Donnerstag, 28. Februar 2019

Notwendigkeit und Macht des objektiven Wissens

Wissen ist Macht, und wer definieren kann, was als Wissen anerkannt wird und was nicht, hat die Macht über diese Macht und damit über die unmündigen Menschen, die sich nicht selber ein Urteil bilden wollen. Das haben viele Diktaturen im Lauf der Geschichte bewiesen, und allem Anschein nach motiviert es gerade in unseren Tagen viele Nachahmer dazu, sich der Definition von Wissen zu bemächtigen und sich damit den Schlüssel zur Herrschaft über die Menschen zum eigenen Vorteil zu sichern. Der Vorgang ist immer der gleiche: Subjektive Überzeugungen werden als objektives Wissen ausgegeben, und objektives Wissen wird zu subjektiver Meinung herabgestuft.

Deshalb ist eine tragfähige Unterscheidung von subjektivem und objektivem Wissen notwendig. Während es einfach ist, subjektives Wissen zu definieren, gibt es um das Verständnis von objektivem Wissen mehr Klärungsbedarf. Hier möchte ich argumentieren, dass eine Klarstellung ganz wesentlich für das Funktionieren einer offenen Gesellschaft und Demokratie ist. Objektives Wissen ist ein zentrales Gut, weil es einen privilegierten Zugang zur Wahrheit verkörpert. Deshalb konkurrenzieren  verschiedene Interessen um diesen Zugang. Objektives Wissen ist eine Geburt der menschlichen Kreativität und Schaffensfreiheit, darum will es von vielen festgenommen werden.


Das subjektive Wissen


Subjektives Wissen ist etwas, das eine Person aufgrund eigener Erfahrung für wahr hält. Wenn ich spät schlafen gehe, habe ich nächsten Tag in der Früh Kopfschmerzen. Wenn ich Bohnen esse, bekomme ich nachher Bauchdrücken. Wir machen einzelne Erfahrungen, und solche, die sich wiederholen, bezeichnen wir dann als Wissen. Subjektives Wissen heißt, es gilt für mich persönlich und ich halte es für wahr. Ich kann mein Verhalten danach ausrichten, dieses Wissen hat also einen praktischen Wert für mich. Wenn ich Bauchdrücken vermeiden will, esse ich keine Bohnen. Wenn ich gut ausgeruht sein will, gehe ich früher schlafen. Für andere mag das anders sein.

Subjektives Wissen ist nicht falsifizierbar im Sinn von Karl Popper. Niemand kann mich dazu bringen, meine Geschmacksvorlieben oder Lebensüberzeugungen für falsch zu erklären. Auch wenn alle anderen nicht meiner Meinung sind, kann ich dabei bleiben. Subjektives Wissen braucht auch nicht falsifiziert zu werden. Es besteht so lange, als ein Subjekt daran glaubt und es für wichtig erachtet und in seiner Lebenspraxis anwendet. 


Objektives Wissen


Objektives Wissen ist solches, das für alle gilt, das also alle für wahr halten. Um diese Form des Wissens zu gewinnen, haben die Menschen die Wissenschaft erfunden. Sie soll eine Form des Wissens garantieren, die unabhängig von subjektiven Vorlieben und Interessen ist und die von allen eingesehen und genutzt werden kann.

Die traditionelle und bewährte Regelung von wissenschaftlichem Wissen besteht darin, dass jeder, der dazu bereit ist, zur gleichen Erfahrung kommt. Mit den geeigneten Messinstrumenten müsste jeder Mensch, der die Schwerkraft misst, zum gleichen Ergebnis kommen. Jeder, der ein Elektronenmikroskop bedienen kann, erkennt die gleichen Zusammenhänge in einem Atom. Jeder, der das Doppelspaltexperiment durchführt, kommt zu den gleichen Beobachtungen. Die Ergebnisse hängen nicht vom Subjekt und den Geschmacksvorlieben der Forscherperson ab.

