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Donnerstag, 18. Juli 2019

Information braucht Materie - und warum das wichtig ist für die Gesellschaft

Was ist Information? Diese Frage steckt hinter den bahnbrechenden Veränderungen, die unsere Lebenswelt und damit auch unser Erleben in der digitalen Epoche in Bann ziehen. Die Beantwortung der Frage kann uns dabei helfen, mit diesen Veränderungen so zurechtzukommen, dass sie im Sinn einer Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen genutzt werden können.

Eine berühmte Definition von Information stammt von Gregory Bateson, der die Information als „Unterschied, der einen Unterschied macht,“ beschrieben hat. Er hat diese Information mit einem Beispiel illustriert: Man kann einem Hund einen Tritt geben, dass der Hund wegfliegt, oder man kann ihm einen Tritt geben, dass er wegrennt. Im ersten Fall gibt die tretende Person die Energie, die den Hund bewegt, im zweiten Fall leistet der Hund seine Bewegung selbst, das heißt, man hat ihm nur Information gegeben, die bewirkt, dass er seine eigene Energie verwendet. Im ersten Fall muss der Hund nichts verstehen, im zweiten Fall muss er verstehen, was ich meine. Er muss also nicht nur seine eigene Energie aufwenden, sondern auch noch interpretieren, wie er das tun soll.

Für den Statistiker ist Information "die Reduzierung von Ungewissheit": Wo es Information gibt, gibt es auch Klarheit. Klarheit entsteht durch Formen, und Formen haben einen Anfang und ein Ende, im Raum und/oder in der Zeit (ein Musikstück z.B.). Information zieht demnach eine Grenze in etwas ein, das vorher grenzenlos (= undefiniert) war. Es ist eine Grenze zwischen einem Innen und einem Außen. Das eine bekommt einen anderen Wert als das andere und wird zu einer Gestalt, die dann begrifflich bezeichnet werden kann, z.B. ein Schwan, der aus einem weißen Fleck in der Entfernung „entstanden“ ist oder ein Klingelton, der die Stille durchbricht.

Daran zeigt sich schon, dass Informationen immateriell sind: Der Unterschied zwischen A und B, zwischen Stille und Lärm, zwischen Gestaltlosigkeit und Gestalt, ist nicht über die Sinne wahrnehmbar und kann auch nicht als Ding vorgefunden werden. Dennoch ist Information Teil jeder Materie – oder in jedem Stückchen Materie enthalten, je nach Ausdrucks- und Sichtweise. Lebewesen sind komplexe Informationsverarbeiter, z.B. Pflanzen, die die Nährstoffe im Boden bewerten und selektiv nutzen. Aber auch die unbelebte Natur enthält Informationen und betreibt Informationsaustausch, z.B. zwischen dem Kern und den Elektronen eines Atoms. 

Die immaterielle Wesensart der Information führt dazu, dass manche Autoren Information und Bewusstsein gleichsetzen. Alles Geistige wird in diesen Bereich eingeordnet, womit die Informationstheorien als Beleg für das Bewusstsein und dessen zentrale Rolle verwendet werden. Ein plumper Materialismus kann jedenfalls die Omnipräsenz der Information nicht erklären. 


Quantenphysik und Informationsmetaphysik


Die Entdeckungen in der Quantenmechanik am Beginn des 20. Jahrhunderts haben dem Informationsaspekt der Wirklichkeit einen Aufschwung gebracht. War vorher vor allem in der Physik die Auffassung vorherrschend, dass es in der Natur nur eindeutig messbare Gesetze gibt, nach denen sie funktioniert, so zeigte sich jetzt, dass im subatomaren Bereich eine „Unschärfe“ vorherrscht und bestimmte Phänomene nur auftreten, wenn sie ein Beobachter beobachtet. 

An diese rätselhaften Erkenntnisse hefteten sich viele Spekulationen, teilweise auch von den Forschern selbst in Gang gesetzt. Ist es so, dass das Universum eigentlich nur Information ist, und dass die Materie nur eine bestimmte Erscheinungsform des Immateriellen darstellt? Bis heute tummeln sich entsprechende Gedankengebilde in verschiedenen Kreisen, besonders auch in den vielfältigen Gefilden der Esoterik, wo der Quantenbegriff seinen festen Platz gefunden hat, wenn auch ohne jeden realen Bezug zu seinem subatomaren Ursprung (vgl. die Blogbeiträge "Quantentheorie und die unsterbliche Seele" und "Die Logik der Photonen und die Quantenwerbung"). Jedenfalls ist immer wieder die Rede davon dass es eine Intelligenz im Universum gibt, eine moderne Version von Gott, die Ordnung schafft und die vor und jenseits der Natur existiere. Die Informationsgesellschaft mit ihrem ungeheuren Ausmaß an bits, also an den kleinsten Informationseinheiten, die sich in einem unvorstellbar rapidem Ausmaß tagtäglich vermehren, hat diesen Modellen zusätzlichen Auftrieb verschafft. Es dreht sich alles nur noch um Information, und deren Überfluss kann kaum mehr bewältigt werden. Es gibt niemanden mehr, die die Datenmenge verarbeiten könnte, als Individuum oder als Kollektiv. Da kann man sich wohl denken, dass es doch ein Mastermind, eine Meisterintelligenz dahinter geben muss, die die Fäden in der Hand hält. Es beschäftigt uns in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob nicht eines nicht allzu fernen Tages die Informationsgiganten mit ihrer sich selbst programmierenden Superintelligenz überhaupt die Herrschaft über die fehlerhaften und unzuverlässigen Menschen übernehmen werden, ob sie also selber die Rolle der universalen Steuerinstanz spielen werden.


