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Donnerstag, 22. März 2018

Die Täter-Opfer-Umkehr als Wurzel für Schuldkomplexe

Kinder sorgen sich um das Wohl ihrer Eltern, von ganz früh an. Wir wissen, dass Föten ihrer Mutter Stammzellen zur Verfügung stellen, damit sie Mängel und Schäden im eigenen Organismus beheben kann. Dieser Zusammenhang, der in der Pränatalpsychologie als „umgekehrter Nabelschnuraffekt“ bekannt ist, äußert sich nach der Geburt darin, dass Kinder grundsätzlich dazu neigen, die Schuld bei sich zu suchen, wenn es auf der emotionalen Ebene zu Störungen zwischen ihnen und den Eltern kommt. Sie gehen davon aus, dass die Eltern immer im Recht sind, weil sie so groß, erwachsen und kompetent sind. Sie rechnen nicht damit, dass Eltern regredieren können, dass Erwachsene zu hilflosen Kindern werden können, die von anderen die Rettung aus ihrem Leid erhoffen.

Besonders, wenn die Eltern durch ihr aktuelles Leben, zu dem auch die Kinder gehören, überfordert sind, reagieren die Kinder mit dem Wunsch, es ihnen leichter zu machen. Sie schränken sich in ihren Bedürfnissen und Ansprüchen ein und schrauben ihre Spontaneität und Lebendigkeit zurück, um nicht zur Last zu fallen. Statt sich aus den eigenen inneren Antrieben heraus zu entwickeln und die eigenen Anlagen zu entfalten, passen sie sich an die Erwartungen der Eltern an. Die Persönlichkeit, die gerade beginnt an Konturen und Profil zu gewinnen, verbiegt sich, um in die Bedürfnisstrukturen der Eltern hineinzupassen.

Geburtsrechte und Grundbedürfnisse


Ursprünglich sind es die Eltern, die aus ihrer eigenen Unfähigkeit und aus der Beschränktheit ihrer Möglichkeiten den Kindern schuldig bleiben, was zu ihrem Geburtsrecht gehört: Dass ihre Grundbedürfnisse bedingungslos und möglichst konsistent erfüllt werden. Es geht nicht um eine lückenlose und bis ins letzte feinfühlige Versorgung und Zuwendung, sondern um eine verantwortungsvolle Einstellung, aus der heraus die Eltern wissen, dass es ihre Pflicht ist, für ihre Kinder und deren Bedürfnisse da zu sein und zu sorgen, so gut sie vermögen. So gut wie es eben möglich ist Eltern zu sein, kann immer wieder an Grenzen der Belastbarkeit heranführen, die auch respektiert werden müssen. Wenn dabei das Band der Liebe, das auch Belastungsgrenzen und kurzfristiges Scheitern überdauert, erhalten bleibt, lernen Kinder, dass Liebe wichtiger ist als Perfektion, und dass Schwächen zum Menschsein dazugehören.

Das Erleben der Grenzen der eigenen Möglichkeiten sollte getragen sein vom Verständnis, dass Kinder Kinder sind, also für ihre Gefühle und deren Regulation keine Verantwortung übernehmen können, bzw. die Übernahme dieser Verantwortung erst schrittweise im eigenen Tempo erlernen. Die Zuständigkeit für den Versorgungsmangel bleibt damit bei den Eltern, sie stehen grundsätzlich immer in der Schuld, und nie das Kind.

Wo dieses Gefühl für die eigene Verantwortung bei den Eltern aus welchen Gründen auch immer abhanden gekommen ist (meist spiegeln sich in solchen Schwächen die Mängel aus der eigenen Kindheit der Eltern), ohne dass die Eltern es merken, kann es leicht zu einer Rollenumkehr kommen, indem die Kinder die Verantwortung für ihre Eltern übernehmen und sich selber damit überlasten und überanstrengen. Sie, die eigentlich das Opfer elterlicher Vernachlässigung sind, sehen ihre Eltern als Opfer ihrer übermäßigen kindlichen Bedürftigkeit, werden also in der eigenen Fantasie zu Tätern, die nun in der Pflicht stehen, ihre Schuld den Rest des Lebens abzuarbeiten. Oft entwickeln sich aus solchen verdrehten Abhängigkeitsbeziehungen lebenslange, von Schuldgefühlen geprägte Programme, den Eltern zu wenig zu geben, zu wenig für sie da zu sein und zu sorgen. Die Opfer sind zu schuldigen Tätern geworden, die die eigenen Eltern nur mehr als Opfer sehen können, denen jede Hilfe und Unterstützung gebührt und die dennoch nie genug ist.

