Sonntag, 27. Mai 2018

Aus der zuckersüßen Welt

Viele Ernährungsexperten und Gesundheitsmediziner gehen davon aus, dass Zuckerkonsum suchtbildend wirkt. Und zwar vor allem dann, wenn es um Industriezucker geht. Denn Zucker stimuliert das Belohnungszentrum im Gehirn, und beim normalen Zucker ist die Wirkung rasch verflogen, sodass schnell der Wunsch nach mehr entsteht. Wir haben eine angeborene Vorliebe für Süßen, weil solche Nahrungsmittel früher sehr selten und kostbar waren. 

Der Durchschnittsösterreicher nimmt pro Jahr ca. 33 Kilo Zucker zu sich, das entspricht 110 Gramm oder ca. 33 Zuckerwürfel/Tag. Die WHO empfiehlt, den Konsum von freiem Zucker auf 50 Gramm/Tag (das wären 18,5 kg im Jahr) zu beschränken, noch besser wäre nur die Hälfte. Österreicher nehmen also im Schnitt doppelt bis viermal so viel Zucker zu sich als es gesund wäre und liegen damit in etwas gleichauf mit den USA, die oft wegen ihrer ungesunden Ernährung gescholten werden. In Deutschland wird etwa 10 Prozent weniger Zucker konsumiert, auch noch viel zu viel. Die Schweizer nehmen mit 52 Kilo den vierten Rang im Zuckerranking ein. Die Chinesen und Japaner rangieren mit 3 -4 Kilo/Jahr am unteren Ende der Liste, was sich auch in einer niedrigen Adipositaszahl auswirkt.


Kleine Zuckerkunde


Beginnen wir mit einer kleinen Zuckerkunde: Unter freiem Zucker versteht man vor allem Traubenzucker (Glucose, Dextrose), Fruchtzucker (Fructose), Haushaltszucker (Saccharose) sowie Malzzucker (Maltose) oder auch Zucker, der in Honig, Sirupen (z.B. Maissirup), Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten vorkommt. 

Einfache Kohlehydrate werden in Monosaccharide und Disaccharide eingeteilt. Fruktose und Glukose sind Monosaccharide, und sie können sich zu Disacchariden zusammenschließen und werden dann Saccharose genannt. Glukose kann der Körper schnell aufnehmen, während Fruktose in der Leber abgebaut werden muss. Glukose hebt schnell den Blutzucker- und den Insulinspiegel, beides fällt schnell danach wieder ab. 


Fruktose


Fruktose ist nicht das Gesunde am Obstessen, vielmehr dient die Süße als Anreiz für den Konsum Obst enthält viele Mineralstoffe und Vitamine. Es wird auch anders verdaut als reiner Zucker, weil es viele Fasern und Ballaststoffe enthält. Da Fruktose in der Leber abgebaut wird, sollte ein Übermaß an Obstverzehr vermieden werden, doch liegt die Bedenklichkeitsgrenze laut Experten bei 20 Äpfeln am Tag, und das muss man erst mal schaffen, wobei ja Äpfel zu den Obstsorten mit der meisten Fruktose zählen. Gefährlich ist allerdings der Zusatz von Maissirup (High Fructose Corn Syrup – HFCS) in vielen Lebensmitteln, wodurch unsere Leber kontinuierlich belastet wird, ohne dass wir merken, was da vor sich geht.


Zuckerkrankheiten


Jeder weiß, dass Zucker und Zahnkaries zusammenhängen und dass wir von zu viel Zucker dick werden. Während des 2. Weltkriegs, als Japan kaum über Zucker verfügte, sind die kariösen Fälle deutlich zurückgegangen. Zucker raubt unserem Körper Mineralstoffe und Vitamine und bringt unseren Stoffwechsel durcheinander. Er übersäuert unseren Körper. Die Symptome, die in Folge von übermäßigem Zuckerkonsum auftreten können, sind sehr vielfältig und reichen von Immunschwäche bis Depressionen. 


Zuckerfrei leben


Wir wissen wohl, dass Zucker, obwohl er gut schmeckt, eigentlich nicht gesund ist. Und trotzdem hören wir nicht einfach auf, Naschwerk zu genießen: Bonbons bestehen durchschnittlich aus 97% Zucker, Gummibärchen aus 76% und Vollmilchschokolade enthält durchschnittlich 55 % Zucker (das sind etwa 13,5 Stück Würfelzucker). In einem Glas Coca-Cola befinden sich 11% Zucker, also ein paar Stück Würfelzucker; wenn nicht so viel Säure im Cola wäre, brächten wir das süße Zeug gar nicht runter.

Vor ein paar Monaten habe ich aufgehört, freien Zucker zu essen (Fruktose nehme ich nach wie vor zu mir, aber eben nur als Obst). Ich wollte herausfinden, wie tief die seit Kindheit eingeprägte Gewohnheit sitzt. Zumindest von mir kann ich jetzt sagen, dass das Zuckerfasten gar nicht schwer ist. Es geht vor allem darum, Gewohnheiten zu erkennen und zu verändern sowie die vielfältigen emotionalen Anker, an denen sich Zucker eingenistet hat, aufzulösen. Dazu gehört auch, die Wahrnehmung zu schärfen und Produktangaben zu studieren. Denn Industriezucker (freier Zucker) ist in sehr vielen „Lebensmitteln“ verborgen. Vor allem in Form von Maissirup wird unsere Zuckersucht mehr und mehr systematisch gefördert. 

Ich habe mir deshalb die köstlichen Produkte, die unsere Bäckereien anbieten, etwas näher angesehen – und siehe da, viele der unverdächtig wirkenden Gebäcksorten sind mit Zucker angereichert:

Anker:
Topfenkornweckerl:              1,4 g Zucker
Salzstangerl:                              1,9 g Zucker
BIO Dinkelvollkornweckerl: 2,75 g Zucker
Kornspitz:                               1,77 g Zucker
Kürbiskernweckerl:               1,6 g Zucker
Cashew-Vollkornweckerl:     4,4 g Zucker
Herzhaftes Roggenbrot mit 22% Walnüssen: 0,5 g Zucker

Ströck: 
Bio-Dinkelweckerl: 1,7 g Zucker
Bio-Handsemmel: 1,1 g Zucker
Dreisaatweckerl: 1 g Zucker
Laugencroissant: 4,1 g Zucker

Mann: 
Dinkelgebäck: 1,2 g Zucker
Roggen Dinkelweckerl:      0,6 g Zucker
Bio-Salzstangerl: 1,8 g Zucker
Korn-Croissant:                 0,8 g Zucker
Vollkornweckerl: 1,2 g Zucker

Zum Vergleich: 1 g Zucker enthält 4 Kalorien; ein Stück Würfelzucker wiegt 3 Gramm. Die Mengen sind nicht riesig, aber es handelt sich bei diesen Waren ja nicht um Süßigkeiten, und vermutlich nehmen die meisten Konsumenten an, dass sie zuckerfrei essen, wenn sie sich einen Kornspitz genehmigen. Ob es eine bewusst gewählte Strategie ist, die Konsumenten an immer mehr Zucker zu gewöhnen, oder ob mit Zucker nur der Geschmack optimiert werden soll, wissen wir nicht. Für das Resultat ist es auch egal – unser Körper wird auf übermäßige Zuckerzufuhr programmiert. 

Donnerstag, 24. Mai 2018

Dankbarkeit - die hohe Schule der Lebenskunst

Dankbarkeit ist der Himmel selber, und es könnte kein Himmel sein, gäbe es die Dankbarkeit nicht. (William Blake)
AdobeStock© patcharee11

Dank zu sagen hat eine innerlich beruhigende Wirkung. Wir kommen mit unserer Umgebung ins Gleichgewicht, wenn wir anerkennen, was sie für uns macht. Wir haben etwas bekommen und geben den Dank zurück. Wir drücken aus: Du hast mir etwas geschenkt, ich schätze dich dafür. Der Dank sieht nicht nur die Tat, sondern auch die Person und geht damit ein wesentliches Stück über das Geben oder bloße Zurückgeben hinaus.

Im Danken bringen wir ein soziales Gefälle zum Ausgleich, das durch jedes Geben entsteht. Wir stellen die Augenhöhe wieder her, und noch mehr, wir vertiefen die Verbindung. Im zwischenmenschlichen Geben und Nehmen läuft es nie auf eine ökonomisch exakte Tauschbeziehung hinaus: der Wert, den du mir gibst, entspricht genau dem Wert, den ich dir gebe. Vielmehr steigt der Wert der Beziehung durch den Ausdruck der Dankbarkeit, und dieser Wert befindet sich auf einer anderen Ebene als der der Güter und Dinge. Zwischenmenschliches Kleingeld hat einen volatilen Wert, der ganz heikel von der je aktuellen Situation abhängt. Die besondere Währung der Dankeshaltung dagegen ist die unermesslich wertvolle Kraft der Akzeptanz und Liebe.

Es geht beim Danken nicht um ein Wiederherstellen von etwas, das in Unordnung gekommen ist, sondern um ein bereicherndes Fortschreiben des Austausches. Dank kann man sich als gebende Person wünschen und beklagen, wenn er ausbleibt; zwingend kann ein Dank auf ein echtes Geben nicht folgen. Er „gilt“ nur, wenn er aus völliger Freiwilligkeit kommt. In diesem Sinn ist die Rede von einem „verdienten“ Dank irreführend. Wir können uns keinen Dank verdienen wie das Geld für eine Dienstleistung, das vorher vereinbart wurde. Menschliche Beziehungen können nicht auf einem Vertragsprinzip funktionieren, bei dem vorab geregelt ist, was die passende Gegenleistung auf eine bestimmte Handlung ist. Verträge sind einzuhalten, und es braucht kein Extra-Danke. Das ist das Prinzip wirtschaftlicher und politischer Beziehung. Auf der zwischenmenschlichen Ebene bewirkt die Einhaltung solcher Regeln Klarheit und Verlässlichkeit, aber keine emotionale Nähe. 