Die Widerlegung des Primats der Information


Davon abgesehen, haben wir es in Bezug auf die Materie-Information-Frage mit reinen Gedankenspielen zu tun, die wenig zum Verständnis der Wirklichkeit beitragen, denn wenn es eine derartige Intelligenz gäbe, verfügen wir über keinerlei Möglichkeiten, ihre Existenz zu belegen. Die Wirklichkeit, die wir selber sind und mit der wir es zu tun haben, ist Natur oder aus Natur gemacht worden. Da kommt keine Superintelligenz vor. In diese Wirklichkeit gibt es die unterschiedlichsten Formen von Materie, und überall ist Information eingewoben. 

Die Theoretiker des Informationsprimats, also der Vorherrschaft der Immaterialität über die Materialität, behaupten dazu noch, dass es eine von Materie unabhängige Geistigkeit gibt, dass also die Information vor der Materie kommt, sowohl zeitlich als auch in Bezug auf die Wirklichkeitsprägung. Diese Auffassung gilt aber mittlerweile als wissenschaftlich widerlegt. Der Physiker Rolf Landauer hat 1961 den theoretischen Beweis dafür erstellt, dass Information immer eine materielle Grundlage benötigt. Ein Forscherteam konnte 2012 den praktischen Nachweis der Theorie erbringen. Ohne Materie gibt es keine Information: Jedes Informationsbit braucht einen physischen Speicher und benötigt Energie, um nicht zu verschwinden.

Damit ist klar, dass der Slogan „It from bit“ (das Sein stammt aus der Information) logisch und praktisch ausgeschlossen ist. Wir müssen uns in unserem Drang nach Universaltheorien bescheiden und unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie wir das Zusammenspiel von Materie und Information besser verstehen können, statt uns über Spekulationen zu streiten, bei denen es um nicht viel mehr geht als persönlichen Geschmack und individueller Denkvorliebe. 

Alle Theorien, die Information und Bewusstsein gleichsetzen, sind von dieser Einschränkung mitbetroffen. Es geht sich nicht aus, dem Bewusstsein eine Priorität und eine Überlegenheit über die Materie anzuhängen. Vielmehr müssen wir nüchtern zugeben, dass wir über keine Erfahrungen von Bewusstsein ohne Materie verfügen. Wie jede Cloud, auf der Informationen gespeichert werden, auf Servern gespeichert ist und alle geistigen Gehalte spurlos verschwinden, wenn der Server kaputt geht, so sind auch all unsere inneren Vorgänge, von banalen Gedanken bis zu hochfliegenden Gedanken und erhebenden Erfahrungen auf ein funktionierendes Nervensystem in einem gesunden Körper abhängig.


Die Propaganda der Beliebigkeit und die Manipulation


Der Wissenschaftler und Publizist Paul Mason weist in seinem Buch: Helle, lichte Zukunft" auf einen weiteren bedenkenswerten Zusammenhang hin. Mit der Annahme einer von Materie unabhängigen Information wird das Modell der Kausalität obsolet, das den Aufstieg der modernen Wissenschaften möglich gemacht hat. Die Erforschung der Ursache-Wirkung-Phänomene ist die Grundlage aller technologischen Maschinen, die die Menschen hervorgebracht haben. Sie ist auch die Grundlage für das Vertrauen in den Wissenschaften. Es geht um die Kausalzusammenhänge, die von allen nachvollzogen werden können, die sich damit beschäftigen und die in der materiellen Welt funktionieren, also die erwünschten Wirkungen erzielen, indem sie z.B. ein Auto starten und einen Computer hochfahren.

Wenn wir nun die Phänomene der Quantenphysik aus dem subatomaren Bereich verallgemeinern, in denen das Ursache-Wirkungsprinzip nicht mehr ausreicht, dann können wir zur Annahme kommen, dass es in der Wirklichkeit als ganzer keine Kausalphänomene gibt, sondern nur mehr Informationsflüsse, die die Wirklichkeitserfahrung zusammenstellen. Es gibt also keine äußere Wirklichkeit, sondern nur interne Konstruktionen, Informationskonglomerate, die sich in jedem Individuum unterschiedlich zusammenfügen, sodass es keinen Standpunkt mehr gibt, der in Bezug auf eine äußere Realität Objektivität behaupten kann.