Manche Eltern fügten sich völlig in die Rolle, die sie selber – nicht aus Bosheit, sondern aus selbst letztlich unverschuldeter Unfähigkeit – aufgebaut haben, indem sie ihren Kindern die Elternrolle über sie eingeräumt haben und zugelassen haben, dass die Kleinen sich mit den Aufgaben der Großen überlasteten. Sie gaben den Kindern die Botschaft – ausdrücklich oder indirekt –, dass sie das eigene Leben schwer oder unerträglich machten, sodass diese infolgedessen nicht anders konnten, als möglichst schnell Elternkompetenzen für ihre kindlichen Eltern zu entwickeln. Nicht selten führt das dazu, dass die Eltern in ihrer Opferrolle aufgehen und ihre erlernte Hilflosigkeit in körperliche Symptome übersetzen. Dann erst recht fühlen sich die Kinder gefordert, die Verantwortung für die Alten zu übernehmen. Das wird sie daran hindern, die Verantwortung fürs eigene Leben und für eine eigene Familie zu übernehmen.

Kinder in der Elternrolle entwickeln dazu noch eine ambivalente narzisstische Selbstüberschätzung. Sie schlüpfen gewissermaßen in übergroße Kleider und müssen ihr Inneres der Rolle anpassen. Sie können auch nicht anders, als sich als etwas Besonderes zu fühlen, weil sie Kompetenzen übernehmen, die nicht ihrem Alter entsprechen. Auf der Strecke bleiben viele kindliche Bedürfnisse. Statt dessen entwickelt sich ein ambivalentes Selbstbild: auf der einen Seite die Erfahrung als kleiner Erwachsener, der die Eltern stützen kann, auf der anderen Seite das Gefühl, es nie gut genug zu schaffen, weil der Anspruch nur zu einer riesengroßen Überforderung führen kann. Schuldgefühle werden zu einer lebenslangen Begleitmusik für ein belastetes Leben und erinnern daran, der angemaßten, aber aus der Not übernommenen Rolle nie voll gerecht werden zu können. Es bleibt immer etwas offen, es bleibt immer eine ungetilgte Schuld.

Verantwortung statt Schuld


Wie schon in den vorigen Blogartikeln zum Thema Täter-Opfer-Umkehr erläutert, liegt der Schlüssel, um aus der Falle der Anmaßung und Schuld zu entrinnen, in der Übernahme der Verantwortung in der rechten Weise, nämlich für sich selbst und für die Aufgaben im eigenen Leben. Dort, wo die Verantwortung am richtigen Platz ist, gibt es keine Täter und keine Opfer und keine fliegenden Rollenwechsel.

Die Verantwortungsübernahme sollte natürlich dort beginnen, wo die ursprüngliche Täterschaft geschieht: Bei den Eltern, die ihre Aufgaben auf die Kinder überwälzen. Wie erwähnt, kommt es dazu aus Unbewusstheit, und die Verantwortung kann erst dann übernommen werden, wenn die bewusste Einsicht möglich ist. Sich einzugestehen, selber als Kind zu wenig bekommen zu haben, sodass die eigene Elternrolle nur mangelhaft eingenommen werden konnte, ist der erste Schritt. Diese Opferposition kann dann nur durch die Übernahme von Verantwortung aufgelöst werden, und mit dieser Einsicht wird deutlich, wie in der eigenen Elternschaft die Täter-Opfer-Dynamik auf Kosten der Kinder wirksam wurde.

Sobald den Eltern dieser Schritt gelingt, werden die Kinder entlastet, und sie können in ihre Position zurückfinden. Sie können nach vorne blicken, mit einer Stütze im Rücken, statt sich dauernd zu ihren unmittelbaren Vorfahren umdrehen zu müssen, ob da nicht was zu tun ist. Sie erkennen ihre wirklichen Aufgaben im Leben und spüren die Kraft, die entsteht, wenn sie sich diesen Herausforderungen mit Verantwortung widmen.

Das Übernehmen von Verantwortung ist der Schritt aus jeder Opferrolle und aus jeder angemaßten Täterposition. Er fühlt sich deshalb so unmöglich oder schwer an, weil die Täter-Opfer-Dynamik, die oft über lange Zeit wirksam war, zur Gewohnheit wurde und für Sicherheit sorgte. Tatsächlich aber kostet das Täter-Opfer-Schwanken in jeder Rolle viel Kraft und Energie. Die bewusste Übernahme der eigenen Verantwortung, die mit dem Eingeständnis der Fehler und Schwächen einhergeht, stärkt hingegen immens, sobald sie gelingt und voll inkorporiert werden kann.

Rollen in der Täter-Opfer-Dynamik werden nur übernommen, wenn es keine andere Wahl gibt. Sie verfestigen sich dann leicht zu starren emotionalen Gewohnheiten. Zum Erwachsenwerden gehört es, die Wahlmöglichkeit zurückzugewinnen. An die Stelle des Schicksals tritt die Freiheit, an die Stelle der Schuld die Verantwortung, an die Stelle der Ohnmacht die frei fließende Lebenkraft.