Näher kommen wir uns dort, wo ein Überschuss erschaffen wird. Liebe enthält diese Dynamik, aus weniger mehr zu erschaffen. Eine Leistung, die wir für jemanden erbringen, kann uns als Selbstverständlichkeit erscheinen. Jemand fällt auf der Straße, wir helfen ihm auf, was sonst? Die Person dankt uns, und wir fühlen uns selbst als Person, nicht bloß als Hilfeleister gesehen und gehen mit einem bereicherten Gefühl weiter. So wirkt die Kraft des Dankes. 

Es scheint einfacher, „danke“ zu sagen als jemandem tatkräftig zu helfen. Das ist ja bloß ein Wort, und Worte sind schnell gesprochen, das erfordert keine Anstrengung, könnte man meinen. Aber darum geht es nicht, vielmehr wirkt die Anerkennung, die persönliche Zusage und der persönliche Zuspruch. Wir meinen und sehen mit dem Dank und wir sind mit dem Dank gemeint und gesehen. 


Am Beginn: Dank als unbedingte Liebe


Als wir als Kleine zu Welt gekommen sind, haben wir alles, was wir zum Überleben brauchten, bekommen. Wir konnten nichts tun als unsere Bedürfnisse äußern, und es gab nichts, was wir anderen hätten geben können außer unserer Dankbarkeit. Natürlich haben wir das Wort „Danke“ erst später gelernt, aber die Haltung war unsere sofortige Reaktion, wenn uns ein Bedürfnis erfüllt wurde: Ein Strahlen, ein Lächeln, eine Entspannung – Liebe, deren Fluss wir einfach waren im Moment der Befriedigung und des Glücks. Wir konnten gar nicht anders als mit all unserem ganzen Wesen dankbar zu sein. 

Und das ist es, was die Eltern und anderen Versorger so reich beschenkt, dass alles Tun, so anstrengend und nervend es manchmal sein kann, unbedeutend dagegen erscheinen lässt. Es ist rein das Dasein der neuen Erdenbürgerin, das jede selbstbezogene Zurückhaltung dahinschmelzen lässt und die Tür zum bedingungslosen Geben öffnet. Liebe wiegt nicht nur alles Tun auf, sondern übertrifft es bei weitem, weil es uns in eine andere Dimension bringt. Da Babys ihre Liebesfähigkeit nicht einschränken können, geben sie den Erwachsenen, die ihre Liebesbegrenzungen bereits verinnerlicht haben, eine bezaubernde Erinnerung an das, was zwischen Menschen möglich ist. Auf diese Weise können sie ihre Hilflosigkeit in allen anderen Belangen mehr als ausgleichen. Und sie geben den Erwachsenen ein Vorbild, wie es auch zwischen ihnen sein könnte.


Das Tauschprinzip


Tauschgeschäfte haben ihre eigene Logik und Emotionalität. Sie beruhen auf dem Reziprozitätsprinzip – so wie du mir, so ich dir, und umgekehrt. Diese Geschäfte brauchen eindeutig definierte Werte als Recheneinheiten. Ein Apfel hat einen Preis, also einen zahlenmäßig ausdrückbaren Wert, der sie für Tauschaktionen tauglich macht. Der Wert wird über einen anonym wirksamen Markt bestimmt. Wir brauchen ein rational überprüfbares Grundvertrauen, um am Markt teilnehmen zu können, nämlich dass wir gerecht behandelt und nicht übervorteilt werden. 

Es geht also um Fairness, an die sich alle Marktteilnehmer halten. Schwarze Schafe können immer wieder auftauchen, werden aber über kurz oder lang ausgefiltert. Dankbarkeit ist in diesem Rahmen nicht erforderlich, weil das Geben und Nehmen vollkommen ausgeglichen organisiert ist. Man macht Geschäfte, schenkt sich aber dabei nichts und bleibt sich nichts schuldig. Und es ist nicht einmal eine persönliche Bekanntschaft notwendig, um Transaktionen abzuwickeln – in Zeiten des Internets eine stetig zunehmende Praxis. Anonymisierung und kompromisslose Geschäftstüchtigkeit sind Teil der Logik und Emotionalität des materialistischen Bewusstseins.

Das Danken ist natürlich auch in den ökonomischen Zusammenhängen geläufig, aber es bleibt im Rahmen der allgemeinen Höflichkeit und steht unter der Maxime der Gewinnorientierung. Unfreundlichkeit ist ein Marktnachteil, Unhöflichkeit vertreibt die Kunden. 


Liebe ist Mehren


Im Kontext der Liebe hingegen hat Dankbarkeit einen konstitutiven Platz und Rang. Da die Liebe im Mehren besteht, also im vermehrten Zurückgeben, in einem Beschenken der anderen Person, im Unverhältnismäßigen. Die Liebe hält sich an keine definierten Werte, weil sie sich nicht beschränken lässt. Sie fließt über alle Regulationen und Einschränkungen hinaus. Sie durchdringt alles auf subtile Weise und erfüllt es mit einem besonderen Licht. Sie bejaht jeden Moment und erkennt seinen tieferen Wert; Dankbarkeit ist nur ein anderes Wort dafür.


Dankbarkeit für Schlimmes?


Am schwersten fällt uns das Dankbarsein, wenn uns Schlechtes widerfährt. Da passiert etwas Missliches, ein Schicksalsschlag, ein eigenes Versagen, eine Gemeinheit, und jetzt sollen wir noch dankbar sein? Was schlimm ist, ist schlimm und verursacht uns alle möglichen unangenehmen Gefühle, Dankbarkeit ist nicht darunter. 

Schon aus Selbstschutz lehnen wir ab, was da geschehen ist und wollen in alle Zukunft hinein verhindern, dass sich ein derartiges Übel wiederholt. Wir sind überzeugt, dass wir Besseres verdient hätten und dass uns die Instanzen, die dafür zuständig wären, verraten haben. Wir hadern mit der Wirklichkeit und mit unserem Schicksal. 

Natürlich hilft uns das Hängenbleiben an solchen Erfahrungen nicht weiter. Wir stecken in unserer Trübsal fest und müssen aufpassen, dass wir uns nicht in unser Leiden verlieben. Erst wenn sich die Schleier des Unglücks heben, finden wir Zugang zu einem weiteren Horizont, der unser eigenes Schicksal relativiert und damit verkleinert. Dann können wir den Schritt zum Akzeptieren vollziehen – es war, wie es war, und was war, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wir nehmen uns und unsere Wichtigkeit gegenüber dem Ganzen, das uns umgibt, in wenig zurück. Wir üben uns ein Stück in Demut. 


Dankbarkeit als Lebenskunst


Der nächste Schritt ist noch schwerer und kann erst geschehen, wenn die belastenden Gefühle gewichen sind. Damit sind wir nicht mehr so stark auf uns selber und unser unmittelbares Befinden fixiert und können erkennen, dass wir in größeren Spielen mitspielen, deren Regeln wir nur erahnen. An diesem Punkt kann dann behutsam die Dankbarkeit Platz nehmen. Sobald wir ihr diesen Platz einräumen, erleichtern und befreien wir uns. Wir haben zur Kraft der Liebe zurückgefunden und damit uns selbst wieder mit der Welt in Verbindung gebracht.

Dieser Schritt gehört zur höheren Lebenskunst. Er kann erst dort vollzogen werden, wo das Innere dafür den Raum öffnet, und macht keinen Sinn, wenn wir damit überspielen wollen, was noch nicht überwunden ist. Aber wie bei jede Kunstausübung verbessern wir unsere Kompetenz durch die Praxis, mit jedem Mal, wenn wir aus der Enge unserer Selbstverstricktheit in die Offenheit der Dankbarkeit treten können.


Befreiung aus der Opferrolle


Denn solange wir im Lamentieren und Hadern feststecken, befinden wir uns in der Rolle des Opfers. Andere Menschen, unser eigenes Unvermögen oder äußere Umstände haben uns etwas angetan und unsere Erwartungen für ein gutes Leben durchkreuzt. Sie haben uns ein Leiden zugefügt, das wir vermeinen ablehnen zu müssen. Doch ist das Leiden da, und wir verstärken und verlängern es nur, wenn wir nicht zu ihm stehen. Wir verharren in der Spaltung zur Wirklichkeit, die nun einmal so ist wie sie ist. Indem wir uneins mit dem sind, was ist, sind wir in der Opferposition, und die Beschwerde an die Realität kommt leider dort nicht an.

Erst wenn wir erkennen, dass wir in der Opferrolle stecken, indem wir am Leiden festhalten, kann sich ein Ausweg daraus öffnen. Dann erkennen wir, dass wir uns selber im Stacheldrahtverhau der Ablehnung und Verweigerung der Realität eingesperrt haben und dass wir den Schlüssel dazu bei uns tragen. Gelingt es uns, diesen auch zu nutzen und dem Gefängnis zu entrinnen, erleben wir eine neue Freiheit und eine neue Handlungsfähigkeit. Für diesen Verdienst stellt sich Dankbarkeit ein.

