig.«"

1957 wurde der Gebrauch des Eisernen Kreuzes in Österreich wieder erlaubt, aus Gründen, die mir nicht bekannt sind. Vermutlich wusste man damals nicht (oder wollte es nicht wissen), dass das EK mit Kriegsverbrechen assoziiert ist.

Heute wissen wir es. Und heute sollten wir ein Unbehagen empfinden, wenn uns dieses Symbol in der Öffentlichkeit begegnet. Nicht nur, wenn es Rechtsradikalen, Skinheads oder Neonazis am Hals baumelt, nicht nur, wenn es in den deutschen Versionen von Ego-Shooter-Spielen das Hakenkreuz ersetzt, sondern gerade auch dann, wenn es in Stein gemeißelt einen öffentlichen Platz dominiert – und uns fragen, ob das wirklich sein muss.

Auch kann die Frage gestellt werden, ob gerade dieses Symbol dazu dienen kann, der in den Weltkriegen gefallenen Tullnerbacher zu gedenken. Wollen wir sie mit Verbrechern in Verbindung bringen, noch dazu mit Hilfe eines preußischen Symbols? 

Oder was steckt eigentlich dahinter, dass gerade dieser Orden ausgewählt wurde? Es gibt ja auch das Leopoldskreuz (das der Kameradschaftsbund als Logo verwendet), ein österreichisches Pendant zum Eisernen Kreuz – aber nein, es muss das Preußenkreuz sein. Als Anerkennung der Nibelungentreue des Deutschen Reiches zur taumelnden österreichisch-ungarischen Monarchie im 1. Weltkrieg oder im Glorifizieren der Eingliederung des österreichischen Bundesheeres in die Deutsche Wehrmacht 1938? Oder soll den Mitgliedern der Wehrmacht und SS, die aus dem 7 Jahre lange nicht existenten Österreich stammten, und das EK erhalten haben, eine besondere Ehre erwiesen werden?

Der Gemeinderat von Tullnerbach, dem ich die Sachlage zur Kenntnis gebracht habe mit dem Ersuchen, das Eiserne Kreuz vom Denkmal zu entfernen, sieht keinen Anlass zu einer Änderung. Eine aus meiner Sicht fadenscheinige Begründung lautet, dass die österreichisch-ungarische Armee das Eiserne Kreuz als Hoheitszeichen im 1. Weltkrieg verwendet hat, was tatsächlich in einzelnen Fällen in der Luftwaffe vorgekommen ist, weil die Hoheitszeichen der k.u.k.-Armee schlecht erkennbar waren, sodass die Flugzeuge von den eigenen Truppen abgeschossen wurden. Außerdem hat man das Eiserne Kreuz auf Flugzeugen bestehen lassen, die aus Deutschland geliefert worden waren. 

Wenn dem auch so gewesen sein mag, ist das ein recht dünnes Argument. Dennoch, und so kann es auf den Punkt gebracht werden: Der Gemeinderat befürwortet mehrheitlich die öffentliche Zurschaustellung eines preußischen Militärordens, der mit Nazi-Verbrechen in Verbindung steht, mitten in Österreich.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Futter für die Ängste


Den Gratisschlagzeilen in diesen Tagen zufolge zittern die restlichen Europäer, weil sie von den Griechen ins Chaos gestürzt wurden. Es nämlich nach den Wahlen die Aktienkurse um ein paar Prozente gesunken, d.h. die Besitzer dieser Aktien sind um diesen Betrag ärmer geworden, um den sie in den vorigen Monaten reicher geworden sind.

So weit, so tragisch. Was die Schlagzeiler wollen, ist, dass mit den bedauernswerten Aktienbesitzern alle Nichtaktienbesitzer mitleiden und mitzittern. Ein solidarisches Zittern soll durch Europa gehen, und solidarisch sollen die, die weniger haben, mit denen sein, die mehr haben, aber diesen Vorsprung schwinden sehen. Damit sich die Aktienbesitzer und Eurospekulanten nicht so alleine fühlen.
Die Hunde zittern, die Karawane zieht weiter. Vielleicht hat sie etwas Neues gelernt auf ihrem mühseligen Weg: Dass es riskant ist, wenn die Wirtschafts- und Währungsräume vereinheitlicht werden, während die politischen Strukturen aufgeteilt bleiben. Die Politik hat zwar in ihrer neoliberalen Blauäugigkeit der Wirtschaft die Rutsche gelegt, nach dem Motto: Das wird schon klappen, das wird der Markt schon richten.

Wieder einmal haben sich diese Hoffnungen nicht erfüllt. Solange einerseits die individuelle Gier und andererseits der nationalstaatliche Egoismus nicht überwunden sind, wird es immer wieder zu massiven Rückfällen in der Entwicklung kommen. Die Menschen (und die Politiker fallen auch unter diese Kategorie) können weiterhin so tun, als ende das Gemeinwesen an den nationalen Grenzen, brauchen sich aber nicht zu wundern, dass sich das Kapital nicht an diese Grenzen hält und der kleinlichen und kleinmeierischen Politiker und ihrer Anhänger spottet, die „für ihre Leute“ das Beste herausholen wollen.

Krisenzeiten, vor allem die herbeigeredeten und medial erzeugten, bringen Ängste hoch, und die Angst behindert jedes visionäre Planen und kreative Weitergehen. Das ist wohl das Interesse der Gratisschlagzeiler: Solange die Menschen ihre Ängste haben, werden sie sich Trost und Futter in den bedruckten Papierblättern suchen.