Objektives Wissen ist demokratisch


Diese Rahmenbedingungen geben dem wissenschaftlichen Wissen eine Sonderstellung in Vergleich zu verschiedenen anderen Wissensformen. Wissenschaftliches Wissen hat eine demokratische Struktur, weil sie eben jeder Mensch gleichermaßen, ohne Machteinflüsse, erzeugen, erwerben und für sich verwenden kann. 

Dazu kommt, dass die Ergebnisse der Wissenschaften vom Prinzip her allen zugutekommen sollen. Sie sind vom Anspruch geleitet, Wirklichkeit in einer Weise zu erkennen und zu erklären, die jeder Mensch in sich hat und für sich aktivieren kann (soweit jemand das Erwachsenenalter erreicht hat und nicht durch eine geistige Behinderung gehandicapt ist). 


Objektives Wissen beruht nicht auf Willensbildung


Diese Berufung auf eine grundsätzliche Gemeinsamkeit aller Menschen als Erkenntnisvoraussetzung für objektives Wissen schließt eine Mehrheitsstruktur, wie sie in demokratischen Willensbildungen vorkommt, aus. Denn objektives Wissen kommt nicht durch subjektive Entscheidungen zustande, sondern durch die Erforschung der Wirklichkeit. Über die Richtigkeit eines objektiven Wissens kann nicht die Mehrheit in einer Abstimmung entscheiden. 

Solche Prozeduren können höchstens über die Geltung des Wissens in einer Gesellschaft bestimmen. In diesem Sinn war zwar zu Beginn der Neuzeit das geozentrische Weltbild (die Erde als Mittelpunkt des Weltalls) geltendes Wissen, aber das objektive Wissen weniger Wissenschaftler auf der Basis einer verbesserten Datenerhebung und Datenerfassung hatte schon das heliozentrische Weltbild als überlegen und richtig erkannt. Über längere Zeit hatte dieses Wissen noch für eine kleine Minderheit, oft im Geheimen, verbindlich gegolten, bis es schließlich zum Allgemeingut der Menschheit wurde und nur mehr von einer sehr kleinen Minderheit bestritten wird.

Ein Staat oder eine Gemeinschaft kann also z.B. beschließen, dass es keine menschengemachte Erderwärmung oder keine Evolution des Lebens gibt. Sie setzt damit fest, dass das objektive Wissen, das das Gegenteil belegt, nicht gilt und deshalb auch nicht angewendet wird. Unter Umständen wird die Ideologie – und darum handelt es sich bei sozial festgelegten Wissenssystemen ohne objektive Rückbindung und ohne Selbstinfragestellung – mit Macht und Autorität durchgesetzt, indem z.B. “Andersgläubige” verfolgt und abweichende Meinungsäußerungen unterdrückt werden. Im Bildungssystem wird wissenschaftliches Wissen durch Glaubenswissen oder Ideologie ersetzt. Schüler und Studierende werden nicht in der Anwendung des kritischen Denkens geschult, sondern mit vorgegebenem ideologischem Wissen, also verallgemeinertem subjektivem Wissen indoktriniert. In diesen Fällen wird objektives Wissen für unwichtig und irrelevant erklärt und der – grundsätzlich subjektive – Glaube wird zur Richtschnur der Wahrheitsdefinition. 

Mehrheitsentscheidungen beruhen auf verallgemeinerten subjektiven Wissensinhalten. Es wird behauptet, dass eine subjektive Einsicht wahrer ist als eine andere. Mit der aktuellen und verräterischen Rede von “Postfaktizität” und “alternativen Fakten” wird zusätzlich suggeriert, dass das objektive Wissen auch nur die Spielart eines subjektiven Wissens wäre, so wie eine rechte US-Politikerin die Meinung vertritt, dass die Leugner des Klimawandels genauso richtig lägen wie die Vertreter der Gegenposition. Auf diese demokratiefeindliche Weise wird das Feld des Wissens durch eine ideologisierte Debatte auf die Konkurrenz subjektiver Meinungen nivelliert, mit dem Ziel, durch Manipulation und Gehirnwäsche die Macht an sich zu reißen und gegen alle demokratisch motivierten Versuche abzusichern, mittels objektivem Wissen die herrschende Subjektivität zu entmachten.