Wenn dem so wäre, ist die Rede von „alternativen Fakten“ nicht mehr ein Verweis auf Lügen und Fantasien, sondern eine Aussage über die Wirklichkeit wie jene, die sich auf äußere Beobachtung und Messung beruft. Es gibt keinen Gegenhalt gegen mutwillige und bösartige Manipulationen, sondern wer gerade die Macht in der Gesellschaft innehat, bestimmt, was wirklich ist und was nicht, was Faktum ist und was Fiktion.


Die Wachheit der Vernunft und die menschliche Freiheit


Deshalb handelt es sich nicht um eine akademische Debatte, ob die Information getrennt und unabhängig von der Materie existiert. Vielmehr wirkt die Festlegung auf eine der möglichen Denkalternativen auf die Weise, wie wir die Wirklichkeit erleben und wie wir miteinander umgehen. 

Mason schreibt: „Nimmt man die irrationale Vorstellung hinzu, das Universum sei ein »großer Gedanke« (Jeans) und die Realität werde »berechnet«, so erhält man nicht nur einen neuartigen Idealismus, sondern auch ein ideologisches Fundament für die Annahme, der Mensch sei machtlos, zur Freiheit unfähig und in einer illusorischen Welt gefangen. Die neue wissenschaftliche Metaphysik ist eine der wichtigsten Stützen jenes Antihumanismus,  der die Ideologien des 21. Jahrhunderts durchdringt. Wenn die Information der physischen Welt vorausgeht und die Menschheitsgeschichte nichts anderes als Software ist, die »sich selbst berechnet«, gleicht unsere Lage jener der Menschen in dem Film Jason und die Argonauten: Jede unserer Entscheidungen ist in Wahrheit von den Göttern vorherbestimmt, die uns wie Spielsteine auf einem Brett bewegen. Es hat keinen Sinn, die menschliche Freiheit oder Handlungsmacht zu verteidigen." (Mason S. 172, 173)

Und weiter: „Wenn der neue, digitale Idealismus recht hat, ist der Humanismus lediglich eine Form von Nostalgie. Wenn wir die Wahrheit gestützt auf unsere Sinneswahrnehmungen gegen Fake News verteidigen wollen, wenn wir den Neoliberalismus durch ein System ersetzen wollen, das sämtlichen menschlichen Bedürfnissen genügen kann, dann müssen wir die Vorstellung von einem menschlichen Wesen verteidigen, das – vorbehaltlich der historischen Umstände – zu eigenständigem Denken und Handeln fähig ist. Oder wie es die Philosophen ausdrücken: Wir müssen die Freiheit verteidigen.“

Die Verteidigung der Freiheit und der Würde des Menschen ist gerade in Zeiten der Nivellierung der Wahrheitsansprüche und der Verwischung der Grenzen zwischen Realität und Fiktion, wie sie die Inflationen des Informationszeitalters nach sich ziehen, gefordert. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen von den abergläubischen Verbreitern von zusammenfantasierten Weltbildern und Theorien, die eindrucksvoll klingen, aber oft nur auf Sand gebaut sind. Vielmehr geht es darum, unsere kritische Vernunft und unsere Sinne wach zu halten und mit ihrer Hilfe unsere Meinungen, Theorien und Wirklichkeitskonstruktionen immer wieder zu überprüfen, in uns selbst, in unseren Mitmenschen und in den Angeboten der Informationsgesellschaft. 

Das Hochhalten eines kritischen Humanismus ist kein Luxus, dem wir uns hingeben, wenn wir nichts Wichtigeres zu tun haben, sondern ist ähnlich dringend wie der Einsatz für den Klimaschutz – und beides hängt sehr eng miteinander zusammen. Mit giergeleiteten Irrationalismen und ideologiegetränkten Theorien zerstören wir unser demokratisches Gemeinwesen und dazu noch die Biosphäre des Planeten. Wir brauchen eine starke Zivilgesellschaft, die die Werte der Menschlichkeit konsequent vertritt und auf der Basis abgesicherten wissenschaftlichen Wissens die notwendigen Maßnahmen für das Überleben der Menschheit setzt.

„Hannah Arendt hat 1951 geschrieben, die idealen Subjekte des totalitären Staates seien nicht die überzeugten Nationalsozialisten oder Kommunisten, sondern Menschen, die unfähig seien, »Tatsachen als Tatsachen zu verstehen und Wahrheit von Lüge zu unterscheiden«, Menschen, »die sich auf ihre Erfahrungen nicht mehr verlassen wollen, weil sie sich mit ihnen in der Welt nicht mehr zurechtfinden können«.“ (Mason S. 139)

Literatur: Paul Mason: Klare, lichte Zukunft. Frankfurt: Suhrkamp 2019

Zum Weiterlesen:
Quantentheorie und die unsterbliche Seele

Die Logik der Photonen und die Quantenwerbung

Dienstag, 29. August 2017

Quantentheorie und die unsterbliche Seele

Zwei Theoretiker, der Arzt und Psychologe Dr. Stuart Hameroff und der Mathematiker Sir Roger Penrose behaupten seit 20 Jahren, Quantenvorgänge in kleinen Strukturen von Nervenzellen aufgefunden haben, und leiten daraus ein Erklärungsmodell für das Weiterleben der Seele nach dem Tod eines Menschen ab.