Dienstag, 27. März 2012

Der Betrugskapitalismus - aus der Sicht der Nachfahren

In 50, 100 oder noch mehr Jahren wird vielleicht über das Jahr 2012 nichts vermerkt werden, außer dass die Chancen versäumt wurden, Lehren aus dem Desaster des Turbokapitalismus in den Jahren zuvor zu ziehen. Nicht einmal die Einführung einer Finanztransaktionssteuer im Rahmen der EU sei gelungen, gescheitert an nationalen Egoismen, die sich auf die Listigkeit des Kapitals beriefen, dorthin zu flüchten, wo es sich am schnellsten vermehren kann und die weiterhin Brutstätten für die maximale Vermehrung zur Verfügung stellen wollten.
Mit Bedauern würden die Menschen zurückblicken auf eine Zeit der Borniertheit und Engstirnigkeit, der individuellen und nationalen Gier und Rücksichtslosigkeit. Wie lange hatte es gedauert, bis endlich die Vernunft und die Menschlichkeit gesiegt hatte und eine Weltregierung mit einem Welt-Finanzministerium eingeführt worden war. Gegen dessen Regulierungsmacht hatte das Kapital keine Chance, keine Fluchtmöglichkeit mehr. Es gab keine geschützten Finanzplätze in London oder New York mehr, keine steuerfreien Inselstaaten und keine Piratenhäfen für das vagabundierende Kapital.
Der Wahnsinn war eingedämmt, die wildgewordene Gier besänftigt, die zuvor ganze Bevölkerungsschichten verarmen hatte lassen, während sich die Verursacher der Massenausbeutung maßlos bereichern konnten. Damals, als den Menschen dämmerte, was sie sich eingehandelt hatten und wie sie an dem System, das sie selbst ausbeutete, mitwirkten, kam der Begriff des Betrugskapitalismus auf und führte zur gesellschaftlichen Ächtung von allen riskanten Finanzgeschäften, die das Risiko der Gesellschaft aufbürdeten und die Gewinne den Einzelnen. Einer so großen Zahl von Menschen war bewusst geworden, wie sie systematisch getäuscht, belogen und abgezockt worden waren.
Doch hatte letztlich die Erkenntnis, dass sich die Menschen einem Finanzsystem unterworfen hatten, das ihnen vor allem Schaden zufügte, wesentlich dazu beigetragen, dass sich nach und nach alle Staaten der Welt zu gemeinsamen Regulierungen zusammenfanden, bis schließlich auch die USA, am Rand des Zusammenbruchs der eigenen Wirtschaft, in den USW (United States of the World) aufgingen.
Und relativ schnell zeigte sich, wie auf der Basis eines weltweit vernetzten Verantwortungsgefühls das Finanzsystem von individuellen und nationalen Machtinteressen gereinigt werden konnte und zunehmend dabei mitwirkte, den Wohlstand auf der ganzen Welt auf ein gemeinsames Niveau zu heben.
("Deutscher Finanzminister erteilt Börsensteuer Abfuhr" Die Presse, 26.3.2012)

Samstag, 24. März 2012

Alchemie im 21. Jahrhundert: Feinstoffliches wird grobstofflich


Eine Standardfrage im gegenwärtig tagenden Untersuchungsausschuss des österreichischen Parlaments lautet: „Und was war die Gegenleistung?“ Die Antwort darauf lautete meist, man entschlage sich der Antwort. Nun, nicht so Herr Meischberger, wohl einer der unterschätztesten Persönlichkeiten auf unserem Planeten, zumindest in meiner Sicht, wie ich zugeben muss. Er benannte als Gegenleistung „eben das Feinstoffliche.“ 

Nun, wenn das nicht eine schöne Summe grobstofflichen Geldes wert ist, was dann? Da kann man ja nur einen Fantasiebetrag als angemessen betrachten. Denn wie soll sich eine derartige Leistung in Geld ausdrücken? Der Blick, die Aura, die bloße Gegenwärtigkeit eines Herrn Maischberger muss einfach so umwerfend in ihrer feinstofflichen Qualität sein, dass es kein wirklich angemessenes Äquivalent dafür geben kann, nein, das kann nur eine willkürlich gewählte Summe sein, die sich gut und rund anfühlt, nicht 93 478,- oder 109 168,-, oh wie hässlich, nein, 100 000,-, das fühlt sich gut an, das hat eine gute Schwingung. Da passt sich das Grobstoffliche ans Feinstoffliche an, wie es sein soll, schmiegsam und geschmeidig. Die Leistung hat eine Gegenleistung, da ist pure Resonanz.

Wirklich eine beeindruckende Zeit: Viele suchen den Weg vom Groben zum Feinen, und genial, da tritt jemand auf und belegt überzeugend das Gegenteil: Die unermessliche Qualität der eigenen Person in der groben Form der runden Summe nonchalant einzustreifen und damit in die Niederungen des Gewöhnlichen herunterzusteigen, mit all dem enormen Aufwand an Feinstofflichkeit.

