Sonntag, 24. Juni 2018

Kreativitätshemmungen und ihre Lösung

Wie kommt es zu Hemmungen und Blockierungen in der kreativen Lebensorientierung? Und wie können wir zu unserer eigenen Aufgabe zurückfinden?

Das ist eine wichtige Frage, weil die besten Vorsätze und Idee wertlos sind, solange sie nicht in die Wirklichkeit umgesetzt sind. Wir haben tolle Ideen und Visionen, doch kommt es häufig vor, dass alles im Kopf oder im Reden bleibt, statt in Handlungen zu münden. Oft hapert es nicht an den Details, den Ressourcen oder anderen äußeren Bedingungen, sondern es sind emotionale und psychologische Hemmnisse, die sich in den Weg stellen und die Verwirklichung der besten Ideen verhindern. Dieser Blockierungen gibt es viele: z.B. kann man sich nichts zutrauen, auf eine besondere Eingebung oder Stimmung warten, die eigenen Schwächen überspielen, sich ablenken, sich mit unnötigen Aktivitäten stressen, andere für die eigene Bequemlichkeit verantwortlich machen usw. Schier unerschöpflich ist unser Repertoire an Möglichkeiten zur Selbstsabotage. Unser Unbewusstes verfügt über seine eigene Form der Kreativität – im Verhindern von Kreativität für unsere Ziele und Ideen.

Reaktive Muster überlagern in solchen Fällen die kreative Orientierung wie Unkraut die Kulturpflanze, bis von ihr nichts mehr übrigbleibt. Irgendwann vergessen wir unsere schönen Ideen und begraben unsere tieferen Anliegen in der Schublade: „Geht eh‘ nicht“. Wir lassen zu, dass die Ängste und Komplexe, die aus unseren Traumatisierungen stammen, an die Macht kommen anstelle von dem, was wir selber wollen und was unser Wesen ausdrückt. Deshalb ist es für das eigene Weiterkommen und für ein erfülltes Leben wichtig, die bei einem selber beliebten und eingeübten reaktiven Verhaltensmuster, die sich in die Manifestationsprozesse einmischen, ausfindig zu machen und zu neutralisieren. 

Die Übung mit der Trennwand


Dazu kann die folgende Übung dienen: Stelle dir eine Trennwand oder Trennlinie in dir selbst vor. Auf die eine Seite kommen alle Aspekte und Emotionen, die aus der eigenen Belastungsgeschichte stammen, also die Traumaanteile der eigenen Psyche, die sich in diversen Handlungshemmungen ausdrücken. Sie gehören in die Therapie, oder zumindest in einen geschützten Bereich, in dem sie Zuwendung und Fürsorge, oder auch Ermahnung und Orientierung kriegen, mit fixer Zeitzusage (zu welchem Zeitpunkt ich mich um mein verletztes inneres Kind und seine vernachlässigten Bedürfnisse kümmern werde). Auf die andere Seite kommt die Kraft der eigenen Vision, die Überzeugung und Inspiration, die aus ihr entspringt, die Macht, die sie daraus bezieht, Teil der eigenen Lebensaufgabe zu sein. Mit der Rückvergewisserung des ureigenen Wollens kommen die Kenntnisse und Fertigkeiten, um die Kraft zu fokussieren und zu bündeln.

Nun kommt es darauf an, diese innere Unterscheidung in den Alltag zu übertragen. Wir nutzen das Bild der Trennwand: Ich entscheide mich, mir jetzt Zeit für die kreative Seite zu nehmen, und spüre in dieser Entscheidung die Kraft meiner Vision. Wenn Hemmungen auftreten, nehme ich sie wahr und lege sie bewusst beiseite, mit der Absicht und Zusage, mich ihnen später zu widmen. Jetzt gebe ich meine Energie und Konzentration in die Aufgaben, die sich aus meiner Vision ergeben. Jetzt nutze ich den Schwung, der sich aus der Kraft der Inspiration ergibt und setze zügig um, was zu tun ist. 

Zu einem späteren Zeitpunkt beende ich ebenso bewusst diesen Prozess der kreativen Verwirklichung, anerkenne mich für die erreichten Resultate, notiere mir, was noch zu tun ist und wann ich das erledigen möchte, und gehe anderen Tätigkeiten nach oder forsche nach den Ängsten, die hinter den Widerständen stecken, um sie durchzuspüren und zu entkräften.

Keine Kreativität ohne Tun


Kreativität beginnt zwar als inspiratives Abenteuer im Kopf und im kommunikativen Austausch. Sie wird aber erst real, wenn sie in der Wirklichkeit Gestalt annimmt, wenn also aktive Handlungen das Irreale real werden lassen. In diesem Prozess erschaffen wir Wirklichkeiten, die es vorher nicht gegeben hat, und bereichern die Welt mit unseren Inspirationen. 

Größe ohne Wahn


Es kann diesen Schöpfungsprozess auch erleichtern und von neurotischen Hemmungen befreien, wenn wir uns klarmachen, dass wir eher wie ein Kanal als wie ein originärer Schöpfer in der Manifestation von Visionen wirken. Wir „empfangen“ unsere Ideen und öffnen uns für die Energien, die wir für ihre Umsetzung brauchen. Unsere Leistung ist also mehr ein Wirkenlassen von Fähigkeiten, wir verdanken sie Kraft- und Inspirationsquellen, die uns gegeben sind, mehr als unserer Genialität. Mit dieser Sichtweise können wir erkennen und anerkennen, dass wir unser kleines Scherflein zum Wachsen dieser Welt beitragen, wie alle anderen auch, auf ihre ganz besondere Weise und in ihrer jeweiligen großartigen Kleinheit.

Auf diese Weise verbinden wir uns mit der Haltung der Demut und Dankbarkeit, indem wir all den Faktoren, die für unsere Kreativität förderlich und nährend sind, die gleiche Aufmerksamkeit geben wie unserer Anstrengung. Dann kann leichter das Gefühl und die Vorstellung in uns Platz greifen, dass wir durch uns hindurch fließen lassen, was wir manifestieren, statt anzunehmen, dass all unsere Schöpfung allein aus uns selber, aus unserem kleinen Ego stamme. 

Wir formen und gestalten diesen Fluss aus dem heraus, was wir sind, sodass immer auch ein individuelles Moment von uns in ihm mitschwingt, gewissermaßen unsere persönliche Duftnote, die die Schöpfung auch zu unserer macht. Und selbst da kann es uns wieder entlasten und befreien, wenn wir uns darauf besinnen, dass sich sogar diese so eigene Note vielfältigen Faktoren unserer Umgebung und unserer Geschichte verdankt. Auf diese Weise reinigen wir unsere Größe von jedem Wahn.

Zum Weiterlesen:
Reaktive und kreative Lebensorientierung
Die Manifestation und das Ego

1 Kommentar:

  1. Danke Wilfried, heute gerade zum richtigen Zeitpunkt!Das Beispiel mit der Trennlinie nimmt enormen Druck!

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