Sie nennen ihre Theorie „Orchestrated objective reduction (Orch-OR)“ und stellen sie auch in dem Film „What the bleep do we know?“ vor. Hameroff argumentiert in einem anderen Video: „Angenommen, das Herz hört zu schlagen auf, das Blut fließt nicht mehr; die Mikrotubuli verlieren ihren Quantenzustand. Die Quanteninformation in den Mikrotubuli ist nicht zerstört, sie kann nicht zerstört sein, und sie verteilt sich nur im größeren Universum, und löst sich dort auf. Wenn ein Patient wiederbelebt wird, kann die Information in die Mikrotubuli zurückkehren, und der Patient sagt: ‚Ich hatte eine Nahtoderfahrung.‘ Wenn es zu keiner Wiederbelebung kommt, ist es möglich, dass diese Quanteninformation außerhalb des Körpers weiterbestehen kann, vielleicht unendlich, als Seele.“

Diese Bemerkung wird gerne in diversen Seiten (z.B. hier) zitiert, wenn es darum gehen soll, „einen wissenschaftlichen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele“ vorzuweisen. Das obige Zitat allein sollte allerdings jedem unbefangenen Leser sofort vor Augen führen, dass es sich bei den Extrapolationen der Orch-OR-Theorie nicht um wissenschaftliche Aussagen handeln kann, sondern um fantasievolle Spekulationen. Abgesehen von der hochspezialisierten Fachfrage, ob es in den Mikrotubuli der Gehirnzellen überhaupt Quanteninformationen gibt, und wenn, ob diese mehr als eine unglaublich winzige Zeiteinheit Bestand haben, was in der Fachwelt strittig ist, gibt es für die darüber hinaus reichenden Überlegungen keine Spur von wissenschaftlicher Grundlage.

Ist Wissenschaft drin, wenn Wissenschaft draufsteht?


Nach Hameroff wäre möglich, dass „vielleicht“ die Quanteninformation (falls es sie überhaupt gibt) unverändert im „größeren Universum“ (wo auch immer sich dieses befindet) bewahrt würde und dann in der alten oder auch in einer neuen Körperform (in den besagten Mikrotubuli) wieder Platz finden könne. Es wäre möglich oder auch nicht. Es gibt dazu keine wissenschaftlich validen Beobachtungen, keine Experimente oder Beweise, sondern angesprochen wird nur eine Denkmöglichkeit. Natürlich, das Denken ist in seinen Möglichkeiten unbeschränkt. Wissenschaft beginnt allerdings erst dort, wo Gedanken mit der Wirklichkeit in Kontakt kommen und nach allgemein anerkannten Regeln Übereinstimmungen untersucht werden. Wo es zu Gedanken keine relevanten Fakten gibt, gibt es auch keine Wissenschaft.

Gedanken können uns gefallen oder auch nicht, und wir können auf ihnen Weltbilder und Ideologien aufbauen. Wissenschaftlich untersuchte und validierte Gedanken geben uns die Sicherheit, dass wir nicht allein unseren inneren Spekulationszirkeln ausgeliefert sind, in denen sich Gedanken dauernd mit Bedürfnissen, Emotionen, Vorurteilen, Erfahrungen, Werten usw. vermengen, sondern dass wir damit Wissen generieren können, das uns eine verlässliche Orientierung in der Wirklichkeit erlaubt.

Zur Wissenschaft gehört es, dass auch die Grenzen des Wissbaren und Erklärbaren definiert werden. Wissenschaft muss sich mit der Wissenskritik auseinandersetzen, die die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Wissens überprüft und Aussagen dahingehend überprüft, ob sie wissenschaftlichen Standards genügen oder nicht. Wir sprechen von Mogelpackungen, wenn auf einer Ware etwas anderes draufsteht als drinnen ist. Schreibt jemand „Wissenschaft“ auf etwas, wo keine Wissenschaft drin ist, wird auch gemogelt. Und da ist es wichtig, solche Täuschungen aufzuklären.

Die Orch-OR-Theorie, die der gesamten Argumentation zugrunde liegt, ist in wissenschaftlichen Kreisen äußerst umstritten, sowohl in Bezug auf die logisch-mathematischen Grundlagen wie auch in Hinblick auf die Neurobiologie der Nervenzellen. Zumindest hat sich die Theorie als fruchtbare Forschungshypothese präsentiert, an der seit über 20 Jahren geforscht wird, ohne dass ein Konsens über die Sinnhaftigkeit der Theorie bisher absehbar ist. Darum kann es hier nicht gehen, und wer sich für Details interessiert, kann ausführlichen den Links auf dieser Seite folgen.