Das Füllhorn der Telefoniefirma, die zur Hälfte der Republik gehört (und das ist nicht irgendein Apparat, sondern das sind wir), schüttete just zu dem Zeitpunkt üppigst das Grobe an die Feinstofflichen aus, als Tausende Mitarbeiter zur Kündigung freigesetzt wurden. Wer bis dahin zwischen diesen Vorgängen keinerlei Zusammenhang vermutet hat, wird jetzt eines Besseren belehrt. Woher kann dieser Mut, diese Klarheit, diese tiefe Menschlichkeit kommen, die für eine solche einschneidende Maßnahme notwendig ist, als durch einen enormen feinstofflichen Einfluss? Wer käme sonst auf die kühne Idee, Menschen, die vielleicht schon immer unglücklich an ihrem grobstofflichen Arbeitsplatz waren, endlich die Gelegenheit zu bieten, ihre eigentliche Bestimmung im Feinstofflichen zu finden. Für diese Gegenläufigkeit braucht es einfach einen Ausgleich in der anderen Richtung, und der darf angesichts der Größe der Tat nicht zu gering bemessen sein. Das Geld also nicht zu den Ruachlern im Groben, nein, den Feinen gebührt es, den Meistern des Feinstofflichen. Welch profunde Weisheit offenbart sich in solchen banalen Vorgängen!

Und es gibt allen, die an der Lernfähigkeit der ÖsterreicherInnen zweifeln, ein für alle mal unrecht: Ja, wir haben gelernt, was Demokratie ist, nicht einmal hundert Jahre nach dem Ende des Kaiserreichs: Wir müssen nicht gräflicher Abkunft sein, nein, auch als Installateur und Tankstellenbetreiber dürfen wir uns Hoffnungen machen, das große Los zu ziehen. Es genügt, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute zu kennen.

 