Wissensformen und diskursive Kommunikation


Ist die Subjektivität an der Macht, so gibt es keine Basis mehr für eine diskursive Wahrheitsfindung. Diskurse dienen dann einzig dem Austausch von subjektivem Wissen, ohne Aussicht auf einen substantiellen Abgleich von Stärken und Schwächen einer bestimmten Argumentation, geschweigedenn auf einen Konsens. Eine Person sagt: Für mich ist die Theorie A (z.B. in Konzentrationslagern wurden keine Menschen umgebracht) wahr, die andere sagt das Gleiche über die Theorie B (In NS-Konzentrationslagern wurden systematisch Millionen Menschen umgebracht). Jeder hat seine Gründe für die eigene Überzeugung, die Meinungen stehen gegeneinander und bleiben so fixiert. Es gibt keine Basis, auf der diese Gründe verglichen werden könnten, z.B. die Basis von Augenzeugenberichten, Messungen, Forschungsberichte oder Quellenstudien. Eine diskursive Übereinstimmung gibt es nur dort, wo sich subjektive Meinungen gleichen oder angleichen, wo sich also Gleichgesinnte treffen und sich in ihrer Blase gegenseitig die gemeinsame Wirklichkeitskonstruktion bestätigen. 

Im Gegensatz dazu muss sich jeder Anspruch auf objektives Wissen dem kritischen und offenen Diskurs aussetzen, der das Zustandekommens des Wissens überprüft: Hat hier jemand kurz die Augen geschlossen und sich eine Theorie zusammenfantasiert oder hat jemand Fakten gesammelt, Daten analysiert und ausgewertet, Messinstrumente angewendet, andere Theorien und Forschungen studiert und verglichen usw.? Ist also jemand nur seiner momentanen individuellen Eingebung gefolgt oder hat er sich mit der äußeren Wirklichkeit in einer Weise auseinandergesetzt, die jeder andere imitieren kann, um zu überprüfen, ob das gleiche Resultat herauskommt? Vertritt da jemand ihre Meinung als allgemeingültige und unveränderliche Wahrheit oder meint sie, dass sie nur über vorläufiges und verbesserbares Wissen verfügt?

An einem kritischen Diskurs kann sich jeder beteiligen, sofern er die Grundvoraussetzung der objektiven Wissensgewinnung teilt und sich der entsprechenden Anstrengungen unterzieht. Es gibt also eine verbindliche Basis zur Wissensgewinnung und Wissensüberprüfung. Objektives Wissen ist grundsätzlich veränderbar und offen für Weiterentwicklung und Verbesserung. Objektives Wissen ist also immer dynamisch und flexibel. Es haftet auch nicht an einzelnen Personen wie das Werk eines Dichters oder Komponisten, oder auch eines politischen Ideologen. Vielmehr ist dieses Wissen immer eine Gemeinschaftsproduktion und muss sich im kritischen Diskurs bewähren.


Zwei Welten in der Wissenslandschaft


Um Welten liegen diese beiden Formen der Wissenserzeugung auseinander. Häufig beginnt die Gewinnung von objektivem Wissen bei subjektiven Einsichten, dem berühmten Einfall in der Badewanne. Doch dann erst kommt der lange Weg der Wissensgewinnung und -absicherung, die Mühsal der Ebenen, die erst die Entstehung von Objektivität ermöglichen. Ohne Arbeit, kritische Reflexion und Zusammenwirken von Methoden, Vorwissen und Diskussion kommen wir nicht zu objektivem Wissen. 