Das Mysterium Tod


So gerne würden wir „mit Sicherheit“ wissen, wie es mit uns nach dem Tod weitergeht, und deshalb stürzen wir uns auf jede Theorie, die uns einen wissenschaftlichen Beweis verspricht, wie die Durstenden auf ein Glas Wasser, und verbreiten die frohe Botschaft, als hätten wir endlich den Stein der Weisen entdeckt. Allerdings, wie es bei näherer Betrachtung erscheint, geht es in diesem Zusammenhang eher ums Loslassen:

Sehr wahrscheinlich – und aus logischen Gründen – wird uns die Wissenschaft nie irgendeine Sicherheit über das, was nach dem Tod mit uns geschieht, liefern können, mit oder ohne Quantentheorie. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir, wenn wir eines Tages sterben, kein Wissen haben, was danach passiert. Wenn wir von Wien nach München reisen, haben wir ein Wissen darüber, was uns in unserem Ankunftsort erwartet. Bei einem Gewitter verfügen wir über verlässliches Wissen, was sich dabei abspielt. Wenn es um den ganz anderen Übergang vom Leben in den Tod geht, verfügen wir über keinerlei Sicherheit, wie sie wissenschaftlich erstelltes Wissen bieten kann, über das, was danach geschehen wird. Wir können unseren persönlichen Glauben dazu bilden und pflegen, ohne dass uns dieser allerdings aus der fundamentalen Unsicherheit heraushelfen könnte.

Wie oben gesagt, braucht die Wissenschaft immer einen Bezug zum Faktischen. In Bezug auf den Tod gibt es Fakten: Beobachtungen und Messungen, die sich auf lebendige Organismen beziehen, und solche, die sich auf leblose beziehen. Es gibt verschiedene Angaben über den Zeitpunkt, ab welchem man von einem toten Organismus sprechen kann, und die Berichte über Nahtoderfahrungen und Wiederbelebungen zeigen, dass es in diesem Bereich große Abweichungen und individuelle Unterschiede geben kann. Wirklich relevant für die Frage nach dem Weiterleben nach dem Tod sind nicht Nah- oder Scheintoderfahrungen, wiederbelebte klinisch Tote oder vom Tod Erweckte. Denn in solchen Fällen kann immer argumentiert werden, dass der Tod noch nicht zur Gänze eingetreten ist und der Tod nur „nahe“ oder „dem Schein nach“ angeklopft hat, dass also der Sterbeprozess noch nicht voll abgeschlossen war, sondern dass noch Körperprozesse weiterbestanden haben, die dann die Wiederbelebung ermöglicht haben. Manche (bei weitem nicht alle) Menschen mit Nahtodeserfahrungen berichten z.B. von Tunnel- und Lichterfahrungen, die auch mit Restaktivitäten im Gehirn erklärt werden können, weil sie das Gehirn auch ohne Nahtodzustand erzeugen kann.

Selbst wenn wir über eine ausreichende Zahl an Berichten über Menschen verfügen würden, die über einen ausreichend langen Zeitraum nach allen Regeln der Kunst als tot (Herzstillstand, Gehirnstillstand, Stillstand von zellulären Aktivitäten) gelten und dann wieder lebendig werden, könnten diese Menschen nur darüber berichten, was sie während der Zeit ihres Todes sowie während ihres Zurückkommens erlebt haben. Sie könnten uns also zu einem Wissen über Tote mit Wiederbelebung verhelfen, aber nicht zu einem Wissen über Tote ohne diese Möglichkeit, die ja bei weitem die größte Zahl ausmachen und wir selber sowie alle Nah- und Scheintoten mit höchster Wahrscheinlichkeit irgendwann sein werden.

Denn wie sich der Tod anfühlt und was dann passiert, wenn es kein Zurückkommen gibt, entzieht sich der Berichtsmöglichkeit, weil eben der Tod dadurch definiert ist, dass in diesem Zustand nichts mehr berichtet werden kann. Sollte es also nach dem Tod noch eine Art von Subjektivität geben, eine Form der inneren Erfahrung, so gibt es, bisher zumindest, keine Form, wie diese Subjektivität zuverlässig kommuniziert werden könnte (vom „Tischerücken“ abgesehen), d.h. wir können auf keine Fakten zurückgreifen, die als Basis für verlässliches Wissen dienen könnten.

