Sonntag, 12. Februar 2012

Der Schmäh mit dem Biofleisch

Wer gerne Fleisch isst und Eier zum Frühstück hat und sich als Tier- und Umweltfreund versteht, greift zu Bio-Eiern und Bio-Fleisch, ja, natürlich! Das Gewissen ist beruhigt, die kleinen Bauern, die ihre Tiere noch beim Namen rufen, werden unterstützt und den Agrarkonzernen wird eins ausgewischt.

Leider ist der gewissenhafte Fleischkonsument damit schon der Werbung der Bio-Lebensmittelindustrie aufgesessen. Mit dem Titel „Der große Bio-Schmäh“ hat Clemens Arvay ein Buch zur Bio-Industrie veröffentlicht (Wien, Ueberreuter), in dem dieser Widerspruch aufgezeigt wird. Darin geht es vor allem um die Bio-Fleisch- und Eiererzeugung, die unter dem Preisdruck der Supermarktketten zu Umständen in der Tierhaltung geführt hat, die denen der „normalen“ Fleischproduktion immer ähnlicher werden. Die „glücklichen“ Hühner und Kühe sind Produkte der Illusionsmaschinerien der Werbung und kommen in der Wirklichkeit kaum mehr vor; auf den Bio-Tellern landen die Reste der geschlachteten Tiere aus Massentierhaltung mit wenig mehr Freiheiten oder Artgerechtigkeiten als die traditionell gehaltenen. Arvay beschreibt „eine Bio-Welt der automatischen Vogelnester, des Mittwochs als Bio-Schlüpftag, der Kükenfließbänder und der Todeskarusselle.“ Die Biorinder leben dumpf angekettet in ihren Ställen, in denen sie elektrisierte Metallbügel daran hindern, ihren Kot anderswo als in den vorgesehenen Rinnen abzugeben, bis ihr tristes Leben am Schlachthof im Akkord endet.

Die Luft wird dünn für den ökologie- und tierschutzbewussten Fleischkonsumenten. Wer die Produkte dieser Industrie kauft, finanziert sie (mit). Weshalb überhaupt noch Fleisch essen, wenn wir damit so viel Schaden anrichten – an den Tieren und an den Menschen? Weshalb müssen wir 1,5 Milliarden Rinder (mal 500 kg Gewicht) auf unserem Planeten mit wertvollem pflanzlichem Futter ernähren, damit eine dünne Oberschicht in den entwickelten Ländern ihre Alltagsbraten verspeisen kann, während die Unterschichten hungern und verhungern, weil für sie dann nichts mehr übrig bleibt? Wiederum: Wer Fleisch kauft, investiert in dieses Ungleichgewicht und in den Fortbestand des Hungers auf der Welt.

Was kann ein Fleischesser zur Rechtfertigung vorbringen? Dass es ihm schmeckt und dass er sich schon so daran gewöhnt hat, dass es alle anderen auch tun, dass er ohnehin nicht so viel Fleisch isst, und was denn das schon ausmacht, und dass es viele andere Ursachen gibt, die Schuld sind am Klimawandel und am Hungerproblem...  Das sind wohl nur dürftige Argumente, aber bessere finde ich nicht – liebe/r LeserIn, wenn du eine triftigere Begründung für das Fleisch- und Eieressen vorbringen kannst, bitte ich darum!

Wenn nicht, dann ist vielleicht heute der Tag, an dem du, geneigte/r LeserIn die Entscheidung fällst, hinfort ohne Fleischkonsum ein gesundes Leben zu führen, und dann willkommen im Club, wir werden immer mehr!

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