Donnerstag, 22. März 2012

Die Wunderheiler und die Skeptiker

Wenn es um Phänomene geht, die nicht in das wissenschaftliche Weltbild passen, erregt das die Gemüter und polarisiert schnell: Auf der einen Seite bilden sich die Gruppen der Enthusiasten, auf der anderen die der Zweifler. Wie immer bei Polarisierungen, kommt es auf beiden Seiten zu Übertreibungen. Von den einen wird ein Wunderheiler auf die Schultern genommen und gefeiert, allen weiterempfohlen, und es werden die, die das Angebot nicht annehmen, aggressiv bemitleidet. Wunderbare Erfolge werden herausgestrichen, und alle, denen nicht geholfen wurde, werden verschwiegen, auch besteht kein Interesse daran, ob Heilungserfolge von Dauer sind oder die Krankheit nach einiger Zeit wieder zurückkehrt. Von den anderen, den Skeptikern wird jedes Gerücht dankbar aufgegriffen, das die Unseriosität des Heilers herausstellt. Es fehle jede wissenschaftliche Bestätigung und Absicherung der Heilerfolge, und häufig werden irgendwelche kolportierten finanziellen oder ethischen Unregelmäßigkeiten zum Anlass genommen, die ganze Sache zu diskreditieren. Und das Kolportieren gilt dann schon als wissenschaftliche Widerlegung.
Wir leben in einer pluralistischen Welt mit einer pluralistischen Meinungsbildung und Meinungsrechtfertigung. Die eine braucht eine glaubwürdige Erzählung von jemandem, der schon „dort“ war, der andere verlässt sich nur auf abgesicherte Erkenntnisse, die nicht bloß auf subjektiven Eindrücken beruhen. Das ist ja auch gut so. Eine pluralistische Gesellschaft gibt jeder Meinung und jeder Sichtweise, jedem Weltbild ein Recht und einen Platz. Niemand soll diskriminiert, abgewertet oder ausgeschlossen werden, alle Meinungen dürfen geäußert werden und verdienen grundsätzlichen Respekt.
Die Vehemenz allerdings, mit der die jeweiligen Positionen vertreten werden, die kämpferische Pose der Esoteriker einerseits und der Aufklärer auf der anderen Seite, scheint mir beachtens- und betrachtenswert. Was verbirgt sich hinter dem Fanatismus, den Anhänger wie Gegner von Wundern und Wunderheilern oder einer Wunderheilrichtung mobilisieren können? Was bringt Menschen dazu, so radikal Partei zu ergreifen und radikal die jeweilige Gegenpartei zu bekämpfen?
Wunder ist etwas, das nicht in den Rahmen der Normalität passt. Wenn jede jederzeit durch ein Fingerschnipsen beim anderen die Kopfschmerzen wegzaubern oder durch Handauflegen den Krebs heilen könnte, wäre das kein Wunder. Wunder ist etwas, das nicht immer und nicht in jedem Fall funktioniert. Wunderheiler sind solche, denen Manchmal ein Wunder gelingt. Könnte ein Heiler eine 100-prozentige Garantie abgeben für seine Heilungen, würden also seine Heilungen immer Erfolg haben, dann wären alle kranken Menschen bei ihm, und es wäre kein Wunder mehr, wenn geheilt wird. Nur hat es, soweit wir wissen, noch nie einen derartigen Menschen gegeben. Zwar wissen wir von Jesus, dass alle Heilungen, die von ihm berichtet werden, erfolgreich waren. Wir wissen jedoch nicht, ob er Misserfolge hatte, die in den Quellen nicht erwähnt werden und ob die Heilungen von Dauer waren. Er hat auch keine Erfolgsgarantie verkündet, sondern immer gemeint, dass nur geheilt werde, wer den Glauben hat. Die Theologen meinen auch, dass die Heilungen den Sinn hatten, die Menschen zum Glauben an die Liebe Gottes zu den Menschen und nicht an Zauberei zu führen.
Offenbar gibt es nichts unter Menschen, was immer und überall heilsam wirkt, so sehr wir uns das wünschen würden. Es gibt keine Methode, die sicher Krebs oder AIDS heilt; obwohl viele Fortschritte in der Medizin erreicht wurden, sterben Menschen an diesen und anderen Krankheiten. Bislang wurde keine psychotherapeutische Methode entwickelt, die alle glücklich macht, obwohl viele behaupten, sie hätten sie entdeckt, weil sie ihnen selber und ein paar Klienten geholfen hat. Wir Menschen sind selber eine immenses Wunderwerk, derart komplex, dass wir nur staunen können, dass wir trotz aller Störungsanfälligkeit im Großen und Ganzen und immer wieder und manchmal auch sehr gut brauchbar und handlungsfähig sind. Wie soll es da einen Schlüssel geben, der alles aufsperrt, einen Stein der Weisen, der alles zu heilen vermag, eine Person, die für jedes Leiden eine Kur anbieten kann?
Millionen Menschen haben Lourdes besucht, ein paar Tausende wurden erwiesenermaßen geheilt; viel mehr Menschen, die sich Heilung erhofft haben, wurden enttäuscht. Aber das spricht nicht gegen die Heilungen, die geschehen sind und den Betroffenen das Leben erleichtert und verlängert haben.
Fanatismus und Integration
Wir haben diese starke Neigung, unsere subjektiven Erfahrungen zu verallgemeinern. Im einfachen Fall wollen wir andere an dem teilhaben lassen, was uns selber gefällt und zu dem Gewinn bringen, der uns selber erfreut hat. Wenn wir dabei nicht aufpassen, machen wir daraus gleich eine Sekte oder eine Religion, und jeder, der nicht daran glaubt, muss abgewertet und bekämpft werden. Wenn etwas nicht funktioniert hat, wenn wir uns hintergangen oder getäuscht fühlen, wollen wir andere warnen, damit sie nicht in die gleiche Falle tappen. Wenn wir das wiederum verallgemeinern, kann leicht eine (Verschwörungs-)Ideologie daraus entstehen.
Was ist die Angst des Aufklärers? Er befürchtet, wenn die Menschen sich nicht ihres Verstandes bedienen, können sie nur Schaden erleiden. Sie werden durch Dummheit zu Dummheit verführt und hereingelegt. Deshalb versucht er, sie mit den Mitteln der Rationalität und Wissenschaftlichkeit aus der Verblendung zu befreien.
Was ist die Angst der Eso-Fanatikerin? Sie befürchtet, dass die Menschen den puren Rationalisten auf den Leim gehen, den gefühllosen Techno- und Bürokraten, die die Menschen und ihre Gesundheit verwalten wie einen Maschinenpark und alles verdammen, was nicht in das enge Raster der Wissenschaftlichkeit passt. Wenn sich die Menschen nur ihres Verstandes bedienen, werden sie durch Blindheit zur Blindheit verführt und erleiden dadurch Schaden an ihrer Seele.
Die Karawane der Bewusstseinsevolution zieht weiter. Wir bewegen uns langsam, aber sicher, in systemische Zusammenhänge hinein, dort nehmen die Fanatismen ab, weil die Wichtigkeit vieler Perspektiven auf die Wirklichkeit wertgeschätzt wird. Was hilft und heilt, das hilft und heilt, ob es wissenschaftlich oder geistheilerisch abgesichert ist oder nicht. Wenn Kontext und Methode zusammenpassen, dann kommt es zum Heilungserfolg. Und das ist in jedem Einzelfall wieder neu zu bestimmen, und da helfen keine vorgefassten Ideologien. Wie wir in der Psychotherapie sagen: Für jede Klientin erfinden wir eine neue Therapiemethode (gemeinsam mit ihr).
Die verschiedenen Wege und Methoden der Heilung werden kombiniert, damit das Beste für die betroffenen Menschen entsteht. Statt der Ausgrenzung der Wundertäter aus dem medizinischen Establishment werden sie als Komplementärmedizin integriert; und die „klassischen“ Behandlungsmethoden werden auch von den Anhängern eines esoterischen Weltbildes anerkannt und genutzt, wo sie Sinnvolles leisten. 

Vgl.: Was ist Esoterik?
Vgl.: Die Eso-Hasser 

Donnerstag, 15. März 2012

Der menschliche Körper und die Bewusstseinsevolution

Hier möchte ich ein paar Gedanken zur Rolle des Körpers in den ersten drei Stufen der Bewusstseinsevolution entwickeln.

Auf der ersten, der tribalen Stufe, ist das Verhältnis von Mensch und Körper noch ganz einfach. Diese Stufe ist die körperlichste von allen. Denn die Beziehung zum eigenen Körper und zu den Körpern der anderen ist so direkt und unmittelbar, wie sonst auf keiner der folgenden Stufen. Es gibt noch wenige kulturelle Imprägnierungen des Körpers. Da diese Stufe durch eine fast intime Nähe von Mensch und Natur gekennzeichnet ist, werden auch die Körper als Teil der Natur erfahren und in Ritualen gefeiert. Allerdings ist die Nähe keine Einheit, der Unterschied besteht und ist ebenfalls Gegenstand von Ritualen.