Das bisschen Wissen, das wir aus recht geringen Zahlen von „Nicht-wirklich-Toten“ gewonnen haben, gilt eben nur für diese Spezialfälle, und wenn wir allgemeine Schlüsse, die für die „Wirklich-Toten“ gelten sollen, ableiten wollen, haben wir dafür kein logisches Fundament. Wir spekulieren, d.h. wir entwickeln unüberprüfbare Hypothesen, und das tun Menschen seit Jahrtausenden, nicht aus dem Interesse heraus, wissenschaftliches Wissen zu erwerben, sondern aus dem Bedürfnis, die Todesangst als Angst vor einer großen Ungewissheit zu bewältigen. Wir entwickeln Glaubenssysteme, um diesem Bedürfnis zu entsprechen, und allem Anschein nach wird es keinen wissenschaftlichen Fortschritt geben, der jemals diese Glaubensformen durch wissenschaftliches Wissen ersetzen könnte.

So wird weiterhin ein Großteil der Menschen annehmen, dass wir nach dem Tod entweder in den Himmel oder in die Hölle kommen, ein anderer Teil wird glauben, dass es Wiedergeburten in neuen Körpern gibt, und andere wiederum glauben, dass es kein Weiterleben gibt, sondern dass mit dem Tod „alles“ vorbei ist. Und wieder andere stellen die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, Fragen zu stellen, auf die es keine sinnvollen Antworten gibt.

Samstag, 9. Januar 2016

Der Anfang der Welt und das spekulative Denken

Wir möchten wissen, wie alles begonnen hat. Was war vor der Welt? Vielleicht könnten wir mehr über die Welt verstehen, wenn wir wüssten, woraus sie entstanden ist. Jedoch: Alle Ausflüge, die wir über das Raum-Zeitschema hinaus unternehmen, sind riskant. Welt ist für uns, die wir aus und in dieser Welt entstanden sind, identisch mit dem, was in Raum und Zeit existiert. Denn unser (selber raumzeitlicher) Wahrnehmungsapparat beruht auf diesem Schema und wäre ohne es funktionslos. Ohne Raum und Zeit wären wir blind, taub und empfindungslos. Dazu kommt, dass unsere Denkformen auf der Wahrnehmung beruhen und von ihr bestimmt sind. Heben sie davon ab, verlieren sie ihren Referenzpunkt und beginnen zu taumeln: inhaltsleer und beliebig, also nicht verbindlich kommunizierbar. Die Wirklichkeit, die sie darstellen wollen, ist nur im Innen, ohne die eigenen Koordinaten zu kennen.

Wir können also nur in Raum und Zeit wahrnehmen (zumindest im funktionalen Sinn), und unser Denken und die damit verbundene Begriffsbildung sowie die Sprache sind von der Raum-Zeitlichkeit der Wahrnehmung abhängig und immer auf sie bezogen. Alles, was wir reden, hat nur deshalb einen Sinn, weil es Gegenstände und Vorgänge in Raum und Zeit gibt, die das Sprechen meint.

Selber raum-zeitliche Wesen, können wir den Anfang der Zeit oder das Ende des Raumes nicht denken. Alles, was wir über diese Themen aussagen, ist spekulativ, d.h. willkürlich und unverbindlich. Wir können sagen, dass es vor der Entstehung der Welt einen Gott gegeben hat, der all diese Vorgänge eingeleitet hat, wie der Präsident einer Supermacht, der nach mehr oder weniger reiflicher Überlegung den Knopf für einen Atomangriff drückt. Wir können die Meinung vertreten, dass es eine unendliche, unpersönliche Intelligenz war, die für den Anfang verantwortlich ist, ein missgünstiger Dummkopf oder ein Spaghetti-Monster, je nach Geschmack. Wir können auch sagen, dass alles aus einem Nichts entstanden ist. Oder dass es vor dieser Welt eine ganz andere gegeben hat. 

Unserer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und alle diesbezüglichen Aussagen haben erkenntnistheoretisch den gleichen Wahrheitswert, nämlich Null, weil sie in irgendwelchen Köpfen formuliert wurden, ohne sich um den Bezug zur raum-zeitlichen Wirklichkeit zu kümmern: Was gesagt wird, kann stimmen oder auch nicht, und es gibt keine Instanz außer dem Sprecher, der das entscheiden könnte. Unsere fantastische Vorstellungskraft ermöglicht uns, außersinnliche Wirklichkeiten nach unseren Wünschen oder Geschmäckern erschaffen, zu verändern und wieder verschwinden zu lassen.


Über die ersten und letzten Dinge spekulieren


Das Spekulieren, das häufig in Zusammenhang mit den "letzten Fragen" angewendet wird, können wir folgendermaßen verstehen: Es ist der Versuch, die Denk- und Sprachformen, über die wir aufgrund unseres Funktionierens in der gegenständlichen Welt verfügen, auf die Fragen anzuwenden, die mit dem Jenseits der Raum-Zeit-Welt zu tun haben. Wir wollen erklären und verstehen, was sich jenseits der Ränder des Erfahrbaren tut und wenden unsere gebräuchlichen Konzepte und Begriffe auf diese Bereiche an, so als gäbe es dort Gegenstände, die wir aus den Zusammenhängen des Funktionsmodus kennen. Dort brauchen wir Einordnungen und Kategorisierungen, die das Denken beisteuert.

