Samstag, 24. März 2012

Alchemie im 21. Jahrhundert: Feinstoffliches wird grobstofflich


Eine Standardfrage im gegenwärtig tagenden Untersuchungsausschuss des österreichischen Parlaments lautet: „Und was war die Gegenleistung?“ Die Antwort darauf lautete meist, man entschlage sich der Antwort. Nun, nicht so Herr Meischberger, wohl einer der unterschätztesten Persönlichkeiten auf unserem Planeten, zumindest in meiner Sicht, wie ich zugeben muss. Er benannte als Gegenleistung „eben das Feinstoffliche.“ 

Nun, wenn das nicht eine schöne Summe grobstofflichen Geldes wert ist, was dann? Da kann man ja nur einen Fantasiebetrag als angemessen betrachten. Denn wie soll sich eine derartige Leistung in Geld ausdrücken? Der Blick, die Aura, die bloße Gegenwärtigkeit eines Herrn Maischberger muss einfach so umwerfend in ihrer feinstofflichen Qualität sein, dass es kein wirklich angemessenes Äquivalent dafür geben kann, nein, das kann nur eine willkürlich gewählte Summe sein, die sich gut und rund anfühlt, nicht 93 478,- oder 109 168,-, oh wie hässlich, nein, 100 000,-, das fühlt sich gut an, das hat eine gute Schwingung. Da passt sich das Grobstoffliche ans Feinstoffliche an, wie es sein soll, schmiegsam und geschmeidig. Die Leistung hat eine Gegenleistung, da ist pure Resonanz.

Wirklich eine beeindruckende Zeit: Viele suchen den Weg vom Groben zum Feinen, und genial, da tritt jemand auf und belegt überzeugend das Gegenteil: Die unermessliche Qualität der eigenen Person in der groben Form der runden Summe nonchalant einzustreifen und damit in die Niederungen des Gewöhnlichen herunterzusteigen, mit all dem enormen Aufwand an Feinstofflichkeit.

Das Füllhorn der Telefoniefirma, die zur Hälfte der Republik gehört (und das ist nicht irgendein Apparat, sondern das sind wir), schüttete just zu dem Zeitpunkt üppigst das Grobe an die Feinstofflichen aus, als Tausende Mitarbeiter zur Kündigung freigesetzt wurden. Wer bis dahin zwischen diesen Vorgängen keinerlei Zusammenhang vermutet hat, wird jetzt eines Besseren belehrt. Woher kann dieser Mut, diese Klarheit, diese tiefe Menschlichkeit kommen, die für eine solche einschneidende Maßnahme notwendig ist, als durch einen enormen feinstofflichen Einfluss? Wer käme sonst auf die kühne Idee, Menschen, die vielleicht schon immer unglücklich an ihrem grobstofflichen Arbeitsplatz waren, endlich die Gelegenheit zu bieten, ihre eigentliche Bestimmung im Feinstofflichen zu finden. Für diese Gegenläufigkeit braucht es einfach einen Ausgleich in der anderen Richtung, und der darf angesichts der Größe der Tat nicht zu gering bemessen sein. Das Geld also nicht zu den Ruachlern im Groben, nein, den Feinen gebührt es, den Meistern des Feinstofflichen. Welch profunde Weisheit offenbart sich in solchen banalen Vorgängen!

Und es gibt allen, die an der Lernfähigkeit der ÖsterreicherInnen zweifeln, ein für alle mal unrecht: Ja, wir haben gelernt, was Demokratie ist, nicht einmal hundert Jahre nach dem Ende des Kaiserreichs: Wir müssen nicht gräflicher Abkunft sein, nein, auch als Installateur und Tankstellenbetreiber dürfen wir uns Hoffnungen machen, das große Los zu ziehen. Es genügt, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute zu kennen.

 

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