Auf der zweiten emanzipativen Stufe gewinnt die Bekleidung des Körpers, also seine Verhüllung größere Bedeutung. Damit wird die Vergrößerung des Abstandes zur Natur zum Ausdruck gebracht. Es geht ja auch um die Emanzipation aus der Kontrolle durch die Natur. Wie sich die Menschen Häuser bauen, um sich vor den Unbilden der Natur zu schützen, werden auch die Körper von Hüllen umgeben, zum Schutz und zur Symbolisierung, dass die Körper jetzt nicht mehr der Natur gehören. Der Eigentumsbegriff, der auf dieser Stufe eingeführt wird, hinterlässt auch auf den Körpern der Menschen seine Spuren. In der Sklaverei werden Menschen und damit vor allem ihre Körper in Besitz genommen. Für den Freien ist der Körper sein Eigentum, das er aber auch verlieren kann.

Mit der Konzentration und Verkleinerung der Familie, die auf dieser Stufe stattfindet, werden die Besitzansprüche in den Geschlechtsbeziehungen verstärkt. Der trojanische Krieg wird durch einen „Frauenraub“ Helenas durch Paris ausgelöst. Auf Wikipedia heißt es dazu: „Helena galt als die schönste Frau ihrer Zeit. Ihre Schönheit soll so groß gewesen sein, dass jeder Mann, der sie sah, Helena besitzen wollte.“ Selbst der Wikipedia-Erzähler berschreibt das Begehren einer Frau durch einen Mann als den Wunsch nach Besitz. Frauenkörper werden zum Eigentum der Männer. Bei Verletzung des Eigentumsrechtes gibt es Krieg (selbst wenn „das Eigentum“ dem Besitzerwechsel zugestimmt hat).

Die männliche Dominanz, die in den homerischen Epen im Bewusstsein schon fest verankert ist, hat keine andere Begründung als die überlegene Körperkraft, die für die emanzipatorischen Großtaten notwendig war. Damit verschärfen und vertiefen sich die Unterschiede unter den Geschlechtern. Diese Neubewertungen und Kategorisierungen legen sich über die Körper wie die Kleider, die sie verhüllen und schleichen sich in die Körper ein, um ihren Lebensausdruck zu prägen.

Der Männerkörper wird freigespielt (in Spiel und Sport), weil er die Abenteuer bestehen muss, während der Frauenkörper den Besitzansprüchen untergeordnet wird. Deshalb wird der letztere umfangreicher verhüllt, manchmal bis zur völligen Verbergung. Die griechischen Männer vollzogen ihre olympischen Wettkämpfe nackt, die Frauen waren dabei nicht einmal anwesend. Mit dieser Freilegung des Männerkörpers (und auch mit seiner Ästhetisierung in der griechischen Kunst) einher geht die Entfesselung des männlichen Gefühlskörpers, insbesondere der Wut. Zugleich findet eine Einschränkung statt, denn der männliche Körper ist nur in seiner aggressiven Form brauchbar, während seine Verletzlichkeit nicht gefragt ist. Der Männerkörper hat zwei widerstrebende Aspekte zu vereinigen, die Öffnung für die Energie der Wut und die Abschottung gegen die des Schmerzes. Das ist das Programm der Körpererziehung und Körperbildung für die weitere Geschichte, und das ist die Geburt des Macho-Körpers.

Der Frauenkörper erfährt die gegenteilige Prägung – die Freilegung der Verletzlichkeit und die Unterdrückung der Aggression. Möglicherweise sprechen hormonelle und andere organische Dispositionen für die Plausibilität dieser Unterscheidung, doch werden sie im emanzipatorischen Bewusstsein polarisiert und festgeschrieben, d.h. die Mittelbereiche der Streuung – weniger aggressive Männer und weniger verletzliche Frauen – müssen sich den Polen zuschlagen. Dieser Prozess des Auseinanderdrängens der nach Geschlecht unterschiedenen Körper wird in die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft und Kultur übersetzt. Eine Folge ist, dass die Frauenkörper faktisch weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwinden.

Wir können nur spekulieren, ob sich durch diese kulturellen Zuschreibungen die Körper selbst verändert haben; nach den Erkenntnissen der Epigenetik ist das durchaus denkbar – dass also durch den sozialen Druck zur Polarisierung die Frauenkörper „weiblicher“ und die Männerkörper „männlicher“ geworden sind. Jedenfalls wurden Zwischenbereiche, die sich z.B. in der Homosexualität ausdrücken, massiven Sanktionen ausgesetzt, während die verkörperten Pole, die starken Männer und die schwachen Frauen, Karriere machen konnten und zu prägenden Stereotypen wurden.

Die Körper auf der dritten Stufe der Bewusstseinsevolution

Die oben skizzierte Entwicklung des Auseinanderdriftens der geschlechtlich differenzierten Körper in der zweiten Stufe der Bewusstseinsentwicklung wird in der dritten, der hierarchischen, fortgesetzt und institutionalisiert, z.B. durch kirchliche Verbote des Waffentragens für Frauen.