Aber der Weg lohnt sich, weil das objektive Wissen dadurch, dass es mehrfach intersubjektiv gegen subjektive Einflüsse abgesichert ist, zuverlässiger und nutzbringender ist als jedes subjektive Fürwahrhalten. Kein Smartphone würde einen Pipser von sich geben, wenn es allein auf der Grundlage von subjektiven Fantasien zusammengebastelt wäre. Jedes technische Gerät ist eine Manifestation von Unmengen an objektivem Wissen, das systematisch von jeder Subjektivität gereinigt wurde. Ohne die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Wirkung der Fluorkohlenwasserstoffe auf die Ozonschicht der Erde wäre das Loch einfach weitergewachsen. Und es waren nicht die Wunderheilungen, die die Überlebenschancen bei Krebs in den letzten Jahrzehnten drastisch verbessert haben, sondern die Fortschritte in der medizinischen Forschung.


Der Objektivitätszustand



Es gibt offenbar einen Bereich im Gehirn, in dem sich Menschen hinreichend ähnlich sind, sodass sie, wenn dieser aktiv ist, bei bestimmten Prozeduren zu den gleichen Ergebnissen gelangen. Einleuchtend ist das bei der Mathematik, in der es immer um ein eindeutiges Richtig oder Falsch geht. Auch in den anderen Wissenschaften geht es um die klare und objektiv nachvollziehbare Unterscheidung von Faktizität und Fiktion. Die Kriterien dafür haben sich im Lauf der Wissenschaftsgeschichte entwickelt und wurden immer mehr verfeinert. Die Menschen haben auch die Philosophie entwickelt und für unseren Zusammenhang besonders wichtig die Instanz der Erkenntnis- und Wissenschaftsphilosophie, die für die Geltungskriterien für ein objektives Wissens zuständig ist und sie mit ethischen Standards in Verbindung bringt. Die Überprüfung der “Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung” nach Immanuel Kant stellt die Qualität objektiver Erkenntnisse sicher und grenzt sie klar von subjektivem “Dafürhalten” ab.

Faktizität ist das, was alle Menschen für richtig nehmen können, wenn sie sich in einem bestimmten Geisteszustand befinden und sich mit der äußeren Wirklichkeit beschäftigen. Diesen Geisteszustand könnte man den Objektivitätszustand nennen. Es braucht dazu ein nüchternes Wachbewusstsein, das frei von starken Emotionen, aber auch frei von Eitelkeit ist. Nach Tacitus sollte die Geschichtserforschung „sine ira et studio“, also ohne Zorn und Eifer, nach Seneca ohne Hass und Sympathie betrieben werden. Vielmehr sollte das Streben nach dieser Form des Wissens durch Neugier und Interesse motiviert sein. Wir können schwerlich zu objektiven Erkenntnissen gelangen, wenn wir angeheitert oder todmüde sind. Auch wenn wir uns über etwas oder jemanden aufregen, unter Schock stehen oder wegen eines Todesfalles trauern, sind wir nicht in der Lage für diese Form der Wahrheitserforschung. Wir sollten auch weitgehend frei sein von Ego-Antrieben wie Geltungssucht oder Geld- und Machtgier.


Objektivität und Ethik


Jeder, der objektives Wissen erarbeitet, ist ein Subjekt und also solches anfällig für Emotionen, Denkmuster usw., die zu unethischem Verhalten verleiten. Mischen sich solche Elemente in die Forschung ein, gibt es andere, die die Fehler, Irrtümer oder Irreführungen aufklären und korrigieren können. Das objektive Wissen ist ein geistiges Feld, an dem alle Subjekte mitarbeiten können, und am Schluss bleibt das Wissen über, das in ethischer Weise entstanden ist, weil es in der Wirklichkeit anwendbar ist und zu erwünschten Resultaten führt. 

Objektivität in der Erkenntnis ist also eng mit der Ethik verbunden. Innere Integrität ist erforderlich, um in der Haltung der bedingungslosen Wahrheitsverpflichtung zu bleiben, wenn es um die Wirklichkeitserfahrung geht. Emotional aufgeheizte Egomuster verzerren die Wahrnehmung und deren Interpretation. Für die Erlangung von Objektivität braucht es eine Intention, eine klare innere Entscheidung, nämlich von Ego-Erwartungen und Ego-Bestätigungen abzusehen. Ein um Objektivität bemühter Forscher muss bereit sein, ein Scheitern seiner Hypothesen in Kauf zu nehmen, wenn es sich aus der Forschung ergibt, und das ist nicht immer leicht, wie die Wissenschaftsgeschichte belegt.

