Montag, 23. Juli 2012

Das Heldenhafte an der Liebe

Anmerkung: Die Heldin ist immer auch der Held.

Das Heldenhafte an der Heldin liegt darin, den Weg ins Unbekannte hinein zu wagen. In Bezug auf die Liebe bedeutet das, dass sie eine gewohnte Form der Liebe hinter sich lassen muss. Die Liebe, die darauf ausgerichtet ist, Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, ist ein wichtiges Element für das Wachsen und Gedeihen des menschlichen Lebens. Sie trägt aber die Tendenz in sich, Abhängigkeiten zu erzeugen und die Geliebte an sich zu binden.

In Beziehungen äußert sich diese Liebe darin, dass wir versuchen, über die andere Macht auszuüben: Du musst dies oder jenes tun oder nicht tun, damit ich mich geliebt fühle. Die Liebe der Geborgenheit und Sicherheit, die sich bedroht fühlt durch das Streben nach Freiheit, versucht die Liebe zu definieren: Ich erkenne deine Liebe nur, wenn du dieses oder jenes oder möglichst alle meiner Bedürfnisse erfüllst. Tust du das nicht, dann verweigerst du mir deine Liebe.

Wird die Liebe definiert, so unterliegt sie der Macht. Definieren heißt Begrenzen, etwas in einen vorgesetzten Rahmen einpassen. Die Liebe verkümmert unter solchen und unter jeden Bedingungen. Sie braucht die Unbedingtheit, und sie braucht die Freiheit.

Die Heldin muss die Form der definierten Liebe hinter sich lassen, wenn sie ihre Freiheit gewinnen will. Erst mit diesem Schritt gewinnt sie den Zugang zu einer größeren Form der Liebe. Die Liebe, die möglich wird, wenn die Heldin ihren Weg geht und gegangen ist, öffnet sich in die Weite. Sie beschränkt sich nicht mehr auf eine einzige Person, die als Ersatz für die Liebe der Eltern dient, sondern wächst darüber hinaus, bis sie in der Lage ist, sich prinzipiell auf alle Menschen zu beziehen. Das ist die erwachsene Form der Liebe, die sowohl die Liebe zu den Eltern, zu einem Partner oder einer Partnerin, zu eigenen Kindern, zu Freunden und Nahestehenden einschließt, und sich auch darüber hinaus erstrecken kann.

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Liebesbeziehungen, zunächst gleicht keine Beziehung der anderen, weil immer verschiedene Menschen daran beteiligt sind. Darüber hinaus gibt es den für viele Menschen kategorialen Unterschied zwischen einer Beziehung, die alle Ebenen des Sich-aufeinander-Beziehens umfasst, also vor allem Intimität und Sexualität einschließt, und allen anderen Beziehungen, mit Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern usw.

Gerade für das Gelingen der intimen Liebesbeziehung ist die erwachsene Form der Liebe, die sich der Heldin erschließt, von großer Wichtigkeit. Solange die kindlichen Bedürfnisse und Erwartungen in die erwachsene Beziehung hineinspielen, kann sie nicht freu sein. Denn im Gefangensein von solchen Bedürfnissen können wir uns nicht auf den erwachsenen Partner beziehen, sondern verwechseln ihn mit einer Erinnerung aus der Vergangenheit. Wohl haben kindliche Sehnsüchte und Erwartungen ihren Platz in jeder Erwachsenenbeziehung, weil Erwachsensein nicht das Gegenteil von Kindsein bedeutet, sondern das Überformen der Kindheit durch das Erwachsensein, in dem Kindliches erhalten und lebendig bleibt. Doch sollten diese Aspekte und Stimmen als das „markiert“ sein, was sie sind und sich nicht in erwachsener Sprache verstecken und mit erwachsenen Machtmitteln durchgesetzt werden.

Im französischen Sprichwort heißt es, dass die Liebe ein Kind der Freiheit ist. Sie ist frei von Abhängigkeiten und damit frei von Manipulation und Manipulierbarkeit. Sie lässt dem „Objekt“ der Liebe, also der Geliebten, die Freiheit und steht zur eigenen Freiheit.

Sie ist auch frei von Bedürftigkeit. Sie schließt die Bedürfnisse nicht aus, im Gegenteil, sie beachtet und achtet sie und spielt mit ihnen, aber sie lässt sich von ihnen nicht beherrschen. Bedürfnisse können auch durch die Geliebte frustriert werden, ohne der Liebe Abbruch zu tun. Die Kraft dieser Liebe bemisst sich daran, wie sie den Herausforderungen Stand halten kann, die von der Macht der Bedürfnisse ausgehen. auch an der Toleranz für Enttäuschungen und Verletzungen, die in Liebesbeziehungen geschehen können.

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