Es geht jetzt darum, die Körper der Macht der Bürokratie unterzuordnen und sie in das Über- und Unterordnungssystem einzupassen. Da Körper als solche nicht einfach formbar sind, muss die Bekleidung der sozialen Differenzierung dienen. Zu diesem Zweck gibt es in vielen Kulturen Kleiderordnungen, die die öffentliche Darstellung der sozialen Stellung einer Person regeln. „Kleider machen Leute“ und machen auch Körper – das Tragen bestimmter Kleidungsstücke formt die Körper und die Körpersprache der Bekleideten. Ein König kann nicht irgendwie gekleidet sein und sich nicht irgendwie bewegen, sondern hat sich an die vorgesehenen Normierungen zu halten. Er hat sich imponierend und majestätisch zu bewegen, sonst ist er der Lächerlichkeit preisgegeben und muss um seine Macht fürchten. 

Ähnliches gilt auch für die Angehörigen des Adelsstandes, in abgestufter Form. Die Formung der Körpersprache reicht hinein in die verbale Sprache, die auch solchen Normen folgt. Ein gutes Beispiel ist dafür England nach der Invasion durch die Normannen, die eine neue Herrschaftssprache mitbrachten. Ein Engländer hat mir einmal erzählt, dass die sprachlichen Feinregulierungen zur sozialen Differenzierung nach wie vor in Geltung sind und genutzt werden, sodass jeder Engländer „hören“ kann, aus welcher Schicht eine Person kommt. Ähnliches gilt sicher auch für andere Kulturen, wenn auch die Tendenz zur Einebnung solcher Unterschiede im Zug der Demokratisierung im Laufen ist.

Die Untertanen haben eine Untertanenhaltung einzunehmen, mit der sie eine jederzeitige Unterwerfung signalisieren. Diese ist uns so eingeprägt, dass sich unsere Nackenmuskeln anspannen, um den Kopf zu senken, wenn wir Vorgesetzte treffen. Der Schuster hat bei seinem Leisten zu bleiben, und nur im Märchen wird der Müllerssohn zum König.

Es geht dabei auch um die Fesselung des Gefühlskörpers. Er darf der Herrschaftshierarchie nicht in die Quere kommen und muss kontrolliert werden. Auf die Aggressionsenthemmung der zweiten Stufe folgt die Aggressionshemmung auf der dritten. Damit sollen die Menschen massentauglich gemacht werden, also in die Lage versetzt werden, in einer Großgesellschaft zu funktionieren. Und dazu ist es wichtig, genau den eigenen Rang und den der anderen in der Hierarchie zu kennen, ähnlich wie die Inder trotz offizieller Abschaffung des Kastenwesens die Kastenzugehörigkeit jedes Gesprächspartners sofort erkennen.
Die Verfügung über den Körper wird öffentlich kundgemacht durch die grausamen Bestrafungen von Verbrechern und „Regimegegnern“, die der Bevölkerung nicht nur zeigen sollen, dass der Staat, der Herrscher, den Untertanen das Leben wegnehmen kann, sondern dass er die Verfügungsmacht über ihre Körper hat, mit denen er tun und lassen kann, was er will. Die Verbreitung der Folter für die Wahrheitsfindung in der Justiz ist ein weiteres Zeichen für den ungehemmten Zugriff des Staates auf die Körper der Menschen. Wenn der Verdächtige nicht freiwillig die Wahrheit sagt, wird sie aus seinem Körper heraus gepeinigt.

Erwähnenswert ist noch der Einfluss des Christentums auf die Körperformung im hierarchischen Bewusstsein. Unter dem Einfluss des Manichäismus, einer Glaubensrichtung aus dem vorderen Orient, nahm die Leibfeindlichkeit Einzug ins frühe Christentum, mit Folgen bis in unsere Zeit, vor allem in der katholischen Kirche. Der Körper galt als sündig und unrein.

Die Frauenkörper erfahren auf dieser Stufe bis ins Absurde gehende Verformungen. Die spanische Mode des 16. Jahrhunderts z.B. sollte den Frauenkörper derart einschnüren, dass er ein streng geometrisches Aussehen erreichte, zwei auf ihren Spitzen ruhende Dreiecke mit einem Kreis obenauf. Ein anderes Beispiel bieten die verunstalteten Füße der chinesischen Frauen, die mit diesem „Schönheitsmerkmal“ ihre Fortbewegungsfähigkeit einbüßten.

Jede selbständige Möglichkeit des Ausdrucks soll unterbunden werden, für die Frauen noch stärker als für die Männer. Die körperliche Leidenschaftlichkeit hat keinen Platz in der Öffentlichkeit, und die Gewissensprägung durch die Religionen sorgen zusätzlich dafür, dass auch im Privaten oder Intimen intensive Gefühlserregungen mittels Schuldgefühlen gedrosselt werden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen (bis heute) den Körper als Gefängnis der Seele erleben und diese Verkümmerung der freien Lebendigkeit manchmal noch als spirituelle Erkenntnis verbrämen.

Die Befreiung des Körpers muss warten. Auch die vierte Bewusstseinsstufe, die den Körper für die Produktionsprozesse in Dienst nimmt, verheißt der körperlichen Freiheit nichts Gutes, im Gegenteil, die Ausbeutung der Arbeitskraft im Kapitalismus ist vor allem eine Ausbeutung der Körper bis an den Rand des Zusammenbruchs. Erst auf der fünften Stufe des personalistischen Bewusstseins wird langsam und vorsichtig der Körper wieder entdeckt und seine Lebendigkeit zurückgewonnen.