Wir verfügen damit über eine zuverlässige Basis für die Objektivierung von Wissen, die zur Gewinnung von Wissen dient, das allen Menschen nachvollziehbar und zugänglich ist und dessen Nutzung prinzipiell allen offen stehen sollte. 

Nicht-Objektivität ist etwas, das laufend passiert, wenn die unbewussten Muster Oberhand gewinnen. Dann werden wir parteilich, egoistisch, rechthaberisch oder gläubig. Wir neigen zu vorschnellen Schlüssen und Urteilen, wir verallgemeinern, wir unterliegen Denkfehlern usw. Das entspricht unseren Tendenzen zu Bequemlichkeit und Vereinfachung, aber auch unseren Prägungen zur Sicherung unseres individuellen Überlebens. Zur Objektivität kommen wir nur mit Anstrengung, z.B. den ersten Eindruck von einer Sache mit mehreren weiteren zu vergleichen, Quellen für Behauptungen zu suchen, Erforschungen anzustellen, eigene Vorurteile zu erkennen. Und wir brauchen eine soziale Einstellung, dass es nicht um die Durchsetzung eigener Interessen geht, sondern um die Erweiterung des Wissensschatzes der Menschheit.


Ohne objektives Wissen ist die Demokratie schutzlos


In jedem Rückfall auf Glaubenssysteme wird die demokratische Macht des objektiven Wissens außer Kraft gesetzt, und darum ist es wichtig, die Freiheit der Wissenschaften zu sichern und gegen alle ideologischen Angriffe zu schützen und damit die zuverlässigen Quellen des objektiven Wissens garantieren. Sonst hat das Machtstreben der Machtbesessenen keinen Gegenhalt, und die Gesellschaft fällt zurück auf einen vormodernen Status, in der die Mächtigen willkürlich bestimmen, was wahr und falsch ist, welchen Menschen das volle Menschsein zugesprochen wird und welchen nicht. 

Der Weg in eine Zukunft mit mehr Menschlichkeit gelingt nur, wenn er von Erkenntnissen geleitet ist, die sich auf objektives Wissen stützen. Gäbe es ein solches nicht, wüssten wir gar nicht mehr, was Menschlichkeit ist.

Kommentare:

  1. Da Sie desöfteren von einer "menschengemachten" Klimaerwärmung ausgehen:

    https://www.eike-klima-energie.eu/

    Es gibt dort eine Reihe von (tlw. "streng" wissenschaftlichen) Publikationen (von Meteorolgen, Geologen, Dipl.Ingenieuren, Physikern u.a.), die belgen, dass sich das Klima auch ohne das "böse" CO2 der Menschen erwärmt.
    Ist das nur subjektives Wissen (von "rechten Spinnern") oder doch der Beginn von objektivem Wissen von einer kleinen Gruppe, das später einmal allgemeingültig wird (wie in Ihrem Beispiel mit dem heliozentrischen Weltbild)?