Dankbarkeit ist also der effektivste und eleganteste Sprung aus der Opferrolle. Wir anerkennen alles, was uns widerstrebt und gegen den Strich geht, als Regie des Lebens, uns auf unserem inneren Weg weiterzuführen, und ab diesem Moment kann uns das unliebsamste Erlebnis nichts mehr anhaben. Wir lächeln ihm einfach zu.

Francis Bacon schreibt dazu: „Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Zum Weiterlesen:
Demut als spirituelle Haltung
Die Gleichberechtigung des Seins
Beklagen - selbsterzeugte Gehirnwäsche
Illusion und Lebenspraxis
Der Hochmut in der Selbstverkleinerung

Samstag, 19. Mai 2018

Die Gleichberechtigung des Seins

In unserer Alltagswahrnehmung sind viele Filter eingebaut, sie dienen dazu, die Vielfalt der Eindrücke zu sichten und zu ordnen. Wir klassifizieren alles, was wir erleben, nach verschiedenen Kriterien, deren Herkunft zumeist in unseren unbewussten Motivationen verborgen ist. In den meisten Fällen wissen wir also nicht, warum wir das eine Erlebnis positiv und das andere negativ bewerten. Wir denken uns zwar, nachdem die Bewertung schon stattgefunden hat, Gründe aus, warum wir so oder so bewerten, aber es sind gefühlsmäßige Reaktionen, deren Herkunft im Dunkeln unseres Unterbewussten liegt, die bewirken, dass wir uns bestimmten Aspekten der Wirklichkeit zuwenden und andere vermeiden.

Die Wirklichkeit, auf die wir uns mit unseren Wahrnehmungen beziehen, geschieht unabhängig von unseren Filtern und Bewertungen. Eine Flutwelle, die uns Angst und Schrecken bereitet und enormes menschliches Leid verursachen kann, läuft als an sich emotionsloses Naturphänomen ab. Der Regen fällt auf das Land, dem einen, der gerade ein Sonnenbad nehmen will, zum Missfallen, dem anderen, der ein Feld bestellt, zur Freude, dem, dessen Besitz durch Hochwasser zerstört wurde, zum Entsetzen. Er findet die Natur grausam und feindlich, während irgendwo anders jemand anderer zur gleichen Zeit durch einen Wald spaziert und ebendiese Natur als wunderschön und friedlich empfindet.


Überlebensfilter


Unsere Bewertungsmaßstäbe haben ihre Wurzeln in den frühen Phasen der Menschheitsgeschichte, in denen es ums Überleben und um die Sicherung des sozialen Zusammenhalts gegangen ist.  Was uns Sicherheit und Zugehörigkeit verspricht, bewerten wir als gut, was uns bedroht, als schlecht oder böse. Das Überleben der Menschen hing davon ab, die richtigen Filter aufzubauen und anzuwenden. Daraus leiten sich die Grundfilter: Gut/Schlecht, bzw. Gut/Böse ab. Vom einen wollen wir mehr, das andere soll so wenig wie möglich auftreten.

Deshalb teilen wir die Welt in diese zwei Kategorien, sobald wir uns im Überlebensmodus befinden. In dieser Perspektive ordnen wir die Wirklichkeit unseren Zwecken unter und streben die maximale Kontrolle über sie an. Es soll nichts Unvorhergesehenes geschehen, weil es uns bedrohen könnte. Bekanntes ist bereits eingeordnet, Neues muss erst klassifiziert werden und erzeugt deshalb Unsicherheit und Misstrauen.


Schönheit gibt es nur ohne Bewertung


Wir müssen aus dem Überlebensmodus heraustreten, wenn wir der Wirklichkeit näher kommen wollen. Wir brauchen einen bewertungsfreien Blick, um die Schönheit der Welt aufnehmen zu können. Denn in dieser Welt ist alles gleichrangig, und das macht die Schönheit ihrer Gesamtheit aus. Kein Teil dieser Welt ist an sich schöner oder hässlicher als ein anderer, keiner besser oder schlechter als ein anderer. Alle diese Elemente, die großen und die kleinen, bewegen sich in einem dynamischen Strom, mal näher, mal weiter weg voneinander. Schönheit können wir nicht im starren Gut-Böse-Schema finden, sondern im Wundern über die Gleichwertigkeit aller Teilchen des Seins.

Wir Menschen haben da die Unterschiede hineingebracht, wie es im Alten Testament symbolisch ausgedrückt wird: Durch das Kosten von der verbotenen Frucht, die vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen stammt. Mit dem Geist der Unterscheidung infiziert, bewegen sich die Menschen fortan mit ihren komplexen Bewertungsprogrammen durch die Geschichte und erzeugen andauernd Gutes und Böses aus einer neutralen Wirklichkeit. Es ist, als ob sie mit Farbtöpfen herumlaufen würden, mit denen sie einen Teil grün und den anderen rot einfärben, während gleich die nächsten kommen und wieder alles in ihrem Sinn übermalen. 


Das Nachher relativiert


Übersehen wird bei dieser Rot-Grün- oder Schwarz-Weiß-Malerei die nuancierte Form der Wirklichkeit, die sich nicht an Entweder-Oder-Schemas hält. Das fällt uns manchmal bei Erlebnissen auf, die uns zunächst völlig gegen den Strich gehen, aufregen oder irritieren und sich nachträglich als Segen herausstellen oder zumindest auch gute Folgen zeitigen. 

Aus dem momentanen Gefühl kommt unsere bewertende Reaktion, die darüber entscheidet, ob uns ein Vorkommnis in den Kram passt, unseren Erwartungen entspricht und uns Vorteile bringt. Wenn nicht, wird das Ereignis schnell in die negative Kiste abgelegt. Wir wenden viel Energie und Denkkraft für die Rechtfertigung und Stabilisierung von solchen Einordnungen auf, indem wir unsere Gedanken um das Erlebte kreisen lassen und uns von anderen bemitleiden lassen. Oft bekommen wir gar nicht mit, wenn solche Ereignisse ihre guten Seiten zeigen, außer es fragt uns jemand nach dem „Guten im Schlechten“. 

Wir vergessen schnell, dass wir schon oft im Leben gelernt haben, wie die Zeit alle Wunden heilt. Unglücke, Unfälle, Verletzungen und Bosheiten, die uns so schwer zu schaffen gemacht haben, verblassen in der Rückschau und haben sich schon längst in Erfahrungen verwandelt, von denen wir erzählen, wieviel wir daraus lernen konnten und wie sie uns weitergebracht haben. Die Zeit macht aus den riesigen Ecken, scharfen Kanten und abgrundtiefen Brüchen unserer Geschichte kleine amüsante Anekdoten, aufgefädelt auf der langen Perlenkette unserer Lebenssaga. 


Auf dem Weg zur Weisheit


Weisheit besteht wohl darin, die Relativität all unseres Leidens zeitgerecht zu erkennen und die Festlegung durch spontan getroffene Bewertungsentscheidungen zu vermeiden. Wir sind nicht die Kontrolleure über unsere Zukunft und wissen nichts über die Konsequenzen aus dem, was uns widerfährt. Wir brauchen uns von Spekulationen nicht irritieren zu lassen, sondern können darauf vertrauen, dass das Leben weitergeht, dass es immer wieder angenehme und unangenehme, verletzende und wohltuende, bedrohliche und förderliche Erfahrungen geben wird, und dass sich viele dieser Erfahrungen im nachträglichen Licht betrachtet gar nicht so eindeutig gut oder böse, sondern in bunt schillernden Farben zeigen. Mit unserer Geschichte kommen wir in Frieden, wenn wir deren Schönheit in all ihren Facetten erkennen und anerkennen können.

Wir erlangen diese Sichtweise leichter, wenn wir uns immer wieder darin üben, bei verschiedenen Gelegenheiten die Gleichberechtigung alles Existierenden zu erkennen. Immer wenn wir die Schleier der Bewertungsmuster wegziehen, zeigt sich uns Vielfalt, Reichtum und Fülle, Überraschendes und Wunderbares, und wir finden damit die gleiche faszinierende Mannigfaltigkeit in uns selber. Mit jeder Bewertung, die wir loslassen und durch das Akzeptieren im Moment austauschen können, tauchen wir in unsere dynamische Natur ein, in das von Erfahrung zu Erfahrung weiterfließende wachsende, nie fertige Leben, das wir sind und das uns umgibt.

Dazu kommt, dass die Sichtweise auf die fundamentale Gleichwertigkeit aller Menschen, Dinge und Lebensformen nicht nur Voraussetzung für jede Demokratie in der menschlichen Gesellschaft ist, sondern auch die Grundlage für Artenschutz, nachhaltiges Handeln und Umwelterhaltung bildet. Sie hängt zusammen mit der Haltung der Demut und ist vermutlich die Perspektive, die sowohl ein menschenwürdiges Leben für möglichst viele und auch den Erhalt der natürlichen Lebensvoraussetzungen auf diesem Planeten sichert, als conditio sine qua non, also als unabdingbare Grundbedingung für eine Zukunft menschlicher Existenz.


Wer weiß, wozu es gut ist...