Sonntag, 4. März 2012

Innerer Friede und Aktivität

Ein gängiges Bild des Menschen, der am Ende des Weges zu sich selbst angekommen ist, ist der Weise in der Höhle, ein bedürfnisloser Asket, der versunken in sich lebt und eine tiefe Gelöstheit und Friedlichkeit auf alle ausstrahlt, die ihm nahekommen. Er hat sich aus der Welt der Geschäftigkeit zurückgezogen und gibt denen, die zu ihm kommen, seinen Segen mit auf den Rückweg. 

Wie seine Lebensweise, ist sein Beitrag zur Welt scheinbar bescheiden. Dennoch inspirieren solche Heilige viele Menschen, auch den Weg nach Innen zur Weisheit und Abgeklärtheit zu gehen. 

Nicht für alle ist diese Form der Heiligkeit die Bestimmung. Vielleicht trägt jeder Mensch ein eigenes, individuelles Potenzial der Verwirklichung und des Weges dorthin in sich. Wenn wir der Kraft der Bewusstseinsevolution vertrauen, führt der Weg für jeden Menschen und für alle Kulturen dazu, mehr und mehr Ängste aufzulösen, damit frei zu werden und den Frieden zu finden. Wie weit dieser Weg beschritten werden kann, welche Ziele erreicht und welche offen bleiben, liegt offen in der unvorhersehbaren Zukunft. 

Klar ist nur die Richtung, selbst dann, wenn wir selber das Gefühl haben, sie stimmt nicht, selbst wenn wir meinen, wir fallen zurück auf alte Muster oder verirren uns in seltsame Gewohnheiten und reaktive Verhaltensweisen. Alles, was uns auffällt an unserem Leben, trägt zur Bewusstheit bei, gleich ob das, was uns auffällt, uns passt oder peinlich ist. Wir können nicht nicht bewusster werden. 

Nur spielt uns häufig unser Ego einen Streich, indem es uns ein schlechtes Gewissen einredet. Als Meister der Illusionen und der Vernebelung mischt es sich in unsere Beziehung zu unserer inneren Klarheit mit seinem vorlauten Getue und seinen wichtigtuerischen Gedanken ein. Dann zweifeln wir am Weg und an der Befreiung und merken nicht, dass wir schon wieder einen Schritt weiter sind. 

Ein beliebter Trick, den das Ego virtuos ausspielen kann, ist der Vergleich mit anderen. Wir schauen auf zu Menschen, die „schon so weit“ sind, und herab auf andere, die „erst irgendwo am Anfang“ herumkrebsen. Dabei übersehen wir, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Weg zu gehen hat und auch geht, weil ihm gar nichts anderes übrig bleibt. Wir können andere Menschen und das, was sie sind, als Inspiration nehmen, aber sollten uns hüten, sie als Kopiervorlage zu missbrauchen. Jeder soll nach seiner Façon selig werden, sagte schon Friedrich von Preußen. Jeder kann nur nach seiner Façon selig oder heilig werden, aus seinem Leben heraus, mit den Hintergründen und Beladenheiten, mit den Begabungen und Vorzügen. 

Für denen einen führt der Weg in den Rückzug, für den anderen ins volle Leben. Jede Art und Weise, im äußeren Unfrieden den inneren Frieden zu finden, ist wunderbar und verdient Repekt. Wir brauchen all diese Formen, um als (Welt-)Gesellschaft und Kultur gesunden und reifen zu können. Wir brauchen Menschen mit mehr Gelassenheit und innerer Friedfertigkeit, weil sie die klarsten Motive mitbringen, am kreativsten handeln können und am fähigsten zur Empathie sind. Je mehr friedfertige Menschen auf dieser Welt unterwegs und in ihrer jeweiligen Eigenart aktiv sind, desto mehr wird sich die Menschheit hin zum Frieden entwickeln. 

Sai Baba sagte neulich in einem Interview: „Die Menschheit ist dabei, ihr Bewusstsein zu erhöhen, wie niemals zuvor.“
Frage: „Jedoch wie! Kannst du die Dunkelheit denn nicht sehen?“
„Ja, ich sehe sie, allerdings identifiziere ich mich nicht mit ihr. Ich habe deswegen keine Angst. Wie kann ich die Dunkelheit fürchten, wenn ich solch ein klares Licht sehe? Natürlich habe ich Verständnis für jene, die ängstlich sind, denn ich war auch mal in der Situation, wo ich nur das Böse wahrnehmen konnte. Deswegen empfinde ich Liebe für all dies. (...)“  
Frage: „Doch … wie kannst du dies behaupten, wenn immer mehr Böses auf der Welt geschieht?"
„Es geschieht nicht mehr Böses… es geschieht „mehr Licht“, und dies möchte ich durch diese Botschaft ausdrücken. Stell dir vor, du hast einen Lagerraum, wo du seit Jahren deine Sachen lagerst und dieser ist mit einer 40-Watt-Birne beleuchtet. Wechsle diese Birne in eine 100-Watt Lampe, und du wirst sehen, was geschieht. Du wirst das Schlamassel und den Dreck sehen, wovon du nicht dachtest, dass er existiert. Der Dreck wird klarer wahrgenommen. ... Du solltest deinen Lagerraum in Ordnung bringen, denn du empfängst täglich mehr Licht für dein Bewusstsein, und auch wenn du es vermeiden möchtest, wirst du anfangen müssen, an diesem Projekt zu arbeiten und den Säuberungsprozess einzuleiten oder dich entscheiden, mitten im Dreck zu leben.“

Im Unfrieden im Frieden sein

Wo herrscht Frieden auf dieser Welt? Schlagen wir eine Zeitung auf, schalten wir den Fernseher oder das Radio ein, werden uns die Megakonflikte präsentiert, von denen viele Jahr und Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dahinschwelen. Und wir wissen, dass uns nur eine kleine Auswahl an Unfriedlichkeiten vorgeführt wird und dass es neben den „offiziellen“, CNN-fähigen Weltthemen viele mehr gibt, die es mangels Lobbying nicht in die Schlagzeilen schaffen.