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    1. Das ist eine Seite der schweizer Zeitschrift "Weltwoche", deren Chefredakteur Mitglied der SVP ist; laut wikipedia hat die Zeitschrift eine rechtskonservative bis populistische Orientierung, sie bezeichnet sich selbst als "wirtschaftsliberal". Die rechten Parteien stimmen in vielen Fällen gegen Gesetze zum Klimaschutz im EU-Parlament.
      Unter dem angegebenen Link findet man Artikel von "Autoren und Bloggern", wenn man z.B. den Artikel von Judith Curry anschaut, findet man keine Belege, aber es schaut für jemanden, der sich in der Materie nicht auskennt, beeindruckend aus. Der Maßstab für "Objektives Wissen" findet sich in Studien, die in wissenschaftlichen Zeitschriften, die peer-reviewed sind, veröffentlicht wurden. Es gibt inzwischen auch eine Reihe von online-pseudowissenschaftlichen Zeitschriften, die sich als wissenschaftlich ausgeben. Die Mühe liegt also darin, zu überprüfen, ob etwas, das als "streng wissenschaftlich" ausgegeben wird, überhaupt irgendwelche Standards der Wissenschaftlichkeit berücksichtigt.
      Es wird geschätzt, dass es in der Frage der Erderwärmung 5% an skeptischen Positionen gibt, während 95% der Wissenschaftler und Forscher, die in diesem Bereich arbeiten, vom menschenverursachten Anteil des Klimawandels ausgehen. Da muss man schon eine gewaltige verschwörungstheoretische Schlagseite haben, wenn man annimmt, dass diese Tausenden von intelligenten Menschen, die in unabhängigen Institutionen forschen, alle ferngesteuert sind, während irgendwelche Blogger die eigentliche Wahrheit herausgefunden haben.
      Vor einigen Jahren waren es die Leugner des Klimawandels überhaupt, die sich im politisch rechten Milieu Anhänger verschafft haben. Nun leuchtet es vielen Menschen ein, dass sich innerhalb weniger Jahrzehnte die Wetterphänomene drastisch ändern, so kommt jetzt eine Welle von "Studien", die belegen sollen, dass es nichts mit dem Kapitalismus und der Industrialisierung zu tun hat, dass das Wetter Kapriolen schlägt.

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    2. "Das ist eine Seite der schweizer Zeitschrift "Weltwoche"..."

      Quelle?

      EIKE ist ein Verein mit Sitz in Jena. Selbst der "kritische" wikipedia-Artikel erwähnt mit keinem Wort die Weltwoche.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_Institut_f%C3%BCr_Klima_und_Energie
      Auf der EIKE-Seite sind nur einige Blogartikel von Autoren, die auch für die Weltwoche schreiben.

      "z.B. den Artikel von Judith Curry"
      https://de.wikipedia.org/wiki/Judith_A._Curry

      Ich empfehle erstmal die grundsätzlichen Publikationen, z.B. vom Geologen Prof. Dr. rer. nat. Friedrich-Karl Ewert:
      http://www.eike-klima-energie.eu/wp-content/uploads/2016/12/EW_Langzeit_01.pdf

      Ein einfacher Fakt sollte aber auch schon zu Bedenken geben:
      Der Anteil von CO2 in der globalen Atmosphäre beträgt 0,04%. Davon sind 97% natürlich und nur 3% anthropogen. Die menschliche Hybris (der Klima"hysteriker") benimmt sich aber so, als hätte der Mensch 100% Einfluss und "Schuld" am Klimawandel (vorausgesetzt, dass CO2 überhaupt entscheidend an der Erderwärmung beteiligt ist).

      "während 95% der Wissenschaftler und Forscher, die in diesem Bereich arbeiten, vom menschenverursachten Anteil des Klimawandels ausgehen."

      Ein wahnwitziges Beispiel, wie sich die Mehrheit von Wissenschaftlern irren kann, sind Klimaprognosen:
      https://vera-lengsfeld.de/2019/03/03/klimaprognosen/

      Und hier noch so "irgendein Blogger" vom MIT:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Lindzen

      "Nun leuchtet es vielen Menschen ein, dass sich innerhalb weniger Jahrzehnte die Wetterphänomene drastisch ändern"

      Auf was gründen sich diese "Einleuchtungen"? Mehrheitlich auf medialen Berichten oder persönlichen Beobachtungen? Haben Sie z.B. die letzten Jahrezehnte in Ihrer Region solche drastischen Änderungen beobachtet?

      P.S.
      Auch wenn der menschliche Einfluss auf die globale Klimaentwicklung verschwindend gering ist, ist das kein Freifahrtsschein für Ausbeutung von Rohstoffen (insb. in Entwicklungsländern), Rohstoffkriege und maßlosen (kapitalistischen) Konsum.