Zu dieser Thematik passt die bekannte „Wer-weiß-wozu-es-gut-ist“-Geschichte, die es in verschiedenen Varianten gibt:

Es war einmal ein kleines Indianerdorf. Am Rande dieses Dorfes lebte ein alter Indianer. Er besaß nicht viel, aber genug, um zufrieden zu leben. Jeden Morgen schaute er nach seinem einzigen Pferd, um eine Weile bei ihm zu sein. Eines Morgens, als er wieder nach seinem Pferd schauen wollte, war es verschwunden.
Der Nachbar des alten Indianers erfuhr es als erster und sprach sogleich:
»Oh du Armer! Dein einziges Pferd ist dir weggelaufen. Du tust mir leid, jetzt ist dein einziger wertvoller Besitz dahin! Das ist wirklich schlimm für dich!«
Der alte Indianer lächelte und sprach:
»Was bedeutet das schon? Das Pferd ist weg, das stimmt, aber bedeutet das wirklich etwas Schlimmes? Warten wir es ab – wer weiß, wozu es gut ist!«
Der alte Indianer ging auch am nächsten Morgen an die Koppel, dort wo sein Pferd gewesen war. Und auch am übernächsten Morgen tat er es. Plötzlich hörte er herangaloppierende Pferde. Als er aufschaute, da erblickte er sein Pferd. Es war zurückgekommen und mit ihm zwölf der prächtigsten Wildpferde. Sein Pferd führte alle in die Koppel.
Der Nachbar des alten Indianers sah es als erster und rief sogleich: »Oh du Glücklicher. Das ist ja unglaublich, wie viel Glück du hast. Dein Pferd ist zurück gekommen und nun hast du dreizehn Pferde! Das ist toll! Nun bist du der reichste Mann im Dorf!«
Der alte Indianer lächelte und sprach: »Ja richtig, ich habe nun dreizehn Pferde. Aber warum bist du so aufgeregt? Wer weiß, wozu es gut ist!«
Der alte Indianer hatte nur einen Sohn, und dieser begann bald darauf, die zwölf Wildpferde zuzureiten, eines nach dem anderen. Es war eine anstrengende Arbeit, selbst für einen jungen, kräftigen Mann. Und an einem Nachmittag ereignete es sich, dass der junge Sohn, sehr erschöpft, von einem der temperamentvollen Pferde stürzte und sich das Becken brach.
Der Bruch war so kompliziert, dass er nur schlecht verheilte und alsbald war klar, dass der Sohn des alten Indianers für den Rest seines Lebens ein Krüppel sein würde. Nie wieder würde er seine Beine richtig gebrauchen können.
Der Nachbar des alten Indianers erfuhr es als erster und sprach sogleich: »Oh du Armer! Dein einziger Sohn ist ein Krüppel und wird es immer bleiben. Du tust mir wirklich leid, jetzt hast du gar keine Freude mehr am Leben! Ich glaube, es lastet ein Fluch auf dir!«
Der alte Indianer schüttelte den Kopf und sprach: »Und wieder bist du so aufgeregt. Mein Sohn wird vielleicht nie wieder laufen können – das ist möglich! Aber warum sprichst du von einem Fluch? Warten wir doch einfach ab – wer weiß, wozu es gut ist!«
Es begab sich, dass das Volk des alten Indianers in immer größeren Spannungen mit dem Nachbardorf lebte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis eines der Dörfer das Kriegsbeil ausgraben würde.
Alsbald herrschte große Aufregung im Dorf des alten Indianers, denn man wollte gehört haben, dass das Nachbardorf einen Überfall plante. Der Ältestenrat entschied, dem Angriff zuvor zu kommen und das Nachbardorf unverzüglich zu überfallen. Alle jungen und gesunden Krieger hatten sich sofort für den Krieg zu rüsten.
Der Nachbar des alten Indianers erfuhr es als erster und erzählte dem alten Indianer voller Verzweiflung davon: »Stell dir nur vor – mein Sohn muss in den Krieg ziehen. Was hast du für ein Glück, dein Sohn darf im Dorf bleiben, denn er ist ja ein Krüppel. Du hast wirklich großes Glück! Zwar ist dein Sohn nicht gesund, aber er wird leben. Wer weiß, ob ich meinen Sohn jemals wieder sehe. Wie musst du dich glücklich schätzen, dass dein einziger Sohn verschont bleibt!«
Der alte Indianer schüttelte den Kopf und sprach: »Und wieder bist du so aufgeregt. Hast du denn gar nichts aus der Vergangenheit gelernt? Schon wieder entscheidest du sofort, ob etwas gut oder schlecht ist. Was wissen wir denn schon? Warten wir doch einfach ab – wer weiß, wozu es gut ist!«
Die jungen Krieger überfielen das Nachbardorf und hatten leichtes Spiel, denn dort hatte man nicht mit ihrem Angriff gerechnet. Sie machten reiche Beute und kehrten siegreich und mit schwer beladenen Pferden zurück.
Der Nachbar des alten Indianers erfuhr es als erster und erzählte dem alten Indianer voller Stolz davon: »Stell dir nur vor, wie viel unsere Krieger erbeutet haben. Wir sind jetzt alle reich, nur du nicht, du armer alter Mann, denn dein Sohn war ja nicht dabei! Du hast wirklich Pech! Das muss ja furchtbar für dich sein! Wir werden unsere Zelte reichlich mit der Kriegsbeute füllen!«
Der alte Indianer schaute ihn an, seufzte tief und ging wortlos in sein Zelt zurück.
Aber dann wandte er sich doch noch einmal um, sah seinen Nachbarn eine Weile an und sprach: »Und wieder lernst du nichts aus der Vergangenheit? Schon wieder entscheidest du sofort, ob etwas gut oder schlecht ist. Was wissen wir denn schon? Wir sehen doch immer nur einen kleinen Teil vom Ganzen. Warten wir doch einfach ab – wer weiß, wozu es gut ist!«
Die Stammeskrieger feierten den Sieg bis tief in die Nacht und stolze Väter und stolze Mütter sorgten für das beste Essen, viel Tanz und viele Getränke. Es war kurz vor dem Morgengrauen, als sich alle müde in ihre Zelte begaben.
Im Nachbardorf hatte man unterdessen einen Gegenangriff vorbereitet, und im Morgengrauen kam die Rache für die erlittene Demütigung. Die Krieger des Nachbardorfs drangen in jedes Zelt ein und wenn sie dort etwas von ihren Gegenständen fanden, wurden alle im Zelt grausam getötet. Niemand überlebte den Gegenangriff – nur der alte Indianer und sein Sohn wurden verschont!
Der alte Indianer dachte an seinen Nachbarn, lächelte und sprach zu sich: »Siehst du, wie wenig wir doch vom Ganzen sehen. Erst viel später erkennen wir, wozu etwas gut war!«

Zum Weiterlesen:
Achtsamkeit: Jeder Moment hat die gleiche Bedeutung
Demut als spirituelle Haltung
Polaritäten lähmen, Kontinuen befreien
Polaritäten - Ursprünge und Folgen


Montag, 14. Mai 2018

Demut als spirituelle Haltung

Die Einsicht in die Begrenztheit unseres Begreifens und Verstehens ist die Grundlage für die Haltung der Demut. Mit ihr anerkennen wir, dass wir beschränkt sind und dass es immer etwas Größeres und Umfassenderes gibt, dem wir uns verdanken. Wir sind keine selbsterzeugende und selbsterhaltende Wesen, sondern wir wurden ohne unser Zutun gezeugt und brauchen so vieles, um weiter leben zu können. Wir werden laufend an diesem Leben erhalten, und dazu trägt so unendlich vieles bei, dass wir es kaum erahnen können. Wissen wir z.B., wer die Banane, die wir gerade essen, gepflückt, den Baum gepflanzt, gewässert, gepflegt hat? Wer dafür gesorgt hat, dass sie den Weg von ihrem Ursprungsort in meinen Obstkorb gefunden hat? Wer mir das Geld gegeben hat, sie zu kaufen? Was mir die Verdauung der gelben Frucht ermöglicht? Und so weiter. Jeder einzelne Akt unseres Lebens hat unermesslich viele Vorbedingungen und Voraussetzungen, damit er überhaupt stattfinden kann, und nur ein Bruchteil davon ist uns bewusst und bekannt.

Die Macher-Mentalität


Nur mit Demut finden wir zu dieser Einsicht. Sie widerspricht unserer Macher-Mentalität: Ich bin der Urheber all meiner Erfolge und Leistungen. Wegen meiner besonderen Qualitäten und Fähigkeiten habe ich das und jenes geschafft, und folglich steht es mir zu, dafür meine Belohnung zu bekommen.

Manche gehen dann so weit, diesen Glauben an die Selbstschöpfung auf die gesamte Wirklichkeit auszubreiten. Das eigene Denken erschafft die Realität, also macht jeder seine Wirklichkeit im Kopf. Die ganze Welt – die eigene Schöpfung. Ob und wieweit auch immer das stimmen mag; vorausgesetzt ist in jedem Fall ein Kopf, ein Gehirn, ein Denken, das so erstaunliche Gedanken hervorzubringen vermag.

Natürlich brauchen wir die Selbstbestätigung, mit der wir unser Tun mit uns selbst verbinden. Sie stärkt unser Selbstbewusstsein und unseren Selbstwert. Sie weist auch darauf hin, dass wir für unsere Handlungen die Verantwortung tragen. Doch wenn wir diese Perspektive absolut setzen, also ihre vielfältigen organischen und sozialen Voraussetzungen nicht miteinbeziehen, geraten wir schnell in die Krallen von Überheblichkeit und Selbstüberschätzung. Auf diese Weise trennen wir uns von all den anderen Personen und Faktoren ab, die dazu beitragen, dass wir überhaupt handlungsfähig sind. Und wir müssen auch die Kehrseite in Kauf nehmen,  die sich bemerkbar macht, sobald wir an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit stoßen. Wenn wir die einzigen Macher unserer Erfolge sind, sind wir auch voll und allein für unsere Misserfolge und unser Scheitern, unsere Schwächen und Krankheiten verantwortlich und müssen die ganze Last alleine tragen.