Zum Weiterlesen:
Die innere Geschichte der Täter-Opfer-Umkehr
Rechtsextremismus und Täter-Opfer-Umkehr

Montag, 19. Februar 2018

Das soziale Gewissen und die Verachtung des Schwachen

Da wir Menschen soziale Wesen sind, verfügen wir auch über ein soziales Gewissen und die soziale Scham als dessen Agentin im Gefühlsbereich. Diese Instanzen sollen uns darauf aufmerksam machen, wenn wir die Grenzen der sozialen Fairness überschreiten. Jedes Sozialgefüge braucht einen Ausgleich und eine Balance zwischen den einzelnen Individuen. Da jedes Mitglied einer sozialen Gruppe mit verschiedenen Begabungen, Interessen, Gefühlsmischungen und Antrieben ausgestattet ist, muss dieses Gleichgewicht immer wieder hergestellt werden. Wenn es aus dem Lot gefallen ist, fühlen sich alle Mitglieder der sozialen Einheit mehr oder weniger belastet. Wenn es wieder in den Ausgleich zurückgefunden hat, können sich alle entspannen.

Aus der sozialen Scham entstehen die Schuldgefühle. Sie haben damit zu tun, dass der eigene Beitrag zu einer sozialen Störung auf einer bewussten oder unbewussten Ebene deutlich wird. Diese Gefühle sollen dazu motivieren, Handlungen zu setzen, die zur Behebung der Störung beitragen, z.B. eine Entschuldigung. Jemand hat auf den Geburtstag eines Freundes vergessen, er erinnert sich daran und empfindet ein Schuldgefühl, das ihn motiviert, aktiv zu werden, um das Versäumnis gutzumachen. 

Im vorhergehenden Blogartikel war von der Verachtung des Schwachen die Rede. Im Kontext des sozialen Gewissens hat sie die Funktion, vor Schuldgefühlen zu schützen. Wir tragen alle ein Gefühl für Fairness in uns und es sagt, dass es einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Menschen geben muss: zwischen den Besseren und den Schlechteren, den Schnelleren und den Langsameren, den Ärmeren und den Reicheren, den Stärkeren und den Schwächeren, die Mächtigeren und den Ohnmächtigeren. Das ist Teil des tribalen Bewusstseins, der Urverfasstheit menschlicher Gemeinschaftsbildung, unserer ursprünglichsten sozialen Prägung. Diese Prägung steckt in uns allen, wir haben nur die Wahl sie anzuerkennen oder zu verleugnen, sprich wir können uns die Schuldgefühle bewusst machen, oder sie wirken unbewusst. Die Prägung hatte zur Folge, dass alle weiter entwickelten gesellschaftlichen Organisationsformen Mechanismen des sozialen Ausgleichs eingerichtet haben, von den Almosen aus der Schatulle des Herrschers bis zu den komplexen Regelungen eines modernen Sozialstaates. Viele Superreiche geben einen Teil ihres Überflusses an Schwächere und Benachteiligte.


Der Vorrang des Eigennutzes und seine Folgen


Doch haben wir im Lauf der Zeit (menschheits- und lebensgeschichtlich gesehen) gelernt, vorrangig auf unseren Eigennutzen zu achten und die sozialen Motiven nachzureihen. In einer hochkomplexen Gesellschaft ist für ein einzelnes Individuum nicht mehr möglich, den sozialen Ausgleich zu schaffen. Wollten wir uns um all das Leid kümmern, das die Menschen belastet, kämen wir in einer Großstadt kaum bis zur nächsten Straßenkreuzung. Da bittet ein Bettler um eine Gabe, dort schleppt sich eine alte Frau ab, daneben kommt eine Mutter mit ihrem Kleinkind nicht zurecht, es begegnen uns leere Blicke, einsame und depressive, hektische und verlorene Menschen, so viel Anspannung, sowenig innere Balance. Aber wir können nicht für alle da sein, die etwas brauchen, obwohl uns das soziale Gewissen dazu mahnt. 

Deshalb müssen wir das Gewissen beruhigen, um nicht in Schuldgefühlen zu versinken, und nutzen dazu verschiedene Konstrukte, von denen eines die soziale Verachtung erzeugt. Es ist ein radikales Konzept, weil es die menschliche Gemeinschaft in zwei Kategorien teilt, die Starken und die Schwachen. Es ist deshalb erfolgreich, weil es ein weiteres Element des tribalen Bewusstseins aufgreift, die Unterscheidung von Innen und Außen: Das soziale Gewissen ist reduziert auf die Mitglieder der eigenen Gruppe, des eigenen Stammes, der eigenen Gemeinschaft. Alle, die nicht dazugehören, sind potenzielle Feinde und zählen deshalb nicht zu den Menschen, mit denen wir einen Ausgleich suchen müssen. Mit der Komplizierung der menschlichen Organisationsformen verlieren sich auch die eindeutigen Zuordnungen von Freund und Feind, und die Differenzierung wird im Inneren aufgebaut und emotional durch Verachtung abgesichert. Die Adeligen verachten die Nichtadeligen, das Bürgertum, zunächst selber noch vom Adel verachtet, verachtet die Bauern und Arbeiter, und so schichtet sich die Gesellschaft von oben nach unten. Die soziologischen Schichten heute werden vor allem durch Einkommen und Vermögen definiert, und damit sind wir bei der Verachtung jener, die es nicht so weit gebracht haben wie wir selber. 