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    3. Ein weiterer "Spinner":

      https://www.horstjoachimluedecke.de/klimawandel

      Dort finden sie auch eine Liste mit mind. 1350 (Stand 2014) "klimaskeptischen" Fachartikeln aus anerkannten (!) wissenschaftlichen Zeitschriften:

      http://www.populartechnology.net/2009/10/peer-reviewed-papers-supporting.html#Rebuttals

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    4. "Da muss man schon eine gewaltige verschwörungstheoretische Schlagseite haben,..."


      "Die Hypothese der angeblich bevorstehenden Klimakatastrophe gründet sich darauf, daß das unter menschlichem Einfluß erzeugte CO2 verantwortlich für eine Erwärmung sein soll (Treibhaushypothese). Diese Behauptung läßt sich nicht beweisen und wird von Klimarealisten („Klimaskeptikern”) abgelehnt. Viele Daten sprechen gegen die Hypothese. Nur der gigantische Propagandaaufwand, der zur Verbreitung der Treibhaushypothese betrieben wird (allein Al Gore gibt weitere 300 Millionen Dollar aus unbekannten Quellen dafür aus), und die Einigkeit der gängigen Medien (Fernsehen, Radio, Zeitungen), gestützt von Politik und Wirtschaft (aber nicht – obwohl oft behauptet – von der gesamten Wissenschaft), kann erklären, wieso diese mehr als zweifelhafte Hypothese sich so weit verbreiten konnte und beinahe überall als stichhaltig wahrgenommen wird. Es kann sich zwar kaum um eine globale Verschwörung handeln, da eine Verschwörung mit so vielen Teilnehmern kaum geheim zu halten wäre, aber da fast alle (bis auf die „einfachen Verbraucher”) von der Klimapropaganda profitieren, wird auch keine Verschwörung benötigt. Die Profiteure aus Medien, Politik, Wirtschaft und korrumpierter Wissenschaft („Klimainstitute” usw.) müssen sich nicht verschwören. Jeder einzelne von ihnen hat ein massives Eigeninteresse daran, daß die Treibhaushypothese weiter verbreitet und geglaubt wird.

      Also: Keine Verschwörung, nur Eigeninteressen, Selbstzensur und Massenhysterie."

      Zitat aus: http://www.klimaskeptiker.info/index.php?seite=klimaschutz.php

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  2. Noch ein PS.: Der Vergleich mit dem heliozentrischen Weltbild hinkt insofern, als am Ende des Mittelalters die Verwaltung der "Objektivität" bei den Kirchen gelegen ist - da haben sich die Wissenschaften emanzipiert, und die meisten Vertreter der Religion haben eingesehen, dass sie da nichts mehr zu reden haben. Aber heute versuchen politische Parteien und Strömungen, den Platz der Kirchen und Religionsgemeinschaften einzunehmen, und das erscheint mir bedenklich.

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    1. Hier ein Beispiel, wie die "Klima-Fachwelt" mit seriöser, wissenschaftlicher Arbeit umgeht:

      https://www.youtube.com/watch?v=BTtDgPrMwo8&list=PL5A76EC4B07375003

      Sie wird einfach nicht veröffentlicht, wenn am "Konsens" gerüttelt werden müsste.

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  4. "während 95% der Wissenschaftler und Forscher, die in diesem Bereich arbeiten, vom menschenverursachten Anteil des Klimawandels ausgehen."

    Es sind angeblich sogar 97%. Haben Sie auch geprüft, wie diese Zahl zustande gekommen ist? Durch eine Metastudie, bei der von 12000 Fachartikeln 32,6% (!) von der menschengemachten Klimaerwärmung ausgehen, 66,4% sich darauf nicht festlegen können und 1% vom Gegenteil ausgehen. Die mittleren "unentschiedenen" 66,4% wurden jedoch eliminiert und so wurden aus den 32,6% dann 97%.

    https://www.eike-klima-energie.eu/2019/03/28/studien-der-97-prozent-mythos/

    Allerdings war auch die Vorauswahl der 12000 Publikationen bereits richtungsweisend:

    https://www.eike-klima-energie.eu/2019/03/28/studien-der-97-prozent-mythos/#comment-210226

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