Demut, die nicht mit Unterordnung oder Unterwerfung verwechselt werden darf, ist die Haltung, in der die eigene Würde mit einer letztlichen Machtlosigkeit verknüpft ist. Sie entlastet von der Mühsal und vom Stress, alles alleine schaffen zu müssen. Mit Demut lassen wir uns von etwas Größerem tragen und halten, indem wir auf die Ansprüche und Anstrengungen der Selbsturheberschaft verzichten. Wir nehmen das größere Bild ins Blickfeld und ordnen uns dort ein, ohne uns selbst zu verkleinern oder zurecht zu schneiden.


Systemische Demut


Im Rahmen der systemischen Vernunft ergibt sich die Haltung der Demut von selbst. Systemisches Denken bedeutet, jeden Teil in Zusammenhang und im Zusammenwirken mit dem Ganzen zu sehen. Das Ganze ist nicht ohne die Teile, die Teile sind nicht ohne das Ganze. Jedes Ganze ist wiederum selbst Teil eines anderen Ganzen. Kein Teil kann das Ganze, dem er angehört, kontrollieren und kommandieren, vielmehr ist er vom Ganzen in einem stärkeren Maß abhängig als umgekehrt. In diesem Sinn enthält jeder Teil die Einstellung der Demut, der Anerkennung des größeren Ganzen.

Oft sehen wir uns nur selbst, in Verhältnis zu anderen und anderem. Ich habe dies oder jenes getan, eine andere Person hat so oder so darauf reagiert. Ich bin da und sie ist dort. Dass wir in dieser Interaktion ein Ganzes bilden, dem wir beide angehören, öffnet eine weitere Perspektive. Wir können dann erkennen, dass wir als Einzelperson die ganze Dynamik nicht in der Hand haben. Erst wenn wir einen Schritt heraus aus dem System treten, können wir mehr davon wahrnehmen, was im Dazwischen abläuft. Wir merken es daran: Solange wir in eine Auseinandersetzung involviert sind, sehen wir nur uns selbst, unsere Anliegen und Interessen sowie die Themen der anderen Person. Gelingt uns eine Distanzierung, können wir zu einer Lösung finden.

Wie beides ineinander wirkt, zeigt sich erst, wenn wir uns in eine neutrale Position begeben, also unsere Anliegen und Interessen zurückstellen. Wir kommen also nur auf die Ebene der systemischen Vernunft, wenn wir einen Akt der Demut setzen: Ohne meine Anliegen und Interessen zu verleugnen, setze ich sie zumindest für eine Zeit zurück und schränke damit auch mein Ego mit seiner dringlichen Tagesordnung ein. Ich anerkenne, dass ich in der Verständigung mit der anderen Person nur weiterkomme, wenn ich auf mein Beharren und Durchsetzen verzichte und ein Verständnis für die Dynamik, in der wir uns beide befinden, entwickle.

Anzuerkennen, dass wir Wirkzusammenhängen unterworfen sind, in die wir zwar Einsicht erlangen können, die wir aber nicht unserem Willen unterordnen können, ist eine Definition von Demut. Es gibt immer, in jeder Situation etwas Größeres, dem wir unsere Existenz und unser So-Sein in diesem Moment verdanken. Dieses Größere ist etwas, das uns so groß sein lässt, wie wir eben sind, das uns also unsere Würde belässt. Das bedeutet Demut.
Hier noch ein paar Beispiele zu diesem Thema.


Demut und Warten


Wir haben einen wichtigen Termin. Doch der Verkehr stockt, und wir kommen nicht weiter. Unsere Macher-Mentalität ist frustriert. Vielleicht ärgern wir uns über uns selber, weil wir zu spät aufgebrochen sind, oder über die anderen, die gerade jetzt unterwegs sein müssen, über die Verantwortlichen für den Verkehr usw. Wir regen uns auf, ohne damit etwas an der Situation ändern zu können. Wir lassen unsere Nerven rotieren und unseren Stresspegel steigen.

Im Grund maßen wir uns in solchen Fällen an, dass sich die Wirklichkeit nach unseren Absichten zu richten hätte. Wir kämpfen gegen Bedingungen, die wir nicht beeinflussen können. Gelingt es uns, Demut angesichts der widrigen Umstände walten zu lassen, können wir entspannen. Wir haben getan, was uns selber möglich ist und akzeptieren, wie es jetzt gerade ist. Wo nichts zu tun ist, erlauben wir uns, ins Nichtstun zu fallen statt zu hadern. Wir ordnen uns wieder ein in die Kette der Ereignisse, die von so vielen Seiten aus gesteuert wird, dass unser eigener Beitrag ohnehin nur minimal ausfällt.


Demut und unser Körper


Auch in Beziehung zu unserem Körper geziemt sich die Haltung der Demut. Wir stoßen auf dieses Thema, wenn wir krank werden oder eine andere Störung der physiologischen Abläufe unliebsam bemerken. Wir haben nur eine sehr geringe bewusste Kontrolle über die vielfältigen Prozesse in unserem Körper, was solange kein Problem ist, als alles klaglos abläuft. Beim Auftreten von Störungen hingegen merken wir schnell, dass wir Zusammenhängen ausgeliefert sind, die wir nur sehr eingeschränkt beeinflussen können. Bakterien oder Viren oder beide und noch mehr breiten sich gerade massiv in unserer Nase aus, die Immunkräfte kämpfen dagegen, und wir leiden unter dem Schnupfen. Wir können dies und jenes Mittelchen nehmen und uns Ruhe gönnen, aber die Eindämmung der Infektion muss unser Immunsystem zustande bringen, und das nimmt sich die Zeit, die es dafür braucht, unabhängig von den wichtigen Terminen, die wir wahrnehmen sollten, von den Aufgaben, die zu erledigen sind, für die wir die Energien bräuchten, die jetzt zur Heilung der Entzündungsvorgänge eingesetzt werden.

Hier geht es wieder darum, unseren eigenen Willen einem umfassenderen Vorgang unterzuordnen und demütig zu sein. Wir tun bei solchen Gelegenheiten am besten daran, wenn wir uns den Prioritäten, die unser Körper aus seiner eigenen Weisheit heraus setzt, anpassen. Auf diese Weise können wir wieder die Übereinstimmung in uns selbst, die wir Gesundheit nennen, herstellen.


Selbstdisziplin und Demut


Wir alle kennen schlechte Gewohnheiten, die sich zu Süchten auswachsen können, wenn sie zu viel Raum in unserem Leben einnehmen. Wir können solche Gewohnheiten durch Selbstdisziplin in Griff kriegen und eindämmen oder ganz zum Verschwinden bringen. Wir machen uns klar, was wir wirklich wollen (im Sinn der kreativen Lebensorientierung) und mobilisieren unsere Willenskraft. Noch besser versuchen wir den emotional geprägten Wurzeln dieser dysfunktionalen Verhaltensweisen auf den Grund zu kommen.

Doch selbst die Willenskraft, die wir aufwenden, wenn wir eine Versuchung an uns vorbeiziehen lassen, ist nicht unser Werk, sondern etwas, das uns geschenkt ist. Manchmal haben wir mehr davon, manchmal weniger, mal sind wir stärker, dann wieder schwächer. Auch diese Zyklen gilt es in Demut anzunehmen, ohne uns dazu verleiten zu lassen, allzu schnell die Anstrengungen zur Festigung unserer Selbstdisziplin fahren zu lassen. Wir können unsere Aufmerksamkeit für die Momente schärfen, in denen wir den passenden inneren Zustand haben, wie er für die Kultivierung von Selbstdisziplin notwendig ist, um diese Gunst am besten für uns zu nutzen.


Demut und persönliches Wachstum


Jeder Schritt in der inneren Entwicklung macht uns freier. Es braucht dabei immer die eigene Anstrengung, den eigenen Einsatz. Insofern können wir uns auch anerkennen, wenn es uns geglückt ist, im inneren Prozess weiter zu kommen, indem sich unsere Handlungs- und Liebesfähigkeit erweitert. Gleichzeitig ist es wichtig anzuerkennen, dass auch bei solchen Entwicklungsschritten Leistung und Gnade zusammenspielen. Oft geschehen die besten Lösungen dann, wenn wir aufgehört haben uns anzustrengen. Wir können auf diesem Weg nichts erzwingen, und das Resultat ist genauso unser Verdienst wie unser Erfolg. Die Perspektive der Demut lässt uns beides sehen und macht uns möglich, unser Ego mit jedem Schritt auf der spirituellen Leiter ein Stück zu verkleinern.


Demut und Metaphysik


Wie im vorigen Blogartikel ausgeführt, stößt unser neugieriges Interesse auf Grenzen des Wissbaren. Wir wollen gerade über das, was nach dem Tod geschieht, eine sichere Auskunft, und darüber, ob es einen Gott gibt und wie der/die ist, und was eigentlich der Sinn unseres Lebens ist. Das sind die wichtigsten „letzten Fragen“ der Metaphysik, auf die es bis heute keine eindeutigen Antworten gibt.