Ideologien der Verdrängung


Individuen gehen mit ihren Schuldgefühlen unterschiedlich um. Ganze ideologische Gedankengebäude wurden errichtet, um bei der Verdrängung des sozialen Gewissens zu helfen. Ein zentrales Dogma unserer Gesellschaft ist darauf gegründet, dass die eigene Leistung ausschlaggebend für die gesellschaftliche Position sein soll (was ja auch in unserer Gesellschaft nur teilweise zutrifft, weil die große Zahl der Riesenvermögen in unserem Land nicht durch Leistung, sondern durch Erbe erlangt werden). Wer genügend geleistet hat, achtet diejenigen, die ähnlich viel leisten, und verachtet jene, die das nicht schaffen. Neoliberale wie konservative Parteien tragen dieses Dogma auf ihren Fahnen vor sich her. Nationale Parteien verachten weniger die Schwachen als eher die Fremden.


Verachtung muss durch Achtung ersetzt werden


Verachtung der Schwachen ist Menschenverachtung. Das bedeutet, dass die Menschheit nur dann in eine bessere Zukunft gelangen kann, wenn sie der Verachtung von Menschen keinen Raum mehr gibt. Verachtung muss überall, wo sie auftritt, durch Achtung und Wertschätzung ersetzt werden, und das gilt ganz besonders im Bereich der Politik, die über das Schicksal von so vielen Menschen bestimmen kann. Wir brauchen also dringend Politiker, die sich dem  Respekt und der Menschenwürde für die Starken und die Schwachen in ihrem Handeln (nicht nur in ihrem Reden) verpflichtet fühlen.

Zum Weiterlesen:
Über Schwäche und Bedürftigkeit
Leistung statt Freude

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Emotionale Erpressung und der Ausweg

Die US-Psychologin Susan Forward hat den Begriff der emotionalen Erpressung geprägt, um ein Muster dysfunktionaler Beziehungen zu beschreiben, in dem die eine Person versucht, das Verhalten der anderen durch das Auslösen von Ängsten und durch die Erzeugung von Schuldgefühlen zu kontrollieren, um auf diese Weise den eigenen Willen durchzusetzen.

Emotionale Erpressung kommt in allen Formen von Beziehungen vor: in Liebesbeziehungen ebenso wie in Arbeitsverhältnissen, in Eltern-Kind-Beziehungen, Freundschaften usw. Auch wenn es zunächst so ausschaut, als wäre der Erpresser der Bösewicht, funktioniert emotionale Erpressung nur, wenn das Opfer mitspielt. Bei beiden Seiten sind es frühkindliche Erfahrungen, die die jeweiligen Verhaltensweisen prägen, also nur in den seltensten Fällen ist es einem Erpresser bewusst, was er macht, vielmehr nimmt er an, dass er gar keine andere Wahl hat, als Druck auszuüben. Ebenso meint das Opfer, dass es keine andere Möglichkeit hat, als dem Druck nachzugeben, um Schlimmeres zu verhindern.

Vier Typen von emotionalen Erpressern


Der Bestrafer
: Er lässt sein Opfer genau wissen, was er will und mit welchen Konsequenzen es zu rechnen hat, wenn es sich nicht fügt. Er kann seine Rolle aggressiv oder still und verschlossen vor sich hin brütend ausüben, doch ist die Wut, wenn die eigenen Forderungen nicht erfüllt werden, direkt auf das Opfer gerichtet.
Der Selbstbestrafer: Er richtet seine Drohungen gegen sich selbst und malt seinem Opfer aus, was er sich alles antun wird, wenn er nicht bekommt, was er will. 

Der Leidende: Er besitzt ein Talent für Schuldzuweisungen und für das Erzeugen von Schuldgefühlen. Er verlangt von seinem Opfer, dass es herausfindet, was er will. Er geht davon aus, dass immer der andere dafür sorgen muss, dass die eigenen Wünsche erfüllt werden.
Der Verführer: Er stellt seinen Beziehungspartner vor Tests und verspricht ihm etwas Wunderbares, wenn er die Aufgaben besteht.

Allen Typen gemeinsam ist die Vorgangsweise, bei der Durchsetzung eigener Bedürfnisse mit Konditionalsätzen zu arbeiten: Wenn du A nicht tust, wird B passieren. Oder: Nur wenn du A tust, wird C passieren. Mit Bedingungen wird der Handlungsspielraum der anderen Person eingeengt, sie hat nur die Möglichkeit, zuzustimmen oder abzulehnen.

