Samstag, 26. April 2014

Kaiserschnitt - die Geburtsmethode der Zukunft?

Kaiserschnitt ist eine riskante Form der Geburt. Es handelt sich dabei um einen schweren operativen Eingriff. Dennoch steigt die Zahl der Kaiserschnitte auf der ganzen Welt. In Österreich und Deutschland hat sie die 30%-Marke erreicht. Das liegt weniger daran, wie vielleicht Illustrierte von Prominenten berichten, dass die Frauen vermehrt selber einen Kaiserschnitt wünschen. Denn nur zwischen 3,7% und 14,7% hätten lieber einen Kaiserschnitt als eine natürliche Geburt. 

Risiken von Kaiserschnittgeburten


Nach der Kaiserschnittgeburt ist die Mutter damit belastet, die Operation zu verarbeiten, was einige Tage in Anspruch nimmt. Zu den möglichen Spätfolgen nach einem Kaiserschnitt zählen wie nach jeder Operation die Risiken von Wucherungen und Verwachsungen, die zu ständigen Unterbauchschmerzen führen können.
Zwar besteht auch nach einem Kaiserschnitt die Möglichkeit, das nächste Kind spontan zu gebären, doch ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Kaiserschnittes höher. Denn zum einen besteht die Gefahr, dass die Narbe während der Presswehen reißt. Auch ist bei einer Folgeschwangerschaft nach Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit etwas größer, dass die Plazenta ganz oder teilweise den Muttermund versperrt (Placenta praevia) oder sich nicht von alleine löst und unter Narkose entfernt werden muss. 


Mögliche Spätfolgen für die Mutter


Als mögliche Spätfolgen nach einem Kaiserschnitt sind wie nach jeder Operation die Risiken von Wucherungen und Verwachsungen gegeben, die zu ständigen Unterbauchschmerzen führen können. Es steigt auch bei einer weiteren Schwangerschaft das Risiko für eine Placenta accreta (krankhaft anhaftende Plazenta), also einer Plazenta, die übermäßig groß geworden und in die Gebärmutterwand hineingewachsen ist. Häufig liegt die Plazenta dann vor dem Muttermund (Placenta praevia). Sie löst sich nach der Geburt schwer oder gar nicht, und erhebliche Blutungen können die Folge sein. 


Mögliche Risiken für das Baby


Gelegentlich wird das Kind beim Kaiserschnitt verletzt. Es kann zu kleinen Schnitten oder Abschürfungen kommen. Studien belegen, dass Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, häufiger Atemprobleme haben. Manchmal haben sie noch Fruchtwasser in der Lunge, was auch damit zusammenhängt, dass Wunschkaiserschnitte oft zu früh vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt werden. 


Mögliche Spätfolgen für das Baby


Eine norwegische Studie hat einen Zusammenhang zwischen dem Allergierisko bei Kindern und dem Kaiserschnitt hergestellt. Demnach haben Kaiserschnitt-Kinder von Müttern mit bekannten Allergien ein siebenfach erhöhtes Risiko, ebenfalls eine Allergie zu haben als Kinder, die vaginal geboren wurden
Zu früh auf die Welt geholte Kinder können sich oft schlechter anpassen, haben häufiger Atemprobleme, Probleme mit dem Blutzuckerspiegel und dem Temperaturhaushalt.

  • Fehlender Geburtsstress: Studienergebnisse lassen die Vermutung zu, dass Kaiserschnittkinder wegen der fehlenden Hormone, die bei einer natürlichen Geburt ausgeschüttet werden, häufiger unter Anpassungsstörungen wie verstärktem Schreien leiden. Mütter, die ihr Kind vaginal geboren hatten, reagieren demnach ausgeprägter auf das Schreien des Kindes.
  • Fehlende Keimbesiedelung: Bei einer vaginalen Geburt wird die Bakterienflora des Geburtskanals auf das Baby übertragen, seine Haut und sein Darm schneller mit wichtigen Bakterien besiedelt. Laut neuesten Studien haben Kaiserschnittkinder wegen der fehlenden Bakterien ein höheres Risiko für Übergewicht und Diabetes.
  • Komplikationen bei Folgeschwangerschaften: Möchte eine Frau nach einem Kaiserschnitt auf natürlichem Weg entbinden, ist das Risiko eines Gebärmutterrisses erhöht.
Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die Kaiserschnittrate unter 15% zu halten, hat der Anteil der Kaiserschnitte in Brasilien beispielsweise schon 70% erreicht. In Österreich ist die Kaiserschnittrate von 1998 bis 2008 von 14,6%, was exakt der WHO-Empfehlung entspricht, auf 28,0% gestiegen. In einigen Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Steiermark und Tirol) wurde bereits die 30%-Marke erreicht.

Indikationen


Prinzipiell unterscheidet man zwischen einer absoluten Indikation, also einer Situation, in der ein Kaiserschnitt unbedingt notwendig ist, und einer relativen Indikation, also einer Situation, in der die vaginale  Geburt ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind darstellt. Nur 10% aller in Österreich durchgeführten Kaiserschnitt-Entbindungen erfolgen aufgrund einer absoluten Indikation, d.h. 9 von 10 Kaiserschnittgeburten müssten nicht stattfinden. Da aber das Spitalspersonal die möglichen Risiken minimieren möchte, wird schneller zur Entbindung mit Kaiserschnitt geraten, ohne dass die Folgen für Mutter und Kind vor allem auf der psychischen Ebene ausreichend berücksichtigt werden.



Alternative Hausgeburt?


Die Zahl der Hausgeburten liegt in Österreich bei 1,5%. Bei Klinikgeburten steht die Technik im Vordergrund, und "eine Geburt, die länger als acht Stunden dauert, gilt ja schon als pathologisch", so eine Hebamme in einem Interview im Standard

Geburtsschmerzen


Weiters sagt sie: "Der Geburtsschmerz wird gesellschaftlich abgelehnt: Bei der Geburt, so glauben viele, braucht es keinen Schmerz mehr. Dabei ist er ein wesentlicher Faktor, um gewisse Hormone auszuschütten und sozusagen alles zu mobilisieren. Diese angebliche Schmerzfreiheit wird von den Ärzten total propagiert. ... Wenn man den Sinn des Geburtsschmerzes verstehen lernt, dann kann man damit auch umgehen. Wer eine Geburt ohne schmerzstillende Mittel erleben kann, hat danach so etwas wie ein Glücksgefühl. Da ist dann eine Kraft vorhanden, die später immer wieder benötigt wird, wenn man ein Kind hat."

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