Stattdessen wächst die Gewissheit darüber, dass es gar keine Antworten auf die Fragen geben kann. Wenn wir diese Kränkung unseres hochfliegenden Wissensdurstes, der oft ein verkleideter Kontrollwahn ist, akzeptieren, sind wir in der Position der Demut: Vielen Errungenschaften des geistigen Potentials der Menschheit stehen viele Ungewissheiten gegenüber, und so wird es für immer bleiben. Die Selbstbescheidung der menschlichen Erkenntnis- und Erfahrungsmöglichkeiten erweitert die Wertschätzung für das, was innerhalb dieser Grenzen alles möglich ist. Statt über unser Leben hinausdenken zu wollen, beschäftigen wir uns damit, all die Schätze zu heben, die diese Welt im Inneren wie im Äußeren bereithält.


Spiritualität der Demut


Sobald wir uns auf die Qualität der Demut einlassen, begeben wir uns aus den Ego-geprägten  Lebensfeldern der Macher-Welt in den Bereich der Spiritualität, die es nicht mit der Oberfläche der Dinge zu tun hat, sondern mit deren geistigem Gehalt. Der Geist hat, weil weder räumlich noch zeitlich, keine Grenzen. Er weist immer über das hinaus, was gerade ist. In diesem Sinn können wir nur demütig spirituell sein. Wir haben bestenfalls eine Ahnung von dem, was Geist wirklich ist, und wir haben die Gewissheit, dass da immer mehr da ist als wir erfassen können.

Das bedeutet auch, dass wir selber immer mehr sind, als uns bewusst ist. Nicht nur, dass wir über ein riesiges Repertoire an unbewussten Mustern, Antrieben, Erinnerungen, Bilder usw. verfügen, darüber hinaus ist unsere Geistigkeit, unser Intellekt, unsere Gefühlsweisheit, unsere Intuitionskraft usw. prinzipiell unendlich und nie ausschöpfbar. Das, was unsere bewusste Selbst-Identität ausmacht, ist ein flüchtiger Entwurf, ein fließendes Gebilde in ständiger Veränderung, im Austausch mit all den Kräften unseres Körpers und Geistes, die von jenseits unserer Bewusstheit auf uns einwirken und uns gestalten. Nur aus der Sichtweise der Demut können wir uns ein angemessenes Bild von uns selbst machen.

Die demütige Haltung ist es, die uns den Zugang zur Achtung vor allen anderen Wesen öffnet. Alle sind sie gleichermaßen wertvoll und wunderbar. Wir brauchen uns über niemand anderen und nichts anderes darüber stellen oder uns irgendwo unterordnen. Wir begegnen allem und jedem auf Augenhöhe, im wechselseitigen Anerkennen der Größe und Endlichkeit, das alle gleichmacht, indem es alle Unterschiede schätzt.

Mit der Demut verwenden wir durchgängig das Kleiner-Zeichen: Wir sind immer kleiner im Vergleich zu dem, was uns ausmacht und was uns umgibt. Wir können es nie ganz umgreifen, wir können es nie ganz begreifen. Wir können uns aber ergreifen lassen, in Würde und Demut.



Zum Weiterlesen:
Passive und aktive Demut
Reich und arm, Demut und Würde
Die Gleichberechtigung des Seins

Sonntag, 13. Mai 2018

Letzte Fragen ohne Antworten

Wir Menschen stellen gerne Fragen, unser Wissensdurst ist unbegrenzt. Wir tauschen uns oft untereinander aus, um Antworten zu finden. Neugierig wie wir sind, wollen wir alles, was es zu wissen gibt, wissen. Es könnte uns ja irgendwann einmal von Nutzen sein.

Und wir wollen weiterfragen und keine Grenze für unser Fragen akzeptieren. Nach Immanuel Kant gibt es ein „unhintertreibliches Bedürfnis“ im Menschen, Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des Ganzen zu bekommen. Allerdings wird dieses Unterfangen an den Grenzen des Wissbaren schwierig. Zwar gibt es jede Menge Antworten auf die sogenannten letzten Fragen, aber keine, die allgemein überzeugen können. Vielmehr tummeln sich gerade in diesem Bereich eine Menge miteinander konkurrierender Angebote, die ihre Spannungen in der Geschichte häufig mit Gewalt ausgestritten haben, so als könne die brutale Unterwerfung des Gegners die Wahrheit der eigenen Ansicht bestätigen.

Das Ende der verbindlichen Antworten


Der Ausweg aus den Serien dieser blutigen Konflikte war zumindest in der gebildeten Schicht Europas im 18. Jahrhundert die Erkenntnis der Aufklärung, dass die religiöse Überzeugung Privatsache sein soll. Das hat zu einem Deutungs- und Bedeutungsverlust der organisierten Religionsgemeinschaften geführt. Einen Teil dieser Deutungshoheit haben die Wissenschaften übernommen, doch können sie gerade in den letzten Fragen keine Antworten liefern, weil ihre Erkenntnisse immer aus dem Rahmen der raum-zeitlichen Erfahrbarkeit stammen, während diese Fragen darüber hinaus zielen. So kann uns die Wissenschaft alle möglichen Modelle über den Urknall anbieten; die „eigentlichen“ Fragen bleiben, was davor war und ob es jemanden gibt, der das Ganze in Gang gesetzt hat, und was der Sinn des Unterfangens sein soll.

Was hindert uns daran, uns damit zufrieden zu geben, dass es Fragen gibt, auf die es keine Antworten gibt, und dass dazu vor allem die metaphysischen letzten Fragen zählen? Kant, der führende Philosoph der Aufklärung, hat schon darauf hingewiesen, dass gesicherte Erkenntnisse über alles, was jenseits unseres Erfahrungsraumes angesiedelt ist, nicht gefunden werden können. Alles was bleibt, sind Spekulationen. Und Spekulationen sind durch ihre Beliebigkeit, Veränderbarkeit und Austauschbarkeit gekennzeichnet: Es könnte so sein oder auch anders. Gott existiert oder eben nicht. Oder: die eine Antwort gefällt mir besser als die andere, die ist nicht nach meinem Geschmack. Übermorgen ziehe ich vielleicht die andere Möglichkeit vor. Heute finde ich den Sternenhimmel so wunderbar, also gibt es einen Gott. Morgen wird mir das ganze Unheil in der Welt bewusst, also kann es keinen Gott geben.

Bei den Religionen gehört die Kompetenz für verbindliche Antworten auf die letzten Fragen gewissermaßen zum Kerngeschäft. Eine Religion, die dazu nichts im Angebot hat, ist da gleich im Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Je verbindlicher die Antwort, desto mehr Sicherheit kann den Gläubigen geboten werden. Deshalb auch wurden die absoluten Wahrheiten zu den letzten Fragen auch mit Zähnen und Klauen verteidigt, obwohl sie, nüchtern betrachtet, aus der Luft gegriffen sind. Die Autoritäten, die hinter den Wahrheiten stehen, sind die Religionsstifter und deren Schriften, andere Dokumente übernatürlicher Herkunft oder durch auserwählte Gemeinschaften erlangte Einsichten wie die auf Konzilien formulierten Dogmen der katholischen Kirche.

All das mag einen Skeptiker nicht zu überzeugen, und der Skeptiker werden es immer mehr. Die Texte wurden der historischen Textkritik unterzogen, das Leben der Religionsstifter wurde durchleuchtet, die Religionen untereinander verglichen, und dann bleibt vielleicht ein Kern übrig, der bei den meisten Religionen in ähnlicher Form auftaucht und nur unterschiedlich formuliert wird. Dieser Kern betrifft aber vor allem Aussagen darüber, wie die Menschen mit sich und miteinander umgehen sollen, während sich in den Fragen um die letzte Bestimmung der Menschen unterschiedlichste Szenarien zeigen. Die einen haben einen und nur einen, die anderen einen Gott in drei Gestalten, die dritten viele und die vierten gar keine Götter. Bei den einen ist das höchste Ziel, nach dem Tod im Nirvana zu verschwinden, während die anderen den Himmel anstreben und die dritten schauen müssen, dass sie es bei der nächsten Wiedergeburt besser erwischen. Einigkeit gibt es also bei Fragen der Ethik, aber nicht bei denen zur Metaphysik.

Wissen nichts zu wissen


Deshalb ist es wohl müßig, nach definitiven, für alle überzeugenden Antwort auf diese Fragen zu suchen. Im Grunde wissen wir, dass wir nicht wissen können, dass wir uns mit einer Grenze bescheiden müssen, über die hinaus es eben nur ein Glauben gibt. Auf die Frage nach dem letzten Sinn kommt also nur eine Antwort, die mit: „Ich glaube …“ beginnt und eine subjektive Sichtweise ausdrückt. Die Aussage verfügt über kein Pendant in der Wirklichkeit. Es ändert sich allenfalls etwas an der inneren Befindlichkeit der glaubenden Person, welche die Aussage tätigt. Schließen sich mehr Menschen einer Glaubensaussage an, wird eine soziale Wirklichkeit erzeugt, eine Glaubensgemeinschaft. Solche Gemeinschaften sind dadurch geprägt, dass sich ihr Zusammenhalt bloß auf solche selbsterzeugte soziale Wirklichkeiten gründet.

Offensichtlich geht es bei den letzten Fragen gar nicht um „letzte Bedürfnisse“, sondern um recht frühe. Wir suchen nach Bestätigung für unsere Glaubensannahmen, um uns sozial verbunden zu fühlen. Wir bilden Glaubensgemeinschaften, weil uns die Zugehörigkeit Vertrauen gibt. Wir halten uns an vorgegebene Antworten auf die letzten Fragen und fühlen uns dadurch sicherer. Wir beruhigen innere Ungewissheiten, Ängste und Unsicherheiten.