Sechs typische Phasen der emotionalen Erpressung


1. Forderung
Ein Beziehungspartner äußert einen Wunsch, von dem er nicht abweicht und dessen Erfüllung er unbedingt erreichen will. Damit wird der Wunsch zu einer Forderung. Meistens wird der Wunsch so dargestellt, dass er auch dem Beziehungspartner entgegenkommt und für die Beziehung unabdingbar ist.

2. Widerstand
Der andere Beziehungspartner reagiert mit Widerstand, weil er sich überrumpelt, übergangen oder missachtet fühlt.

3. Druck
Der erpressende Beziehungspartner erhöht den Druck, indem er z.B. immer wieder mit dem Thema anfängt und darauf insistiert, dass der eigene Wunsch erfüllt werden muss. Es kann zu Abwertungen kommen wie: „Was bist du für ein egoistischer Partner“. Unbewusst wird gehofft, dass damit im Partner Schuldgefühle erweckt werden können, die diesen zur Erfüllung der eigenen Forderung motivieren. Eine weitere Strategie besteht darin, den Partner mit anderen Personen zu vergleichen, die so agieren, wie es der Erpresser von seinem Opfer verlangt, oder die die gleichen Werte und Ziele wie der Erpresser vertreten.

4. Drohungen
Wenn der Widerstand im Sinn des Nicht-Eingehens auf die Forderung weiter besteht, werden Konsequenzen angedroht. Drastisch wird ausgemalt, was passieren könnte, wenn der Wunsch, der zur Forderung geworden ist, nicht erfüllt wird.

5. Unterwerfung
Manche Partner reagieren dann mit Nachgeben, bleiben aber dann in einem häufig unbewussten Ressentiment. Sie nehmen ihre Willenskraft zurück, um Frieden in der Partnerschaft zu haben. Allerdings ist dieser brüchig.

6. Wiederholung
Nach dem Erfolg gibt der erpressende Beziehungspartner Ruhe, und der andere freut sich über die Harmonie, obwohl ein unterschwellig ungutes Gefühl bleibt. Der Erpresser hat gesehen, wie er seine Ziele durchsetzen kann. Sein Partner hat verstanden, wie das Muster aus Forderung, Druck und Drohung schnell beendet werden kann: Durch Unterwerfung und Aufgeben. Damit ist der Wiederholung Tür und Tor geöffnet.

Die emotionale Atmosphäre


Jeder Mensch kennt die emotionalen Zustände von Angst, Verpflichtung und Schuld. Wir haben die unterschiedlichsten Ängste, die aber im Kern mit Beziehungen zu tun haben, weil wir als kleine Kinder von Beziehungen abhängig waren und Ängste entwickelt haben, die uns davor warnen sollten, dass wir diese Beziehungen aufs Spiel setzen. Daraus entwickelt sich später das Pflichtbewusstsein, das seine konstruktiven Seiten hat, weil wir für die Menschen in unserer Umgebung Verantwortung übernehmen müssen. Schuldgefühle erinnern uns an Fehler, die uns unterlaufen sind, an Situationen, die wir gerne rückgängig machen würden.

Im Allgemeinen können wir mit diesen Gefühlen gut umgehen, doch im Fall der emotionalen Erpressung werden diese Gefühle in den Dienst des Beziehungsstreites gestellt. Forward schreibt: „Erpresser drehen die Lautstärke hoch, dröhnen ihr Opfer so zu, dass es wider besseren Wissens fast zu allem bereit ist, um diese Gefühle wieder auf ein normales Maß zurückzuschrauben, so unwohl fühlt es sich. Ihr Nebel aus Angst, Pflicht- und Schuldgefühlen löst Reaktionen aus, die fast so automatisch sind wie das Zuhalten der Ohren mit den Händen, sobald eine Sirene kreischt. Das Opfer hat wenig Gelegenheit nachzudenken und vermag nur zu reagieren – darin liegt der Schlüssel wirkungsvoller emotionaler Erpressung. Wenn Erpresser ihr Opfer unter Druck setzen, dann ist zwischen dem Auftreten des Gefühls von Unbehagen und dem Erleichterung schaffenden Handeln praktisch keine Pause.
Auch wenn es sich nur so anhört, als handle es sich um einen gut durchdachten Prozess, schaffen die meisten Erpresser den Nebel aus Angst, Pflicht- und Schuldgefühlen doch, ohne dass es ihnen selbst bewusst wird.“ (S. 58) 

Anmerkung: Im englischen Original ergeben die Anfangsbuchstaben von fear, obligation und guilt das Wort „fog“.