Wenn wir das Denken auf kontextfreie Erfahrungen, wie wir sie im Flussmodus kennen, anwenden, beginnt es zu spekulieren, d.h. in Nachahmung der Freiheit dieser Erfahrungsform willkürlich und ungebunden assoziativ zu schweifen. Dabei vermeint das Denken, mehr von der Wirklichkeit zu erkennen, und das ist die Illusion in der Spekulation. Sie meint, sich auf Gegenstände zu beziehen, tatsächlich sind es Erfahrungen, die sich nicht gegenständlich fixieren lassen, sondern eben im Fluss, in der dauernden Veränderung sind.

Die Wirklichkeit, die das Denken erfassen will, ist immer noch raum-zeitlich, auch in den Fällen, in denen es sich darüber hinaus erweitern möchte. Die Begriffe, die wir auf den Flussmodus beziehen (Unendlichkeit, Weite, Freiheit, Leere etc.), sind Kreationen des endlichen und relativen Denkens. Doch zum Unterschied von konkreten Begriffen wie Blume, Fisch oder Löffel, die sich auf Gegenstände in Raum und Zeit beziehen, haben die verallgemeinerten Begriffe keinen direkten Gegenstandsbezug mehr, sind also anschauungsferner und abstrakter. 

Jeder abstrakte Begriff, den das Denken formuliert, ist aus der sinnlichen Raum-Zeit-Wahrnehmung abgeleitet. Z.B. ist der Begriff der Unendlichkeit die Negation des Begriffs der Endlichkeit, der jeden Raum-Zeit-Gegenstand auszeichnet, ist also die negierte Abstraktion aus jeder Gegenstandswahrnehmung. Rene Descartes hat von ausgedehnten Gegenständen gesprochen, die alle durch ihre Grenzen definiert sind. Unser Denken ist in der Lage, logische Operatoren auf die Gegenstandsbegriffe anzuwenden, z.B. die Verallgemeinerung und die Negation. Damit wird es möglich, den Begriff der Unendlichkeit zu erzeugen und in eine Sprachform zu bringen. 

Allerdings bleibt der Begriff auf die endliche Wahrnehmungsform bezogen und ist von ihr abhängig und hat damit im Grund nichts zu tun mit der Flusserfahrung, die er bezeichnen will. Er dient nur der Übersetzung der Erfahrung ins kommunikative Medium, für unsere Versuche, Flusserfahrungen, die wir haben, mit anderen Menschen zu teilen. Da wir keine Denkform haben, die Begriffe aus dem Flussmodus der Erfahrung ableitet, haben wir auch keine adäquate Sprachform für diesen Modus. 


Die Kunst zeigt das Unbenennbare


Im übrigen können wir die Kunst als Versuch verstehen, die Fließerfahrung in eine sinnlich wahrnehmbare Form zu übertragen und damit gegenständlich zu machen, aber eben als Gegenstände, die dem Funktionsmodus entzogen sind, also keinen Gebrauchswert haben. Was uns an der Kunst fasziniert, ist ihre Fähigkeit, in unendlichen Variationen das, was hinter den Dingen ist, zum Vorschein zu bringen, ohne es auf Begriffe zu reduzieren. Kunstwerke zeichnen sich dadurch aus, dass wir sie verstehen können, ohne sie jemals voll verstehen zu können.


"Vor der Zeit" 


Aussagen darüber, was "vor" der raum-zeitlichen Wirklichkeit war, sind immer spekulativ. "Vor" ist ein zeitlicher Begriff, der, wenn wir ihn auf etwas außerhalb der Zeit anwenden, widersprüchlich wird. Diese Widersprüchlichkeit betrifft alles weitere, was im Bereich jenseits der Raum-Zeit-Wirklichkeit thematisiert wird, einschließlich eines Schöpfergottes.

Wenn wir also von einer Gottheit reden, die diese Wirklichkeit geschaffen hat, befinden wir uns im begrifflichen Denken. Dort können wir willkürlich Annahmen treffen, d.h. im Grund behaupten, was wir wollen, weil es ja per definitionem keinen Bezug zu einer im Außen existierenden Wirklichkeit gibt. Die Spekulation hat ihre Wirklichkeit nur im Kopf der spekulierenden Person und im von ihr getätigten Sprechakt. Wird diese subjektive Wirklichkeit anderen Personen mitgeteilt und von diesen geteilt, entstehen kollektive imaginierte Wirklichkeiten. Dieser Mechanismus ist die Grundlage für individuelle Wahngebilde und kollektive Ideologien.

