Montag, 20. August 2012

Über die Einzigartigkeit

Für alle, die meine Blogeinträge zur Langeweile und zum Vergleichen gelesen haben, kommt jetzt das Konzept, das den Ausweg aus diesen beiden Themen verheißt: Langweilig ist uns, weil wir uns in einer Gleichförmigkeit gefangen fühlen; zum Vergleichen neigen wir, weil wir unsere Einzigartigkeit und die anderer nicht würdigen können. 

Das Prinzip der Einzigartigkeit ist eine Entdeckung des personalistischen Bewusstseins, das sich damit an ein Prinzip der Natur erinnert hat. Es besteht darin, dass die Natur weder in der Lage ist noch dass es für sie Sinn machen würde, gleichartige Duplikate herzustellen, identische Klone. Einfacher ist es, kommen zu lassen, was kommt, wenn in der Fortpflanzungsreihe neue Individuen entstehen. In der Fortpflanzung experimentiert die Natur durch Variationen und Neukombinationen. Ihre Kreativität beruht auf der Maxime: Immer wieder Neues zu produzieren, von dem sich einiges bewährt, anderes nur den Versuch wert war. Das macht uns zu schaffen, wenn Grippeviren mutieren und die Gegenmittel nicht mehr wirken, und das kommt uns zustatten, wenn wir merken, dass unser Immunsystem lernen kann. 

Bei jeder Zellteilung entstehen aus einer Zelle zwei nahezu identische. Der Chromosomensatz ist zwar gleich, aber z.B. die Anordnung der Organellen ist unterschiedlich. Damit entwickelt jede Zelle eine Einzigartigkeit, die sie auszeichnet. Insbesondere bei der zweigeschlechtlichen Vermehrung ist die Variation das dominante Prinzip, während es zur weitgehenden Identität in der Fortpflanzung nur in Ausnahmefällen kommt (wie bei eineiigen Zwillingen). 

Deshalb gibt es so viele unterschiedliche Stimmen, Gangarten, Augenformen, Körpersprachen, usw., wie es Menschen gibt, je gegeben hat und je geben wird, viele, viele Milliarden. Mit jedem Kind, das geboren wird, kommt ein neues einzigartiges Lebewesen zur Welt mit ganz individuellen Ausdrucks- und Erlebensmöglichkeiten. Jedes neue Kind leistet einen ganz besonderen Beitrag zur Buntheit der Menschheit.

Kein Ei gleicht dem anderen, wie soll es da ein Mensch schaffen, einem anderen zu gleichen? Und wozu? 

Auch wenn wir gerne jemanden bewundern für ein Können, einen Erfolg, ein Aussehen, das uns abgeht, und auch wenn wir so sein wollen, ist das nur ein Gedanke, der uns für einen Moment Trost oder Ablenkung verschaffen soll. Wenn ich so wäre wie XY, dann hätte ich das Problem nicht oder dann wäre mir nicht fad. Dächten wir den Gedanken nur ein wenig weiter, würde schnell klar, dass wir erstens nicht in die Haut von jemand anderem schlüpfen können und dass es zweitens vielleicht gar nicht so optimal wäre, wenn es uns doch gelänge. Wollen wir wirklich das ganze Leben von einem Börsenzocker, der monatlich fette Boni einstreift? Wollen wir wirklich das ganze Leben einer Schönheit, die alle Idealmaße in sich vereint und sich beständig abmühen muss, sie nicht wieder zu verlieren? Wollen wir wirklich das ganze Leben eines Violinvirtuosen oder eines Meisterzauberers, einer Topsportlerin oder Popsängerin?

Haben wir schon alles über uns selbst entdeckt? Wäre es nicht lohnender, im eigenen Garten auf Erforschung zu gehen? Da könnte es ja, gut versteckt und verborgen, besondere Schätze geben, die schon lange darauf warten, endlich gehoben zu werden. Wir brauchen uns nur darauf besinnen, dass wir als ganz eigentümliches, eigen-artiges, unvergleichliches Individuum erschaffen und in die Welt gekommen sind. Dann wird uns wichtiger, herauszufinden, wer wir sind und wer noch und wer noch..., als uns mit anderen zu vergleichen, um uns an sie anzugleichen. Dann wächst die Lust, die eigene Art, die Art zu denken, zu fühlen, zu erleben, zu bewegen und zu ruhen, der Welt beizusteuern und ihr zuzumuten. Dann verstecken wir uns nicht mehr hinter Masken, von denen wir meinen, dass sie bei den anderen gut ankommen, sondern zeigen unser einzigartiges wunderschönes Gesicht, sagen unsere einzigartigen, wunderschönen Worte und schauen uns die Welt mit unseren einzigartigen und wunderschönen Augen an. 

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Und dann erkennen wir auch die Einzigartigkeit in den anderen Menschen, die wir bewundern können, weil sie Ausdruck der unendlichen Schöpfungskraft der Natur und der Gesellschaft sind, ohne dass wir uns mit ihnen vergleichen müssen. Was für einen Sinn soll es machen, wenn eine Rosenblüte mit der anderen in Konkurrenz tritt, wer wohl die schönste ist? 

Nehmen wir doch die Schönheiten, die uns begegnen, als Erinnerung an unsere eigene Schönheit, und nehmen wir unsere eigene Schönheit als Erinnerung an die Schönheit der anderen! Freuen wir uns an der unendlichen Vielfalt, die das Leben hervorbringt und die uns in jedem Menschen entgegentritt, statt dauernd an den anderen herumzumäkeln und ebenso eifrig uns selber abzuwerten!

Zum Nachlesen:
Kommentar zu Regel 21:  Die Verschiedenartigkeit der Menschen als Ausdruck göttlicher Kreativität, aus den "40 Regeln der Liebe"

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