Wie Erpresser mit Ängsten arbeiten:
Tu die Dinge so, wie ich es will, und ich werde dich nicht verlassen, dich nicht abwerten, dich nicht anschreien, usw. (S. 59)

Sätze, die das Pflichtgefühl ansprechen:
•    Eine gute Tochter sollte Zeit mit ihrer Mutter verbringen.
•    Ich arbeite Tag und Nacht für diese Familie, und das Geringste, was ich von dir erwarten kann, ist, dass du da bist, wenn ich nach Hause komme.
•    Ehre deinen Vater (und gehorche!).
•    Der Chef hat immer Recht. (S. 66)

Ein Beispiel für die Schuldgefühl-Dynamik:
1.    Ich teile einer Freundin mit, dass ich heute Abend nicht mit ihr ins Kino gehen kann.
2.    Sie regt sich auf.
3.    Ich fühle mich schrecklich und bin davon überzeugt, dass es meine Schuld ist, dass sie sich aufregt. Ich fühle mich als schlechter Mensch.
4.    Ich sage meine anderen Verabredungen ab, damit wir zusammen ins Kino gehen können. Sie fühlt sich besser, und ich fühle mich besser, weil sie sich besser fühlt. (S. 72)

Emotionale Erpressung beenden


Das Erpressungsopfer muss in sich den Nebel aus Angst, Verpflichtung und Schuld auflösen. Im Lauf der Kindheit sind diese Gefühlsmuster als Überlebensstrategien entstanden; im Erwachsenenalter führen sie in die Erpressungsfalle. Wenn an die Stelle der Ängste die Kraft der Selbstbehauptung tritt, wenn Pflichtbewusstsein durch Verantwortung und Schuldgefühle durch Selbstannahme ersetzt werden, wenn also der erwachsene Realitätssinn die Oberhand über die Gefühlsmuster aus der Kindheit gewinnt, hat der Erpresser keine Chance mehr. Entweder gibt er seine Strategie auf oder das Opfer beendet die Beziehung.

Literatur: Susan Forward, Donna Frazier: Emotionale Erpressung. Wenn andere mit Gefühlen drohen. München: Goldmann Verlag 2000

Samstag, 8. Oktober 2016

Der Rechts-Trend

Viele Ereignisse auf dieser Welt spotten scheinbar der Auffassung Hohn, dass sich die Welt zum Besseren weiterentwickelt, wie es die Theorie der Bewusstseinsevolution vorgibt. Schon Voltaire sah das große Erdbeben von Lissabon als Beweis dafür, dass die Welt in keine gute Richtung steuere. Kriege und Konflikte, Flüchtlingsbewegungen, Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen, Erfolge rechtspopulistischer Bewegungen usw. – all das weist darauf hin, dass sich die Entwicklung nach rückwärts orientiert, zurück zu Ängsten und Werthaltungen, die schon überwunden schienen.

Ich möchte hier das letztere Phänomen aus der Sicht der Stufen des Bewusstseins beleuchten. Viele Zeichen deuten darauf hin, dass sich die Gesellschaften „nach rechts“ orientieren, zumindest diejenigen, die in unserem Fokus stehen: In Deutschland treibt die AfD die konservative Partei vor sich her, in Österreich erreicht der FPÖ-Kandidat fast 50% der Stimmen der Präsidentenwahl, in Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern wird ganz offen die nationalistische Karte als unangefochtener Trumpf ausgespielt, Frankreich könnte bald eine nationalistische Präsidentin haben, die Engländer ziehen sich auf ihre Insel zurück und wollen sich gegen die europäische Personenfreizügigkeit abschotten, in den USA hat ein unberechenbarer aggressiver und nationalistischer Egomane reelle Chancen auf das Präsidentenamt etc.

Der Rechts-Ruck


Was hat es also mit dem Rechts-Trend auf sich? Ist das eine Rückentwicklung in eine mittelalterliche Bunkermentalität, sind Zeiten für die Zusammenschlüsse zu großen Netzwerken und politischen Kooperationen vorbei und will jedes Land nur mehr das eigene Süppchen kochen, weil es ja doch am besten wie von Mama schmeckt? Weit und breit ist nichts von Fortschritt zu mehr Menschlichkeit und Toleranz, zum Teilen von Lasten und Chancen, zum Ausgleich zwischen oben und unten, reich und arm zu sehen. Stattdessen haben die Prediger von Ängsten und Irrationalismen mehr Zulauf denn je, und der berüchtigte „Ruf nach dem starken Mann“ wird immer populärer.

Ängste machen uns kleiner, körperlich ziehen wir uns zusammen, wenn wir uns schrecken, und in unserer Denk- und Urteilsfähigkeit schrumpfen wir. Unsere Handlungsfähigkeit reduziert sich auf einfache Alternativen: Kämpfen oder Flüchten in verschiedenen Varianten. Verängstigte Menschen hören auf Menschen, die ihre Ängste teilen und verstärken. Soweit ist die Epidemie der Ängstlichkeit nachvollziehbar.

Aber schwerwiegender sind die verborgenen Ängste. Denn sie stehen dem Ausbau des Vertrauens und der konstruktiven Weiterentwicklung im Weg. Sie äußern sich in den vielfältigen Formen der Skepsis vor dem Neuen und im Mangel an Selbstwert. Ängste, die offen artikuliert werden, treten in den Diskurs ein und mobilisieren Gegenkräfte, in den Individuen wie in der Gesellschaft. Es ist klar, dass solche tiefe Schichten auch viel Hass an die Oberfläche bringen, wenn sie einmal angezapft sind.