Das ist die große Welt der Unfriedlichkeiten; dann gibt es unsere kleinere Welt , die verschiedenen Lebensbereiche, in denen wir uns bewegen, in denen es immer wieder Streit, Missgunst, Hass usw. gibt. Manchmal scheint ein Beziehungsfeld im Frieden, und schon bricht anderswo ein Streit aus, und wenn sich in einem Moment alles harmonisch und ruhig anfühlt, kann im nächsten etwas explodieren, das das Ganze durcheinander wirbelt.

Nicht viel anders zeigt sich unser Inneres. Mal fühlen wir uns wohl und im Einklang mit uns selber, dann fängt eine Auseinandersetzung in uns an, wir verspannen uns oder leiden körperlich oder emotional. Wir hadern mit einem Körperteil, der uns schmerzt, mit einem Gedanken, der uns plagt, mit Plänen, die wir nicht umsetzen und mit Bedürfnissen, die ungestillt bleiben.

In solchen Erfahrungen können wir erkennen, dass all diese Unfriedlichkeiten zusammenhängen und sich gegenseitig hochschaukeln. Jede innere Unpässlichkeit hat die Tendenz, sich als Belastung für Beziehungen auszudrücken, angespannte Beziehungen können sich störend auf größere Beziehungsnetze auswirken, die dann wiederum auf Mentalitäten und Kulturmuster Einfluss nehmen. So hängt vieles mit vielem, wenn nicht gar alles mit allem zusammen. 

Wie können wir im Frieden sein bei so viel Unfrieden? Ist das überhaupt sinnvoll? Sollten wir uns nicht permanent aufregen über all das Unrecht und die Grausamkeiten? Ist es nicht bloße Heuchelei und Vogelstraußverhalten, wenn wir den inneren Frieden suchen, während die Welt im Chaos versinkt? Was soll das für ein Friede sind, in einem Elfenbeinturm oder Wolkenkuckucksheim, auf einer illusionären Insel der Seligen? Wie können nach Auschwitz noch Gedichte geschrieben werden, fragte Theodor W. Adorno.

Erst wenn überall Friede herrscht, kann es Frieden im Einzelnen geben, so die Position der Skeptiker. Nochmals Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Allerdings, wenn es erst etwas Richtiges gibt, wenn es überhaupt nichts Falsches mehr gibt, können wir lange auf das Richtige warten. Wenn es erst Frieden geben kann, sobald aller Unfriede beseitigt ist, verrennen wir uns in eine fixe Idee. Wir warten auf einen absoluten Frieden, auf eine durch und durch heile Welt. Wir tun so, als wäre das möglich, wenn auch weit, weit in der Zukunft. Und als wäre vorher nichts möglich.

Doch der absolute Friede ist eine Geburt unseres Denkvermögens, die wir nicht zu einem Ding machen dürfen, das es irgendwann einmal zu bestaunen geben wird. Vielmehr genügt es, diesen absoluten Frieden als „regulative Idee“ im Sinn von Immanuel Kant anzunehmen: Etwas, wo wir hin wollen, etwas, was uns nicht  ruhen lässt, ehe es nicht verwirklicht ist. 

Die Idee des ewigen oder absoluten Friedens dürfen wir nicht loslassen oder verwässern, aber wir dürfen sie auch nicht dafür missbrauchen, an der Entwicklung der Welt zu verzweifeln. Wir können sie als Spannung erleben, die uns nicht lähmt, sondern kräftigt und im Weitergehen antreibt, wie die Kraft, die im Weiterdrängen der Evolution des Bewusstseins sichtbar wird.

Wir sollten nichts unversucht lassen, immer wieder Verbindung zu dieser Kraft aufzunehmen, es ist die Kraft des Lebens selbst, die uns weiterführen will. Und nur wir selber sind in der Lage, diesen Strom mit einem ganz besonderen Punkt in Kontakt und in Austausch zu bringen, zu dieser einen Stelle im unermesslichen Netz, zu der wir einen ganz intimen und einzigartigen Zugang haben, weil wir das selber sind. Dort können wir den Frieden entstehen und wachsen lassen, sodass er größer wird und sich ausbreitet, ansteckend wird und verführerisch.
 
Inmitten des Unfriedens, wie in dem Foto, das den Chellisten in der ausgebombten Stadtbibliothek von Sarajewo beim Spiel zeigt – Symbolträger für das, was kein Krieg zu zerstören vermag, den Geist und die Schwingung des Menschlichen in intimer Eintracht mit dem Unendlichen und der jenseitigen Schönheit. Dieser Friede ist sanft und leise, er geht leicht unter im Geschrei und in der Verwirrung der Ängste, doch ist er beharrlich und unzerstörbar, weil er tief unter allem wohnt, was in Unfrieden geraten kann.

 Quelle: en.wikipedia.org