(Ideologien können wir in diesem Zusammenhang als missverstandene Kunstwerke verstehen, ähnlich den inneren Vorstellungen, an denen ein Geisteskranker leidet, mit dem Unterschied, dass sie von vielen Menschen ähnlich erlebt werden: kollektive Wahnvorstellungen) 

Deshalb ist der "Schöpfergott" eigentlich eine ästhetische Produktion, die im Versuch entstanden ist, Erfahrungen des Fließens auf kosmologische Fragen zu übertragen, also mittels einer Sammlung von Metaphern, mit denen auf etwas, das sich begrifflich nicht fassen lässt, hingewiesen wird. Vergleiche dazu die entsprechenden Stellen in der Genesis (Gen 1,1 - 11,9), die mit starken poetischen Bildern arbeiten. Solche mythologische Kosmologien, die es in vielen Kulturen gibt, versuchen, ähnlich der Kunst, mit bildhafter Sprache darzustellen, was jenseits der Funktionswirklichkeit sein könnte.


Ist Gott männlich oder weiblich?


Der feministische Witz: "Als Gott den Mann erschuf, übte sie bloß," zeigt die Willkür auf, mit der wir bei diesen Fragen begrifflich operieren. Dazu zählt der Versuch, Gott ein Geschlecht zuzuteilen. Über lange Zeiträume und in vielen Kulturen waren der Hauptgott oder die vorgesetzten Gottheiten männlich. Daher ist der Wunsch verständlich, Gott endlich zur Abwechslung mit dem weiblichen Geschlecht zu benennen oder zu gendern: Der Gott/die Göttin wie: der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin.

Der Witz zieht seine Wirkung aus der Verwirrung, die entsteht, wenn einem ästhetischen Gebilde raum-zeitliche Eigenschaften zugeordnet werden wie die Geschlechtlichkeit. Denn die Dichotomie zwischen den Geschlechtern gibt es in der "Schöpfung" erst seit der Entwicklung von komplexeren Lebewesen. Warum sollte also ein Gott vor der Schöpfung oder während der ersten Milliarden Jahre nach der Entstehung des Universums ein Geschlecht haben, lange vor allen Geschlechterdifferenzierungen? Das Geschlecht hat den Sinn, über die zugehörige Form der Vermehrung Nachkommen hervorzubringen. Das brauchen und können nur Gottheiten, die in die raum-zeitliche Wirklichkeit eintreten, wie die der Griechen, die ja einen räumlich lokalisierbaren Wohnort hatten, dort Kinder bekamen und auch immer wieder mit Sterblichen Liebesaffären mit Folgen hatten. 

Der monotheistische Gott (die monotheistische Göttin) dagegen bleibt prinzipiell außerhalb der Bereiche der Sterblichen, so weit, dass der Islam ein Verbot erlassen hat, ihn/sie bildlich darzustellen. Er/sie ist damit der Sphäre des Menschlichen-Allzu-Menschlichen mit all ihren Projektionen entzogen, tauscht diese Position aber gegen einen begrifflich ähnlich unsicheren und widersprüchlichen Stellenwert aus. 

Nur aufgrund unseres Denkens und der davon abhängigen Sprache kommen wir auf die Frage nach Eigenschaften Gottes. Wir müssen nach unserer Sprachstruktur auch Gott zumindest grammatikalisch ein Geschlecht zuteilen, wie allen Gegenständen. Vielleicht merken wir dabei, dass wir uns in Widersprüche verwickeln, wenn wir nicht den erkenntniskritischen Unterschied einführen: Wir können alles, was es gibt, einschließlich Gott, nur im Rahmen unserer Denk- und Sprachwelt beschreiben. Damit haben wir nur einen Gott für uns, und nicht einen Gott an sich, der sich ja außerhalb unserer Innenwelt befinden sollte, beschrieben. Mehr geht aber nicht, außer wir begeben uns in den Bereich der Spekulation. Der Gott/die Göttin jenseits der Innenwelt ist eine Innenwelt, der spekulativ eine Existenz außerhalb der Innenwelt zugesprochen wird.

Das Denken ist in der Lage zu verwirren, weil es seine Begriffe auf verschiedene Erfahrungsmodi beziehen kann, ohne zu merken, wo es sich gerade befindet. Verwirrung ist Ausdruck einer Beziehungsstörung zwischen Innen und Außen, zwischen subjektiver Innen- und objektiver Außenwelt. Nur wenn wir unser Denken zur Erkenntniskritik nutzen, können wir zuordnen, was wohin gehört, können Kunst und Wirklichkeitserfahrung unterscheiden und die Verwirrung aufklären.


Aufgeklärtes Denken


Laut Immanuel Kant ist die Aufklärung der Ausgang des Menschen aus der Unmündigkeit. Thomas Metzinger hat in diesem Zusammenhang von intellektueller Redlichkeit gesprochen. Verwirrung zu stiften hat demnach mit unredlicher Machtausübung zu tun, die Erkenntniskritik verhilft zu Selbstermächtigung, Autonomie und ethischer Lebenshaltung.

Vgl. Funktional und fließend Wahrnehmen
Funktions- und Flussmodus
Spiritualität und intellektuelle Redlichkeit
Wissen, Fantasie und Glaube: Was kommt nach dem Leben?