Es ist wichtig, dass alle Ängste, die irgendwo gespeichert sind, zum Ausdruck kommen. Im öffentlichen Diskurs muss dann klargestellt werden, wie sie in einer liberalen Demokratie Berücksichtigung finden können und wie sie von Hassäußerungen unterschieden werden können. Die Gesellschaft muss also einerseits jede Form von Hass in der öffentlichen Auseinandersetzung unterbinden, denn Hass steht an der Schwelle zur Gewalttätigkeit und rüttelt damit direkt an den Grundstrukturen jeder Gesellschaftsordnung. Andererseits geht es um ein Eingehen und Verstehen der Ängste, damit der Unterschied zwischen rationalen und irrationalen Anteilen herausgearbeitet werden kann.

Die Ängste der Menschen wollen gesehen werden und Widerhall und Beachtung finden. Auch deshalb kann es in der Sicht der Bewusstseinsevolution einen weiterreichenden Sinn haben, dass rechte Parteien öffentliche Erfolge feiern. Das beruhigt manche der Ängstlichen und entzaubert zugleich die Fähigkeiten der Populisten. Denn diese Ängste verschwinden nicht dadurch, dass sie für „archaisch“ oder „primitiv“ erklärt werden. Sie sind Teil unseres Kollektivs. Deshalb brauchen sie auch Sprachrohre, mit deren Hilfe sie sich artikulieren. Es braucht aber auch selbstbewusste Gegenstimmen, damit deutlich wird, dass die Ängste nicht das letzte Wort haben können, sondern überwunden werden sollten, damit die Zukunft als Zukunft gestaltet und nicht als Imitat der Vergangenheit museal inszeniert wird.

Der lange Atem der Evolution


Der Atem der Bewusstseinsevolution ist lang, sehr lang. Sie rechnet in größeren Zeiträumen als unsere individuellen kurzfristigen Perspektiven, die uns von unseren Problemhorizonten vorgegeben werden: Wie bewältigen wir die Integration von zehntausenden Menschen, die als Flüchtlinge gekommen sind? Wer zahlt das alles, und wie betrifft das unseren Lebensstandard und unsere Lebensqualität? Auf diese Fragen wollen viele Menschen schnelle Antworten und finden diese vor allem bei den rechten Populisten.

Die langfristigen Trends berechnen Ökonomen und Bevölkerungsstatistiker, die davon ausgehen, dass es sich „rechnet“, Flüchtlinge auch in größerer Zahl aufzunehmen. Das wird die Zukunft weisen und kümmert die noch längerfristig wirksamen Trends der Bewusstseinsevolution nur am Rande. Damit die Entwicklung weitergehen kann, ist es wichtig, die Untergründe der Angstszenarien zu verstehen. Erst auf dieser Grundlage können dann die Kräfte erwachen, die die Bewältigung der Aufgaben erfordern.

Ängste und Schuldgefühle


Die westlichen Gesellschaften, um die es hier geht (viele außereuropäische Kulturen gehen durch Phasen eines rapiden Fortschritts mit sinkenden Armutszahlen und der Ausbreitung materialistischer Lebensformen, sie kämpfen mit anderen Problemen), sind in ihrer Inhomogenität von einer Gemengelage aus Bewusstseinsschichten geprägt. Es gibt viele Menschen in unseren Ländern, die für Ängste aus frühen Evolutionsstufen empfänglich sind, und viele andere, bei denen diese Ängste erst durch die neuen Entwicklungen, mit denen wir seit kurzem konfrontiert sind, wachgerufen und aktualisiert werden, vor allem solche, die sich in ihrem wachsenden Wohlstand wie selbstverständlich zuhause fühlen und jetzt spüren, dass dieser bedroht sein könnte.

Es sind die Ängste vor dem Fremden, vor dem Neuen, vor dem Verlust von Sicherheiten und Zukunftschancen usw. Und es sind unbewusste Schuldgefühle, die mit diesen Ängsten verbunden sind: Der Wohlstand, der in Gefahr gerät, gründet zum Teil auf der Armut der Menschen, die jetzt vor der Tür stehen und anklopfen. Oder es sind Waffen, die in unseren Fabriken Arbeitsplätze schaffen und Steuereinnahmen lukrieren, die die Wohnungen dieser Menschen zerstört und ihre Angehörigen umgebracht haben. Sie wollen wieder ein Dach über dem Kopf und eine Gesellschaft, an der sie mitwirken können.

Wir haben an der Armut und an den Kriegen Geld verdient. Wir tragen unseren Teil an der Schuld des Elends auf dieser Welt, und fürchten uns davor, daran erinnert zu werden. Deshalb sollte alles möglichst weit von uns geschoben sein, was uns darauf aufmerksam machen könnte. Das Bedrohliche sind also letztlich nicht die fremden Menschen, sondern die eigene Schuld.