Wenn wir ganz im Moment sind, verbunden mit dem Inneren und Äußeren, brauchen wir keine Fragen. Die letzten Fragen tauchen auf, wenn wir uns aus dieser innigen und erfüllenden Verbundenheit mit dem Leben entfernt haben, und die letzten Antworten sollen uns die Spannung nehmen, unter der wir dann leiden. Was uns aus der Erfahrungseinheit herausführt, sind alte, unerledigte Themen, verbunden mit früh geprägten Gefühlsmustern. Je mehr von diesen Mustern wir in unserer Innenarbeit auflösen können, je weniger Ängste wir haben, desto geringer wird das Bedürfnis nach Antworten auf Fragen, zu denen es kein passendes Wissen gibt. Und desto leichter fällt es uns, in Bescheidenheit die Grenzen des Erkennbaren und Wissbaren zu akzeptieren und uns innerhalb dieser Grenzen konstruktiv und kreativ auszuleben.

Zum Weiterlesen:
Gott und das Ego
Das Absolute im Beschränkten
Reinkarnation - Glaube oder Symptom?


Donnerstag, 10. Mai 2018

Gott und das Ego

Es gibt viele Theorien, warum Menschen auf die Idee gekommen sind, dass es einen Gott (oder mehrere Götter) geben kann und dass es wichtig ist, an die Existenz einer solchen Wesenheit zu glauben. Es fällt ja auf, dass die meisten Kulturen eine Form des personalisierten Jenseits kennen und dass die großen Religionen, die sich daraus entwickelt haben, Milliarden von Menschen als Anhänger haben. Andererseits gab es immer wieder Bestrebungen, den Glauben an Gottheiten in Frage zu stellen, so schon bei den griechischen Philosophen der Antike. Mit der Aufklärung gewann diese Richtung des Skeptizismus immer mehr an Breitenwirkung. Zusammen mit der Ausbildung des materialistischen Bewusstsein, das die Motivationen und Interessen der Menschen zunehmend auf die innerweltlichen Dinge fokussiert, beobachten wir seit Jahrzehnten den kontinuierlichen Schwund an Kirchenmitgliedern und an traditionellen religiösen Einstellungen überall dort, wo die Modernisierung greift. Offenbar benötigen immer weniger Menschen einen Gott, um mit ihrem Leben zurechtzukommen.

Was hat es also auf sich mit dem Glauben an Gott? Ich möchte diese komplexe Frage in Bezug auf einen Aspekt näher beleuchten: Gott als das Gegenüber unseres Egos. Mit dem Ego ist hier die Ansammlung aller Überlebensstrategien gemeint, die Menschen aus ihren Lebenserfahrungen im Unbewussten abgespeichert haben. Weiterführende Gedanken dazu finden sich auf anderen Seiten dieses Blogs. Überlebensstrategien beziehen sich darauf, wie Menschen mit der Unübersichtlichkeit und Unberechenbarkeit des Lebens umgehen. Solche Situationen lösen Ängste aus, und die Religionen bieten dazu verallgemeinerte Bewältigungskontexte an. Sie helfen also, Sinn und Halt zu finden, wenn die Lebensbedingungen riskant und bedrohlich sind.

Daraus können wir ableiten: die Menschen brauchen Gott, wenn sie sich in prekären Situationen befinden. Gott als jenseitige Instanz, die über den Widrigkeiten des Lebens steht, bietet eine bedingungslose und unbegrenzte Unterstützung an und gleicht die Schwäche des menschlichen Egos aus, das sich überfordert fühlt. Zugleich dient diese Instanz zur Eingrenzung der menschlichen Hybris, der Überheblichkeit, die aus einem überaktiven Ego stammt, das sich auf dem Weg der Gier und der Machtausübung aus seinen Ängsten befreien will. 

Wo immer das Ego an eine Grenze seiner Möglichkeiten stößt, reagiert es mit Hilflosigkeit oder selbstschädigender Maßlosigkeit, Haltungen, die im Extrem in existentielle Überlebensängste münden. In solchen Grenzsituationen erkennt das Ego ein Jenseits, etwas, das sich außerhalb der Grenze befindet und grenzenlos erscheint. Es stößt, im Scheitern seiner Strategien, auf ein Gegenüber, das nicht von der eigenen Ausweglosigkeit betroffen ist, und nennt es die unbegrenzte Macht des Göttlichen. Diese Instanz kann jetzt liebevoll Unterstützung bieten und streng Mäßigung einmahnen. Die unbedingte Kraft der Liebe und der Gerechtigkeit, wie sie im Bild Gottes verankert ist, dient zugleich als Stütze und als Mahnung. Die Leidenden werden getröstet, um wieder zu Kraft zu kommen, und die Täter werden zurechtgewiesen, damit sie umkehren. 

Das Ego braucht ein Gegenüber, sonst zerbricht es angesichts der unzähligen Möglichkeiten des Scheiterns und des Leidens einerseits und der Verlockungen zur Unmenschlichkeit auf der anderen Seite. Wenn die Überlebensstrategien versagen, wird die Not so groß, dass der Ruf nach Gott unausweichlich ist: De profundis clamavi ad te, Domine – Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Herr (Psalm 130). 

Eine Komponente dieser Reaktion wurde schon von Sigmund Freud analysiert – die Sehnsucht nach einer übermächtigen Vaterfigur angesichts der eigenen Beschränktheit und Fehlerhaftigkeit. Sie dient für eine unbewusste Identifikation, welche dann die schon von Kindheit an erlebte eigene Machtlosigkeit kompensiert. Damit kann sich das Ego beruhigen oder bescheiden, indem es sich in einem größeren Ganzen geborgen, geschützt und geschätzt fühlt. Es hat einen Rahmen, der ihm die Sicherheit vor Bedrohungen, auch denen des Ausuferns garantiert. 

Wechselseitige Abhängigkeit: Ohne Ego kein Gott


Die Konsequenz des Modells, dass Gott das Pendant des menschlichen Egos darstellt, liegt allerdings darin, dass die Existenz Gottes am Ego hängt, wie dieses an der Existenz Gottes. Tritt das Ego zurück, tritt Gott zurück. Konsequenterweise heißt das: Geht das Ego unter, geht Gott unter. In diesem Zusammenhang wird verständlich, warum der Buddhismus, dessen Ziel darin liegt, die Menschen zur Erleuchtung, also in den egolosen Zustand zu führen, ohne Gottesbegriff und Gottesvorstellung auskommt. Gott zeigt sich an dieser Schwelle als Hilfskonstruktion, als Selbstkorrekturinstanz.

Ein tröstender und die Schmerzen beruhigender Gott braucht einen leidenden Menschen. Braucht ein nicht leidender Mensch einen Gott? Offenbar braucht er das Gotteskonzept, das zur Kompensation des leidenden Egos konstruiert ist, nicht mehr. Er ist an die Grenze des Modells gelangt, an der sichtbar wird, dass Modell und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Werkzeuge, die keine Verwendung haben, legen wir zur Seite, solange, bis wir sie wieder brauchen. 

Das Ende des Gebrauchsgottes


Ein Gebrauchsgott jedoch widerspricht allem, was von den Menschen als das Göttliche verstanden werden kann. Das Jenseitige ist damit in den Niederungen menschlicher Zwecke und Neigungen gelandet und hat die Aura der Transzendenz unrettbar verloren. Sobald ein ausgeklügelten Wirtschaftssystem die Bedürfnisse der Menschen bis in alle Details unter seine Obhut nimmt, verkümmert das Göttliche zum Lückenbüßer für die Engpässe der Versorgungssysteme der Marktwirtschaft. Die Selbstperfektion, die im kapitalistischen Erfolgsstreben angelegt ist, hungert systematisch die Bedürfnisse nach transzendenten Wesenheiten aus. Der Glaube an Gott erodiert mit dem Fortschritt der materialistischen Bedürfnisbefriedigungsmaschinerie. Wer alles hat, was zum Überleben notwendig ist und dazu noch jede Menge an Geräten, mit denen jeder Langeweile durch einen Knopfdruck Einhalt geboten werden kann, braucht keinen jenseitigen Trostspender. Wo die Qualität des Lebens vom Gehalts- und Bankkonto abhängig ist, ist kein Platz mehr für einen allmächtigen Segensspender. Und wo Versicherungen gegen alle Eventualitäten des Lebens Vorsorge bieten, hat sich der Nothelfer in eine menschengemachte bürokratische Organisation verwandelt.

Klarerweise ist die Frage nach der Wirklichkeit Gottes mit diesen Überlegungen noch nicht beantwortet. Der Prozess der Aufklärung hat in vielfältigen Weisen traditionelle Gotteskonzepte dekonstruiert, und dieser Prozess geht weiter und muss auch weitergehen, weil die menschliche Vernunft alle Bereiche des Bewusstseinsfeld einnehmen und besiedeln muss, die es erreichen und erfassen kann. Noch wissen wir nicht, ob jenseits davon eine Sinninstanz angesiedelt bleibt oder nicht. Gewiss ist wohl, dass wir in Form eines sicheren Wissens niemals eine derartige Gewissheit erlangen werden, und die Anzeichen mehren sich, dass wir eine solche Gewissheit gar nicht brauchen, um ein gutes und erfülltes Leben führen zu können.

Mittwoch, 2. Mai 2018

Reaktive und kreative Lebensorientierung

Das Modell der beiden Lebensorientierungen stammt von Robert Fritz, der drei Bücher über das Manifestieren, also das Verwirklichen von inneren Zielen, geschrieben hat. Kurz gesagt, geht es bei der reaktiven Orientierung darum, dass wir aktiv werden, also zu einer Handlung schreiten, wenn der Druck oder der Ansporn von außen groß genug ist. Bei der kreativen Orientierung stammt das Motiv und der Impuls zum Handeln aus uns selbst. In Bezug auf die Motivation gleicht dieser Ansatz einem anderen bekannten Modell, nämlich dem von der extrinsischen und intrinsischen Motivation.

Vermutlich kennen wir aus unserem Leben beides. Es gibt Aufgaben, die wir erledigen müssen, weil jemand anderer das von uns will. Der Chef ordnet eine lästige Arbeit an, wir müssen sie ausführen. Andere Aufgaben müssen wir angehen, weil sich sonst unsere Lebensumstände verschlechtern. Wenn wir die Heizung nicht reparieren lassen, werden wir im Winter frieren. Also machen wir das, obwohl wir anderes gerade lieber tun würden. Der Wille kämpft mit dem Widerwillen, und dieser Kampf fordert Energie, die uns bei der effektiven Erledigung abgeht.

In der reaktiven Orientierung bestimmt die Außenwelt über uns, und unser Handeln dient der Anpassung an die Erwartungen und Forderungen, die von dort kommen. Wir kennen diese Einstellung gut, weil sie in vielen Situationen unseres Lebens im Vordergrund gestanden ist, sodass sie uns zur vertrauten Gewohnheit geworden ist. Sie ist der Grund dafür, dass wir oft Sachen unerledigt liegen lassen, Vorsätze vor allem dann nicht erinnern, wenn wir Zeit hätten, sie auszuführen, und schmerzliche Erfahrungen machen, wenn wir merken, dass wir uns oder anderen mit dem Liegenlassen von dringlichen Aufgaben Schaden zugefügt haben.

Reaktiv zu handeln bedeutet, passiv zu bleiben, solange der Druck von außen nicht zu groß ist. Das Muster spiegelt sich in Untugenden wie Faulheit, Bequemlichkeit und Zögerlichkeit. Wir verharren in unproduktiven Gewohnheiten und ausgedehnten Trotzphasen. Wir überantworten die Verantwortung für unser Leben nach außen.

Übrigens gibt es auch innere Mitspieler bei dem Muster. Auch innerer Druck kann uns in die Gänge bringen, zum Beispiel ein schlechtes Gewissen oder die Angst vor negativen Konsequenzen. Ein Kind räumt sein Zimmer auf, bevor die Mutter schimpft, weil es sonst sehr unangenehm werden könnte. Wir fangen eine Diät an, weil wir merken, dass wir uns immer schwerer tun, die Treppen hochzukommen. 

Die kreative Lebensorientierung geht von dem aus, was wir selber wollen. Wir haben Wünsche und Anliegen, die wir verwirklichen wollen. Niemand anders verlangt von uns, aktiv zu werden, und es sind auch nicht die äußeren Umstände, die uns zum Handeln zwingen. Vielmehr geht es darum, etwas in die Wirklichkeit zu bringen, das wir aus uns selber anstreben und dessen Realität uns mit Freude erfüllt.

Wir sind wie ein Kind, das einen freien Tag vor sich hat. Es spürt einen Impuls und fängt an, herumzutanzen. Es sieht ein Spielzeug und erfindet ein neues Spiel. Es entdeckt einen neuen Gegenstand auf dem Schreibtisch und erforscht ihn. Jeder Moment bringt eine neue Idee, und gleich wird sie umgesetzt. Es folgt dem, was seinem inneren Wollen gerade entspricht. So kommt es zu einer lebendigen und spontanen Interaktion zwischen Innen und Außen.

Die kreative Lebensorientierung ist mit dem Ausdruck unserer Freiheit verbunden. Sie beginnt ihre Wirksamkeit mit „Ich will“, also mit einer inneren Willensentscheidung, mit dem Festlegen auf eine Bestrebung, die zur Vision wird, um in der Wirklichkeit Gestalt anzunehmen. Es sind also die inneren Impulse, die mit der Willensinstanz in Verbindung treten und von dort die Kraft beziehen, um Handlungen setzen zu können, die die Realität in Richtung auf die Vision verändern. Unbewusste und bewusste Anteile spielen auf konstruktive Weise zusammen, sodass die ganze Persönlichkeit hinter dem Schaffensprozess stehen kann, der sich jetzt entfaltet. Auch stehen die unbewussten Energien als Hilfskräfte für diesen Prozess zur Verfügung, statt, wie im Fall der reaktiven Orientierung, die Widerstände und Hemmnisse zu verkörpern. Die kreative Lebensorientierung ist durch eine übereinstimmende Ausrichtung von bewusster Planung und Zielsetzung mit vom Unbewussten bereitgestellten Ressourcen gekennzeichnet. 

Mit der kreativen Lebensorientierung treten wir aus einer abhängigen Position, die die das eigene Tun von den Anforderungen der Umgebung bestimmen lässt, in diejenige des aktiven selbstgesteuerten Handels. Sie beinhaltet die Übernahme der Verantwortung für das eigene Handeln, ohne dem Druck von außen oder von inneren unbewussten Ängsten zu folgen. Die autonom handelnde Person tritt ins Zentrum des eigenen Lebens und agiert von hier aus mit ihren schöpferischen Entwürfen in die Zukunft.

Die kreative Lebensorientierung bildet dennoch keine Grundlage für eine isolierte und selbstbezogene Durchsetzung von Einzelinteressen. Die Quelle der Handlung liegt im Individuum, das sich in der Aktivität immer mit der Umgebung, mit anderen Menschen und mit den Außenbedingungen der bestehenden Realität abstimmen muss. Auch das autonom handelnde Individuum ist oft auf Hilfe und Unterstützung von anderen angewiesen. Es kann nicht willkürlich seine eigenen Zwecke zum Nachteil anderer verfolgen.


Bin ich kreativ?


Manche Menschen vergleichen sich mit anderen und denken, sie sind nicht kreativ. Sie glauben, dass kreative Menschen jeden Tag ein Gedicht schreiben oder ein Bild malen, dass sie, vom Schaffensrausch gepackt, in ihre künstlerische Arbeit vertieft sind, alles um sich herum vergessen, bis sie dann tief in der Nacht ihr Werk vollenden. Diese Klischees decken das Feld der Kreativität bei weitem nicht ab. Kreativität ist nichts anderes als spontaner Lebensausdruck, vom bezauberten Betrachten einer Frühlingsblume über das Genießen des Moments in einem bewussten Atemzug zum Gestalten eines Mittagstisches oder Arrangieren von Möbelstücken bis zu Ideen, Projekten und Visionen, die irgendwann im Tagesverlauf zu unterschiedlichen Lebensthemen auftauchen. Eine Erfahrung humorvoll zu kommentieren ist kreativ, ebenso wie eine Wendung, die einen Streit entschärft.

Kreativität gibt es überall dort, wo aus dem Inneren, meist angeregt durch Sinneseindrücke und Wahrnehmungen, Neues auftaucht. Wenn etwas in Bewegung kommt, was vorher starr oder monoton war, meldet sich Kreativität. Sie ist nur ein anderes Wort für Flexibilität und Spontaneität. Wir brauchen also nur unsere Gewohnheiten ändern – in unseren Wahrnehmungen, Bewegungen, Verhaltens- und Denkweisen –, und schon sind wir kreativ. 


Kreativität und Verwirklichung


Kreativität erschöpft sich nicht darin, Ideen und Visionen im Kopf zu erschaffen. Wenn wir etwas aus uns heraus wollen, soll es auch wirklich werden, also eine äußere Realität annehmen und damit einen Unterschied in der Welt erzeugen. Nicht alles, was wir uns im Kopf erträumen, wird irgendwann das Licht der Welt erblicken; vor allem, wenn wir über eine lebhafte Fantasie verfügen, dienen manche Ideen nur einem momentanen Enthusiasmus und werden rasch wieder vergessen. Wirkliches Wollen ist mehr als versonnenes Wunschdenken, denn im Wollen steckt die Bereitschaft, etwas zu tun, aktiv zu werden, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Wir machen uns auf zu den Mühen der Ebene, wo sich jede hochfliegende Idee erst bewähren muss. Umso größer sind dann Befriedigung und Freude, wenn sich das Vergießen des Schweißes gelohnt hat und ein Projekt unseres kreativen Wollens greifbar vor uns liegt. 

Im Wollen steckt Begeisterung: Von unserem Geist andere für ihren Geist anzustecken, sodass ein gemeinsamer Geist uns beide beflügelt. Inspiration, das Einhauchen des Geistes ist es, was in der manifesten Kreation geschieht. Der Wirklichkeit, dem ganzen Sein wurde ein neues Geistwesen geschenkt. Alles, was das Ganze reicher macht, erhöht den Reichtum jedes Teils.

Deshalb dient es uns selber und auch allen anderen, wenn wir uns möglichst viel aus der reaktiven in die kreative Orientierung bewegen. Wir fühlen uns in Übereinstimmung mit uns selbst und beschenken dazu noch andere.

Bücher von Robert Fritz: 
The Path of Least Resistance (1989)
Creating (1993)
Your Life as Art (2003)

Mehr Informationen:
Birgit Ehrmann-Ahlfeld: Mental fit - ein Leben lang. Liber libri 2001


Zum Weiterlesen:
Kreativitätshemmungen und ihre Lösung
Die Manifestation und das Ego
Ego-Bestätigung und Berufung