Als Menschenfamilie sind wir involviert in das Elend und Leid, das in vielen Gebieten dieser Erde grassiert. Das heißt nicht, dass wir dafür allein verantwortlich sind und alle diese Probleme lösen müssten, es heißt aber auch nicht, dass wir uns davon abschotten können, in der Meinung, wir hätten damit überhaupt nichts zu tun. Vielmehr führen uns die Flucht- und Wanderbewegungen dieser Tage direkt vor Augen, dass es massive globale Probleme gibt, die wir als Menschheit gemeinsam lösen müssen, und, wenn diese Gemeinsamkeit erschaffen werden kann, auch lösen können.

Das ist ein Fortschritt im Bewusstsein, ob wir ihn angenehm und förderlich finden oder nicht, spielt für die evolutionäre Bewegung keine Rolle. Die Globalität der Krisen und die räumliche und emotionale Nähe der Betroffenen macht das Ausweichen und Ausreden schwerer.

Das macht vielen Menschen Angst, die bisher für die Angstparolen der Rechtsparteien immun waren. Niemand weiß, wie diese globalen Spannungen und Ungleichheiten gelöst werden können, und deshalb erscheint es vielen einfacher, gleich gar nicht damit anzufangen, sondern statt dessen die Zäune und die eigenen Scheuklappen hochzufahren und den Politikern nachzulaufen, die versprechen, dass sich nichts ändern wird an den Ungleichheits- und Ausbeutungsstrukturen, die unsere ohnehin recht prallen Säckel mit schmutzigem Geld füllen.

Rechte Politik löst keine Probleme


Doch diese Verstrickung kann erst sichtbar werden, wenn sie spürbar wird und zumindest in Verzerrungen und ideologischen Ummantelungen zum Ausdruck kommt. Das Versteckte und Verdrängte hat mehr Macht als das offen zur Schau Getragene und zu Gehör Gebrachte. Die Menschen müssen reagieren, und wenn sie dazu rechten Propagandisten nachlaufen, bringt ihnen das eine kurzfristige Erleichterung, aber die Enttäuschung ist nur eine Frage der Zeit. Denn aus logischen Gründen sind die rechten Parteien nicht in der Lage, Probleme zu lösen, sondern können sie durch Scheinlösungen nur verschlimmern.

Evolutionstheoretisch betrachtet, heißt das, dass umfassendere und tiefer verborgene Schichten der Angst an die Oberfläche kommen, und das dient dem Bewusstseinsfortschritt. Kurzfristig kann es sein, dass da und dort die Rechtspopulisten an politische Machtpositionen kommen, doch zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass sie diese nicht lange halten können, weil sie in ihrer Verhaftung an der Erhaltung des status quo oder an der Herstellung früherer Zustände über keine Kompetenzen zur Problemlösung verfügen. Probleme von heute können nicht mit Werthaltungen von vorgestern gelöst werden.

Das Verschieben oder Aufschieben von Problemen beschäftigt dann die nachfolgenden Jahre und Jahrzehnte, wie z.B. die von der Bush-Regierung angezettelten Kriege sowohl das weltweite Finanzsystem in Turbulenzen gebracht haben also auch bis heute ganze Regionen destabilisiert haben, was massive monetäre und menschliche Verluste bedeutet. Im kleineren österreichischen Rahmen braucht man nur an die Regierungsbeteiligung von FPÖ/BZÖ denken, die zwischen 2000 und 2006 vor allem durch Skandale und Korruption auffiel und nicht durch inhaltliche Neuorientierungen und zukunftsweisende Reformen. Die Gerichte sind bis heute (10 Jahre danach) mit der juridischen Aufarbeitung dieser Verbrechen und Verfehlungen befasst.

Freilich kann die Geschichte die Aufgaben, die wir als Menschheit zu bewältigen haben, nicht durch ein imaginäres Zurückschrauben der Zeit oder durch Verleugnung vergessen. Die Geschichte präsentiert sie so lange, bis sie mit Einsatz und Verantwortung angegangen werden. Die scheinbar durch inkompetente und eigensüchtige Politiker für den Fortschritt verlorenen Jahre schärfen schließlich das Bewusstsein für das, was getan werden muss.

Vertrauenstest


Der Rechtstrend ist ein Symptom der Verunsicherung, die er aber selber gar nicht beheben kann, weil sein Potenzial nur darin liegt, das, was er beseitigen will, zu verstärken. In der Verunsicherung fehlt das Vertrauen. Jede Krise können wir nutzen, um dieses Vertrauen zu stärken, in uns und um uns herum. Damit bauen wir aktiv an der Zukunft mit, ohne von den Ängsten, die ihre Wurzeln in der Vergangenheit haben, gelähmt zu sein, aber auch ohne sie verleugnen oder ignorieren zu müssen.